So will Gruner + Jahr ins Geschäft mit App-Installs

Applike

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Die Applike-Gründer und der CDO von Gruner + Jahr im neuen OMR Podcast

Gruner + Jahr ist eines der größten Medienunternehmen des Landes und sucht wie Axel Springer oder Funke nach neuen Monetarisierungs-Wegen im Netz. Dabei soll das „Greenhouse“ helfen – hier werden neue Ideen getestet und dann entweder abgesägt oder gepusht. Mit Applike ist ein Projekt aus dem Greenhouse gewachsen, mit dem G+J an die Geld-Töpfe großer App-Publisher will. Im OMR Podcast erzählen die Gründer, wie das funktionieren soll und G+J-CDO Arne Wolter schildert, welche Online-Strategien das Unternehmen darüber hinaus verfolgt.

Gruner will laut Chief Digital Officer Arne Wolter mit etablierten Medienmarken weitere Geschäftsfelder erschließen: „Für uns geht es darum, Reichweite aufzubauen über die großen Marken, um über die Reichweite andere Geschäfte zu machen.“ Er sehe vor allem im E-Commerce-Bereich große Chancen, um mit Brands wie „Schöner Wohnen“ oder auch Chefkoch (Stichwort Online-Supermarkt) die Reichweite besser zu vermarkten. Im E-Commerce sei traditionell das Marketing einer der größten Kostenpunkte. Mit den bekannten Marken starte G+J aber direkt bei der Inspiration und spare sich so weitere Maßnahmen zur Nutzergewinnung. Laut Wolter liegt deshalb derzeit kein Fokus auf einer Paid-Content-Strategie.

Neue Geschäftsmodelle im Greenhouse züchten

Um neben neben etablierten Medienmarken weitere digitale Geschäftsideen zu entwickeln, hat G+J das Greenhouse erdacht. Der Konzern stellt mit jungen Teams und einem jeweiligen Projektleiter eine Hypothese auf, dass ein Geschäftsmodell funktionieren wird. Wenn das Projekt nach wenigen Monaten – versorgt mit 30.000 bis 50.000 Euro Budget – nicht funktioniert, wird es sofort eingestellt. In funktionierende Startups investiert dann die Konzernmutter Gruner + Jahr. Laut Arne Wolter ist zuletzt zum Beispiel ein Online-Publisher für die Millenial-Zielgruppe gescheitert, weil der Konzern nach ersten Tests nicht an die Skalierbarkeit des Projekts geglaubt hat. Besser erging es dem Influencer-Vermarkter Incircles, der über 400 Influencer im Portfolio hat und mittlerweile in den Konzern-Vermarkter EMS integriert wurde. Auch Club of Cooks, ein Multi Channel Network mit dem Fokus auf Food, kommt aus dem Greenhouse.

Eines der spannendsten Projekte nimmt Philipp Westermeyer direkt im OMR Podcast unter die Lupe. Denn neben Arne Wolter sind die beiden Applike-Gründer Jonas Thiemann und Carlo Szelinsky zu Gast. Das Produkt des Startups ist eine Android-App, in der Nutzer App-Vorschläge bekommen. Diese werden von einem Algorithmus aufgrund von Angaben und Verhalten des Nutzers ausgewählt. Jeder, der eine vorgeschlagene App installiert und benutzt, bekommt sogenannte M-Coins, die er sammeln und gegen Geldbeträge tauschen kann. Damit will Applike eine weitere Marketing-Option für App-Publisher werden. „Wir haben uns gefragt, wie wir steigende Mobil-Reichweiten, vor allem im App-Bereich, nutzen könnten. Facebook und Google verdienen viel Geld mit App-Publishern, und da wollen wir mitmischen“, sagt Applike-Gründer Thiemann.

App-Install-Arbitrage funktioniert

Für den Nutzer sind die Vorteile klar: Er bekommt Geld für das Testen von Apps, die er vielleicht sowieso installiert hätte. Für App-Publisher ist die Plattform vor allem spannend, weil sie echte Downloads bekommen und Nutzer zumindest einmal in ihre Apps (es gibt mehr M-Coins für häufige Nutzung von Apps). Um in der Applike-App aufzutauchen, zahlen die Publisher auf CPI-Basis (Cost Per Install). „Der CPI ist derzeit von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland liegt er zwischen 80 Cent und zwei Euro, wobei manche Games-Publisher auch mal 15 Euro pro Install zahlen“, sagt Thiemann. Um im ersten Schritt die Applike-App auf die Geräte der Nutzer zu bringen, schaltet das Unternehmen selbst App-Install-Kampagnen auf den großen Plattformen wie Google, Facebook und Applift – die ja gleichzeitig Wettbewerber sind. Die so gewonnenen Nutzer werden dann an die App-Publisher-Kunden weitergereicht – App-Install-Arbitrage.

„Wir sind jetzt in elf Ländern verfügbar und peilen demnächst einen Start in Südkorea und Japan an“, sagt Thiemann im OMR Podcast. Große Publishing-Kunden von Applike sind Wooga und die deutschen Player Innogames und Goodgames – insgesamt sind es laut Thiemann 30. „Das hört sich zwar nicht nach viel an, aber weltweit gibt es 300 bis 400 Publisher, die Geld verdienen. Zehn Gaming-Publisher machen 50 Prozent des gesamten App-Umsatzes“, sagt der Applike-Gründer. Gutes Geld verdienen die Publisher mit Nutzern, die langfristig die App nutzen – die könne Applike durch die Vergütung von weiteren App-Nutzungen liefern.

Wie viel Nutzer mit der App verdienen können, wie die Gründer auf Philipps Kritik an einem Arbitrage-Modell reagieren und ob sie von großen Publishern abhängig sind, hört Ihr im OMR Podcast.

Am 3. März um 10:45 Uhr stehen die Applike-Gründer übrigens auch auf der Expo Stage des Online Marketing Rockstars Festivals. Sie erzählen dort, wie sie es geschafft haben, ihr Produkt so schnell in zehn neuen Ländern auszurollen.

Großes AdRoll-Takeover

Heute will AdRoll Eure ganze Aufmerksamkeit. Mit 30.000 Kunden ist das Unternehmen eine der führenden Performance-Marketing-Plattformen der Welt und zu unserer Freude auch am 2. und 3. März beim Online Marketing Rockstars Festival am Start. Dort zeigt das Unternehmen seine Retargeting-Technologie, die im Web, auf Facebook, Instagram und Mobilgeräten funktioniert. Ihr solltet am 2. März übrigens unbedingt beim AdRoll-Stand vorbei schauen, denn das Team verlost vor Ort eine Reise nach Dublin für zwei Personen. Noch kein Ticket für die OMR Expo? Dann schreibt an omr17@adroll.com eine Mail mit eurem Lieblingsfakt über Dublin. Für die besten Antworten gibt’s ein Expo-Ticket von AdRoll.

Alle Themen vom OMR Podcast mit Arne Wolter (CDO bei G+J), Jonas Thiemann (Head of Applike) und Carlo Szelinsky (CTO Applike) im Überblick:

  • Was macht Arne Wolter als CDO bei Gruner + Jahr? (ab 2:40)
  • Ligatus als großes Digital-Projekt: Wie entwickelt sich das Unternehmen seit der Übernahme durch G+J? (ab 3:40)
  • Content, Community, Commerce – das sind die Projekte, um die sich Arne Wolter jeden Tag kümmert. Aber was hat es mit dem „Greenhouse“ auf sich? (ab 4:32)
  • Die Content-Strategie im Netz mit Marken wie Stern, Brigitte und Chefkoch. Welche Strategien sind gerade im Fokus (ab 6:30)
  • Die Adblocking-Problematik: Wie will G+J das Problem lösen? (ab 8:37)
  • Reichweiten-Champion Chefkoch ist mobil inzwischen größer als am Desktop. Wie monetarisiert G+J die Koch-Plattform? (ab 10:45)
  • Welche Startups züchtet G+J im Greenhouse an? (ab 15:56)
  • Gruner + Jahr arbeitet mit kleineren Budgets als andere deutsche Medienkonzerne – schaut er auch mal neidisch auf Deals wie den Business-Insider-Kauf durch Axel Springer? (ab 20:49)
  • Ein Greenhouse-Projekt, das anscheinend richtig aufgeblüht ist: Wie ist Applike entstanden? (ab 21:59)
  • Wie funktioniert das Applike-Modell „Payback für die App-Welt“ jetzt genau? (ab 25:46)
  • Kommen die App-Publisher, die ihre Produkte über Applike vermarkten, vor allem aus der Gaming-Branche? (ab 29:23)
  • Hat Applike Probleme damit, dass sie zu sehr von großen Partnern abhängig werden, die bei Misserfolg auch schnell wieder abspringen können? (ab 30:45)
  • Wie steht es um die Konkurrenz im Markt – abgesehen von Facebook, Google und Applift? Wer versucht es mit einem ähnlichen Produkt? (ab 33:10)
  • Was können Nutzer durch das installieren von Apps über Applike verdienen? (ab 35:28)
  • In diesen Ländern ist Applike bereits aktiv (ab 37:15)
  • Wie kann Applike noch stärker in die Vermarktungs-Infrastruktur von G+J eingebettet werden? Und wie geht Applike neue Kunden an? (ab 39:50)
  • Wie ändert sich die Kultur von G+J gerade? Verdient der junge Entwickler bald mehr als ein Chefredakteur? (ab 44:16)
  • Wie lange kann ein Arbitrage-Geschäft wie dieses gut gehen? (ab 49:10)

Wie gewohnt könnt Ihr die neue Folge vom OMR Podcast ab sofort bei Soundcloud, iTunes (falls die aktuelle Episode noch nicht sichtbar ist, einfach abonnieren) oder per RSS-Feed verfügbar. Ihr könnt uns außerdem auf den Plattformen Stitcher und Deezer finden. Viel Spaß beim Anhören – und vielen Dank für jede positive Bewertung.

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Diskussion auf OMR
  • Mario

    Es gibt keine schlechteren Nutzer als Inzentivierte Nutzer.

    Average Cost per active User (einer der die App 3 mal öffnet) liegt bei uns bei 5€. Bei Incent Kanälen teilweise 5x höher oder noch schlimmer!

    Und nein wir waren nicht blöd, sondern haben 100e Anbieter durchgetestet. Incentive Traffic für App Installs ist Müll!

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