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Gründer Jörg Gerbig: Warum er Lieferando nicht als Krisengewinner sieht

Lieferando-Gründer und Takeaway-COO Jörg Gerbig

Lieferando-Gründer und Takeaway-COO Jörg Gerbig

Der Lieferando-Gründer spricht im OMR-Podcast über turbulente Tage, Milliardenbewertungen und gewonnene Pizza-Schlachten

Wer aktuell immer neue Horrormeldungen aus der Wirtschaft liest, wird sich vielleicht fragen, ob es neben vielen Verlierern auch Gewinner geben kann. Von außen betrachtet, müsste das Lieferservice-Portal Lieferando eigentlich von der aktuellen Lage rund um die Corona-Krise profitieren. Im OMR Podcast erzählt Lieferando-Gründer Jörg Gerbig, warum er dieser Einschätzung nicht uneingeschränkt zustimmen würde, aber auch, wie sich das Business abseits von Corona entwickelt hat.

Lieferando ist heute die unumstrittene Nummer 1 der Lieferdienst-Plattformen in Deutschland. Das Mutterunternehmen Takeaway.com soll nach einer geplanten Übernahme des Konkurrenten JustEat bald zehn Milliarden Euro wert sein. Trotzdem sagt Lieferando-Gründer Jörg Gerbig, der mittlerweile COO von Takeaway ist, im OMR Podcast über den hiesigen Markt: „Deutschland hat noch ein riesiges Wachstumspotenzial.“

Die Corona-Krise ist schwer zu durchsteuern

Um das wirklich zu heben, sei es jetzt aber wichtig, die aktuell eher undurchsichtige Corona-Krise zu überstehen. „Der Konsument ist verunsichert. Routinen und Gewohnheiten sind nicht mehr so da“, sagt Gerbig zu Philipp Westermeyer. „Wir haben kurzfristig viele Restaurants verloren, weil sie erstmal geschlossen haben, aber allein in Deutschland auch kurzfristig 2.500 Restaurants neu gewonnen.“ Langfristig hoffe er darauf, durch die neuen Anbieter auf der Plattform positiv aus der Krise hervorgehen zu können. Insgesamt werde die schnell von Lieferando eingeführte kontaktlose Lieferung sehr gut angenommen. Damit die funktioniert, müssen die Kunden direkt digital bezahlen. „Der Prozentsatz der Leute, die online zahlen, ist sprunghaft angestiegen“, sagt Gerbig.

Seine Marketing-Aktivitäten habe das Unternehmen den Gegebenheiten angepasst. „Wir machen aber weiter relativ stark Werbung“, so Gerbig. „Wir hatten bei einer Kampagne aber ein Bild dabei, da hat ein Lieferfahrer einen Kunden umarmt. Das mussten wir natürlich erstmal rausnehmen.“ Wenn sich die Situation ändere und etwa auch Essenslieferungen nicht mehr erlaubt sein sollten, könne das Unternehmen seine Marketing-Ausgaben schnell runterfahren. Die Priorität liege darauf, alle Mitarbeiter – darunter über 4.000 fest angestellte Fahrer – weiter zu beschäftigen.

Winner takes it all

Was Lieferando derzeit in Deutschland hilft: Nach Jahren teurer Schlachten mit Konkurrenz-Plattformen wie Pizza.de und Delivery Hero, ist das Unternehmen heute nahezu Monopolist in Sachen Lieferplattformen. Ende 2018 hatte Takeaway.com das Deutschland-Geschäft von Delivery Hero gekauft, Mitte 2019 zog sich dann auch noch der Wettbewerber Deliveroo aus dem deutschen Markt zurück. Dadurch entstehen große Vorteile.

Nicht nur, dass Lieferando keine kostenintensive Marketing-Kämpfe mit den Wettbewerbern austragen muss – auch bei der Provisionshöhe muss sich das Unternehmen nicht mehr nach der Konkurrenz richten (Restaurants müssen pro Bestellung 13 Prozent des Bestellwerts an Lieferando zahlen – wenn die Plattform auch die Logistik übernimmt sind es 30 Prozent). „Du hättest als kleiner Laden aber viel mehr Kosten, wenn du alles selbst aufsetzen müsstest“, sagt Gerbig. „Das durchschnittliche Restaurant hat im letzten Jahr einen Umsatz von 80.000 Euro von uns vermittelt bekommen.“

Netzwerkeffekte, Netzwerkeffekte, Netzwerkeffekte

Lieferando könne nur weiter wachsen, wenn das Unternehmen auf beiden Seiten der Plattform weiter Gas gebe. „Am Ende geht es um Netzwerkeffekte. Du musst früh in Restaurants und in Marketing investieren“, sagt der Gründer. „Generell wissen wir, dass 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Jahr Essen bestellen. In Deutschland haben das bisher nur 13 Prozent über uns gemacht.“ Die zwei Ziele seien deshalb, „Top-of-Mind“ bei potenziellen Kunden zu sein, wenn es um Essensbestellungen geht, und so viele Restaurants und damit so viel Auswahl wie möglich auf der Plattform zu haben.

Dabei setzt Lieferando auf Marketing-Maßnahmen, die sich bewährt hätten: „Außenwerbung und TV hat in der Kombination schon zu Beginn super geholfen“, so Gerbig. Dazu komme Google Adwords, um jene Leute einzufangen, die Lieferando kurz vor der Bestellung doch noch nicht im Kopf haben. Insgesamt helfe heute, dass das Unternehmen so gut wie die komplette Bevölkerung versorgen könne – so gebe es heute kaum noch Streuverluste bei den Marketing-Maßnahmen.

Warum Lieferando auch nach der Verschiebung als Hauptsponsor der Fußball-EM dabei bleibt, wie sich das Unternehmen auf einen möglichen Wettbewerb mit Amazon vorbereitet und warum Gerbig trotz Minusgeschäft an der eigenen Logistik festhalten will, hört Ihr im aktuellen OMR Podcast.

Unsere Podcast-Partner im Überblick:

An dieser Stelle möchten wir mal wieder auf den hervorragenden Podcast „Digitale Vorreiter“ mit Christoph Burseg unseres Partners Vodafone hinweisen. Denn die aktuelle Folge beschäftigt sich mit einem Thema, das die allermeisten unserer Hörer gerade umtreibt: Es geht um Tools und Techniken, die das Arbeiten im Homeoffice erleichtern. Außerdem gibt es brandaktuelle, exklusive Zahlen, wie sich die digitale Heimarbeit auf das Telekommunikationsnetz niederschlägt. Und dazu passend hat Vodafone noch ein aktuelles Angebot für euch: das Homeoffice Paket für Geschäftskunden, das unter anderem Microsoft Office 365-Paket zum sechs Monate kostenlosen Test beinhaltet. Mehr Infos bekommt ihr hier.

Genauso passend zur aktuellen Zeit ist das Angebot von Fiverr, dem globalen Markplatz für digitale Dienstleistungen. Kunden können inzwischen aus 300 Kategorien auswählen, in denen Freelancer ihre Expertise zur Verfügung stellen. Gerade in der aktuellen Situation ein extrem praktischer Weg, sich benötigten Support unkompliziert einzukaufen – oder auch selbst anzubieten. Probiert es am besten selbst einmal aus.

Wir fragen uns ja immer: Welche Plattform ist das nächste große Ding? Aktuell sieht es ganz so aus, als würde ein alter Bekannter richtig durchstarten. Linkedin wird immer sichtbarer und verzeichnet allein in Deutschland bereits 14 Millionen Nutzer – 650 Millionen sind es weltweit. Ihr könnt Euch auf der Plattform inspirieren lassen, Unterstützung für Euer Business erhalten oder einfach neue Leute kennenlernen. Durch die enormen Reichweiten entstehen gleichzeitig B2B-Influencer, vielleicht könnt auch Ihr also neue Zielgruppen erreichen. Meldet Euch einfach mal an, probiert Euch aus, zeigt Eure Inhalte!

Zum Ende ein Hinweis auf ein OMR-Produkt, das Ihr derzeit perfekt nutzen könnt: die OMR Academy. Gemeinsam mit unserem Partner Headstart Studios bieten wir zehnwöchige digitale Weiterbildungskurse an. Derzeit könnt Ihr Euch hier für den Kurs rund um Grundlagen für Facebook und Instagram anmelden. Der startet am 8. Mai 2020. Und hier geht’s zur Anmeldung für den Google-Ads-Kurs, der am 21. Mai startet. Pro Woche könnt Ihr mit zwei bis drei Stunden Aufwand rechnen – am Ende kennt Ihr Euch dann ganz genau aus mit dem Marketing auf den jeweiligen Plattformen. Hier bekommt Ihr alle Infos zur OMR Academy.

Alle Themen des Podcasts mit Lieferando-Gründer Jörg Gerbig im Überblick:

  • Warum Lieferando-Gründer Jörg Gerbig gerade jetzt genau der richtige Podcast-Gast ist (ab 2:48)
  • Ist Lieferando einer der wenigen Krisengewinner? (ab 4:47)
  • Wie haben sich denn die Bestellungen in der aktuellen Phase entwickelt? (ab 6:46)
  • Wie sicher sind aktuell die Lieferfahrer? (ab 10:20)
  • Wie funktioniert die Marketing-Strategie von Lieferando aktuell? (ab 12:56)
  • So steht Takeaway, das Unternehmen hinter Lieferando, aktuell wirtschaftlich da (ab 15:05)
  • Welcher Marketing-Kanal war für Lieferando in den Aufbau-Jahren am wichtigsten? (ab 19:53)
  • Wie groß muss eine Stadt sein, damit Lieferando dort seinen Service anbietet? (ab 26:15)
  • Kleines Gerücht: Porno-Seiten bieten lukrative Werbeflächen für Lieferdienste, weil da die Zielgruppe ist (ab 27:18)
  • Podcast-Stammgast Sven Schmidt sagt immer: Bei den Lieferplattformen musst du die Nummer 1 oder Monopolist sein, um richtig erfolgreich zu sein. Stimmt Jörg Gerbig zu? (ab 28:13)
  • Wie würde ein großflächiges Restaurantsterben Lieferando treffen? (ab 30:38)
  • Wie ist das Verhältnis zu den Restaurants? Viele beschweren sich ja über das Provisionsmodell (ab 32:03)
  • Kleine Exkursion: Was sind Ghost- oder Marktplatz-Restaurants? (ab 35:24)
  • Warum ist Jörg Gerbig nach dem Exit bis heute dabei? (ab 41:53)
  • Was sieht die langfristige Vision für Lieferando aus? (ab 43:53)
  • Wie blickt er auf die aktuelle Wettbewerbssituation? Und wie hat Lieferando die Schlacht um den deutschen Markt gewonnen? (46:08)
  • Warum Lieferando Marketing vor allem inhouse macht (ab 51:26)
  • Ist Italien ein großer Markt für das Unternehmen? Sind da schon stärkere Effekte zu sehen? (ab 53:023)
  • Ist Pizza immer noch das Nummer-1-Produkt? (ab 55:07)
  • Lieferando ist einer der Hauptsponsoren der Fußball-EM 2020 – was passiert jetzt mit dem Deal? (ab 56:08)