Volker Struth: Der Spielerberater, dem die Fußball-Stars (Kroos, Götze & Co.) vertrauen

Spielerberater Volker Struth (r.) und Philipp Westermeyer

Im OMR Podcast spricht Struth über seinen Weg vom Zimmermann zum erfolgreichen Spielerberater

Bevor Volker Struth mit 41 Jahren Spielerberater wird, probiert er viel aus. Ausbildung zum Zimmermann, Umschulung zum Industriekaufmann, Unternehmer, Eventveranstalter. Als Manager-Legende Reiner „Calli“ Calmund ihm nahelegt, es doch mal als Berater von Fußball-Profis zu versuchen, geht er auch diese Idee an. Wenige Jahre später betreut er unter anderem die Transfers von Toni Kroos zu Real Madrid sowie Mario Götze zu Bayern München und gilt heute als einer der profiliertesten Spielerberater überhaupt. Im OMR Podcast erklärt Struth, wie er als Branchen-Fremder so schnell im Fußball-Business aufsteigen konnte, wie es zu Provisionen in Millionenhöhe kommen und welchen Einfluss die Digitalisierungen auf das Berater-Geschäft hat.

„Meine Geschichte ist heute nur noch ganz, ganz schwer zu wiederholen“, erklärt Volker Struth im Gespräch mit Philipp Westermeyer. „Ich habe das Glück gehabt, dass ich zu einer Zeit in dieses Geschäft eingestiegen bin, als da draußen viele 17- und 18-jährige hochtalentierte Jungs ohne Berater rumliefen.“ Einer dieser „Jungs“ war auch Benedikt Höwedes, langjähriger Schalke-Profi und Teil der Weltmeister-Mannschaft von 2014, mit dem Struth zusammengearbeitet hat, seit er 18 Jahre alt war. „Das ist heute ja gar nicht mehr denkbar. Heute werden die Jungs ja schon mit 13 oder 14 angesprochen“, so Struth. „Wir haben ein Mindestalter und das ist 16.“

Im Laufe seiner 14-jährigen Karriere als Spielerberater werden viele weitere Profis und Stars Teil von Struths Portfolio: Toni Kroos, dessen Transfer von Bayern München zu Real Madrid 2014 er betreut, gilt heute als einer der erfolgreichsten Vereinsspieler überhaupt und ist immer noch Mandant von Struth. Mario Götzes Wechsel von Borussia Dortmund zu Bayern München 2013 fädelt er ebenfalls ein; der Siegtorschütze der Weltmeisterschaft 2014 ist nach einem zwischenzeitlichen Wechsel heute wieder bei Volker Struth in Beratung. Außerdem zählen Spieler wie Niklas Süle und Dayot Upamecano sowie Trainer Julian Nagelsmann (alle Bayern München) zum aktuellen Portfolio.

Der Wert von Beratungsleistungen

Insgesamt rund 80 Spieler greifen derzeit auf die Dienste, das Netzwerk und die Beratung von Volker Struth zurück. Eine One-Man-Show ist das natürlich nicht; etwa zwei Dutzend Mitarbeitende zählt seine Agentur Sports360 heute. Das Unternehmen erwirtschafte jährliche Umsätze im zweistelligen Millionenbereich, das könnten dann auch schon mal 20 Millionen Euro sein. „Die Jahre gab es auch“, sagt Struth. „Das ist dann aber auch ein fettes Jahr. So ein Unternehmen kostet allerdings natürlich auch Geld und du hast jedes Jahr mehrere Millionen fixe Kosten.“

Wie viel Spielerberater wie Volker Struth und Agenturen verdienen, bemisst sich am Wert der Spieler im Portfolio. „Wir verdienen in der Regel zehn Prozent vom Jahresgehalt eines Spielers, das zahlt der Verein on top“, erklärt Struth. Alleine Toni Kroos, der mit angeblich 12,6 Millionen Euro Jahresgehalt der Bestverdiener in seinem Portfolio sein dürfte, würde seine Agentur also 1,26 Millionen Euro jährlich mitverdienen. Auch Transferbeteiligungen, sogenannte Signing Fees, gebe es immer wieder.

Unter anderem diese Summen dürften es sein, die dazu geführt haben, dass Spielerberatern seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit ein nicht immer positives Image anhängt. „Ein Spielerberater bekommt Geld dafür, dass er ein Geschäft begleitet, eine Vermittlung durchführt“, sagt Volker Ruth. „Das ist in ganz vielen Branchen auch so. Nur bei uns wird es gerne und häufig diskutiert, weil es Fußball ist und viele Emotionen entstehen.“ Er habe aufgegeben, sich dagegen zu wehren.

Die Folgen der Digitalisierung

Ähnlich wie der Profi-Fußball scheint sich auch das Spielerberater-Geschäft in einem Wandel zu befinden. Zum einen gebe es laut Struth heute deutlich mehr Berater als noch vor wenigen Jahren. „Ein B-Jugendlicher von Bayer Leverkusen oder Schalke 04 spielt Sonntag morgens um 11 Uhr. Von den 200 Zuschauern waren es früher 20, heute sind es 100, die entweder Berater oder Scout sind.“ Außerdem stünden heute so viele Spielerdaten zur Verfügung, wie nie zuvor. „Früher hieß es einfach, der Spieler ist schnell“, sagt Struth. „Heute hast du Daten für die ersten drei sowie zehn Meter und weißt direkt nach dem Spiel, wie viele Kilometer ein Spieler gelaufen ist. Es ist viel informativer geworden.“

Volker Struth in seinem Büro in Köln.

In der aktuellen Folge des OMR Podcasts erklärt Volker Struth außerdem, welche Auswirkungen die anhaltende Corona-Pandemie auf die Bundesliga und viele ihrer Profis haben könnte, dass es in seiner Branche (wie in vielen anderen auch) schwarze Schafe gibt, welcher Fußball-Funktionär ihn besonders beeindruckt hat – und ob er einer Meinung mit Uli Hoeneß ist, der HSV wäre mit gutem Management ein Top-Verein.

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Die Themen des Podcasts mit Spielerberater Volker Struth im Überblick:

  • Vom Zimmermann zum Berater der Fußballstars: So hat Volker Struths berufliche Laufbahn begonnen (06:30)
  • So hat Struth das Münchener Oktoberfest nach Köln gebracht (08:50)
  • Über die Erfindung des Motto-Schals zum Kölner Karneval und Auto-Fahnen zur Fußball Weltmeisterschaft 2006 (11:00)
  • Aus einem Treffen mit dem ehemaligen Fußball-Manager Reiner Calmund wird erst eine Zusammenarbeit, dann gründet Volker Struth Sports Total, eine Agentur für Sportmarketing (14:45)
  • Wie Reiner Calmund Volker Struths Urlaub auf Mallorca mit einem dreitägigen Besuch unterbrochen hat – um ihn zu überreden, Spielerberater zu werden (17:30)
  • 2007 startet Volker Struth als Spielerberater mit diesen Spielern (19:20)
  • So begann die Zusammenarbeit mit dem späteren Weltmeister Benedikt Höwedes (21:10)
  • Wie wird man, ohne vorher direkt im Fußball-Geschäft gearbeitet zu haben, plötzlich zum Spielerberater? Und wie läuft eigentlich der Prozess ab, das Mandat eines Spielers für sich zu gewinnen? (22:00)
  • Wie viel verdienen Spielerberater woran? (27:30)
  • Kann man den durchschnittlichen Wert eines Bundesliga-Profis beziffern? Und weshalb prognostiziert Struth eine höhere Arbeitslosigkeit bei deutschen Fußball-Profis? (30:40)
  • Bei Sports360 betreuten aktuell rund 24 Mitarbeitende etwa 80 Spieler (32:40)
  • So viel Umsatz generiert die Beratungsagentur von Volker Struth (38:00)
  • Deshalb hat Struth ein Übernahmeangebot für die Agentur ausgeschlagen (39:00)
  • So schwierig ist die Internationalisierung als Spielerberater (40:30)
  • Wie schafft es ein Spielerberater wie Mino Railoa, über mehrere Jahre die größten Transfers in Europa zu betreuen? Und wie lassen sich Millionen-Provisionen rechtfertigen? (43:00)
  • In den USA sind Berater teilweise selber Stars, in Deutschland ist das Image teilweise immer noch so lala. Ärgert das Volker Struth? (46:20)
  • Volker Struth lässt sich, wie einige der Spieler aus seinem Portfolio auch, von Carsten Maschmeyer zum Thema Vermögensanlage beraten (49:00)
  • Wie kam Struth auf die Idee, ein Buch über seine Karriere zu veröffentlichen? Und weshalb trägt ein Kapitel den Namen „Marketing-Fuzzis“? (52:30)
  • Welche Rolle spielt Transfermarkt.de für die Spielerberatungs-Branche? (1:00:00)
  • Macht sich Volker Struth um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga? Und was hält er von den Superleague-Plänen der vergangenen Monate? (1:01:30)
  • Welcher Verein oder Fußball-Funktionär hat ihn in seiner Berater-Laufbahn besonderes beeindruckt? (1:06:25)
  • Auf welche KPIs schaut Volker Struth, um junge Spieler einzuschätzen? (1:08:50)
  • Über seine Zeit als externer Berater beim Hamburger Sportverein, sein Verhältnis zu Klaus-Michael Kühne und das Potenzial des HSV (1:10:10)
  • Welche unternehmerischen Ziele verfolgt Volker Struth für die kommenden Jahre? (1:16:00)
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