Thomas Middelhoff im OMR Podcast: Über Hubschrauberflüge und einen geplatzten Amazon-Deal

OMR Podcast Thomas Middelhoff Philipp Westermeyer

Philipp Westermeyer und Thomas Middelhoff (rechts) während der Podcast-Aufnahme im OMR-Studio.

Themen:

Der ehemalige Top-Manager blickt zurück auf seine Karriere, Digitalisierung in den 90er Jahren, Fehlentscheidungen und die Zeit in Haft

Er war jahrelang eine der mächtigsten Medien- und Wirtschaftspersönlichkeiten, umgab sich mit den größten Unternehmern der Welt. Heute sieht das Leben vom ehemaligen Bertelsmann- und Arcandor-Chef Thomas Middelhoff anders aus. Statt Villa im Yachthafen von Saint-Tropez und Jetset-Alltag hält er Vorträge und schreibt am zweiten Buch. Im OMR Podcast erinnert er sich an die Anfangsjahre der Digitalisierung, Begegnungen mit Amazon-Gründer Jeff Bezos, seine Verurteilung – und beschreibt sein heutiges Verhältnis zu den Medien.

„Das müssen Sie sich mal vorstellen: Ich hatte mit Jeff Bezos ein Joint Venture zwischen Amazon und Bertelsmann für Europa fertig verhandelt“, sagt Thomas Middelhoff im Gespräch mit Philipp Westermeyer. Die Mehrheit des Vorstandes vom deutschen Medien-Konzern habe aber dagegen gestimmt. „Weil Bezos in Zukunft auch Möbel und Wein verkaufen wollte. Aus heutiger Sicht eine tragische Fehlentscheidung.“ Damals habe Amazon rund 60 Mitarbeiter gehabt und Jeff Bezos packte noch selber Pakete.

Ein weiterer großer Fehler laut Middelhoff: die Aufgabe der Bertelsmann-Kooperation mit der Musik-Tauschbörse Napster. „Die Musikindustrie war damals nicht in der Lage, einzusehen, warum das vorteilhaft war“, sagt er. „Wenn man sich heute Netflix und Spotify anschaut – das ist Napster. Das hat Bertelsmann Milliarden gekostet.“

Feiern mit den mächtigsten Unternehmern der Welt

Neben beruflichen Erinnerungen gewährt Thomas Middelhoff im Podcast aber auch Einblicke in sein Privatleben. So erzählt er beispielsweise von einer Geburtstagsfeier in New York, bei der unter anderem Medienmogul Rupert Murdoch und der damalige CEO von Time Warner, Richard Parsons, zu Gast waren. „Das war eine nette, kleine Geburtstagsfeier mit Stehempfang, Fingerfood und lockerer Atmosphäre“, so Middelhoff.

Das Verhältnis zu den Medien und sein öffentliches Auftreten beurteilt Middelhoff heute aus zwei Perspektiven: „Ich habe das Teufelsspiel selber begonnen, mit der Presse zu reden und die Presse zu suchen. Das war super in den guten Jahren und wurde zum Folterinstrument in den schlechten Jahren.“ Den Fehler sieht er hier bei sich: „Ich fand das Bild, das die Presse von mir geschaffen hatte, irgendwann schön.“ Er habe damals häufiger PR für sich selber, als für die Unternehmen gemacht – heute beschreibt er seine frühere Persönlichkeit als eitel, arrogant und narzisstisch.

Prozess, Untersuchungshaft und Insolvenz

„Mir Idiot fehlte wohl irgendwann die Öffentlichkeit – und dann habe ich den KarstadtQuelle-Job angenommen“, erklärt Thomas Middelhoff. Von 2005 bis Anfang 2009 ist er Vorstandsvorsitzender des Konzerns, verkündet 2007 die Umfirmierung in die Arcandor AG. Wenige Wochen nach seinem Ausscheiden beantragt das Unternehmen ein Insolvenzverfahren, was Middelhoff bis heute für einen Fehler hält: „Man hätte nur Thomas Cook-Beteiligungen verkaufen müssen, um Arcandor schuldenfrei zu machen.“ Kurz darauf begannen die Ermittlungen gegen Middelhoff wegen Untreue, 2014 wird er zu drei Jahren Haft verurteilt.

Mit dem Leben in Hamburg nach seiner Haftstrafe – ihm zufolge ohne jegliche Vermögenswerte – will er seinen Frieden gefunden haben. „Sie werden überrascht sein: Ich bin mit meiner heutigen Situation, was die Öffentlichkeit betrifft, eigentlich sehr zufrieden.“ Er werde häufig auf der Straße erkannt, bekomme aber durchweg positives und aufmunterndes Feedback. „Ich mache heute viele Dinge, die mich beschäftigen und intellektuell weiterbringen. Und ich möchte die alte Rolle gar nicht wiederhaben.“ Ob ihm ein aktuell laufendes Ermittlungsverfahren – er soll vor der Privatinsolvenz Millionen aus seinem Vermögen beiseite geschafft haben – bald dazwischenkommt, bleibt abzuwarten.

Im OMR Podcast liefert Middelhoff tiefe Einblicke in den Alltag eines Top-Managers, bei dem das Familienleben zeitweise auf der Strecke bleibt. Er schildert seine Sichtweise auf die Digitalisierung, welchen Stand Deutschland und Europa im Vergleich zu den USA sowie China haben und die deutsche Wirtschaftspolitik. Außerdem verrät er einen Punkt, den er bis heute nicht bereut: „Ich zeige für alles Reue, aber nicht für die Hubschrauber-Flüge. Das ist für mich ein Management-Tool.“

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Alle Themen des OMR Podcasts mit Thomas Middelhoff im Überblick:

  • Philipp über seine erste zufällige Begegnung mit Thomas Middelhoff (ab 01:15)
  • So feierte Thomas Middelhoff seinen Geburtstag mit Mediengrößen wie Rupert Murdoch, Richard Parsons, Gerald Levine in New York (ab 03:00)
  • Middelhoff über seine Zeit als Bertelsmann-Chef, eine Klage von Murdoch gegen AOL und AOLs Übernahme von Time Warner (ab 03:50)
  • So hat Bertelsmann 1994 begonnen, AOL Europe aufzubauen – und für die Beteiligung an AOL Inc. acht Milliarden US-Dollar in Cash bekommen (ab 04:30)
  • Middelhoff über seine frühen Versuche, Medieninhalte zu digitalisieren – zum Beispiel durch eine Kooperation mit der Musiktauschbörse Napster im Jahr 2000 (ab 05:20)
  • „Napster aufzugeben war eine der tragischsten Fehlentscheidungen, die Bertelsmann Milliarden gekostet hat.“
    (ab 06:50)
  • Deshalb wollte Middelhoff neben Napster auch einen großen Konzertveranstalter haben und EMI übernehmen (ab 07:30)
  • So beobachtet der Ex-Bertelsmann-Chef die Medienbranche seit seinem Ausstieg (ab 08:05)
  • „Facebook muss aufpassen, wie sich die Brand entwickelt – und dass sie nicht ausbrennt.“ (ab 09:00)
  • Middelhoff rechnet mit Durchbrüchen in der künstlichen Intelligenz, die nicht zwingend von bspw. Google kommen müssen (ab 10:10)
  • So scheiterte ein zwischen Middelhoff und Jeff Bezos eigentlich schon fertig verhandeltes Joint Venture zwischen Amazon und Bertelsmann (ab 10:40)
  • Wie wichtig sind die Gründer für die großen Technologie-Firmen heute? (ab 12:30)
  • So schätzt Thomas Middelhoff die Situation bei Tesla und Elon Musk ein (ab 13:40)
  • Middelhoffs Sichtweise auf die deutsche Digitalszene und frühere Mitarbeiter, die heute führende Positionen bei Google, Apple & Co. inne haben (ab 15:10)
  • Wie hat es Bertelsmann Mitte der 90er geschafft, so viele Talente anzuheuern? (ab 17:00)
  • So wurde aus Middelhoffs früherem Assistenten Oliver Schusser der Chef von Apple Music (ab 18:15)
  • Wie hat sich die Rolle eines CEOs durch die Digitalisierung verändert? (ab 21:15)
  • Wie können DAX-Konzerne die Unternehmens-Kultur modernisieren und digitalisieren? (ab 23:10)
  • „In Konzernen wird zu viel politische Bedenkenträgerei praktiziert.“ (ab 24:00)
  • Können Deutschland und Europa digital mit den USA und China mithalten? (ab 25:00)
  • Macht sich Thomas Middelhoff sorgen um den deutschen Arbeitsmarkt? (ab 26:30)
  • Welche Qualitäten haben ihn aus seiner Sicht am meisten als Top-Manager ausgezeichnet? (ab 27:30)
  • Das Waren Middelhoffs größtes Fehler (ab 28:45)
  • In der Zeit nach Bertelsmann war Thomas Middelhoff im Investment-Bereich in London aktiv (ab 29:40)
  • Was hat Middelhoff am Job bei KarstadtQuelle gereizt – und wie sahen seine Pläne aus? (ab 30:00)
  • „Das war eine Insolvenz, die völlig unnötig war. Man hätte nur Thomas Cook-Anteile verkaufen müssen, um schuldenfrei zu sein.“ (ab 32:00)
  • Über Middelhoffs Berufsleben nach Arcandor und das gemeinsam mit Roland Berger und Florian Lahnstein gegründete Unternehmen „BLM“ – das er nach knapp drei Jahren auf Grund der negativen Presse verlassen musste (ab 33:20)
  • So beschreibt Thomas Middelhoff die Zeit in Untersuchungshaft und die folgende Privatinsolvenz (ab 34:20)
  • Würde Middelhoff rückblickend öffentlich anders auftreten oder sich in Sachen PR anders beraten lassen? (ab 35:10)
  • „Mein Fehler war, dass ich das Bild, das die Presse von mir geschaffen hat, schön fand.“ (ab 37:10)
  • Wie schaut Thomas Middelhoff auf Uli Hoeneß, der nach seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung wieder in seinen alten Job als Präsident von FC Bayern München zurückgekehrt ist? (ab 40:40)
  • Middelhoff über seine neue „Bestimmung“ als Autor, Redner und in Zukunft eventuell im Bereich Venture Capital (ab 41:50)
  • So denkt Thomas Middelhoff über den Erfolg seines ersten Buches (ab 44:30)
  • „Ich finde den Politik-Betrieb einigermaßen ernüchternd.“ (ab 45:30)
  • „In der Untersuchungshaft habe ich erst wieder angefangen, richtig zu lesen.“ (ab 47:50)
  • Middelhoff über sein Leben und das Erkannt werden auf der Straße (ab 49:30)
  • „Ich zeige für alles Reue, aber nicht für die Hubschrauber-Flüge. Das ist für mich ein Management-Tool.“ (ab 50:30)
  • Immobilien, Yacht & Co. – Hat Middelhoff sich Sorgen gemacht, dass der Luxus irgendwann nicht mehr finanzierbar sein wird? (ab 53:30)
  • „Ich bin nie Big T. bei Bertelsmann genannt worden.“ (ab 56:00)
  • Philipps Nachwort: Davon lebt Thomas Middelhoff aktuell (ab 59:20)

Wie immer könnt Ihr den aktuellen OMR Podcast bei SoundcloudiTunes (falls die aktuelle Episode noch nicht sichtbar ist, einfach abonnieren) oder per RSS-Feed anhören. Auch auf SpotifyStitcher und Deezer findet Ihr uns. Und es gibt jetzt auch einen Alexa Skill! Viel Spaß beim Anhören – und vielen Dank für jede positive Bewertung.

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