Harry Styles und WhatsApp: So geht Community-Management

Gina Kollig17.2.2026

Der Sänger hat es mit einer raffinierten Marketingkampagne geschafft, seine Fans zu begeistern. OMR Education zeigt dir, was du daraus für dein Marketing lernen kannst.

Inhalt
  1. Promo mal anders
  2. WhatsApp als Community-Treiber
  3. First-Party-Daten
Dein Handy vibriert. Du erwartest eine Nachricht von einem Kollegen, stattdessen flüstert dir aber Harry Styles höchstpersönlich eine Zeile seines neuen Songs ins Ohr. Was wie der Traum eines jeden Fans klingt, ist eine präzise gesteuerte Marketing-Aktion und ein Paradebeispiel für modernes Community-Management.
Klassische soziale Medien wie Instagram fühlen sich 2026 oft wie eine Einbahnstraße an. Man scrollt, schaut sich Content an und vergisst. Der britische Musiker Harry Styles bricht dieses Muster, indem er dorthin geht, wo wir am aufmerksamsten sind: in unseren privaten Chats.

Promo mal anders

Statt ganz klassisch Updates zu seiner neuen Veröffentlichung via Social-Media- oder E-Mail-Marketing an seine Fans weiterzugeben, wählte Harry Styles einen ganz besonderen Ansatz. Er startete eine WhatsApp-Marketingkampagne, um sein Comeback einzuleiten. Die Kampagne begann aber nicht mit einer einfachen Einladung oder Aufforderung, auf WhatsApp teilzunehmen, sondern wirkte eher wie eine Schnitzeljagd. 

Gamification

Anfang des Jahres erschienen weltweit in verschiedenen Städten, darunter London, Amsterdam und Berlin, Plakate. Darauf zu sehen war eine Menschenmasse, der Satz „We belong Togetehr“ sowie der Link zu einer Webseite. Das war’s. 
Mithilfe verschiedener Hinweise wurden die Besucher*innen der Webseite auf WhatsApp weitergeleitet und konnten sich dort anmelden, um mit den Harry Styles Headquarters (HSHQ) zu kommunizieren.  
Die rätselhafte Promo faszinierte die Fans. Gemeinsam analysierten sie auf Social-Media-Plattformen wie TikTok die Hinweise, die auf der Seite geteilt wurden, und veröffentlichten ihre Entdeckungen und Theorien auf Reddit und Co. Dabei entstand eine Menge User-generated Content. Die Community übernahm somit das Marketing. 

WhatsApp als Community-Treiber

Über die Webseite gelangten die Nutzer*innen in einen WhatsApp-Chat, im Textfeld war bereits eine Nachricht („We belong together“) vorformuliert. Klickten sie nun auf Senden, bekamen sie vom Harry Styles Headquarter (auch HSHQ) einen Link zugeschickt, unter dem sie ihre Daten angeben konnten, um künftige Updates auf WhatsApp zu erhalten.
Mit dieser Methode nutzte das Marketing-Team von Harry Styles einen psychologischen Hebel, der die Kampagne weniger wie Kommerz, sondern wie echte Kommunikation anfühlen ließ. Wenn „Harry“ (also das HSHQ-Team) Updates verschickt, fühlt sich das für Fans nicht wie Massenwerbung an, sondern wie eine persönliche Nachricht von einem*einer Freund*in. Der Chat von „Harry“ taucht dabei direkt zwischen den privaten Nachrichten von Freund*innen und Familie auf. 
Durch das Versenden von Emojis oder Städtenamen konnten die Fans den Titel von Harry Styles neuem Album und die Städte der Tour herausfinden.
Obwohl die Nachricht also an Millionen von Menschen geht, fühlt sie sich im geschlossenen Ökosystem von WhatsApp trotzdem wie eine 1-zu-1-Kommunikation an. Wenn Harry darin eine Zeile wie „We belong together“ singt, wird der Fan zum Insider, hat Informationen und Inhalte, die sonst nicht auf den offiziellen Social-Media-Kanälen des Stars geteilt werden. Das stärkt das Zugehörigkeitsgefühl und verwandelt das Marketing in ein persönliches Erlebnis. Das Ergebnis hat zudem einen Multiplikatoreffekt: Fans teilen auf Social Media stolz, dass sie gerade eine Nachricht von Harry erhalten haben. Die Community wird wieder einmal Markenbotschafter*innen.

First-Party-Daten

Neben dem emotionalen Bindungseffekt bietet eine solche Kampagne einen weiteren strategischen Vorteil: den Aufbau einer eigenen, unabhängigen Datenbank durch First-Party-Data. Durch die WhatsApp-Anmeldung sichert sich das Team hinter Harry Styles den direkten Zugang zu den Fans. 
Durch die Abfrage von Namen und Wohnort bei der Registrierung wird die anonyme Masse der Nutzer*innen zu einer handfesten Zielgruppe. Das ermöglicht es, später gezielte und personalisierte Angebote auszusteuern, zum Beispiel mit exklusiven Ticket-Vorverkäufen oder lokalen Listening-Partys, die exakt auf den Standort des jeweiligen Fans zugeschnitten sind. 

Fazit

Die Kampagne von Harry Styles macht eines deutlich: Community-Management ist weit mehr als nur Kundenpflege. Höre auf, deine potenziellen Kund*innen bloß als Zielgruppe zu sehen. Fange stattdessen an, sie als exklusiven Club zu betrachten und liefere ihnen einen Grund, jedes Mal aufs Neue einzuschalten. Gelingt dir das, entsteht eine tiefe Bindung zu deiner Brand. 
Mehr zum Thema gefällig? Im OMR Report | Community-Management zeigen wir dir, wie du eine starke Community aufbaust. Neben den passenden Tools, die dein Community-Management unterstützen, lernst du außerdem, was du bei der Moderation deiner Social-Media-Kanäle beachten solltest und wie du mit Shitstorms umgehst. 
Gina Kollig
Autor*In
Gina Kollig

Gina ist Redakteurin bei OMR Education und spezialisiert auf Marketing- und Digitalbusiness-Themen. Sie verfasst die OMR Reports und bereitet komplexe Inhalte verständlich und praxisnah auf.

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