SAP-CEO Christian Klein: vom Schülerprakti zum Chef des DAX-Konzerns

Wie SAP zur Cloud-Company wird, wo Europas IT-Stärken liegen und was Christian Klein mit Satya Nadella neben Businessthemen bespricht

Mit 39 Jahren wurde Christian Klein zum CEO eines der bedeutendsten deutschen Konzerne. Die Aufgabe, die er von seinem Vorgänger übernommen hat, ist riesig: SAP befindet sich mitten in der Transformation zu einem Cloud-basierten Abomodell. Im Gespräch mit Philipp Westermeyer gewährt Klein ausführliche Einblicke in seine Arbeit. Außerdem spricht er über die Herausforderung, als junger CEO in die Verantwortung hineinzuwachsen, einen Weltkonzern zu führen, verrät, dass er sich bei Top-CEOs wie Satya Nadella Leadership-Tipps holt und erklärt, wie sein Verhältnis zu den beiden SAP-Gründern Hasso Plattner und Dietmar Hopp ist. Aber auch die großen Fragen werden angesprochen: Was muss passieren, damit Deutschland als IT-Standort international nicht den Anschluss verliert? In welchen Bereichen kann Europa eine Führungsrolle einnehmen? Und welchen Beitrag will er mit SAP dazu leisten?

„Wie konnte das passieren?“ Diese Frage stellt Philipp Westermeyer seinem Gast im OMR Podcast direkt zum Einstieg. Denn die Story von Christian Klein ist tatsächlich extrem ungewöhnlich. Der heute 41-jährige SAP-Chef stammt aus der Region um den Firmenstammsitz Walldorf. Als Schüler schleppte er im Rahmen einen Berufspraktikums Monitore durchs Lager des IT-Konzerns. Mit Anfang 20 absolvierte er dort ein duales Studium. In der Folge durchlief Klein diverse Abteilungen vom Kundensupport über das Controlling bis zur Entwicklungsabteilung, wurde nach New York in die dortige Marketing-Abteilung geschickt, und rückte auf der Karriereleiter mit jeder Station ein Stückchen höher.

In den USA sammelte Christian Klein später auch Eindrücke, die ihn als Manager „menschlich, aber auch fachlich“ bis heute prägen, erzählt er im OMR Podcast. Der Mutterkonzern entsandte den Deutschen zu Success Factors, dem Anbieter einer Cloud-basierten HR-Lösung, den SAP im Jahr 2011 übernommen hat. Die Zeit sei eine große Herausforderung für ihn gewesen. „Akquiriertes Unternehmen, komplett andere Kultur, anderer Leadership-Stil – ich wusste null Komma null, was da auf mich zukommt“, sagt Klein. Doch der Gang ins Risiko zahlte sich aus. „Für mich war das eine sehr, sehr wichtige Erfahrungen, auch mal zu sehen, okay, wie ist die Sichtweise von außen auf SAP, und wie fühlt man sich, wenn man akquiriert wird.“

Kleins Netzwerk hilft ihm jeden Tag

Er sei niemand, der seine Karriere geplant habe, sagt Klein. Vielmehr hätte er die Chancen ergriffen, die sich ihm boten. Somit dürfte es heute bei SAP nur wenige geben, die ähnlich tief in dem Unternehmen verwurzelt sind. Das Netzwerk, das Christian Klein sich über die nunmehr 20 Jahre im Konzern habe aufbauen können, sei „sehr hilfreich, bis zum heutigen Tag“.

Was im Gespräch mit Philipp Westermeyer deutlich wird: Klein ist einer, der den ihm anvertrauten Aufgaben mit Demut begegnet. „Zu träumen gewagt, dass ich einmal CEO von SAP sein werde, das habe ich am Anfang nicht“, sagt er. Der Sprung an die Spitze kündigte sich dann durch ein Telefonat an. Der SAP-Mitgründer und Vorsitzende des Aufsichtsrats Hasso Plattner habe ihn zu sich nach Kalifornien einbestellt, erzählt Klein. Damals sei er bereits COO und für die Transformation von SAP zuständig gewesen. Nun trug der Gründer ihm den Chef-Posten an, beziehungsweise: „Er hat nicht groß gefragt“, sagt Klein. „Er ist davon ausgegangen, dass man es dann macht.“

Transparenz in Lieferketten bringen

Als aktuell einziger Tech-Konzern von Weltrang aus Deutschland kommt SAP eine Schlüsselrolle bei allen Initiativen zu, die Europa als IT-Standort auf Augenhöhe mit den USA und China bringen könnten. Klein fordert hierbei jedoch eine Fokussierung auf aussichtsreiche Projekte. „Ich weiß nicht, ob ich an eine europäische Suchmaschine glaube“, sagt der SAP-CEO. „Sind wir mal offen und ehrlich: Datenschutz ist wichtig, aber wir nutzen auch alle die Google-Suche und machen uns da nicht viel Gedanken, was mit den Daten passiert.“ Anders gesagt: Viel Geld in den Aufbau einer Suchmaschine zu stecken, die User mit dem Argument Datenschutz nach EU-Standard gewinnen will, gehe an den tatsächlichen Bedürfnissen der Kund:innen vorbei.

Das größte Potenzial für erfolgreiche europäische IT-Bestrebungen sieht Christian Klein im B2B-Umfeld. Als Beispiel nennt er das Automotive-Netzwerk Catena X, an dessen Entwicklung SAP maßgeblich beteiligt ist. Catena X setzt auf der europäischen Cloud Gaia X auf und soll mehr Transparenz in Lieferketten bringen. Der Anstoß dazu sei ein Gespräch mit BMW-CEO Oliver Zipse gewesen, erzählt Klein. Nach und nach hätten die beiden dann weitere CEOs gewinnen können, mitzumachen bei der Plattform, die den durchgängigen Datenaustausch für alle an der automobilen Wertschöpfungskette Beteiligten ermöglichen soll.

Mittlerweile ist Catena X ein eingetragener Verein, auf dessen Mitgliederliste nahezu alle großen deutschen Konzerne stehen. Darunter auch direkte Konkurrenten wie BMW und Daimler. Plötzlich habe jeder gemerkt, so Klein, dass durch das Teilen von Daten – „daran hapert es in Europa“ – eine wirkliche Win-Win-Situationen für die Lieferanten, Automobilhersteller und Logistiker entstehen würde. Mittlerweile gebe es auch viel Interesse aus dem Mittelstand, bei Catena X mitzumachen. Ziel sei, eine globale Plattform zu bauen. „Wir in Europa können mal einen Standard setzen und alle machen mit“, sagt Klein. Vergleichbare Projekte für Branchen wie Chemie und Gesundheit seien denkbar. Klein fordert die Unternehmen auf, mutig zu sein und die Chance zu nutzen, die Gaia X böte. Zugleich betont er das immense Potenzial, auf Basis von Datenaustausch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Christian Kleins Blick auf den Mittelstand

Der von Christian Klein erwähnte Mittelstand spiele auch für die Geschäfte von SAP eine größere Rolle als viele denken, stellt der CEO klar. Der IT-Konzern stehe im Ruf, Geschäftssoftware für Großkunden anzubieten, „aber unser Auftragseingang ist schon 80 Prozent im Mittelstand und unterhalb dem Großkundensegment“, sagt Klein. „Das ist schon ein sehr hohes Volumen.“ Warum das extrem wichtig ist, macht er an einem der heute wichtigsten Kunden deutlich. Die US-Supermarktkette Walmart arbeite seit frühen Tagen mit Software des deutschen Konzerns. Ursprünglich sei dort SAP/R2 eingeführt worden, ein Programm, das Ende der 1970er-Jahre auf den Markt kam.

Die Kundenbeziehung zu Walmart reicht also in eine Zeit zurück, bevor der Einzelhändler mit seinen Hypermärkten zum weltweit aktiven Player wurde. „Unser Produkt ist da ja quasi mitgewachsen“, sagt Klein. Und die Software aus Walldorf habe einen entscheidenden Anteil daran gehabt, Walmart Geschäft zu globalisieren und zu skalieren. Wenn er darum heute einen Fokus auf die Gewinnung von Mittelständlern und Startups als Kund:innen lege, dann immer mit Gedanken, dass hier vielleicht gerade ein kommender Weltkonzern entsteht.

Wenn Ihr außerdem erfahren wollt, bei welchen internationalen Top-CEOs sich Christian Klein Leadership-Tipps holt, welche deutschen Tech-Startups er auf dem Zettel hat und womit ihn die Gründer von Zalando beeindruckt haben, dann hört Euch auf jeden Fall die aktuelle Folge des OMR Podcasts an.

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Warum stehen OMR und die Hamburg Media School sich eigentlich so nahe? Ein Grund: OMR-Chef Philipp Westermeyer hat dort seinen Master gemacht. Darum weiß er, wovon er spricht, wenn er Euch hier immer wieder die Kurse der HMS nahelegt. Das Programm findet Ihr unter hamburgmediaschool.com.


Die Themen des Podcasts mit SAP-CEO Christian Klein:

  • Wie Christian Klein vom Schülerpraktikanten zum CEO von SAP wurde (ab 4:32)
  • Welche Stationen er innerhalb des Unternehmens durchlaufen hat (ab 10:53)
  • Wie sich Strategie und Zusammensetzung des SAP-Vorstands unter Klein verändert haben (ab 13:43)
  • Warum sich Klein mit Microsoft-CEO Satya Nadella nicht nur über Business-Themen austauscht (ab 15:49)
  • Wie sein Verhältnis zur Politik ist und warum die das Business immer komplexer macht (ab 17:55)
  • Welche Hoffnung Klein in die EU-Cloud-Initiative Gaia X setzt und wieso SAP damit ein B2B-Netzwerk baut (ab 19:46)
  • Was passieren muss, damit Europa in Bereichen der IT führend werden kann und woran es hakt (ab 23:14)
  • Weshalb nach SAP in Deutschland bislang keine ähnlich großen IT-Unternehmen entstanden sind (ab 25:17)
  • Warum SAP Celonis nicht gekauft hat und welche Strategie Klein bei Akquisitionen verfolgt (ab 29:49)
  • Welches in den Augen des CEO das wichtigste Produkt von SAP ist (ab 34:27)
  • Wie die Cloud die Abrechnungsmodelle verändert und welche Summen Großkunden bei SAP lassen (ab 36:52)
  • Welche Unternehmen Christian Klein als stärksten Wettbewerber von SAP ansieht (ab 40:46)
  • Wie Klein den Überblick über die ständig wachsende Zahl von Produkten behält (ab 42:49)
  • Welche Vertriebswege für SAP am besten funktionieren (ab 45:33)
  • Wie schwierig es selbst für einen Konzern wie SAP ist, gute Entwickler zu bekommen (ab 49:34)
  • Welche Teile Großkonzerne und Mittelstand unter den Kunden ausmachen (ab 54:16)
  • Welches deutsche Gründerteam Klein beeindruckt hat (ab 56:18)
  • Warum es auch aus internen Gründen wichtig gewesen ist, die SAP-Tochter Qualtrics an die Börse zu bringen (ab 57:36)
  • Welchen Börsenwert SAP haben könnte, wäre der Konzern ein US-Unternehmen (ab 1:02:37)
  • Wie es zu Kleins Aufsichtsratsmandat bei Adidas gekommen ist (ab 1:11:41)
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