„Ewhoring“ mit Fake-Webcam-Chats: Mit dieser krassen Masche zocken Betrüger im Netz notgeile Männer ab

„Black Hats“ verdienen mit dieser Methode angeblich mehrere Tausend US-Dollar täglich

ewhoring
Ein Mann lernt eine angebliche Frau im Netz kennen, beide chatten über Webcam miteinander, es knistert, wird explizit, die Frau zeigt Haut. Am Ende „bedankt“ sich der Mann mit einem Geldgeschenk bei seinem Gegenüber. Doch: Am anderen Ende der Leitung sitzt gar keine Frau — und der Chat fand gar nicht live statt. Vielmehr wurde der Mann zum Opfer von „Ewhoring“. Bei dieser Masche geben sich Betrüger im Netz als Frauen aus, simulieren Webcam-Chats mittels spezieller Software – und verdienen damit teilweise offenbar mehrere Tausend US-Dollar am Tag. Wir haben uns für Euch in die tiefsten Niederungen der Black-Hat-Szene hinabbegeben, um die Methoden der „Ewhores“ zu recherchieren.

Sich als Frau ausgeben, um dem Gegenüber Geld aus der Tasche zu ziehen, ist in der Online-Scammer-Szene schon seit Langem eine weit verbreitete Praxis. Bisher verkauften die Scammer ihrem Gegenüber Nacktbilder, oder sie erschlichen sich das Vertrauen ihrer Opfer, um diese irgendwann so manipulieren zu können, dass sie ihnen freiwillig Geld übermitteln – wegen angeblicher finanzieller Nöte, oder um damit eine Reise zu finanzieren, damit sich beide Parteien treffen können, die aber nie stattfindet. In der Szene hat sich für diese Praxis der Begriff „Ewhoring“ etabliert – sie dürfte so alt sein wie das Internet.

Die Einstiegshürden sind niedrig

In den vergangenen Jahren hat das Phänomen durch den technologischen Fortschritt jedoch offenbar eine neue Qualität und damit auch neue Ausmaße erlangt. Mit gefakten Webcam-Chats lässt sich offenbar noch einfacher und in größerem Umfang Geld erschwindeln. Die dafür notwendigen Mittel sind für jeden einfach und ohne größere Kosten zugänglich: Im Netz lassen sich Erklärvideos auf Youtube, Ebooks zum Kaufen, eigene Unterforen zu „Ewhoring“ und kostenlose ausführliche Erklärungen finden. „Es ist total einfach, in wenig Zeit mit geilen Männern leichtes Geld zu verdienen“, heißt es dort etwa.

Die Scammer benötigen dafür nur wenig: Über eigens dafür gedachte Services lässt sich leicht eine neue, virtuelle Identität erstellen; Profile bei den gängigen sozialen Netzwerken sind ebenfalls schnell angelegt. In Foren und auf Tauschbörsen wird zudem mit so genannten „VCW-Paketen“ („Virtual Cam Whore“) gehandelt, die mehrere vorkonfektionierte Videos beinhalten, die eine Frau beim Videochatten zeigen. Durch spezielle Software ist es möglich, eine Aufnahme als Loop zu spielen, ohne dass es Ruckler oder Hänger gibt. Bestimmte Handlungen (winken, aufstehen) können auf Klick „abgespielt“ werden. So kann der Scammer auf Aufforderungen des Opfers reagieren, um dieses davon zu überzeugen, dass der Chat wirklich live stattfindet. Die Schnipsel dürften entweder von professionellen Cam-Girls, oder noch schlimmer: aus privaten Chats gestohlen sein.

Ein Beispiel für ein "Ewhoring"-Nutzerpanel (Quelle: The Kernel)

Ein Beispiel für ein „Ewhoring“-Nutzerpanel (Quelle: The Kernel)

Ihre Opfer finden die Scammer auf Chat-Seiten. Auch hierfür lassen sich im Netz viele Anleitungen finden. Sehr beliebt ist offenbar die Seite Chat-Avenue.com.

Scammer prahlen in Videos und Foren mit ihren Einnahmen

Einige der Scammer nutzen die Methode, um mittels Affiliate Marketing Provisionen von Porno-Seiten zu kassieren. Im Forum von Blackhatworld.com empfiehlt ein Mitglied einem anderem in diesem Zusammenhang beispielsweise das Affiliate-Netzwerk CrakRevenue – „die stellen Dir sogar Software zur Verfügung“.

Die offenbar am weitesten verbreitete Methode, mit „VCW-Ewhoring“ Geld zu verdienen, ist aber sich von den Opfern direkt Geld schicken lassen – mittels Paypal oder als Amazon Geschenkgutschein per Mail. Scheinbar sind nicht wenige Männer dafür bereit, für einen vermeintlichen Striptease vor der Webcam zu bezahlen: Ein „Ewhoring“-Black-Hat gibt in einem Youtube-Video Einblicke, wie viel Geld er mit der Masche innerhalb weniger Tage verdient hat. Die Beiträge variieren zwischen 10 und 210 US-Dollar; insgesamt sind es mehrere Hundert US-Dollar, die so zusammengekommen sind. Ein anderer Scammer prahlt in einem Forum (Anmeldung notwendig): „Dieser Typ hat mir 4.000 US-Dollar für ein Flugticket und die Miete für ein Apartment direkt neben seinem geschickt – das ist so fantastisch“ – und postet einen Screenshot des Amazon-Gutscheins als Beweis. Im Thread eines anderens Forums spotten die Mitglieder über einen Bericht des Senders ABC, in dem ein Rentner gezeigt wird, der von einem „Ewhorer“ um 300.000 US-Dollar betrogen wurde: „Wer ist das Genie dahinter? Jemand aus diesem Forum?“, fragt der Thread-Ersteller.

Natürlich ist die Vorspiegelung einer falschen Identität um Geld zu erschwindeln illegal – doch die Täter werden offenbar selten gefasst, auch weil „Ewhoring“ länderübergreifend betrieben wird. „Wir können nicht einfach Menschen in anderen Ländern verhaften“, sagt ein FBI-Beamter im erwähnten ABC-Bericht. „Die beste Lösung ist, sich überhaupt nicht erst zum Opfer machen zu lassen – da hilft Aufklärung schon viel.“

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Diskussion auf OMR
  • Olaf Klein

    Solche Leute treiben sich auch auf Facebook um, sie arbeiten dort mit Fakeprofilen von Frauen, zu finden auch auf deutschen FlirtPortalen und Chatrooms. Viele Männer denken nicht mit dem Hirn wenn sie im Netz unterwegs sind, sie machen sich leicht zur Beute. Dazu braucht es nicht mal Fakprofile auf Camchatseiten, ein ChatBot den man in wenigen Minuten zusammen basteln kann und ein Chatroom können schon reichen …

  • lars

    A very interessting underground ebook about ewhoring can be found here: http://www.filedropper.com/thechatroommethod_1

  • gerd

    Dazu passt gut ein anderer befund, dass Bilder in zahlreichen Fakeprofilen immer wieder verwendet werden. Wenn man (Mann) noch so viel Beherrschung hat, sollte er mal den Bildvergleich bzw. die vergleichende Bildsuche verwenden. Wieviele verschiedene Namen und Adressen hat ein Bildprofil?

  • Patrick

    Ganz einfach ist es auch wenn man vorher einen FAKE CHECK macht.
    Lasst das angebliche Camgirl einfach eine Nummer auf einen Zettel schreiben fünf oder sechsstellig. Dann soll se euch ein Bild schicken vom Gesicht und den Zettel in der Hand mit der Nummer drauf.
    Oder wenn sie meint sie zeigt sich kurz vor der Cam dann soll sie euch kurz drei Finger oder vier in Cam halten. Ich lass es immer im Wechsel machen. Erst drei dann vier Finger oder auch mal umgekehrt.
    Und schon hatt man die echten Girls von den falschen entlarvt.
    Da die meisten falschen Girls sich darauf nicht einlassen. Schon beim Wort FAKE CHECK hauen die meisten ab. 🙂

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