Schon bald mehr wert als TUI? Wie Neu-Unicorn GetYourGuide den Travel-Markt aufräumen will

GetYourGuide Podcast Johannes Reck OMR

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Co-Founder und CEO Johannes Reck spricht im OMR Podcast über Umsatz, einen Börsengang und Wettbewerber

Da staunten Presse und Wirtschaft nicht schlecht, als die Buchungsplattform für Reiseerlebnisse wie beispielsweise Städtetouren, GetYourGuide, Mitte Mai eine große Finanzierungsrunde verkündete: 484 Millionen US-Dollar sammelte das Unternehmen aus Berlin ein – und knackte so den Schritt zum Unicorn. Angeführt wurde die Runde von Softbanks Vision Fund. Im OMR Podcast deutet Co-Founder und CEO Johannes Reck an, wieviel Umsatz die Firma inzwischen macht, in welchen Bereichen sie jetzt vor allem wachsen will und welche Produkte die größten Erfolgstreiber waren.

„Wir kommentieren das nicht öffentlich. Aber ich würde sagen, das wäre eine eher konservative Schätzung“, beantwortet Johannes Reck gleich zu Beginn des Podcasts die Frage von Philipp Westermeyer, ob GetYourGuide jetzt 1,3 Milliarden Euro wert sei. Konservativ, ergo: Das Unternehmen wurde zum Zeitpunkt des Deals noch höher bewertet und ist damit jetzt definitiv Mitglied des noch eher übersichtlichen Clubs deutscher Unicorns. Auch bei der obligatorischen Frage nach dem Umsatz macht Reck keine konkreten Aussagen. Aber immerhin soviel: Er liege aktuell bei deutlich über 100 Millionen Euro, GetYourGuide sei damit inzwischen eines der größten Reiseunternehmen Europas. Zum Vergleich: Der Touristikkonzern TUI machte 2018 zwar fast 20 Milliarden Euro Umsatz, wird an der Börse aber aktuell „nur noch“ mit rund fünf Milliarden Euro bewertet.

Diese stark unterschiedlichen Verhältnisse zwischen Umsatz und Bewertung begründet Johannes Reck vor allem mit einer Tatsache: „Die Bewertung ist natürlich gemünzt auf das Potenzial. Und TUI hat online nicht wirklich Kanäle gefunden – und hat keinen vernünftigen Marktplatz aufbauen können.“ Genau das ist GetYourGuide gelungen. Nachdem ein erster Versuch als soziales Netzwerk für Tourguides gescheitert war, stellt sich das in Zürich gegründete Unternehmen seit 2009 als Marktplatz für lokale Ausflüge und Reiseerlebnisse aller Art auf. Für beispielsweise eine über die Plattform gebuchte Museumstour erhält das Unternehmen eine Provision. 17 Büros gibt es inzwischen auf der ganzen Welt, von den über 600 Mitarbeitern sind nur noch rund 15 Prozent deutsch. Seit Start wurden über 25 Millionen Tickets verkauft, dieser Wert verdoppele sich aktuell jedes Jahr.

Die wichtigsten Wachstumshebel von GetYourGuide

Welcher Kanal bis heute am wichtigsten für das Wachstum war, kann Johannes Reck gar nicht so richtig beantworten. Klar, Search sei wichtig, Partnerschaften mit Reise-Influencern und Bloggern aber noch relevanter und wirklich sehr erfolgreich. Auch die App liefere mittlerweile sehr viel Traffic und direkte Zugriffe würden aktuell ebenfalls stark zunehmen, da die Brand – auch dank TV-Werbung – immer stärker werde. Der eigentliche Hebel sei aber ein anderer.

„Buchungen in letzter Sekunde waren extrem erfolgreich. Vorher gab es immer noch eine Art Sperrfrist von Museen & Co. von zwei Tagen. Spontane Buchungen waren so natürlich nicht möglich“, so Reck. Auch die Möglichkeit, bis zu 24 Stunden vor Antritt einer Aktivität kostenlos zu stornieren, sei ein Wachstumstreiber gewesen. Um das zu realisieren, habe das Unternehmen zudem extra eine Software für die Anbieter gebaut, damit diese Kontingente sofort wieder freischalten können.

Weshalb es nicht alle Anbieter und Touren auf GetYourGuide buchbar sind

In den Anfangsjahren stand das Unternehmen vor der typischen Herausforderung eines jungen Marktplatzes: gleichzeitig auf Angebots- und Nutzerseite wachsen. Johannes Reck beschreibt die aktuelle Situation etwas anders: „Heute ist es so, dass uns die Leute auf Anbieter-Seite die Bude einrennen und wir selektieren müssen.“ Um die Qualität der Angebote auf der Plattform zu gewährleisten, arbeite GetYourGuide stark mit Metriken wie dem Net Promoter Score und Customer Satisfaction Score. „Alles, was nicht sehr hochqualitativ ist und zu einem guten Preis angeboten wird, findet bei uns keinen Platz und bekommt keine Transaktion“, so Reck.

Das soll sich natürlich auch nicht im weiteren Wachstum ändern. Zahlreiche Kategorien seien noch nicht erschlossen, die enormes Wachstumspotenzial bieten. USA und Asien, aus Nutzersicht die großen Wachstumsmärkte und Umsatztreiber, sollen auch aus Angebotssicht weiter zulegen. Und irgendwann steht dann auch ein Börsengang an: „Ein IPO ist definitiv der wahrscheinlichste Weg für uns. Wir haben kein Interesse mehr, das Unternehmen zu verkaufen“, so Johannes Reck.

Welche Herausforderungen es bis dahin noch zu bewältigen gilt, wie gefährlich aus Recks Sicht Google für das Geschäftsmodell von GetYourGuide ist und wer in seinen Augen der nächste direkte Wettbewerber ist, erfahrt Ihr im OMR Podcast.

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Am Ende noch ein Hinweis in eigener Sache: Auch 2019 gehen wir wieder mit unserem Podcast auf Tour. Gemeinsam mit den Kollegen von Media Impact, dem Vermarktungs-Joint-Venture von Axel Springer und der Funke Mediengruppe, machen wir am 25. Juni Halt in Bielefeld; am 01. Juli geht es dann nach Stuttgart. Um auf dem Laufenden zu bleiben schaut Ihr am besten auf omr.com/roadshow vorbei. Mit dem Code „OMR15“ gibt es außerdem die Tickets günstiger.

Alle Themen des Podcasts mit Johannes Reck von GetYourGuide im Überblick:

  • Nach dem Softbank-Einstieg vor wenigen Wochen: Wieviel ist GetYourGuide jetzt wert? Und was ist eigentlich das Geschäftsmodell? (ab 03:10)
  • So ist die Idee zu GetYourGuide entstanden (ab 04:50)
  • Wie viele Mitarbeiter das Unternehmen inzwischen hat – und was Johannes Reck zur Frage nach dem Umsatz sagt (ab 06:20)
  • Deshalb hat GetYourGuide noch eine vergleichsweise „kleine“ Brand (ab 07:20)
  • Das sind die wichtigsten Märkte für das Unternehmen (ab 08:20)
  • TUI ist mit rund fünf Milliarden Euro Marktkapitalisierung nur noch drei bis vier mal so viel wert wie GetYourGuide. Woran liegt das und was unterscheidet die Geschäftsmodelle? (ab 09:20)
  • Wie intensiv beobachtet Johannes Reck die Aktivitäten von Booking.com und Airbnb? (ab 08:00)
  • Auf welchen Kanälen gewinnt GetYourGuide Kunden? (ab 12:30)
  • So holt das Unternehmen bestehende Kunden mittels CRM zurück auf die Plattform (ab 14:20)
  • Deshalb gibt es bei GetYourGuide im Vergleich zu anderen Plattformen weniger Angebote – und diese Produkte haben besonders gut funktioniert (ab 15:10)
  • Wie hat das Unternehmen am Anfang Anbieter davon überzeugt, Angebote auf der Plattform zu schalten? Wie funktioniert das heute? (ab 18:10)
  • Welchem Anbieter vermittelt GetYourGuide auf der Plattform die meisten Kunden? (ab 22:00)
  • So relevant sind Newsletter, Push-Notifications in der App und Offline-Marketing (ab 26:00)
  • Google bietet immer mehr Geschäftsmodelle auch aus eigener Hand an. Sieht Johannes Reck das als Bedrohung? (ab 28:00)
  • Wie will GetYourGuide weiter wachsen? (ab 32:30)
  • Welche Überschneidungen haben die Geschäftsmodelle von GetYourGuide und CTS Eventim? (ab 33:30)
  • Wie wahrscheinlich ist ein baldiger Börsengang? (ab 34:30)
  • Schwache Konjunktur, teurere und weniger Flüge durch Entwicklungen im Klimaschutz – welche Szenarien könnten GetYourGuide schaden? (ab 36:20)
  • Wie kam es zum Einstieg von Softbank? Und welche Investoren waren vorher schon an Bord? (ab 38:40)
  • Deshalb hat Johannes Reck bisher kaum in Medien stattgefunden (ab 42:20)
  • Wie viel Prozent halten die Gründer am Unternehmen? (ab 43:20)
  • Wer ist der größte Wettbewerber von GetYourGuide? (ab 45:50)
  • Was unterscheidet Tourlane von GetYourGuide und in welche Unternehmen ist Johannes Reck noch investiert? (ab 47:20)

Viel Spaß beim Anhören – und vielen Dank für jede positive Bewertung!

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