9 Billionen US-Dollar: Wie Blackrock zum weltgrößten Vermögensverwalter wurde

Florian Rinke10.12.2023

Deutschland-Chef Dirk Schmitz über Blackrocks Rolle beim Klimaschutz, ETFs und Joko Winterscheidt

Blackrock ist der größte private Vermögensverwalter der Welt. Neun Billionen US-Dollar investiert das Unternehmen für seine Kund*innen – auch in Deutschland. Blackrock ist quasi an jedem Dax-Konzern signifikant beteiligt, was auch daran liegt, dass die ETFs der Tochtermarke iShares extrem beliebt bei Anleger*innen sind. Im OMR Podcast spricht Deutschland-Chef Dirk Schmitz über die Strategie von Blackrock, die Rolle von Gründer Larry Fink – und die Frage, was ihn mit Moderator Joko Winterscheidt verbindet.

Es kommt nicht so oft vor, dass die kleine Gemeinde Schwalmtal in den Medien auftaucht. Knapp 20.000 Menschen leben hier am Niederrhein, unweit von Mönchengladbach. Doch wenn Schwalmtal es mal in die überregionalen Medien schafft, dann hat das häufig weniger mit der Stadt als mit den Menschen zu tun. Zum Beispiel mit Jupp Heynckes. Die Fußballtrainer-Legende lebt hier seit Jahren auf einem Bauernhof. Oder mit Joko Winterscheidt, noch so ein Schwalmtaler, dessen Vorname man im Grunde nur als Spitznamen kennt.

Der Moderator ist in Schwalmtal aufgewachsen – und kehrte kürzlich dorthin für ein Interview mit einem anderen Schwalmtaler zurück. Heynckes war es nicht. Sondern Dirk Schmitz. Denn der ist vielleicht nicht der berühmteste Sohn der Stadt, aber mit Sicherheit einer der einflussreichsten. Denn Schmitz ist Deutschland-Chef von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Rund neun Billionen (genau, eine Eins mit zwölf Nullen) US-Dollar investiert das US-Unternehmen für seine Anleger*innen, auch in Deutschland. Blackrock ist an praktisch jedem Dax-Konzern beteiligt.

Blackrock ist "nur" 100 Milliarden US-Dollar wert

Und so traf sich Joko Winterscheidt kürzlich mit Dirk Schmitz in Schwalmtal, um für seine Sendung "The world's most dangerous show" mit ihm über die Bedeutung von Blackrock und den Einfluss der Gesellschaft auf den Umbau der Wirtschaft hin zu erneuerbaren Energien und Co. zu diskutieren. Und nebenbei bemerkte man dann auch abseits der Heimatstadt einige andere Gemeinsamkeiten: "Wir haben dann festgestellt, dass wir beide aus dem selben Ort kommen, auf dem selben Gymnasium waren und auch noch am selben Tag Geburtstag haben", sagt Dirk Schmitz im OMR Podcast.

Die Journalistin Heike Buchter hat Blackrock vor Jahren in einem Buch über das Unternehmen als "heimliche Weltmacht" beschrieben. Angesichts eines Börsenwerts von "nur" rund 100 Milliarden US-Dollar verwundert diese Beschreibung, immerhin werden selbst deutsche Dax-Konzerne teilweise höher bewertet. Und auch Dirk Schmitz relativiert die Rolle von Blackrock im weltweiten Finanzsystem ein Stück weit. Blackrock sei ein Treuhänder, der Kund*innen bei der Anlage ihres Vermögens berate und dafür eine Gebühr bekommt.

Ein Brief an die Vorstandschefs

Und diese Kund*innen, das sind nicht nur große Pensionsfonds, Versicherungen und Co., sondern allein auch viele Millionen Privatanleger. Denn mit iShares gehört auch der weltgrößte ETF-Anbieter zu Blackrock. Deutschland ist dabei einer der weltweit wichtigsten Märkte. Das Team von Schmitz ist angesichts der verwalteten Summen und der Bedeutung von Blackrock dennoch überschaubar – weil man den Vertrieb der Produkte nicht selbst übernimmt, sondern Banken und Neobroker dazwischen geschaltet sind, bei denen die Endkund*innen dann ihre Depots haben, in die sie die Blackrock-Produkte packen. "Wenn wir das direkt betreuen würden, dann hätte ich nicht 200 Mitarbeiter, sondern mindestens 2000", sagt Dirk Schmitz.

Auch Mandate in den Aufsichtsräten der Unternehmen, an denen Blackrock beteiligt ist, übernimmt man in der Regel nicht – was laut Dirk Schmitz aber nicht heißt, dass man sich nicht aktiv einbringt. Eines der wohl mächtigsten Instrumente ist dabei eher informeller Natur: Einmal jährlich schreibt Blackrock-Gründer Larry Fink einen Brief an die Vorstandschefs der Unternehmen, an denen Blackrock beteiligt ist, und teilt darin seine Sicht auf die Welt. Zuletzt im Fokus: Nachhaltigkeit. "Unser Beruf ist es nicht, das Klima zu schützen", sagt Dirk Schmitz: "Er ist jetzt nicht zu zu der neuen Greta geworden, sondern aus einer treuhänderischen Verantwortung für die Gelder unserer Kunden weist er die Unternehmen, in die wir investieren, darauf hin, dass sie sich an diese veränderte Welt anpassen müssen."

Im OMR Podcast verrät Dirk Schmitz außerdem, wie oft Larry Fink nach Deutschland kommt, welche Rolle eine besondere Software von Blackrock inzwischen spielt und wie er selbst sein Geld anlegt.

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Florian Rinke
Autor*In
Florian Rinke

Florian Rinke ist Host des Podcast "OMR Rabbit Hole" und verantwortet in der OMR-Redaktion den "OMR Podcast". Vor seinem Wechsel Anfang 2022 zu OMR berichtete er mehr als sieben Jahre lang für die Rheinische Post über Start-ups und Digitalpolitik und baute die Rubrik „RP-Gründerzeit“ auf. 2020 erschien sein Buch „Silicon Rheinland".

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