Mit diesem Trick bauen clevere Instagrammer automatisiert Reichweite auf

Instagress

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Funktionieren Likebots wie Instagress? – Wir habens ausprobiert

Bei Instagram schnell und mit wenig Aufwand große Reichweite aufbauen – das wollen angesichts der immer noch stark wachsenden Instagram-Nutzerzahlen aktuell viele Marketingmacher. Anbieter so genannter Likebots versprechen hier Abhilfe. Wir haben uns angeschaut, wie die automatisierte Follower-Gewinnung mittels Software genau funktioniert, ob Instagress & Co. ihre Versprechen halten können und klären über die Risiken auf.

Update (21.04.2017 – 9:30 Uhr)

Instagram hat offenbar verfügt, dass Instagress geschlossen wird. Noch vor ein paar Tagen war der Service ohne Probleme erreichbar, heute verkündet das Unternehmen mit einem traurigen Smiley nur noch das Ende des Services. Wer gerade erst für Instagress bezahlt hatte, kann sich offenbar den Betrag wieder auszahlen lassen. Vielleicht ist das Ende von Instagress der Anfang von Facebooks Anstrengungen dem Bot-Traffic bei Instagram einen Riegel vorzuschieben. Zuletzt hatte sich eine Instagrammerin heftig über den starken Einsatz von Bots und die künstliche Reichweite ihrer Kollegen aufgeregt. Allerdings sind andere Dienste wie Crowdfire und Archie weiterhin erreichbar.

Ursprünglicher Artikel

Sie heißen Instagress, Archie, Crowdfire oder Rango und sollen durch automatisierte Prozesse für jede Menge Instagram- oder Twitter-Follower sorgen. Die Funktionsweise ist bei allen Programmen ähnlich: Sie verbinden sich nach eigenen Angaben mit der Instagram-API, dann liken und kommentieren sie Inhalte auf der Plattform. Darüber hinaus folgen sie anderen Accounts – jeweils vom Instagram-Account des Nutzers aus. Dadurch sollen andere Nutzer auf den Account aufmerksam gemacht werden und jeweils zurück liken oder folgen. Der psychologische Trick „Folgst du mir, folge ich dir“ kommt zum Einsatz. Im Gegensatz zu Fiverr oder einfachen Follower-Kauf-Seiten, auf denen teilweise 50.000 Abonnenten für 250 US-Dollar angeboten werden, soll dieses Vorgehen für „echte“ neue Follower und potenzielle Kunden sorgen.

Die Software übernimmt die Arbeit

Unter den erwähnten Programmen ist Instagress eines der bekanntesten. Seit 2014 können Nutzer mit dem Tool versuchen, neue Follower auf der Foto-Plattform zu gewinnen. Instagress bietet eine dreitägige Testversion an und rechnet anschließend pro Tag ab. Die Nutzung kostet für drei Tage etwa zwei US-Dollar und für ein Jahr etwa 80 US-Dollar. Mit dem Tool lassen sich mehrere Accounts verwalten, für jeden muss einzeln Zeit gekauft werden.

Instagress Preise

Die Preisliste von Instagress

Für das Versprechen von Hunderten oder gar Tausenden neuen Followern sind das relativ geringe Kosten – wenn es denn funktioniert. Instagress lässt sich zumindest leicht bedienen. Nachdem man sich mit seinem Instagram-Nutzernamen und Passwort angemeldet hat, landet man im „Dashboard“. Hier können Nutzer einstellen, welche Aktionen Instagress im Namen des eigenen Kanals durchführen soll.

Instagress Kommentare

Diese Kommentare schlägt Instagress vor. Sie werden – wenn die Kommentar-Funktion aktiviert ist – unter die Fotos von Instagram-Nutzern gepostet.

Jede Aktivität, egal ob Likes, Kommentare oder das Folgen von anderen Kanälen, kann einzeln gesteuert werden. Wer schnell neue Follower sammeln will, kann auch alle drei Funktionen gleichzeitig aktivieren. Während Instagress automatisch Fotos liket, Kommentare postet oder anderen Nutzern folgt, soll man laut Betreiberangaben die Finger vom Account lassen.

27 Follower in drei Tagen

Wir haben Instagress mit einem frisch erstellten Instagram-Kanal ausprobiert. Die Anmeldung funktioniert einfach über den Instagram-Nutzernamen und das Passwort. Beim Test fallen vor allem die vielseitigen Einstellungsmöglichkeiten auf: Nutzer können bestimmen, aus welchen Regionen die Accounts kommen sollen, die Likes, Kommentare oder Follows bekommen – und wie viele der Aktionen pro Stunde ausgeführt werden. Darüber hinaus können Instagress-Nutzer die ausgespielten Kommentare und Hashtags im Vorfeld festlegen. Und das ist nur ein Bruchteil der individuellen Optionen.

Instagress Aktivität

Die Instagress-Aktivität des Testaccounts innerhalb von acht Stunden.

Bei unserem Test erreichten wir innerhalb von drei Tagen immerhin 27 Follower, auch weil wir mit langsamer Geschwindigkeit gestartet sind – also nur wenige Aktionen pro Stunde haben ausführen lassen. Die Follower kommen aus der ganzen Welt und scheinen zumindest echt zu sein. Unser eigener Account folgt über 460 Instagrammern und hat über 400 Likes verteilt. Laut Tipps von Instagress selbst soll man langsam starten und dann die Aktionen mit wachsender Follower-Zahl steigern – also mehr Likes und Follows verteilen. Das führe dann auch zu mehr neuen Abonnenten pro Tag

Hundemarke mit Instagress aufgebaut

Der Kanadier Pat Lum beschreibt in einem längeren Artikel (den er auch als Werbung für sein Unternehmen nutzt), wie er Instagress eingesetzt hat, um den Kanal „@dogownersonly“ von 0 auf 1.000 Follower zu pushen. Heute heißt der Hunde-Account „@4leggerz“ und hat knapp über 1.400 Abonnenten. Lum habe zuerst acht bis zehn Fotos mit passenden Hashtags zum Thema Hunde auf dem Kanal gepostet und dann Instagress eingesetzt, um Follower zu gewinnen.

4leggerz Instagram-Account

Der Instagram-Kanal @4leggerz ist offenbar aus @dogownersonly und dessen Instagress-Aktivitäten entstanden.

Er habe alles auf das Thema Hunde getrimmt, um die richtige Zielgruppe anzusprechen und nicht mit komischen Kommentaren aufzufallen. Instagress selbst hat zu Beginn automatische Kommentare wie „Such an inspiration“ oder „Aww nice“ eingestellt, die unter einem unpassenden Foto ziemlich komisch wirken dürften. Mit „Beautiful dog“ sei diese Gefahr geringen – da Lum Instagress zeitgleich so eingestellt hatte, nur Bilder mit bestimmten Hashtags zu liken oder zu kommentieren. Passende Tags habe er mit einer kurzen Suche bei Instagram gefunden.

Nach nur drei Tagen habe Lum 280 Follower durch Instagress gewonnen, nach zehn Tagen seien es 540 gewesen, nach 30 Tagen 895. Um den Erfolg zu messen, nutze Lum die Kennzahl FOBAR („Follow Back Rate“). Das ist die Zahl der Follows in Relation zu den eigenen Followern. Die KPU zeigt, wie viele Instagram-Nutzer zurück folgen und den Content gut finden. Sein Account habe immer bei etwa 30 Prozent FOBAR gelegen (z.B. 540 Follower bei 1915 gefolgten Accounts). Wir müssen wohl noch am Content des Testaccounts arbeiten, unser FOBAR liegt bei 5,8 Prozent.

Instagram will die Follower-Programme aussperren

Aber was sagt Instagram selbst zu den Follower-Bots? Die Lage ist hier relativ klar, weil Instagress & Co. gegen die Terms of Service von Instagram verstoßen. Das Unternehmen geht offenbar gegen Nutzer der Bots vor, es finden sich nach kurzer Suche viele Beschwerden über gesperrte oder gelöschte Accounts im Netz. Wer also bisher mühsam einen Account aufgebaut hat und mit Instagress oder einem ähnlichen Tool schnell weitere Reichweite aufbauen will, geht immer das Risiko ein, alles zu verlieren.

Instagress selbst will das mit verschiedenen Methoden verhindern. Wie bereits beschrieben, sollen Nutzer mit wenigen Followern laut Empfehlung langsam starten und nur wenige Likes oder Kommentare pro Stunde auslösen. Damit will Instagress einen „echten“ Social-Media-Manager simulieren und so Instagram täuschen. Accounts mit vielen Followern könnten aber laut Instagress hunderte Likes pro Stunde verteilen, ohne gelöscht zu werden. Aber das Risiko bleibt natürlich bei den Nutzern.

Sollten Marketer Instagress & Co. nutzen?

Instagress & Co. bieten viele Möglichkeiten, bergen aber große Gefahren für Brands und Marketer. Echte Follower zu gewinnen wird durch die Tools einfacher und die Kosten sind relativ gering. Gleichzeitig setzen Nutzer von Instagress die Glaubwürdigkeit der Marke und den gesamten Instagram-Account aufs Spiel. Schließlich will niemand unpassende Kommentare einer Brand unter seinem Foto lesen. Die Funktionsweise von Follower-Bots zerstört gleichzeitig Instagram als Rezeptionskanal. Wer tausend neue Abonnenten gewinnen will, muss (bei guter FOBAR) an die 3.000 Kanäle abonnieren. Der eigene Instagram-Feed wird zu einem Bilder-Mischmasch „eingekaufter“ Kanäle. So erging es auch Evan LePage, der darüber im Hootsuite Blog schreibt.

Wer einfach nur in kurzer Zeit viele neue Abonnenten gewinnen will – bei hohem Risiko den ganzen Kanal zu verlieren, kann einen Blick auf Instagress, Archie und Rango werfen. Ob dann Conversions und echte Fans dabei heraus springen, ist zweifelhaft. Wer aber nachhaltig wirklich Follower und eine Community aufbauen will, sollte die Finger von solchen Bots lassen.

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Diskussion auf OMR
  • Ralph

    Selbst nutze ich keine Bots für meine Social-Media-Aktivitäten. Dennoch lese ich aufmerksam solche Berichte von Bots. Denn Erfolge scheinen sie dennoch zu bringen wie in diesem Artikel vorgestellt.

    Beste Grüße
    Ralph

  • Samuel

    Interessanter Beitrag! Ich habe Instagress selbst vor ein paar Monaten getestet und damit mehrere tausend Abonnenten aufbauen können. Leider war die Interaktionsrate dieser Follower ziemlich schlecht. Die niedrigen Kosten solcher Bots und die dadurch erreichbare Attention machen die Nutzung meiner Meinung nach trotzdem sehr attraktiv.

    Für den Aufbau einer neuen Brand haben wir uns entschieden neben einem Instagram Account für die Brand einen zweiten Account zu erstellen, auf dem nicht direkt Content der Brand veröffentlicht wird, sondern allgemein aus der Branche, in der die Brand positioniert wird. Sobald der Account durch den Bot genügend Follower gesammelt hat verlinken wir zwischendurch den Hauptaccount der Brand. So können wir voraussichtlich unseren Hauptaccount sehr kostengünstig bewerben und haben aber keine Follower drauf, die sich nicht für die Brand interessieren und für eine niedrige Interaktionsrate sorgen.

  • Anonym

    Hi zusammen,
    eines muss ich jetzt mal loswerden… Auf Instagram gibt es gefühlt mehr Bot-Aktivität als echte. Ich weiss nicht ob es euch aufgefallen ist, aber zu den gängstigen Hashtags wie #motivation #startup #foodporn etc. kommen soooviele Fake Likes und Kommentare. Instagram ist inzwischen zu groß, Reichweite lässt sich über Mainstream-Hashtags nicht mehr erreichen, da kommt zuviel Inhalt jede Stunde, du verschwindest schnell aus dem sichtbaren Bereich. Und bei speziellen Hashtags bekommst du keinen Traffic.
    Ich verwende Instagress seit mehr als einem Jahr sehr erfolgreich für mehrere Accounts, habe damit weit über 50k Follower aufgebaut und oft eine sehr aktive Zielgruppe dabei. Like/Follower Ratio bei knapp 5%. It’s all about targeting 😉 Und wer es auf „fast“ oder „normal“ Geschwindigkeit gut nutzt, aktiver Instagrammer ist und selbst Inhalte postet sowie weiterhin aktiv liket und kommentiert, ist meiner Meinung nach die nächsten Monate noch sicher unterwegs… Die Bots sind verdammt gut, das sieht alles nach echter Aktivität aus und wird nur schwer zu unterscheiden sein.

  • Bloggy

    Ich nutze ein automatisches Instagram-Marketing Tool nicht nur um Follower aufzubauen (was gut gelingt – bis jetzt rund 3000 Follower, 50-100 Likes pro Bild und je nach Thema 3-20 Kommentare), sondern auch um durch das Folgen anderer Accounts in meiner Zielgruppe zu sehen, wofür sich meine potenziellen Blogleser und YouTube-Zuschauer interessieren. So kann ich meine Inhalte besser auf die Interessen meiner Zielgruppe anpassen und mich mit Gleichgesinnten vernetzen.
    Ich automatisiere nur Follows (nach sehr spezifischen Themen-Hashtags und Accounts), Kommentare sind immer handgeschrieben und auf das jeweilige Bild bezogen. Mein Tool hat auch eine Sleep-Funktion, so dass das Tool einige Stunden am Tag „schläft“ um Limit-Überschreitungen zu vermeiden. Ich bin einfach sehr schlecht im Aufbauen von Followern und möchte mich auf das konzentrieren was ich kann – gute Inhalte erstellen.

    • Bettina Wittmann

      Hey Bloggy, dürfte ich fragen welches Programm du nutzt. Ist dies ebenso instagress oder eine anderes? Danke! LG Bettina

  • Bettina Wittmann

    Sehr interessanter Artikel, auch die Kommentare dazu finde ich spannend! Das Thema ist meiner Meinung nach etwas heikel und ich habe mich lange nicht über solche Bots getraut. Durch eine Kollegin habe ich dann erste Einblicke bekommen und mir gedacht ich versuche es einfach.
    Ich selbst teste verschiedene Softwares nun seit über einem halben Jahr und muss sagen so weit so gut. Ich finde aber man sollte es nicht als seinen Social Media Manager nutzen sondern eher als Assistenten ansehen, mit richtigen, zielgenauen Einstellungen, dem menschlichen Zutun und auch anschließender Verarbeitung der potentiellen Leads (Stichwort: Sales Funnels) ist es eine super Möglichkeit um mehr Umsatz und Kunden zu generieren.

  • IG Expert

    ok a question still need to be answered, pple are using bots not because of the result, but because it takes “time” to create a genuine result, bots can work when you sleeps.

    Can you tell us how many people and how many time it takes to do it the right way to calculate the ROI?

  • Uwe Peukert

    Wie im Update oben richtig steht, wurde Instagress Ende April 2017 verklagt, sodass Instagress aufgeben musste. Jedoch beflügelt dies nur noch mehr die Kongruenz weiter zu machen. Gramista wirbt sehr offensiv um alle ehemaligen Instagress Kunden.
    Instaranker hat nach dem Ende von Instagress ihre Preise auf denen von Instagress angepasst. Zudem hat Instaranker ihr design so geändert, dass es komplett wie das alte Instagress aussieht.
    Auch wenn Instagram versucht das Problem mit den Bots in den griff zu bekommen, erreichen sie mit den Abmahnungen nur das, dass sich noch mehr Programmierer der Sache widmen.
    Solange ein Bot wie z.B. auf instaranker für 9,99€ für 30 Tage durchgängig läuft und damit günstiger und effizienter ist wie direktes Werben auf Instagram, wird Instagram dies nicht in den Griff bekommen.

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