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Ovulation im Office: Was der Eisprung mit unserem Arbeitsalltag zu tun hat

Rebecca Feucht19.10.2026

Der Zyklus, oft gleichgesetzt vor allem mit der Menstruation und damit auch schnell negativ gesehen. Aber hat er Vorteile? Wie sieht es mit der Ovulation aus?

Der Zyklus hat mehr als die Tage, die rot im Kalender stehen. Auch die Ovulation beeinflusst, wie wir uns im Job fühlen.
Kalenderausschnitt mit den Tagen Dienstag, 6., bis Donnerstag, 8. Die 7. am Mittwoch ist türkis eingekreist und mit einem roten Blutstropfen markiert. Hintergrund in Orange- und Türkistönen.
Inhalt
  1. Kein Tag wie jeder andere
  2. Zyklusphase 3: die Ovulation
  3. Wird zu viel Rot im Unternehmensalltag gesehen?
  4. Das eigene Gefühl im Unternehmensalltag
  5. Fazit: Mehr als ein guter Tag

Kein Tag wie jeder andere

Morgens aufstehen, wach und ausgeschlafen. Das Outfit sitzt, das Körpergefühl ist spitze. Der erste Plausch am Morgen und trotzdem hat man alle Worte gefunden. Die sozialen Fähigkeiten und die Batterie sind voll geladen – ach, und die Konzentration ist auch on top. Der befriedigende Fokus in den eigenen Aufgaben stellt sich ohne Probleme ein. Manche Tage, ob privat oder im Job, fühlen sich einfach leichter an.
Viele Frauen* berichten, dass sich dieses Gefühl an bestimmte Tage im Zyklus knüpft, kurz nach der Zyklusmitte. Ob das an einem festen Punkt im Zyklus liegt oder einfach an einem guten Tag, lässt sich im Nachhinein selten trennscharf sagen. Genau deshalb lohnt sich ein genauerer, undogmatischer Blick auf diese Phase: die Ovulation.
* Natürlich möchten wir jede*n mit diesem Text ansprechen, der sich angesprochen fühlen möchte. Der Einfachheit halber sprechen wir im folgenden Text jedoch von Frauen.

Step back: Der weibliche Zyklus

Phase 4 – Lutealphase: Progesteron dominiert zunächst, zum Ende der Phase sinken beide Hormone. Die Stresstoleranz nimmt ab, der Blick für Details und Fehler oft zu.
Phase 1 – Menstruation: Östrogen und Progesteron auf dem Tiefpunkt. Körperlich und mental oft die Phase mit dem geringsten Energielevel, aber häufig mit hoher Klarheit für das Wesentliche.
Phase 2 – Follikelphase: Der Östrogenspiegel steigt. Energie, Antrieb und Risikobereitschaft nehmen spürbar zu.

Mehr zu allen vier Phasen und konkreten Praxis-Tools für das arbeiten mit dem Zyklus gibt’s im Guide „Der Zyklus-Faktor: Ein Guide für Frauen in Führungspositionen“ von Laura Bornmann und EGYM Wellpass.

Zyklusphase 3: die Ovulation

Rund um den Eisprung erreicht der Östrogenspiegel seinen Höhepunkt im Zyklus, begleitet von einem leichten Anstieg des Testosterons. Das ist der gut belegte biologische Teil. Viele Frauen beschreiben für diese Tage ein Gefühl von mehr Präsenz, mehr verbaler Leichtigkeit und einer insgesamt "volleren" sozialen Energie.
Doch was davon lässt sich tatsächlich zeigen und was ist Zuschreibung? Zwei Dinge sollten hier klar auseinandergehalten werden:

Veraltete (misogyne) Forschung

Ein Großteil der Zyklusforschung stammt historisch aus der Sexual- und Evolutionspsychologie, die sich über Jahrzehnte vor allem dafür interessierte, wie sich der Eisprung auf Attraktivität, Partnerwahl oder Flirtverhalten auswirkt. Der weibliche Zyklus wurde damit lange primär als biologisches Signal für andere untersucht, kaum als etwas, das die eigene Energie, das Erleben oder den Arbeitsalltag von Frauen prägt. Wissenschaftskritische Stimmen weisen seit Langem darauf hin, wie diese Verengung aufs Sexuelle historisch genutzt wurde, um Frauen auf ihre Fruchtbarkeit zu reduzieren und ihre Rolle im öffentlichen wie beruflichen Raum kleinzureden.

Reale Forschung: Mehr und besser bitte!

Was lässt sich also wirklich belegen? Ob sich Konzentration, Gedächtnis oder Entscheidungsfähigkeit tatsächlich mit dem Zyklus verändern, ist wissenschaftlich nach wie vor offen. Eine große Metaanalyse aus 2025 findet keine robusten Effekte auf die kognitive Leistung, weder bei Aufmerksamkeit und Exekutivfunktionen noch bei Intelligenz oder motorischer Funktion. Die einbezogenen Studien arbeiten dabei überwiegend mit standardisierten Tests unter Laborbedingungen, alltagsnahe Daten aus dem Job fehlen bislang weitgehend. Die Forschenden selbst benennen zudem methodische Schwächen im Feld: kleine Stichproben, uneinheitlich definierte Zyklusphasen und eine oft unzuverlässige Bestimmung über Kalendertage statt über tatsächliche Hormonwerte. Ihr Fazit: Es braucht größere, methodisch sauberere Studien, die Zyklusphasen hormonell statt nur rechnerisch bestimmen. 
Zitatgeber Laura Bornmann

„Ob PMS, Wechseljahre, Endometriose oder emotionale Einschnitte durch unerfüllten Kinderwunsch und Fehlgeburten – wir schweigen diese Themen tot. Das führt zu einer ‚Leaking Pipeline': Top-Frauen verlassen die Unternehmen oder reduzieren ihre Arbeitszeit genau dann, wenn sie den Gipfel ihrer Karriere erreichen könnten."

Laura Bornmann, New-Work-Expertin

"Wie Sie sehen, sehen Sie nichts", das gilt für die Forschung, aber eben auch für den Alltag vieler Frauen. 2025 gaben 91 Prozent in einer Studie der KKH an, beim Thema Zyklus eine klare Informationslücke zu empfinden. Doch es zeigt sich auch ein Shift, denn über manche Themen wird inzwischen offener gesprochen, und manchmal wird der ganze Zyklus darauf heruntergebrochen. Also:

Wird zu viel Rot im Unternehmensalltag gesehen?

Nein. Die Menstruation ist meist noch immer ein Tabuthema, und dass sich das langsam ändert, ist überfällig. Trotzdem sollte der Zyklus nicht auf die Phase reduziert werden, die mit Beschwerden einhergeht. Denn wie oben definiert besteht der Zyklus aus vier Phasen, die alle ihre eigenen Stärken und Schwächen zeigen können.
Auf organisatorischer Ebene heißt das: Frauen sollten die Freiheit haben, mit ihrem eigenen Körperbewusstsein zu arbeiten – statt starr über einzelne Zyklusphasen zu sprechen. Ein Unternehmen, das diese Freiheit zulässt, sendet ein Zeichen, dass es die Lebensrealität seiner Mitarbeiterinnen versteht, auch über den Zyklus hinaus, etwa bei Familienplanung, Elternzeit oder Wechseljahren. Darin liegt am Ende der wirklich wirtschaftliche Faktor für Unternehmen, denn dieses Verständnis ist es, was sich langfristig in Bindung und Leistungsfähigkeit auszahlt.

Das eigene Gefühl im Unternehmensalltag

In der KKH-Studie zeigt ebenfalls: 76 Prozent der befragten Frauen vermuteten gleichzeitig, dass die Anpassung des Lebensstils an die unterschiedlichen Phasen des monatlichen Zyklus einen positiven Effekt auf die eigene körperliche und emotionale Befindlichkeit haben kann. Das eigene Gespür ist also längst da, es fehlt nur noch das Wissen und die Aufklärung, um es auch wirklich zu nutzen. Persönlich wie auch im Unternehmenskontext.
Was lässt sich also tun: Das eigene Bewusstsein schärfen, inklusive des Erfassens des eigenen Zyklus und des persönlichen Empfindens. Wer merkt, dass sich oben beschriebene Situationen vor allem in sozialen Kontexten rund um den eigenen Eisprung leichter anfühlen, kann diese gezielt in diesen Zeitraum legen.

Realitätscheck: Zyklus vs Kalender?

Jedoch lassen sich die wenigsten Deadlines, Kundenpräsentationen oder Vorstandstermine nach dem eigenen Zyklus verschieben. Das sollte auch nicht der Anspruch sein. Was sich aber steuern lässt, ist die eigene Erwartungshaltung an sich selbst: An guten Tagen mehr zuzulassen, ohne sich dafür zu rechtfertigen, und an den anderen Tagen nicht zu glauben, weniger wert zu sein, nur weil sich die Leichtigkeit gerade nicht einstellt. Es geht darum, mit der eigenen Energie zu haushalten, nicht darum, jeden Termin danach auszurichten.
Ein kleiner Hebel bleibt trotzdem: Auch wenn sich der Termin selbst fix bleibt, lässt sich oft die Vorbereitung dorthin legen, wo die eigene Energie gerade mitzieht. Die wichtige Präsentation mag am Dienstag stattfinden müssen, den Feinschliff daran kann man sich trotzdem für die Tage aufheben, an denen der Kopf ohnehin klarer ist.

Als Führungskraft 

Wer die eigene Ovulation und ihre persönlichen Auswirkungen kennt, kann sie gezielt für das nutzen, was sonst Überwindung kostet: das Gespräch über die nächste Gehaltsstufe, das man seit Wochen vor sich herschiebt, der Auftritt vor dem Vorstand, das Netzwerktreffen, zu dem man sich sonst nicht ganz traut. Genauso wichtig ist aber der Blick nach außen: Die eigene Energie kann ansteckend sein, aber nicht automatisch im Takt mit dem restlichen Team. Wer selbst auf Hochtouren läuft, sollte das eigene Tempo nicht zum Maßstab für alle machen, sondern bewusst Raum lassen für Kolleg*innen, die sich gerade in einer ruhigeren Phase befinden. Schließlich lohnt es sich, das eigene Vorgehen offen zu teilen: Wer als Führungskraft sichtbar macht, wie sie mit ihrer Energie arbeitet, macht es auch für andere im Team leichter, ihren eigenen Rhythmus ernst zu nehmen.
Zitatgeber Laura Bornmann

"Die eigene Biologie sollte nicht Gegner, sondern Navigationssystem sein. Der erste Schritt ist, sie zu verstehen. Der zweite, sie für sich zu nutzen. Dieses Verständnis gilt auch für den Arbeitskontext: Unternehmen, die ihre weiblichen Talente in ihrem natürlichen Rhythmus unterstützen, gewinnen an Leistung, Loyalität und Arbeitgeberattraktivität."

Laura Bornmann, New-Work-Expertin

Wellpass Tipp

In jeder Phase anders, bleibt aber eines klar: Sport wirkt über den gesamten Zyklus hinweg regulierend und unterstützt den Körper durch die hormonellen Schwankungen hindurch. Wer sich während der Ovulation sozial stärker fühlt, kann sich das auch beim Sport zunutzen machen. Statt allein zu trainieren, wie wärs mit einem Workout mit Kolleg*innen oder einem Sportkurs im Fitti? Auch intensivere Formate wie Spinning oder CrossFit passen gut in diese Tage, weil sie den Antrieb, der ohnehin da ist, direkt aufnehmen. 

Fazit: Mehr als ein guter Tag

Am Anfang dieses Textes stand ein guter Tag – beschrieben allein aus der eigenen Perspektive. Keine einzige Fremdwahrnehmung kam darin vor. Genau das ist der Punkt. Es geht nicht darum, wie andere eine Frau in dieser Phase sehen oder bewerten. Es geht darum, was sie selbst mit diesem Zustand anfangen kann.
Ob sich das an einem bestimmten Punkt im Zyklus wissenschaftlich exakt festmachen lässt, wird die Forschung in den kommenden Jahren genauer zeigen müssen. Bis dahin gilt: Die eigene Energie zu kennen, ist keine Esoterik und kein Vorwand. Es ist ein Werkzeug, das niemandem schadet, es zu nutzen.
Wer tiefer einsteigen möchte, muss bei der Ovulation nicht stehen bleiben. Wie sich auch die anderen drei Phasen, die Menstruation, die Follikelphase und die Lutealphase, gezielt für den eigenen Führungsalltag nutzen lassen, zeigt der Guide "Der Zyklus-Faktor: Ein Guide für Frauen in Führungspositionen" von Laura Bornmann und EGYM Wellpass, inklusive konkreter Praxis-Tools für jede einzelne Phase. Jetzt kostenlos herunterladen.
Rebecca Feucht
Autor*In
Rebecca Feucht

Rebecca ist Content & Project Manager bei OMR Jobs & HR und schreibt seit 2017 für die HR-Zielgruppe. Mit ihrer Erfahrung aus der E-Learning-Branche versteht sie, wie Wissen verständlich und praxisnah vermittelt wird. Was sie selbst nie erwartet hätte: Dass ihr das Thema Compliance dabei so sehr ans Herz wachsen würde.

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