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Scott Galloway: Warum Amazon in der Krise gleich doppelt gewinnt

Philipp Westermeyer und Scott Galloway (r.) auf der OMR-Bühne

Fällt 2020 Corona-bedingt leider aus: Philipp Westermeyer und Scott Galloway (r.) auf der OMR-Bühne

Von wegen großer Gleichmacher: Der Marketing-Prof fürchtet, Pre-Corona-Probleme im Biz werden bald noch größer

Wir erleben gerade Wochen des „eigentlich hätte“. Denn eigentlich hätte Scott Galloway, Professor für Marketing an der Stern School of Business der New York University, Podcaster und seit neuestem Gründer eines Online-Education-Startups, im Mai auf der Bühne des OMR Festivals in Hamburg stehen sollen. Stattdessen sitzt er nun wie so viele im Homeoffice – das in seinem Fall immerhin in Florida steht. Umso glücklicher sind wir, dass Galloway trotzdem Zeit fand, mit Philipp Westermeyer zu sprechen. Im Neuen OMR Podcast tauschen die beiden sich über die Corona-Lage dies- und jenseits des Atlantiks aus, der Marketing-Experte verrät seine Prognosen, wie sich die Wirtschaft neu ordnen wird, und erklärt, warum sein eigenes Unternehmen zu den Krisengewinnern zählen dürfte.

Vorher aber noch ein „eigentlich hätte“: In diesem Fall bezieht es sich auf Media Impact, die Vermarktungseinheit des Axel-Springer-Verlags. Auch die Kollegen wären beim OMR20 als Partner dabei gewesen. Daraus wird leider nichts, dafür haben wir uns zusammen ein kleines Format ausgedacht, das in der aktuellen Folge des OMR Podcast Premiere feiert: Carsten Schwecke, Geschäftsführer von Media Impact, teilt mit unseren Hörern sein „Markt-Update“.

Wichtigste Erkenntnis nach zwei Wochen Corona laut Schwecke: „Der Konsum nimmt nicht ab, sondern er verschiebt sich gerade, Und wir haben ein massive geändertes Medien-Nutzungsverhalten. Der öffentliche Raum bricht quasi zusammen, gleichzeitig gibt es Reichweitenexplosionen auf den redaktionellen Portalen. Bild.de mit 9,5 Millionen Unique Usern pro Tag welt.de mit 7,1. Das ist schon gigantisch.“ Außerdem erklärt Schwecke, was es mit der Aktion #wirfüreuch auf sich hat. Weitere Insights und Trends aus dem Anzeigengeschäft gibt es im „Markt Update“ von Media Impact ab sofort regelmäßig im OMR Podcast. Wer mehr Infos oder ein Angebot aus erster Hand haben möchte, erreicht Schwenke hier direkt per Mail.

Nun aber zu unserem Gast Scott Galloway. Wie Philipp Westermeyer dürften viele Hörer dieses Podcasts sich jeden Freitag auf dessen pointierte Analysen im Newsletter „No Mercy/No Malice“ freuen und ebenfalls treue Hörer des „Pivot“-Podcasts sein, den Galloway gemeinsam mit Kara Swisher vom Technologieblog Recode produziert.

GAFA: Krise, welche Krise?

Aber nicht nur für Fans und Follower des New Yorker Professors lohnt sich die aktuelle Ausgabe des OMR Podcasts. Gerade in einer Phase, in der wie aktuell sekündliche neue Informationen auf uns einströmen, eine Mutmaßung die nächste ablöst, tut es einmal gut, jemanden vors Mikro zu bekommen, der für seine eigensinnigen und überraschenden Blickwinkel bekannt ist.

Das gilt zum Beispiel für die Sicht auf den großen Einbruch der Börsen, der die Wirtschaftswelt vor einigen Tagen in Schockstarre zu versetzen drohte. Galloway appelliert, gerade was die großen Tech-Firmen angeht, einmal genauer hinzuschauen. Denn während alle vom Crash sprechen, sei der Kurs von Amazon im Grunde nur auf den Stand vom November 2019 zurückgefallen, der von Apple auf den vom September 2019.

Amazon gewinnt das Reputation Game

Anhand dieser beiden Unternehmen macht Galloway im OMR Podcast auch einmal deutlich, wie sich Covid-19 am Ende auch positiv auf Unternehmen auswirken könne. So habe die Krise vor allem Apple zunächst hart erwischt, weil der iPhone-Konzern in hohem Maß von seinen Herstellern in China abhängig sei. Doch weil sich die Situation in China bereits wieder zu beruhigen scheint, könnte der Konzern außer einer Verzögerung bei der Einführung seines neuen Smartphone-Modells weitgehend unbeschadet davon kommen. Denn, so Galloway, die finanziellen Auswirkungen der Pandemie würden in absoluten Zahlen zwar am stärksten die wohlhabendsten Schichten betreffen, in den wenigsten Fällen aber so sehr, dass diese Kunden auf ein neues iPhone verzichten würden.

In viel stärkerem Maße aber profitiere Amazon von der aktuellen Situation. Zum einen ganz unmittelbar wirtschaftlich. Amazon habe anders als viele Konkurrenten stabile Lieferketten, sagt Galloway. Das mache das Unternehmen in diesen Wochen der Selbstquarantäne zum bevorzugten Retailer. Vor allem aber – und das könnte nachhaltig viel wertvoller sein – attestiert Galloway Amazon einen Image-Gewinn. Etwa durch die Auslieferung der Covid-19-Tests im Vereinigten Königreich oder die strategisch kluge Entscheidungen des Managements, die Auslieferung nicht-lebenswichtiger Waren nachrangig zu behandeln.

Mal wieder bad news für alle Print-Publisher

Im Großen blickt Galloway allerdings – oder vielmehr gerade deshalb – mit Sorge auf die Wirtschaftswelt nach Corona. Seine größte Sorge gilt einer weiteren Ausbildung von Oligopolen, die nicht zuletzt die Marketing-Branche betreffen dürfte. „Facebook und Google haben in den USA einen Anteil von etwa zwei Dritteln am gesamten digitalen Anzeigenmarkt. Gut möglich, dass sie mit 70 oder 75 Prozent aus dieser Krise herauskommen“, sagt Galloway.

Zur Erklärung erinnert er an die Auswirkungen der Finanzkrise. Damals habe die Tourismus-Industrie ihre Budgets massiv aus klassischen Kanälen wie Print, TV und Radio abgezogen und ins Digitale verschoben. Und die Marketing-Entscheider hätte in der Folge die Vorzüge von Plattformen schätzen gelernt, die es ihnen erlauben, die Performance ihrer Kampagnen detailliert nachvollziehen und bei Bedarf nachsteuern zu können. Auch nach der wirtschaftlichen Erholung seien darum nur Teile der Anzeigenetats zu den analogen Playern zurückgekehrt. Ähnliches dürfte sich nun für andere Branchen wiederholen, vermutet der Marketing-Professor.

Im OMR Podcast erklärt Galloway allerdings auch, dass bekannte Szenarien nur bedingt auf die aktuelle Situation anwendbar sind. Denn im großen Unterschied zu früheren Krisen oder auch zu Kriegszeiten seien in der Vergangenheit noch nie maßgebliche Teile des öffentlichen Lebens quasi über Nacht zum Erliegen gekommen. Während viele Unternehmen in der Lage seinen, kurzfristige Umsatzeinbrüche von 20, 30 oder 40 Prozent zumindest teilweise zu kompensieren, bringe der Ausfall von 100 Prozent aller Einnahmen fast jedes Unternehmen in eine existenzbedrohende Situation.

Kauft Kreuzfahrt-Aktien

Auf Rettungspakete für die Wirtschaft blickt Galloway mit einer gewissen Ambivalenz. Auf der einen Seite begrüßt der selbsterklärte Demokrat – der bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Kandidatenrennen um die US-Präsidentschaft erst Elisabeth Warren und dann Michael Bloomberg unterstützt hatte, und nun aus pragmatischen Gründen Joe Biden den Wahlsieg wünscht – Maßnahmen, die den Verlust von Arbeitsplätzen vermeiden. Denn die aktuelle Situation sei beispiellos: „Auf dem Höhepunkt der Rezession wurden innerhalb einer Woche etwa 600.000 oder 700.000 Anträge auf Arbeitslosenunterstützung eingereicht. In dieser Woche wurden waren es 3,5 Millionen“, sagt Galloway.

Auf der anderen Seite, sieht er aber auch das Dilemma, das mit jedem staatlichen Eingriff in die Marktwirtschaft einhergeht: „Wenn du ein echter Kapitalist bist“, sagt Galloway, „dann glaubst du, dass ein Unternehmen, das sich auf diese Art von Katastrophe vorbereitet hat, indem es konservativer agiert und Bargeld angesammelt hat, dass dieses Unternehmen es wahrscheinlich nicht nur verdient hat im Geschäft zu bleiben, sondern auch, dass einige seiner Konkurrenten aus dem Geschäft verdrängt werden.“

Ihr wollt wissen, welchen Vorschlag Galloway macht, durch den die Steuerzahler am Ende die Profiteure von Rettungsaktionen für die Wirtschaft sein könnten. Wenn Ihr erfahren möchtet, weshalb es gerade jetzt eine gute Idee sein könnte, Aktien eines Kreuzfahrt-Anbieters zu kaufen, und wenn Ihr Euch fragt, worum Scott Galloway die Deutschen in der aktuellen Krisen-Situation beneidet, dann hört rein in die aktuelle Folge des OMR Podcast mit Philipp Westermeyer.

Unsere Podcast-Partner im Überblick:

An dieser Stelle möchten wir mal wieder auf den hervorragenden Podcast „Digitale Vorreiter“ mit Christoph Burseg unseres Partners Vodafone hinweisen. Denn die aktuelle Folge beschäftigt sich mit einem Thema, das die allermeisten unserer Hörer gerade umtreibt: Es geht um Tools und Techniken, die das Arbeiten im Homeoffice verbessern. Außerdem gibt es brandaktuelle, exklusive Zahlen, wie sich die digitale Heimarbeit auf das Telekommunikationsnetz niederschlägt. Und dazu passend hat Vodafone noch ein aktuelles Angebot für euch: das Homeoffice Paket für Geschäftskunden, das unter anderem Microsoft Office 365-Paket zum sechs Monate kostenlosen Test beinhaltet. Mehr Infos bekommt ihr hier.

Irgendwann ist auch im Homeoffice mal Feierabend. Wie passend, dass unser neuer Partner Disney mit seinem eigenen Streaming-Dienst endlich auch in Deutschland gestartet ist. Disney+ wartet mit dem kompletten Katalog des Entertainment-Giganten auf. Von Star Wars über das Entenhausen-Universum bis zu Marvels Comic-Verfilmungen ist alles dabei. Sieben Tage testen und dann für 6,99 Euro im Monat, kündigen könnt Ihr natürlich jederzeit. Einfach mal Disney+ unter disneyplus.com ausprobieren.

Ein herzliches Willkommen unserem neuen Partner Fiverr, dem globalen Markplatz für digitale Dienstleistungen. Kunden können inzwischen aus 300 Kategorien auswählen, in denen Freelancer ihre Expertise zur Verfügung stellen. Gerade in der aktuellen Situation ein extrem praktischer Weg, sich benötigten Support unkompliziert einzukaufen – oder auch selbst anzubieten. Probiert es am besten selbst einmal aus.

Auch unsere Freunde von der Hamburg Media School haben was Interessantes im Angebot, nämlich kostenlose Online-Sessions zu derzeit drängenden Themen wie Online Marketing oder auch Beratung zum Thema Kurzarbeit. Schaut Euch das mal an unter: hamburgmediaschool.com.

Alle Themen des Podcasts Mit Scott Galloway im Überblick:

  • Über die Corona-Lage in Florida, wo er sich derzeit aufhält, und seiner Heimat New York City (ab 7:27)
  • Warum man in den USA gerade besonders auf die Situation in Deutschlands schaut (8:55)
  • Welche Firmen die Corona-Krise besonders hart erwischt und warum Uber glimpflich davon kommen dürfte (ab 11:00)
  • Wieso die aktuelle Situation ein großes Problem der US-Wirtschaft noch verstärken wird (ab 12:40)
  • Was er von staatlichen Maßnahmen zur Unterstützung strauchelnder Unternehmen hält (ab 13:28)
  • Welche Lehren wir aus der Finanzkrise für die heutige Situation ziehen können (ab 15:07)
  • Wo der große Unterscheid zu bekannten Szenarien wie Rezession oder Depression liegen (ab 17:33)
  • Wieso sich die Marketing-Etats dauerhaft in Richtung Google und Facebook verschieben werden (ab 19:30)
  • Wieso sich ein genauerer Blick auf die Börsenkurse von GAFA lohnt (ab 22:10)
  • Warum das Ansehen von Amazon in der Krise steigt, das von Facebook aber nicht (ab 24:50)
  • Weshalb es ein guter Moment sein könnte, in Kreuzfahrt-Anbieter zu investieren (ab 28:30)
  • Warum er ein Verfechter der Nato ist und Angela Merkel schätzt (ab 30:40)
  • Wieso Donald Trump trotz seines schlechten Krisenmanagements am Ende profitieren könnte (ab 33:45)
  • Wie die Corona-Pandemie helfen könnte, ein Problem des US-Bildungswesens zu lösen (ab 39:15)
  • Welches Ziel er mit einem eigenen Education-Startup Section 4 verfolgt (ab 40:37)
  • Wo sich traditionelle und soziale Medien ähneln und wo in der aktuellen Krise die Unterschiede liegen (45:17)

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