Er baute Teslas Giga-Factory: So denkt Bauunternehmer Jan-Hendrik Goldbeck
Der Unternehmer über Bürokratie, "Lego-Bauweise" und ein legendäres Telefonat mit Elon Musk.
Jan-Hendrik Goldbeck pendelt zwischen Frankfurt, Mallorca und Ostwestfalen – hier besucht er OMR-Gründer Philipp Westermeyer (links) im Studio in Hamburg. Foto: OMR
Wie baut man eigentlich die Tesla Gigafactory in Rekordzeit oder das größte Logistikzentrum Europas? Jan-Hendrik Goldbeck, Co-CEO des gleichnamigen Familienimperiums, verrät im OMR Podcast, wie sein Bruder und er das Unternehmen von 500 Millionen auf mehr als sechs Milliarden Euro Umsatz katapultiert haben. Er spricht über "Lego-Systeme" für Milliarden-Projekte, den harten Kampf gegen die deutsche Bürokratie und warum er trotz Mega-Bewertung niemals an die Börse gehen will. Erfahre, wie Goldbeck jetzt mit KI die Planung revolutioniert, wie er nebenbei auf Mallorca eines der hippsten Weingüter der Insel hochgezogen hat – und was Elon Musk am Telefon sagte, als er Jan-Hendrik Goldbeck mitten in der Nacht für das Gigafactory-Projekt „zurechtstutzte".
Im OMR Podcast sprach Jan-Hendrik Goldbeck über...
... die Unternehmensphilosophie von Goldbeck: "Bei uns war nie die Intention, dass wir unbedingt größer werden müssen oder ganz viel Rendite machen müssen. Diese Grundsatzidee meines Vaters war immer: Habe ein gutes Geschäftsmodell, sei ein bisschen neugieriger und intelligenter und packe die Themen so an, dass du für den Kunden das Beste daraus machst. Und dann sei ein gutes Unternehmen, habe eine gesunde Unternehmenskultur, sei gut und fair zu deinen Kunden und Nachunternehmern und ein integrativer Bestandteil der Gesellschaft. Wenn du beides zusammenmischst, dann passiert das andere – das Wachstum und die Rendite – quasi als Resultat daraus, als Nebeneffekt."
... Skalierung durch Systembau: "Wir nennen das elementiertes systematisiertes Bauen mit Bauteilen, die wir selber herstellen. Es geht nicht darum, dass du bestimmte Typen von Gebäuden suchst, sondern du hast Rahmenbedingungen im Sinne von Raster und Höhen. Am Ende können wir einen sehr großen Markt abdecken, aber der Kern dahinter – das Tragwerk, aber auch die Details – basiert auf systemischen Lösungen. Du nimmst nicht wieder das weiße Blatt Papier und zeichnest alles neu, sondern du hast einen Baukasten und weißt, wie die Teile zusammengehören, um individuell konfigurierbare Produkte zu erstellen."
... über Learnings vom Tesla-Projekt in Grünheide: "Elon Musk hat in Deutschland einen Weg gewählt, der sehr ungewöhnlich ist: Er hat ein Bauvorhaben über Teilbaugenehmigungen realisiert und Stück für Stück weitergebaut, ohne die finale Baugenehmigung abzuwarten. Er hat an die Macht des Faktischen geglaubt und gesagt: Ich schaffe so viele Arbeitsplätze, da wird sich niemand wagen, diese Milliarden-Investition nachher wieder zurückbauen zu lassen. Wir brauchen in Deutschland ein Bekenntnis zur Geschwindigkeit. Wenn es bei uns fünf- bis zehnmal so lange dauert wie anderswo, werden sich keine Unternehmen mehr ansiedeln. Geschwindigkeit ist wichtig für die Zukunftssicherung und Innovationen."
... über Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil: "Beton respektive Zement macht acht Prozent des globalen CO2-Ausstoßes aus, und wir haben Mittel und Wege, diesen Wert in den 2030er Jahren auf Null zu schrauben oder sogar CO2-negativ zu werden. Die Vision ist, naturpositive Gebäude zu schaffen, die in der Entstehungsphase CO2-neutral sind und in der Nutzungsphase bilanziell mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen. Wichtig ist dabei immer, das Ganze bezahlbar zu machen. Du kannst kein ideologisches Premium verlangen, weil du immer noch im globalen Wettbewerb stehst. Wenn wir es schaffen, Nachhaltigkeit bezahlbar zu machen, tun wir etwas wirklich Gutes."
Den gesamten OMR Podcast mit Jan-Hendrik Goldbeck hörst du hier:
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