Ein krasseres Arbitrage-Modell können wir uns in unserem Leben nicht mehr vorstellen

Amazon-Ebay-Arbitrage

Über die massive Arbitrage-Ökonomie rund um Amazon und Ebay

Online vergleicht doch jeder Preise, oder? Offenbar nicht, wenn man sich das Arbitrage-Modell cleverer Ebay-Verkäufer anschaut. Die kopieren Amazon-Angebote auf ihre Ebay-Seite und verkaufen sie mit Aufschlag weiter. Den Versand übernimmt trotzdem der eigentliche Amazon-Händler. Wie genau das funktioniert und wie eine ganze Ökonomie um den Trick entstanden ist, zeigen wir hier.

Es gibt Millionen Angebote bei Ebay und Amazon, doch einige gleichen sich auf den US-Seiten verblüffend. Da ist zum Beispiel diese Brotbox, die bei Ebay mit der genauen Amazon-Beschreibung gelistet wird – sogar mit der gleichen Schriftart. Nur bei Ebay kostet sie fünf Dollar mehr. Das gleiche gilt für über 11.000 weitere Produkte, die der Ebay-Shop „A Far Away Galaxy“ im Angebot hat. Er ist nur einer von vielen, die Amazon-Ebay-Arbitrage betreiben.

Kauf bei Ebay, Versand durch Amazon

Wenn jetzt ein Ebay-Kunde bei A Far Away Galaxy die Brotbox aus Edelstahl kauft, setzt sich eine Kettenreaktion in Gang: Der Ebay-Verkäufer als Arbitrageur bekommt das Geld vom Kunden und bestellt die bei Amazon fünf US-Dollar günstigere Brotbox. Diese lässt er als Geschenk an seinen Ebay-Käufer verschicken. Wenn der Kunde fragt, warum ein Amazon-Paket bei ihm ankommt, antworten viele Arbitrageure einfach mit dem Argument, Kartons der Umwelt zuliebe wieder zu verwenden. Fünf US-Dollar an sich sind kein großer Betrag, aber bei einer Masse von über 11.000 Produkten, mit denen der Arbitrageur 5 bis 15 Prozent des Gesamtpreises verdient, kann das zu vernünftigen Umsätzen führen – schließlich braucht der Ebay-Verkäufer keine Infrastruktur und zahlt nur die Ebay-Gebühren.

Amazon-Ebay-Arbitrage

Das Amazon-Angebot der Brotbox. Der Rabatt macht das Produkt interessant.

Amazon-Ebay-Arbitrage

Bei Ebay kostet das gleiche Produkt fünf US-Dollar mehr. Die Beschreibung ist direkt von Amazon kopiert.

Am Ende schadet das Konzept wohl nur dem eigentlichen Amazon-Händler. Einer der Betroffenen erzählt bei Entrepreneur.com von seinem Hauptproblem: Rücksendungen und Markenbotschaft. Fred Ruckel verkauft Ripple Rugs, Katzen-Spielzeug-Teppiche für knapp 40 US-Dollar, bei Amazon. Nach seiner Aussage seien die Reklamationen stark gestiegen, seitdem Ebay-Arbitrageure sein Produkt anbieten. Und das habe ihn allein in einem Monat schon 8.000 US-Dollar gekostet.

Löst ein Kunde bei Ebay eine Rücksendung aus, holt sich der Arbitrageur ein Return-Label bei Amazon und schickt das dem Ebay-Kunden. Gleichzeitg verlangt er bis zu 20 Prozent des Artikelwerts als Lagerauffüllungs-Gebühr vom Kunden. Amazon wiederum verlangt von seinem Händler (der das Produkt aus Amazon-Sicht ja verkauft hat) eine Rücksende-Gebühr. Am Ende dürfte der Amazon-Händler Geld verlieren, vor allem, wenn er das verkaufte Produkt nicht nochmal verwenden kann. Der Kunde muss Ebay-Gebühren zahlen und der einzige, der auch an der Rücksendung verdient, ist der Arbitrageur.

Die Amazon-Händler versuchen zurück zu schlagen

Fred Ruckel, der Typ mit den Katzenteppichen, hat Amazon und Ebay bereits auf sein Problem hingewiesen. Offenbar verstößt das Amazon-Ebay-Arbitrage-Modell aber nicht gegen die Richtlinien der Marktplätze. Erste Amazon-Händler versuchen jetzt selbst zurück zu schlagen: Ruckel verkauft seinen Katzenteppich mittlerweile teurer bei Amazon, um Verluste durch Rücksendungen aufzufangen und bietet eine neuere Version günstiger in seinem eigenen Shop und im stationären Handel an.

Ein anderer Betroffener versucht es mit Guerilla-Aktionen. Eric Wildermuth verkauft Kinder-Hüte namens „Snuggleheads“. Wenn er eines seiner Produkte bei Ebay entdeckt, kauft er es dort für etwa 27 US-Dollar. Bevor der Arbtitrageur dann bei Amazon den Hut kaufen kann, erhöht Wildermuth den Preis auf 199 US-Dollar. Dem Arbitrageur bleibt nur die Wahl 172 US-Dollar zu verlieren oder den Kauf rückgängig zu machen, was sich negativ auf seine Ebay-Bewertungen auswirken würde. Laut Wildermuth hätten Arbitrageure oft bei ihm angerufen und gebettelt, die Preiserhöhung wieder rückgängig zu machen. Nach Beleidigungen von seiner Seite habe er die Gespräche immer schnell beendet.

Auf der anderen Seite können Amazon-Händler natürlich auch profitieren. Im Zweifel bietet Ebay einen weiteren Verkaufskanal, den sie nicht einmal betreiben müssen. Dem hält Fred Ruckel entgegen, dass er die Kontrolle darüber haben will, wie seine Produkte dargestellt werden und oft seien die Ebay-Seiten wenig liebevoll gestaltet.

Eine ganze Ökonomie entsteht um den Trick

Die Amazon-Ebay-Arbitrage würde sich nicht lohnen, wenn die Arbitrageure zu viel Zeit in das Kopieren der Amazon-Angebote investieren müssten. Zum Glück für sie gibt es mehrere Tools, die das übernehmen. Eines der bekanntesten ist bereits 2013 entstanden und heißt DS Domination. Die Seite, die nah eigenen Angaben 140.000 Nutzer hat, wirbt damit, eine Plattform zu sein, mit der jeder die Power von Amazon, Ebay und Walmart für sich nutzen kann – und innerhalb von Minuten Geld verdient. DS Domination und Konkurrenten wie Profit Scraper oder Profit Spy bieten eine Software, die Amazon nach den meistverkauften Produkten scannt. Nutzer müssen dann nur den Link in die Software kopieren und ihre gewünschte Marge festlegen und ein Ebay-Post wird erstellt.

Die Programme kosten zwischen 67 und knapp 500 US-Dollar im Monat. Die Unterschiede berechnen sich danach, wie viele Amazon-Angebote der Arbitrageur gleichzeitig auf Preisänderungen beobachten will. DS Domination agiert mit einem Schneeballsystem, bei dem jeder kostenlosen Zutritt zur „Member’s Area“ erhält, der zwei Bekannte einlädt. Neben der Software verkauft der Anbieter Trainings-Sessions für 20 US-Dollar im Monat. Hier sollen die Nutzer noch mehr Tipps und Tricks zum Arbitrage-Modell kennenlernen. Im Endeffekt versprechen diese Anbieter – wie im Video oben zu erkennen – das große Geld ohne viel Aufwand. Aber die Wirklichkeit scheint anders auszusehen. Großer Anbieter wie A Far Away Galaxy dürften ordentliche Umsätze machen, aber selbst der Mann hinter dem Account sagt, dass es mittlerweile sehr hart sei, so Geld zu verdienen und für Neueinsteiger fast unmöglich, Erfolg zu haben.

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Diskussion auf OMR
  • Irrelephant

    Und dann ist der Arbitrageur sicher auch noch Mitglied bei Affiliate Programm von Amazon … geiles Geschäftsmodell.

  • Caroline

    Nicht jeder ist ein Onlinemarketingrockstar. Die Kunden sind heute genau so gewieft, wie die Händler und Internetmarketer. Ich bezweifle, das so ein Ebay Arbritageur auf seine Kosten kommt, auch wenn sich das kinderleicht anhört und er Software einsetzt. Wer die Umsatzvergleiche der Onlinhändler kennt, weiß, dass dieses Modell nicht aufgeht. Auch Amazon setzt ja Sofware ein – Preisdumpingsoftware. Das wissen die Kunden auch. Sollte doch auf Ebay häufiger teuerer Produkte gekauft werden – was ich bezweifel – und ein Händler hat wie oben beschrieben 8000 Euro Schaden durch zu viele Rücksendungen – hatte er bei Amazon ein Konto. Amazon fragt nicht wer was aus welchen Gründen zurück schickt. Ist die Rücksenderate eines Händlers zu hoch – heißt es Tschüß. Und Amazon hat das Recht als einzige Firma auf diesem Erdball – die Händlervertäge aus belibigen Gründen, die nicht benannt werden müssen, fristlos zu kündigen und macht da auch regen gebrauch von. Wenn der Händler seine Ware bei Amazon liegen hat…muss er auch sein Lager auf eigene Kosten räumen, was nicht gelingen wird, wenn er von heute auf morgen seine Existenz verloren hat und kein Geld mehr da ist. Dann hat Amazon die Ware und das Geld. Es gibt in Amerika schon Sammelklagen gegen Amazon, weil das Einbalten der Gelder und Waren seiner Händler wohl so eine riesengroßes Geschäft für Amazon ist, und es ja auch einfach ist, wenn man die Lizenz der gund- und firstlosen Kündigung besitzt. Ist fast wie auf der Bank. Man schaut auf Konto und wenn Geld da ist – verkauft man dem Kunden einen geschlossenen Immobilienfond mit Schrottimmobilien. Amazon schaut auf das Konto der Händlereinnahmen und wie groß das Lager ist und schon, wenn es gefüllt ist, boom schließt man es und alles vom Händler gehört Amazon . Ich habe ganz am Anfang mal bei Ebay und Amazon verkauft. Mittlerweile meide ich sollche Plattformen wie der Teufel das Weihwassern. Ich gehe in die Stadt und spreche mit sehr freundlichen Verkäuferinnen – dann habe ich Freude und das Geld bleibt in der Region bei anständigen Menschen. Das Problem ist doch, das es keine einheitliche seriöse Internetmarketingausbildung gibt und jeder im Prinzip dort verkaufen kann. Weil die Dummen unausgebildetetn sich im Internet wie die Barbaren die Nasen blutig schlagen müssen, gibt es für dieses Fußvolk natürlich auch keine ordentliche Betreung und keine Rechte. Ein trifftiger Grund im seriösen deutschen Einzelhandel einzukaufen.

  • DerNeider

    Jetzt mal im ernst, habt ihr überhaupt eine Ahnung wie eBay funktioniert? von diesen 5$ müsst ihr noch 10% an eBay Gebühren abdrücken und PayPal Gebühren abziehen, da 99% der Kunden bei eBay nur damit bezahlen. Vergleicht mal Amazon & eBay preise in DE, da ist Amazon deutlich teuerer in der Regel. Für die 1-2€ könnt ihr auch gleich wo anders das Glück suchen.

    Es hört sich immer alles so schön und easy an, mometan versucht jeder aus einen Sch…haufen ein Geschäft zu machen. Das ist kein kostendeckendes geschäft wenn ich auch noch bis zu 500$ für das Tool ausgeben soll.

  • David

    Carolin,mit allem nötigen Respekt, aber das ist völliger Nonsens was du da von dir gibst. Der Einzelhandel hat über Jahre durch Arroganz, Borniertheit, schlechtes Personal und unterirdischem Service große Stücke zum Wachstum bei Amazon beigetragen. Als Onlinhändler hat Amazon mittlerweile eine Marktdurchdringung von 80% bei allen Onlineshoppern und läuft Google den Rang ab.

    Die Praktiken die du beschreibst sind mit Sicherheit nicht in dieser Form vorhanden und die USA als Beispiel für  Rechtsprechung anzuführen kann nicht dein Ernst sein. Jeder der heute Online Waren anbietet kommt an Amazon nicht mehr vorbei wenn er erfolgreich sein will. Und wenn man es nicht selbst macht, wird es ein Reseller tun.

    Ein bisschen mehr Sachlichkeit in der Argumentation wäre angebracht.

    PS: Amazon boykottieren wegen Arbeitsbedingungen? Dann darfst du heute auch keine Kleidung, Technik und Lebensmittel der „Großen“ konsumieren; -)

  • Sebastian

    „Ein trifftiger Grund im seriösen deutschen Einzelhandel einzukaufen.“
    -> seriöser Einzelhandel, naja, wenn Du meinst 😉

  • Mario

    MMh, sieht nach Diskussionsstoff aus.

  • Marko Slusarek

    Danke

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