So denkt VW-Chef Herbert Diess über vegane Currywürste, Aprilscherze und die Grünen

Volkswagen-CEO Herbert Diess (l.) und Philipp Westermeyer im Gespräch am Rande der IAA in München.

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Der CEO des Volkswagen-Konzerns ist nach zehn Monaten erneut im OMR Podcast zu Gast – das hat sich seitdem verändert

Es ist noch kein Jahr her: Erst im November vergangenen Jahres war Herbert Diess, der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, zu Gast im OMR Podcast. Am Rande der Auto-Messe IAA in München hat er sich jetzt erneut mit Philipp Westermeyer zusammengesetzt – und Gesprächsbedarf gab es mehr als genug. Immerhin hat sich alleine VWs Unternehmenswert an der Börse zwischenzeitlich fast verdoppelt, die Muttergesellschaft Porsche Holding hat sich am Weltraum-Startup Isar Aerospace beteiligt und das laut Diess wichtigste Volkswagen-Projekt, Cariad, ist an den Start gegangen. Weshalb der CEO trotzdem noch lange nicht zufrieden ist, lest und hört Ihr hier.

„Wir haben gehofft, dass wir nach der Sommerpause mit dem Gröbsten durch sind. Jetzt hatten wir einen deutlichen Rückschlag durch einen Covid-Ausbruch in Malaysia“, sagt Herbert Diess im Gespräch mit Philipp Westermeyer, das am Vorabend am Rande der IAA unter anderem auf dem Linkedin-Account des VW-Chefs live gestreamt wurde. Gemeint ist die weltweite Chip-Knappheit, die nicht nur die gesamte Autoindustrie belastet. VW hoffe, Ende September bis Anfang Oktober wieder in einen normalen Produktions-Rhythmus zu kommen. „Aber eine Halbleiterknappheit werden wir wohl die nächsten Monate, vielleicht sogar die nächsten ein, zwei Jahre sehen“, so Diess.

Im Vergleich zur Aufnahme im vergangenen November hat sich der Börsenkurs aber dennoch ziemlich positiv entwickelt: von rund 140 Euro auf zwischenzeitlich fast 250 Euro. In den vergangenen Tagen scheint sich die Aktie bei 200 Euro eingependelt zu haben; der Wert von Volkswagen liegt damit bei rund 124 Milliarden Euro. Für Herbert Diess aber offenbar kein Grund, zufrieden zu sein. „Wir bewegen uns jetzt eher seitwärts und haben schon noch Potenzial nach oben.“ Den Positivtrend führt er auch auf die Anfang des Jahres noch einmal klarere Elektro-Strategie zurück; bis 2030 soll der Absatz an reinen E-Autos in Europa auf 70 Prozent steigen. Und dass immer noch Luft nach oben ist, zeige das Beispiel Tesla.

Wie wertvoll elektrische Mobilitäts-Visionen wirklich sind

Nicht nur Elon Musk schafft mit Elektro-Mobilität und (nicht immer eingehaltenen) Versprechen unglaubliche Werte. Auch Rivian, ein Elektro-Truck-Startup, das bald in den USA an die Börse gehen will, peilt eine Bewertung von 70 Milliarden US-Dollar an – ohne je ein Fahrzeug ausgeliefert zu haben. Für Herbert Diess ist hingegen die gesamte Automobil- und Mobilitäts-Industrie – wahrscheinlich – noch deutlich unterbewertet. „Elektrofahrzeuge werden deutlich wachsen und wir bekommen ein ganz neues Geschäftsfeld durch das Thema autonomes Fahren. Das Auto wird zu einem Lebensraum, in dem man mehr Zeit verbringt als heute“, glaubt der VW-Chef. Die Industrie werde aber auch eine andere Struktur haben, geprägt von Tech und Software, inklusive Konsolidierungen.

Dass er den Software-Aspekt so betont, ist Folge einer klaren Strategie. 2019 unter dem Namen Car.Software-Organisation gestartet, bündelt VW seit Ende März diesen Jahres unter der Marke „Cariad“ alle Software-Entwicklungen des Konzerns. 4.000 Mitarbeitende sollen den Software-Eigenanteil Marken-übergreifend stark erhöhen und auf eine Basis stellen. „Wenn uns das gelingt haben wir einen großen Wettbewerbsvorteil“, betont Herbert Diess. „Das ist das wichtigste Projekt, was wir bei Volkswagen haben. Auch weil es zu enormen Skalen führen wird.“

Erst Aprilscherz-Shitstorm, dann Currywurst-Aufreger

Während Kommunikations-Profi Diess auf seinem 210.000 Follower starkem Linkedin-Account ziemlich stilsicher auftritt – ein angeblich spontaner Ritt auf einem Elektro-Surfboard geht dann auch schon mal viral – hat der Konzern in diesem Jahr für teilweise kuriose PR-Aufreger gesorgt. Erst ging die als Aprilscherz gedachte Umbenennung in den USA zu „Voltswagen“ klar nach hinten los. „Ich fand das nicht so gut“, gesteht Herbert Diess. „Und bin grundsätzlich gegen Aprilscherze.“ Der eigentliche Plan habe sogar vorgesehen, dass Diess selber die Umbenennung kommuniziert. „Auf keinen Fall mache ich das. Dann haben sie das in Amerika gemacht, toleriert von mir.“

Dann folgte die Verbannung der Currywurst – zumindest aus einer von über einem Dutzend VW-Kantinen –, was nicht nur bei Altkanzler Gerhard Schröder für große Empörung sorgte (und ihm einen viralen Post auf Linkedin einbrachte). „Das wurde nicht von mir initiiert, aber ich habe es zur Kenntnis genommen“, schmunzelt Herbert Dies. Und er betont die Fortschritte, die es beim Angebot gesunder Ernährung im Konzern gebe. „Es gibt großes Verbesserungspotenzial in unserer Kantinen-Ess-Kultur.“

Was Herbert Diess über die Wahlprogramme der Parteien vor der anstehenden Bundestagswahl denkt, wie er ganz konkret zu den Grünen steht und was er von der Milliarden-Förderung für Tesla am Standort Deutschland hält, hört Ihr im aktuellen OMR Podcast.

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Alle Themen des OMR Podcasts mit VW-CEO Herbert Diess im Überblick:

  • So sah der erste Tag der IAA für Herbert Diess aus (ab 06:30)
  • Mit welchen Protesten rechnet er von Umweltschützenden und Aktivist:innen? (ab 08:00)
  • Seit dem letzten OMR Podcast mit Herbert Diess im November 2020 hat VW an der Börse zwischenzeitlich mehr als 75 Prozent an Wert zugelegt. Weshalb ist der CEO trotzdem nicht ganz zufrieden? (ab 10:55)
  • Wäre VW mehr wert, wenn das Unternehmen an einer US-Börse gelistet wäre? (ab 11:55)
  • Ist VW unter- oder Tesla überbewertet? (ab 12:30)
  • Rivian, ein Elektro-Truck-Startup, peilt eine Bewertung von 70 Milliarden US-Dollar an – ohne je ein Fahrzeug verkauft zu haben. Ist das gerechtfertigt? (ab 14:40)
  • Könnte Apple den Automarkt revolutionieren? (ab 16:00)
  • Tesla könnte über eine Milliarde Euro Fördermittel von der Bundesregierung und der EU-Kommission erhalten. Wie denkt Herbert Diess darüber? (ab 16:35)
  • Über die Herausforderung der Zellfabriken in Deutschland und Europa (ab 19:40)
  • Spielt Wasserstoff im Automarkt eine Rolle? (ab 22:05)
  • Autonomes Fahren: Schon bald Realität oder Zukunftsmusik? (ab 25:20)
  • Hängt das kürzliche Investment der Porsche-Holding in das Raketen-Startup Isar Aerospace mit autonomen Fahren zusammen? (ab 27:20)
  • Deshalb ist die VW-Unit Cariad für Herbert Diess das vielleicht wichtigste Projekt im Konzern (ab 29:30)
  • Deshalb übernimmt VW wieder den Autoverleier Europcar (ab 34:10)
  • Mikrochip-Mangel und Halbleiter-Knappheit: Wie ernst ist es wirklich? (ab 40:20)
  • Elon Musk investiert mit Tesla stark in Bitcoin. Kommt das auch für VW in Frage? (ab 1:00:15)
  • VW verbannt die Currywurst! Was Herbert Diess mit dem PR-Aufreger zu tun hatte (ab 46:30)
  • Wie durchgeplant war der Elektro-Surfboard-Test von Herbert Diess, der in den Medien für viel Resonanz gesorgt hat, wirklich? Und welchen Stellenwert hat Linkedin inzwischen für ihn? (ab 48:50)
  • So denkt der Volkswagen CEO über den Voltswagen-Aprilscherz (ab 53:15)
  • Welche Rolle spielt die Kommunikation rund um E-Mobilität als Werttreiber für VW? (ab 55:30)
  • Herbert Diess ist sich sicher, dass das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen ist – es fehle nur an der politischen Willenskraft (ab 1:00:00)
  • Über die anstehende Bundestagswahl und die Relevanz für VW (ab 1:03:30)
  • Kann man in zehn Jahren noch Autos mit Verbrennungsmotor kaufen? (ab 1:05:45)
  • So plant VW die Zukunft der Ladenetze (ab 1:08:00)
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