Das ist der König der Ein-Buchstaben-Domains – Das skurrile Reich von Martin Steinkamp aus Osnabrück

n.de bis z.de – Im zweiten Teil unseres Artikels zu den deutschen Ein-Buchstaben-Domains taucht ein Name immer wieder auf

Martin Steinkamp bei der Verleihung des Niedersächsischen KulturKontakte-Preises 2013 (Quelle: kulturkontakte.com)

Martin Steinkamp bei der Verleihung des Niedersächsischen KulturKontakte-Preises 2013 (Quelle: kulturkontakte.com)


Letzte Woche haben wir Euch schon Teil eins der Ein-Buchstaben-Domains mit den Seiten a.de bis m.de vorgestellt, heute folgt der zweite und letzte Teil. Auf dem Weg von n.de bis z.de begegnete uns dabei ein Name immer wieder: Martin Steinkamp. Als Geschäftsführer mehrerer Firmen war der Domainer aus Osnabrück bei der Vergabe der kurzen Domains ab 2009 recht umtriebig und erfolgreich. Die von ihm angewendeten Geschäftsmethoden waren aber scheinbar nicht immer zu 100 Prozent seriös. Außerdem mit von der kuriosen URL-Partie: Hundewelpen und Yoghurt-Fans.

n.de

Direkt zum Start der Vergabe von ein- und zweistelligen Domains sicherte sich die OSN Online Service Nürnberg GmbH n.de. Ohne Weiterleitung nutzt der kleine Internet Service Provider aus Süddeutschland seitdem die Adresse als Homepage und wirbt dort mit dem Slogan „Internetkompetenz seit 1994“. Laut SimilarWeb gab es im Februar knapp über 1.000 Visits.

o.de

Die Domain o.de gehört laut Denic-Datenbank der KV GmbH von Martin Steinkamp. Falls Euch der Name bekannt vorkommt: Steinkamp hatten wir im ersten Teil der Ein-Buchstaben-Domains auch schon als Besitzer von g.de und Versender von fragwürdigen Schreiben an tausende Websitebetreiber vorgestellt. Auf o.de (mit dem kuriosen Seitentitel „b“) findet man unter dem Slogan „optimal online ordern“ ein Shop-Interface mit verschiedensten Kategorien, Shopverzeichnissen und Partnerlisten – allerdings allesamt komplett leer, ohne dass Besucher auch nur einen einzigen Artikel bestellen können. Augenscheinlich sollte hier wohl mal ein typischer Arbitrage-Shop im Stile von kaufen.com entstehen, der heute jedoch nicht mehr als eine ungefüllte Schablone ist. Im Impressum von o.de steht übrigens noch die DomainProfi GmbH, bei der Steinkamp bis Ende 2014 ebenfalls Geschäftsführer war.

Screenshot: o.de

Screenshot: o.de

p.de

Alle guten Dinge sind drei: Auch die Domain p.de gehört laut Denic-Datenbank der KV GmbH von Martin Steinkamp. Im Impressum steht allerdings die DomainProfi GmbH mit Lukas Meyerding als Geschäftsführer, deren Firmensitz dieselbe Adresse hat. P.de, „Ihr Preisvergleich“, listet Angebote aus allen möglichen Bereichen auf und verlinkt zu verschiedenen Shops. Eigenen Angaben zufolge sollen aktuell über 37 Millionen Angebote eingebunden sein – nachgezählt haben wir ausnahmsweise nicht. Ob sich das Geschäftsmodell rentiert, ist fraglich. Ausgaben für Google AdWords sind mit den Tools SEOlytics und SimilarWeb nicht erkennbar (dann wären wir wieder beim Arbitrage-Klassiker), laut letzterem hat die Seite durchschnittlich 25.000 Visits pro Monat.

q.de

Q.de, „die Ratgeber-Community“, gehört Daniel Führer aus Wetzlar in Hessen. Ähnlich wie bei gutefrage.net kann die Community Fragen zu allen möglichen Themen stellen und sich gegenseitig beantworten. Als Motivation dient ein Rangsystem, durch das Benutzer für Aktivität mit Punkten belohnt werden und Titel wie Student, Master oder Professor erspielen können. Auf dem Portal, was laut SimilarWeb durchschnittlich 20.000 Visits im Monat haben soll und dem etwa 3.200 Fans bei Facebook folgen, ist eine Anzeige per Google Adsense eingebunden. Weitere Projekte vom Domainer Daniel Führer sind der Reisepreisvergleich holiday.de, das Wetterportal wetterdienst.de und Ios.de (griechische Insel). Auch Domains wie zr.network.de (inaktiver Blog für Zivilrecht), every.de (alternative Suchmaschine) oder map.de gehören ihm.

Screenshot: q.de

Screenshot: q.de

r.de

Die Domain r.de sicherte sich die Rockenstein AG direkt nach der Freigabe. Das Unternehmen für Datenfernübertragung und Datenkommunikation aus Würzburg leitet seitdem auf die Homepage rockenstein.de weiter.

s.de

Die Domain s.de gehört heute dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband, der direkt auf sparkasse.de weiterleitet. Das war allerdings nicht immer so. Bis Mai 2011 war Martin Steinkamp der Besitzer. Ihr erinnert Euch? Dem NDR erzählte er 2013, dass der Verkauf dieser Domain einer der profitabelsten seiner Laufbahn gewesen sei. Eine genaue Summe wollte Steinkamp aber leider nicht nennen.

t.de

Und auch t.de gehört heute einem großen Konzern. Die Domain leitet direkt weiter auf telekom.de. Der Telekommunikations-Riese musste die Adresse ebenfalls nachträglich kaufen – bis Anfang 2013 präsentierte Christiane Teichgräber dort noch Fotos ihres Hundewelpen Pluto.

u.de

U.de gehört der Webmatic Kommunikations GmbH, einem Internet- und Kommunikationsunternehmen aus der Region Halle-Leipzig. Die Domain leitet allerdings nicht weiter zur eigentlichen Homepage webmatic.de, sondern weist auf einige zum Verkauf stehende Subdomains hin.

v.de

Besitzer der Domain v.de ist das Unternehmen SerNet Service Network GmbH, das eine direkte Weiterleitung zu verinice.org eingerichtet hat. Dort wird für die gleichnamige Open-Source-Software aus dem Bereich ISMS (Information Security Management System) geworben.

w.de

Die Domain w.de steht zum Verkauf und beinhaltet aktuell nur ein paar Google-Anzeigen und Affiliate Links. Besitzer ist laut Denic-Datenbank Stefan Wiegard mit der Webcapital GmbH. Wiegard ist außerdem COO bei der Team Internet AG, die unter anderem parkingcrew.com betreiben, eine Plattform zur Monetarisierung „geparkter“ Domains.

x.de

X.de leitet direkt weiter auf dropcatcher.de, einem Dienst der Michau Enterprises Ltd. aus Zypern. Das Unternehmen scannt für Kunden auslaufende Domains und „snappt“, also registriert sie auf Wunsch.

y.de

Gibt man die URL y.de in den Browser ein, wird’s probiotisch: „Alles über Yoghurt – meine private Yoghurt-Seite“. Laut Denic-Datenbank mit Update vom 20.11.2014 gehört die Domain Daniel Strauß von der marketingkompass UG. Er ist gleichzeitig Geschäftsführer der InterNexum GmbH, die den Domain-Hosting- und Service-Provider nicmanager anbietet. Im Impressum steht derzeit allerdings noch die offenbar ehemalige Besitzerin Edith Stein aus Schotten in Hessen. Die Domainerin betreibt ebenfalls die Seite supradomains.com. Ihr dort einsehbares Portfolio umfasst 946 Domains mit einem Gesamtwert von nach eigener Aussage über 14 Millionen Euro. Alleine y.de soll demnach 1,3 Millionen Euro Wert gewesen sein. Ob sie diese Summe tatsächlich beim anscheinend vor Kurzem getätigten Verkauf erhalten hat, ist allerdings fraglich.

Screenshot: y.de

Screenshot: y.de

z.de

Auf der Zielgeraden taucht er noch ein letztes Mal auf: Auch die Domain z.de gehört laut Denic-Datenbank der KV GmbH von Martin Steinkamp. Und wieder findet man hier ein Preisvergleichs-Portal, dieses Mal mit dem Slogan „Shopping von A bis Z“. Der Traffic ist den Daten von SimilarWeb zufolge sehr mau – nur durchschnittlich 1.000 Visits soll die Seite demnach pro Monat erhalten. Ob Steinkamp mit all seinen Portalen ernsthaft versucht hat, ein Geschäftsmodell umzusetzen, oder ob die Shop-Schablonen doch eher den Zweck vom Domain-Parking erfüllen sollten, bleibt offen. Neben dem Handel mit Web-Adressen betreibt Steinkamp übrigens auch Handel mit realen Adressen; so gehört ihm zum Beispiel eine Kinopassage und er bietet „Wohnungen, Läden, Büros, Stellplätze“ an.

Mehr Reden machte er aber definitiv mit der DomainProfi GmbH von sich: Bei der erstmaligen Vergabe der ein- und zweistelligen Domains 2009 konnte sich das Unternehmen gleich eine große Anzahl an Adressen sichern, was in der Branche für Unmut sorgte. So gab es technische Probleme bei der Vergabe, in Foren war die Rede von einem klaren Wettbewerbsvorteil. Die Fälle von hr.de und sr.de gingen sogar bis vor das Oberlandesgericht in Frankfurt. Und das war noch nicht alles: Ein paar Jahre später gab es vermehrt Beschwerden aufgrund von Spam-Post an anscheinend gekaufte Adressen. Auf diese Kritik reagierte Steinkamp gerne mal mit Kommentaren und der Forderung, die „geschäftsschädigenden Artikel wieder vom Netz zu nehmen.“ Auf einer seiner unzähligen Domains bittet er darum, „nicht jedem Blogeintrag zu glauben.“ Dabei kann er doch auch ganz nett sein: 2012 ließ er für die Osnabrücker Musik- und Kunstschule extra eine alte Autowerkstatt sanieren.

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