1,7 Mio. Euro Umsatz am Tag – Alexander Sixt verrät, wie erfolgreich die App wirklich ist

OMR Podcast Philipp Westermeyer Alexander Sixt Katharina Fegebank

OMR Podcast Philipp Westermeyer Alexander Sixt Katharina Fegebank

Außerdem im OMR Podcast: Katharina Fegebank, die Spitzenkandidatin der Grünen in Hamburg

Alexander Sixt hat sich zwar recht spät entschieden, ins Familiengeschäft einzusteigen. Dafür scheint er seit 2009 umso motivierter zu sein, die erste echte Generationenübergabe der Firmengeschichte zu meistern. Und das klappt ganz gut: Neben dem Aufbau und anschließendem Verkauf der Carsharing-App Drive Now an BMW fällt auch der Launch der neuen Sixt-App in seine Zeit als verantwortliches Vorstandsmitglied. Im auf der „Hinterland of Things“-Konferenz aufgenommenen Podcast verrät Sixt, wie erfolgreich die Anwendung wirklich ist und weshalb er Uber nicht versteht. Kleines Extra dieser Folge: Philipp Westermeyer spricht mit Katharina Fegebank über die Parallelen von Marketing und Wahlkampf.

Es habe nicht den einen Moment gegeben, als Alexander Sixt genau wusste, dass er in das 1912 gegründete Familienunternehmen Sixt einsteigen möchte. „Es war eher ein fließender Prozess“, sagt Sixt im Gespräch mit Philipp Westermeyer. Mit Stationen bei der Deutschen Bank und Roland Berger lief eigentlich alles auf eine erfolgreiche Berater-Karriere hinaus. „Mein Vater meinte, ich solle einfach mal ein halbes Jahr schauen, wie es mir im Unternehmen gefällt. Und dann hatte ich Glück, in der Zeit die Restrukturierung von Sixt Leasing machen zu können.“ 2015 ging das Tochterunternehmen an die Börse. Was zum Zeitpunkt der Podcast-Aufnahme noch nicht öffentlich war: Sixt möchte sich jetzt offenbar von seinen restlichen 41,9 Prozent trennen und das Leasinggeschäft komplett an die Hyundai Capital Bank Europe verkaufen.

Seit 2015 ist Alexander Sixt im Vorstand verantwortlich für Organisation und Strategie, wo unter anderem auch die Bereiche M&A und „Sixt Tech“ hinzuzählen. Dass das Unternehmen Anfang 2018 seine 50-Prozent-Beteiligung an Drive Now an BMW für über 200 Millionen Euro verkauft, hatte er einige Jahre zuvor vermutlich auch nicht erwartet. „Das Digitalisierungs-Thema ging bei uns erst 2011 mit dem Launch von Drive Now los“, so Sixt gegenüber Westermeyer. „Wir haben damals von allen Seiten richtig Prügel einstecken müssen. Presse, Kapitalmarkt, eigene Mitarbeiter.“

Sixt-App: Von einer Katastrophe zur Cash Cow

Als das Unternehmen im September 2018 dann mit Beta-Tests der eigenen Sixt-App beginnt, scheinen die Zeichen vorerst nicht auf einen (erneuten) Erfolg im Carsharing-Markt zu stehen. „Das war eine einzige Shitshow, ein einziges Desaster“, sagt Alexander Sixt. „Wir haben da 100.000 Euro Umsatz am Tag verloren.“ Heute, knapp eineinhalb Jahre später, hat sich der Wind offenbar komplett gedreht. Rund eine Million Mal wurde die App, an die inzwischen auch Dienste wie Tier Mobility angeschlossen sind, heruntergeladen. 1.500 Partner mit 1,5 Millionen Fahrern sollen die Mobilitätsplattform zum globalen Marktführer machen. Die wirtschaftlichen Kennzahlen beeindrucken noch ein wenig mehr: „Wir machen so knapp 1,7 bis 1,8 Millionen Euro Umsatz mit der App. Am Tag“, so Alexander Sixt.

Etwas über vier Milliarden Euro ist das Unternehmen, auch dank dieser App, aktuell wert. Im Vergleich zu Uber mit knapp 70 Milliarden US-Dollar wirkt der Wert allerdings immer noch recht klein. „Ich finde das Produkt mega und unfassbar faszinierend, was die Jungs gemacht haben“, so Sixt. „Es ist aber schon recht bedenklich, wenn Du nach zehn Jahren immer noch defizitär bist. Ich habe nie verstanden, wie das funktionieren soll.“ Im Gespräch mit Philipp Westermeyer verrät Alexander Sixt außerdem, weshalb Autos in der App teilweise günstiger als Elektro-Scooter sind, was er sich von Amazon abgeguckt hat und welchen gesellschaftlichen Auftrag Carsharing-Modelle erfüllen können.

Katharina Fegebank von den Grünen in Hamburg über Marketing und Wahlkampf

Als kleines Extra – auch weil das Gespräch mit Alexander Sixt verhältnismäßig kurz war – folgt im Anschluss ein Austausch mit Katharina Fegebank, der Spitzenkandidatin der Grünen zur Bürgerschaftswahl in Hamburg. „Das ist eine heiße, ganz intensive Zeit“, sagt sie im Gespräch mit Philipp Westermeyer. „Ich liebe Wahlkampf. Aber manchmal stößt man da schon an die eigene Grenze.“ Welche Kanäle in der Wahlkampf-Phase den stärksten Marketing-Hebel für sie als Kandidatin haben, könne sie gar nicht so konkret festlegen. „So einfach es jetzt klingt: Es ist ein Mix aus Allem. Presse ist immer noch wichtig, genau wie der Klassiker Stände.“ Die Frage, die sie aber besonders beschäftigt, sei, wo man die Zielgruppe im Alter bis 35 erreicht.

Einer der Kanäle für genau diese Altersgruppen ist schon jetzt und dürfte in Zukunft noch stärker Social Media sein. Das weiß auch Katharina Fegebank. „Das spielt auf jeden Fall eine deutlich größere Rolle als vor fünf Jahren.“ Sie selber ist zwar schon länger zum Beispiel auf Twitter vertreten (10,5k Follower), die Partei habe diesen Kanal aber nicht systematisch als großes Instrument genutzt, um Reichweiten zu generieren.

Was Katharina Fegebank viel früher hätte beginnen wollen, wie viel Budget ihrer Partei im Wahlkampf zur Verfügung steht und weshalb bei Google-Suchen nach ihrem Namen „Ferrari“ als Zusatz vorgeschlagen wird, erfahrt Ihr ebenfalls im aktuellen OMR Podcast.

Unsere Podcast-Partner im Überblick:


In den vergangenen Wochen haben wir an dieser Stelle immer mal wieder auf die „Future Connect Tour“ von Vodafone hingewiesen, die kürzlich ihren letzten Stop in Essen hatte. Das nächste Mal, dass Ihr die Kollegen dann im Zusammenhang mit OMR treffen könnt, ist dann auch schon beim OMR Festival am 12. und 13. Mai in der Hamburg Messe. In Halle B7 findet Ihr neben dem großen Vodafone-Stand auch unsere Expo-Bühne namens Red Stage. Zwei Tage volles Programm, nationale und internationale Speaker und abends die Konzerte – Pflichtprogramm!

„Hanf hat eine gute Seite“ – so der Claim von VAAY. Philipp Westermeyer frönt dank der Kollegen ja einer ganz neuen Leidenschaft: Bäder mit Badekugeln auf CBD-Basis. Solche und andere Produkte mit dem Wirkstoff aus der Hanfpflanze (der anders als THC nicht high macht) stellen die Kollegen von VAAY her, zum Beispiel Mundsprays, Sportgel, Kapseln nach dem Essen und und und. Weil wir den Gründer ganz gut kennen und wissen, dass mit Biologen, Forschern & Medizinern da nicht nur Marketing-Experten arbeiten, glauben wir, dass da was recht Großes entstehen könnte. Wenn Ihr auch mal in CBD baden wollt, hier entlang.

Am Ende noch ein Hinweis auf einen unserer allerersten Partner: die Hamburg Media School. Demnächst findet dort nämlich das nächste Content Marketing Camp statt, in dem sich alles um Grundlagen und strategische Planung von Content, dessen Verbreitung, Design Thinking und Erfolgsmessung dreht. Falls Euch das neugierig gemacht habt oder Ihr Euch direkt anmelden wollt – hier entlang.

Alle Themen des Podcasts mit Alexander Sixt und Katharina Fegebank im Überblick:

  • Philipp Westermeyer über das Gespräch mit Alexander Sixt bei der „Hinterland of Things“ in Bielefeld – und den Grund, ihn auch bei OMR20 am 13. Mai auf die Konferenz-Bühne zu holen (ab 01:50)
  • Keine Wahlempfehlung, sondern eine Aufforderung, zur Wahl zu gehen: Deshalb haben wir Katharina Fegebank zum Podcast eingeladen (ab 03:30)
  • Sieht Alexander Sixt die Firma noch als mittelständisches Unternehmen? Und wie ist die Übergabe an die neue Generation der Familie gelungen? (ab 04:55)
  • Wann stand für Alexander Sixt fest, dass er eine leitende Position beim Familienunternehmen einnehmen will? (ab 09:10)
  • Das macht den Verkauf der Drive Now-Anteile von Sixt an BMW Anfang 2018 so besonders (ab 10:30)
  • Deshalb ist Alexander Sixt so stark in den Aufbau und die Usability der Apps involviert (ab 12:15)
  • Als beim Beta-Launch der Sixt-App im September 2018 100.000 Euro pro Tag verloren wurden (ab 13:45)
  • Deshalb gibt es kaum Unterschiede zwischen einer Autovermietung und einem Carsharing-Anbieter (ab 14:30)
  • Rund 1,7 Millionen Euro Umsatz generiert die Sixt-App – pro Tag (ab 16:30)
  • Deshalb gibt Alexander Sixt ganz offen zu, die „Flywheel“-Logik bei Amazon kopiert zu haben (ab 18:55)
  • Weshalb gibt es immer noch so riesige Unterschiede in der Unternehmensbewertung zu Firmen wie Uber? (ab 20:45)
  • Wie kann es passieren, dass es billiger ist, ein Auto statt einem E-Scooter zu leihen? (ab 23:00)
  • So schätzt Alexander Sixt das Thema Elektromobilität ein (ab 25:40)
  • Wahlkampf ist Marketing – So geht Katharina Fegebank mit dieser Ausnahmesituation um (ab 29:00)
  • So viele Menschen helfen der zweiten Bürgermeisterin in Hamburg beim Wahlkampf (ab 31:00)
  • Wie wichtig sind Maßnahmen wie Presse, Gespräche in Fußgängerzonen und Plakate im Vergleich? (ab 33:00)
  • Philipp Westermeyer vermutet, dass Wahlplakate, also Out-of-Home-Werbung, die Wahlentscheidungen heute stärker beeinflussen, als früher (ab 36:55)
  • Wie hoch ist das Wahlkampf-Budget für die Grünen in Hamburg? Und so hängt der Wert mit dem Ergebnis der vergangenen Bürgerschaftswahl zusammen (ab 38:17)
  • Katharina Fegebank in den sozialen Medien: Wie steht sie zu Twitter, Instagram & Co.? Und wie wichtig sind die Plattformen für den Wahlkampf? (ab 40:50)
  • Weshalb schlägt Google bei der Suche nach „Katharina Fegebank“ als erstes „Ferrari“ vor? (ab 44:20)
  • Wie hat Katharina Fegebank den Datenskandal um Cambridge Analytica verfolgt? (ab 46:45)
  • Das sind ihre drei wichtigsten politischen Themen (ab 48:15)
  • So hat es der Vater von Fegebank vor rund zehn Jahren auf der Cover des Zeit Magazins geschafft (ab 53:00)

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