Outfittery-Gründerin Julia Bösch: „Ich finde Unsicherheit geil“

Julia Bösch, Mitgründern und CEO von Outfittery

Julia Bösch über Outfittery in der Corona-Krise, den langen Weg zur Profitabilität und Retouren als Glücksfall

Startup, das klingt nach: Idee haben, Vollgas geben, dann exponentiell wachsen oder schnell scheitern. Doch das Beispiel von Julia Bösch zeigt, dass neben diesem Schwarz-Weiß-Klischee Raum für jede Menge grauen Gründerinnenalltag bleibt. Seit bald zehn Jahren arbeitet sie daran, den Curated-Shopping-Anbieter Outfittery zu einer Größe im Fashion-E-Commerce zu machen.

Das gelang ihr mit einigem Erfolg – das Startup macht mittlerweile 100 Millionen Euro Umsatz, beschäftigt 350 Leute und beliefert eine sechsstellige Zahl Kund:innen mit Päckchen mit Kleidung, die speziell für sie zusammengestellt wurde. Doch neben vielen Höhen musste Bösch auch einige Tiefen wegstecken. Warum sie glaubt, dass die große Zeit für Outfittery gerade erst beginnt, verrät sie in dieser Ausgabe des OMR Podcasts.

Als Bösch nach Berlin kam, war ihr künftiger Arbeitgeber Zalando gerade ein Jahr alt und sie ungefähr Mitarbeiterin Nummer 40. Zwei Jahre darauf hatte der Mode-Retailer bereits über 1.000 Mitarbeitende. Bei Zalando habe sie ihre „Angst vor Geschwindigkeit“ verloren, sagt Bösch im OMR Podcast. Auf die Idee für ihr eigenes Unternehmen sei sie dann während eines Trips nach New York gekommen. Ein Freund habe sich dort einen Personal Shopper gegönnt. Zurück in Berlin entstand der Plan, den Service eines persönlichen Stylisten zu digitalisieren und allen Männern – Frauen bedient Outfittery erst seit wenigen Wochen – zu ermöglichen.

Retouren als wichtige Datenpunkte

Doch selbst die beste Vorauswahl garantiert nicht, dass die Kund:innen alle Artikel behalten. Hohe Retourenquoten sind ein Problem, mit dem sich auch Outfittery auseinandersetzen muss. Für ihr Unternehmen allerdings habe jedes zurückgeschickte Kleidungsstück einen Mehrwert, so Bösch: „Für uns sind Retouren eben nicht nur Retouren, die nerven und kosten. Das sind vor allem Datenpunkte.“ Das Feedback zu den Artikeln, die ihre Kund:innen nicht wollen, sei nämlich signifikanter als Antworten aus Online-Fragebögen zu persönlichen Vorlieben.

Die wichtigste Metrik bei Outfittery sei darum auch nicht die Retourenquote, sondern der Anteil an den Mode-Gesamtausgaben der Kund:innen, so Bösch. Aktuell liege man hier zwischen 30 und 40 Prozent und habe es geschafft, den Anteil kontinuierlich zu steigern.

Erstes profitables Quartal nach zehn Jahren

Auch für Outfittery war der Beginn der Corona-Pandemie ein entscheidender Moment. „Kurzfristig war es auf jeden Fall eine Herausforderung“, so Bösch. Als nach Beginn des ersten Lockdowns niemand mehr ins Büro ging, habe sich das in der Nachfrage niedergeschlagen, erzählt Bösch. Inzwischen allerdings spüre auch Outfittery die Verschiebung des Konsums zu digitalen Anbietern. So blickt sie positiv auf die vergangenen Monate zurück: „Ich finde Unsicherheit geil“, sagt die Unternehmerin, „dann kannst du Dinge neu denken.“

Und auch wirtschaftlich steht Outfittery besser da denn je. Gerade habe das Startup das erste profitable Quartal der Firmengeschichte abgeschlossen. Und: „Das bleibt so“, sagt Bösch. Nun liege ihr Fokus darauf, das Unternehmen profitabel wachsen zu lassen und die Internationalisierung voranzutreiben.

„Die Idee maximal groß machen.“

Und ein möglicher Exit nach fast zehn Jahren? Sicher eine Option, irgendwann. Doch noch brenne sie nach wie vor für die Idee von Outfittery: Menschen dabei zu unterstützen, sich über Mode auszudrücken und darüber Selbstbewusstsein zu entwickeln, sagt Bösch. „Diese Idee möchte ich einfach maximal groß machen.“

Wenn Ihr außerdem erfahren wollt, warum sich Frank Thelen diese Folge des OMR Podcasts ganz genau anhören sollte, wofür Bösch ihrem größten Mitbewerber dankbar ist und wie sich die Bedürfnisse der Kund:innen aus Holland von denen in Schweden unterscheiden, dann hört Euch unbedingt die aktuelle OMR-Podcast-Folge an.

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Alle Themen des OMR Podcasts mit Julia Bösch im Überblick:

  • Wie Bösch zu Zalando kam und eine Reise nach New York sie zu Outfittery inspirierte (ab 4:45)
  • Über ihre ersten Investoren und den Nutzen eines vor Gründung aufgebauten Netzwerks (ab 8:09)
  • Die speziellen Herausforderung eines personalisierten Services (ab 10:20)
  • Wie Algorithmen die Stylisten unterstützen und das Dauerthema Retouren (ab 11:35)
  • Wodurch Outfittery das Problem unverkäuflicher Lagerbestände vermeidet (ab 16:27)
  • Welche Kanäle bei der Neukundengewinnung am wichtigsten sind (ab 17:54)
  • Warum Influencer-Marketing bei Outfittery bislang kaum eine Rolle gespielt hat (ab 20:30)
  • Weshalb Zalandos Konkurrenzprodukt Zalon Outfittery eher geholfen als geschadet hat (ab 23:15)
  • Über den Merger mit dem einstigen Mitbewerber Modomoto (ab 24:13)
  • Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf Outfittery hatte (ab 24:44)
  • Wie viel Geld Outfittery bis heute von Investoren bekommen hat (ab 25:30)
  • Weshalb ihre Mitgründerin das Unternehmen 2018 operativ verlassen hat (ab 26:18)
  • Über Frauen in der Startupszene und ihre Strategie als Gründerin (ab 28:05)
  • Die härtesten Zeiten für sie als Gründerin und ihr Unternehmen (ab 30:42)
  • Wie Bösch ihre Rolle als Unternehmerin sieht und wie sie Social Media nutzt (ab 31:29)
  • In wie vielen Märkten Outfittery aktiv ist und welches die wichtigsten Länder sind (ab 33:29)
  • Welche Produktkategorie bei den Kund:innen besonders gut funktioniert (ab 36:24)
  • Wie Bösch zum Thema Mode und Nachhaltigkeit steht (ab 37:02)
  • Wie teuer Neukund:innen für Outfittery sind und wie lange sie bleiben (ab 40:09)
  • Welche Rolle aktuelle Mode bei den Empfehlungen durch Outfittery spielt (ab 42:48)
  • Wie viele Kund:innen Outfittery aktuell hat (ab 46:48)
  • Über die Optimierung des Einkaufs und Eigenmarkensortimente durch Daten (ab 48:24)
  • Was Bösch mit Outfittery erreichen will und wie sie zu einem Exit steht (ab 49:50)