Braucht inklusive Führung diverse Teams?
Was macht ein Team divers, was bedeutet Inklusion genau und wie können Führungskräfte das passende Umfeld schaffen?
- Was meinen wir eigentlich? Eine kurze Erklärung
- Die Tücke mit der Vielfalt
- Die unsichtbaren Hürden: Wenn Behinderungen nicht erzählt werden
- Neurodiversität verstehen und einbeziehen
- Barrierefreiheit als Fundament
- Inklusive Führung in der Praxis: Der Wandel beginnt bei uns
- Darum zahlt sich inklusive Führung aus
Was meinen wir eigentlich? Eine kurze Erklärung
Infobox: Diversität & Inklusion
Diversität bedeutet, dass Menschen unterschiedlich sind. Das betrifft ganz viele Dinge: Geschlecht, ob jemand eine Behinderung hat, sexuelle Orientierung, Religion, Alter oder wo jemand herkommt – diese Unterschiede können sichtbar sein oder auch nicht.
Inklusion bedeutet, dass diese Unterschiede nicht nur akzeptiert, sondern aktiv geschätzt und eingebunden werden. Es geht darum, dass jede*r nicht nur dabei sein darf, sondern aktiv mitgestalten kann. Und das, ohne sich ständig erklären, offenbaren oder anpassen zu müssen.
Die Tücke mit der Vielfalt
Die unsichtbaren Hürden: Wenn Behinderungen nicht erzählt werden
Warum das schwierig sein kann
Die Aufgabe der Führungskraft
Neurodiversität verstehen und einbeziehen
Was bedeutet Neurodivergenz im Arbeitsalltag?
„Wenn ich einen Auftrag bekomme, stürze ich mich voll rein – hyperfokussiert, extrem konzentriert. Etwas nur oberflächlich zu machen, ist für mich praktisch unmöglich. Das ist eine Stärke, wenn es um Qualität und Tiefe geht. Es wird zur Herausforderung, wenn es um einfachere Aufgabenstellungen geht oder wenn ich bewusst *nicht* ein Thema vollumfänglich erfassen soll, sondern nur eine bestimmte Teilaufgabe erledigen soll.
Was viele nicht sehen: Als Autist nehme ich Reize anders wahr – Geräusche, Gerüche, Telefone, alles auf demselben Level. Ich muss das jeden Tag, die ganze Zeit sortieren. Wenn ich fokussiert arbeite, kann das von außen so wirken, als wäre ich weniger sozial oder würde nicht kommunizieren wollen. Dabei versuche ich gerade, die Eindrücke so zu managen, dass ich meinem eigenen Qualitätsanspruch gerecht werden kann. Die geräuschunterdrückenden Kopfhörer sind nicht, weil ich nicht mit Menschen reden möchte – das tue ich sehr gerne – sondern weil ich die Arbeit, die ich mache, wirklich gut machen will."
Aaron Wahl, WEconomy Diversity Leader 2025, Autor und Keynote-Speaker
"Arbeit heißt für mich, mehrere Ebenen gleichzeitig zu verarbeiten, auch dann, wenn davon nach außen kaum etwas sichtbar ist. Geräusche, Licht, Zwischentöne in Gesprächen und unausgesprochene Erwartungen laufen parallel. Während andere arbeiten, arbeite ich zusätzlich daran, arbeitsfähig zu bleiben.“
Florian Malicke, AuDHS- und Leadership-Coach
Besondere Herausforderungen und Stärken
„Diese andere Art zu denken bringt oft Perspektiven mit, an die noch niemand gedacht hat. In einem früheren Job habe ich meinem Chef ein Produkt vorgeschlagen, das noch nicht im Sortiment war. Es wurde über Jahre zum Bestseller – einfach weil ich einen anderen Blickwinkel für die menschlichen Bedürfnisse der Zielgruppe hatte und dachte, dass Menschen das gut gebrauchen könnten. Diese Sichtweisen, die neurodivergente Menschen aufgrund ihres speziellen Lebenswegs haben, sind oft sehr bereichernd für Unternehmen. Es ist eine andere Art des Denkens und damit auch eine andere Art, auf Herausforderungen oder Chancen zu schauen.”
Aaron Wahl, WEconomy Diversity Leader 2025, Autor und Keynote-Speaker
Anpassungen und Unterstützung
- Klare und deutliche Kommunikation: Keine missverständlichen Formulierungen, Ironie oder unausgesprochene Erwartungen.
- Struktur und Planbarkeit: Klare Aufgabenbeschreibungen und feste Abläufe.
- Anpassung des Arbeitsplatzes: Rücksicht auf Sinneseindrücke (z.B. Lautstärke, Licht) oder die Möglichkeit, sich zurückzuziehen.
- Flexible Arbeitsweisen: Erlauben von individuellen Arbeitszeiten oder Orten, um die Konzentration zu fördern.
- Fokus auf Ergebnisse, nicht auf den Weg: Die Leistung wird danach bewertet, was jemand erreicht, nicht wie er oder sie arbeitet oder kommuniziert.
- Mentoring und Coaching: Unterstützung durch erfahrene Kolleg*innen oder spezielle Coaches.
Barrierefreiheit als Fundament
- Barrierefreiheit im Gebäude: Rampen statt Treppen, automatische Türen, barrierefreie Toiletten, höhenverstellbare Schreibtische und breite Gänge.
- Digitale Barrierefreiheit: Webseiten und Software, die von speziellen Programmen (z. B. Screenreadern) gelesen werden können, Untertitel für Videos, verständliche Sprache in digitalen Dokumenten und nutzerfreundliche digitale Werkzeuge, die verschiedene Eingaben zulassen.
- Kommunikative Barrierefreiheit: Informationen, die in verschiedenen Formen (z.B. Leichte Sprache) verfügbar sind, Gebärdensprachdolmetscher*innen bei Bedarf oder der Einsatz von speziellen Kommunikationstechnologien.
Inklusive Führung in der Praxis: Der Wandel beginnt bei uns
- Schulungen und Aufklärung: Regelmäßige Workshops und Trainings für alle, besonders für Führungskräfte, sind entscheidend. Dabei geht es nicht nur um graue Theorie, sondern darum, Empathie zu entwickeln und sich bewusst zu machen, welche unbewussten Vorurteile (Unconscious Biases) man vielleicht hat. Ziel ist es, die Perspektive zu wechseln und zu lernen, wie man inklusiver kommuniziert und handelt.
- Eine inklusive Unternehmenskultur schaffen: Das geht über Regeln hinaus. Es bedeutet, eine Kultur aufzubauen, in der Vielfalt gefeiert wird, Unterschiede als Stärke gesehen werden und ein offener Austausch gefördert wird. Regelmäßiges Feedback, anonyme Umfragen und sogenannte Employee Resource Groups (Mitarbeiter-Netzwerke für bestimmte Gruppen) können dabei helfen.
- Flexibilität und individuelle Anpassungen: Starre Arbeitsmodelle sind oft hinderlich. Inklusive Führung bedeutet, die individuellen Bedürfnisse anzuerkennen und flexible Arbeitszeiten, Home-Office-Möglichkeiten oder angepasste Arbeitsplätze anzubieten, wo es geht. Der Fokus liegt auf den Ergebnissen und der Effizienz, nicht auf dem strikten Einhalten von Anwesenheitszeiten oder Arbeitsweisen.
- Anlaufstellen und Unterstützung: Unternehmen sollten klare Ansprechpartner*innen für Beschäftigte schaffen, die Hilfe brauchen oder Fragen zum Thema Inklusion haben. Das können interne Vertrauenspersonen, spezielle HR-Kontakte oder externe Beratungsstellen sein. Wichtig ist, dass diese Angebote bekannt und leicht zugänglich sind.
- Mentoring-Programme: Programme, die Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen, können den Austausch fördern, Vorurteile abbauen und die Karriere von Gruppen unterstützen, die bisher unterrepräsentiert waren. Besonders spannend sind dabei sogenannte Reverse-Mentoring-Programme, bei denen jüngere, betroffene oder weniger erfahrene Mitarbeiter*innen die Führungskräfte coachen.
- Inklusive Bewerbungsprozesse: Schon bei der Stellenausschreibung fängt Inklusion an. Das bedeutet geschlechtsneutrale Formulierungen, der Verzicht auf nicht unbedingt notwendige Anforderungen und barrierefreie Bewerbungswege. Auch die Personen, die Bewerbungsgespräche führen, sollten vielfältig sein, um unbewusste Voreingenommenheit zu verringern.
"Man kann keine diversen Teams bauen, wenn die Spitze homogen bleibt. Wenn an der Spitze alle ähnlich denken, entscheiden und arbeiten, kann man zwar bemüht sein, ein diverses Team aufzubauen. Aber inklusive Führung bedeutet, dass man selber die Werte lebt, die man propagiert, dass man Teil des Ganzen ist."
Dana Pietralla, Founder paged.ai
Darum zahlt sich inklusive Führung aus
- Größerer Talentpool: Firmen können aus einem breiteren Spektrum an Fachkräften wählen.
- Mehr Innovation: Vielfältige Teams bringen unterschiedliche Ideen und Lösungsansätze, was zu besseren und innovativeren Produkten und Dienstleistungen führt.
- Bessere Entscheidungen: Unterschiedliche Blickwinkel sorgen für durchdachtere und ausgewogenere Entscheidungen.
- Stärkeres Employer Branding: Unternehmen, die als inklusiv gelten, sind attraktiver für Top-Talente und haben einen besseren Ruf.
- Mehr Widerstandsfähigkeit: Diverse und inklusive Teams sind oft robuster gegenüber Veränderungen und Krisen.