Autohaus Bleuel: Mit Cringe-Content zu mehr Umsatz

Gina Kollig23.3.2026

Wie der Strategiewechsel das Unternehmen zur Love Brand machte

Inhalt
  1. Strategie-Switch bei Instagram: Entertainment statt Sales
  2. Die Geheimwaffe: der „Juicy Verkaufsleiter”
  3. ROI jenseits von Likes: Wenn aus Follower*innen Fans werden
Ein mittelständisches Autohaus, das plötzlich zum Kult-Account auf Instagram wird und sogar eigenen Merch verkauft, ist die Art von Case, die wir bei OMR Education lieben. In diesem Artikel erfährst du, wie das Autohaus Bleuel gemeinsam mit der Werbeagentur  Zoom den Instagram-Code geknackt hat. Mehr Infos zum Case findest du im OMR Report: Instagram Marketing.

Strategie-Switch bei Instagram: Entertainment statt Sales

Lange Zeit folgte der Instagram-Auftritt des Autohauses Bleuel einer für die Branche sehr standardisierten Strategie. Der Fokus lag auf statischen Fotos, technischen Daten und klassischen Verkaufsangeboten. Die Resonanz? Überschaubar.
Im Juli 2024 wagte Social-Media-Manager Nico Lachetta dann den Umbruch mit dem Ziel, den Account weg von klassischer Werbung hin zu reinem unterhaltungsorientiertem Content umzuwandeln. Anstatt Autos zu verkaufen, rückte also die Unterhaltung der Nutzer*innen in den Fokus. Die Strategie ging auf. Die Community wuchs von weniger als 2000 auf über 30.000 Follower*innen an. Heute generiert das Autohaus Bleuel Awareness durch Content, der Spaß beim Zuschauen macht und schafft so eine Markenbindung, die die technischen und manuell wirkenden Posts vorher nie erreichen konnten. 

Die Geheimwaffe: der „Juicy Verkaufsleiter”

Im Zentrum der neuen Strategie steht der Verkaufsleiter Thorsten. Vom Aussehen wirkt er wie ein typischer Autohändler; ein älterer Mann im Anzug. In seiner Rolle als „Juicy Verkaufsleiter” ist Thorsten aber ganz anders als erwartet, nutzt TikTok-Trends, spricht die User*innen mit „Mausi” an und verwendet viel Gen-Z-Sprech.
Das Ergebnis ist eine Mischung, die im konservativen Automobilhandel selten zu finden ist. Der Content ist bewusst „cringe“, aber hochgradig unterhaltsam. Und genau das lieben die Nutzer*innen. Während andere Autohäuser mit Imagefilmen aufwarten, erzielen Thorstens Reels bessere Aufrufzahlen und eine Interaktionsrate, die die Konkurrenz hinter sich lässt.
Hinter den Kulissen sorgt Nico Lachetta für den kreativen Input. Gemeinsam mit einem kleinen Team entwickelt er die Konzepte, die dann direkt mit der Belegschaft des Autohauses vor Ort umgesetzt werden. Dabei endet die Strategie nicht bei der Videoerstellung. Im Community-Management führt Nico Thorstens Persona fort. Wer unter den Posts kommentiert, bekommt also eine Antwort vom „Juicy Verkaufsleiter“. Diese Art der Kommunikation macht die Marke Bleuel nicht nur erlebbar, sondern bleibt auch in den Hinterköpfen der Community.

ROI jenseits von Likes: Wenn aus Follower*innen Fans werden

Der Erfolg des Autohauses Bleuel bleibt dabei nicht nur auf der Social-Media-Plattform. Er findet sich auch in der Markenloyalität wieder. Was als viraler Strategiewechsel begann, hat sich mittlerweile zu einer Community entwickelt, die so eng mit der Marke verbunden ist, dass sie sogar eigenen Merch einforderte. Von bedruckten Thermobechern hin zu Caps, die Sprüche des Verkaufsleiters Thorsten finden sich auch auf den Fanartikeln wieder. „Was andere Autohäuser als Werbegeschenk dazugeben, wird bei uns gekauft. Und das nur, weil die Figur Thorsten so beliebt ist”, erklärt Nico Lachetta. 
Der Impact der neuen Social-Media-Strategie reicht über den Merch-Shop hinaus. Immer mehr Kund*innen geben beim Besuch des Autohauses an, dass sie Bleuel bewusst wegen der Social-Media-Präsenz gewählt haben. Die digitale Nahbarkeit schafft das nötige Vertrauen für das physische Geschäft.
Und auch in Bezug auf Recruiting meldet das Unternehmen eine positive Entwicklung. Die Zahl der Initiativbewerbungen ist deutlich gestiegen.

Was KMU von Bleuel lernen können

Am Ende zeigt das Beispiel Bleuel: Wer wagt, neue strategische Wege einzuschlagen, hat die Möglichkeit, sich völlig neu zu positionieren und von der Konkurrenz in der Branche abzuheben. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) lassen sich daraus drei Learnings ableiten: 
  • Einfach anfangen: Verliere dich nicht in technischen Detailfragen oder der Suche nach dem „perfekten Video”. Der Schlüssel liegt im Ausprobieren. Bekomme erst mal ein Gefühl für die Plattform, auf der du starten möchtest, und probiere dich aus. Mit der Zeit entwickelst du ein Gespür für das, was richtig ist. 
  • Persönlichkeiten finden: Jedes Team hat „Hidden„ Champions”. Suche nach den Teammitgliedern, die von Natur aus locker und humorvoll sind und vor der Kamera nicht verkrampfen. Diese authentischen Personen eignen sich in der Regel, um regelmäßig in deinem Content aufzutauchen und den Nutzer*innen ein Gesicht zu deiner Brand zu geben.
  • Mut zum Trend: Klassische Werbeformate funktionieren auf Instagram oft schlechter als unterhaltsame, trendbasierte Inhalte. Halte immer Austausch nach aktuellen Social-Media-Trends und versuche, diese auf deine eigene Brand anzupassen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. 
Wenn du lernen möchtest, wie du das strategische Fundament für deine Brand legst und deine Strategie datenbasiert optimierst, ist unser E-Learning-Kurs „Digital Marketing Strategy” genau das Richtige für dich. Hier zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du deinen Erfolgsweg gestaltest. 
Social Media Marketing
Gina Kollig
Autor*In
Gina Kollig

Gina ist Redakteurin bei OMR Education und spezialisiert auf Marketing- und Digitalbusiness-Themen. Sie verfasst die OMR Reports und bereitet komplexe Inhalte verständlich und praxisnah auf.

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