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Das Rennen um den App-Traffic

Wie Google, Facebook und andere von Mobile Deep Linking profitieren wollen

mariokart
Während die Verbreitung und Nutzung von mobilen Internetgeräten weiter rasant ansteigt, ringen hinter den Kulissen die Anbieter von Mobile Services mit der technischen Infrastruktur. Denn für das, was im Desktop-Internet Alltag ist – die Möglichkeit, bestimmte Inhalte über den Browser zu verlinken und direkt anzusteuern – hat sich Mobile bislang noch kein Standard etabliert. Dort bilden Apps noch eine Vielzahl voneinander unabhängiger Inseln. Doch die großen Online-Konzerne Google und Facebook sowie einige kleine neue Anbieter versuchen dies nun zu ändern – nicht ohne Hintergedanken.

Ziel ist es, das so genannte Mobile Deep Linking zu ermöglichen und zu etablieren. Sucht ein Nutzer dann auf einem mobilen Endgerät bei Google nach einem bestimmten Kleidungsstück, so soll sich beim Klick auf ein Suchergebnis von Asos künftig die App des britischen Modehändlers öffnen und darin direkt der gesuchte Artikel angezeigt werden. Google testete eine entsprechende Technologie bereits seit dem vergangenen Oktober mit einigen wenigen Partnern. Seitdem sind eine Vielzahl weiterer Partner hinzu gekommen (unter den derzeit 115 Unternehmen finden sich auch Chip, HRS und Zeit Online).

Nur für eingeloggte Android-Nutzer möglich

Seit Ende Juni können nun alle Entwickler die Inhalte ihrer Apps für Googles Suchmaschine indexieren und auffindbar machen. Doch es gibt Einschränkungen: Bislang ist Googles Mobile Deep Linking nur auf Geräten mit Android-Betriebssystem möglich. Außerdem werden lediglich jenen Nutzern, die bei Google Search eingeloggt sind, die App-Links innerhalb der Suchmaschinenergebnisse angezeigt.

Konkurrent Facebook geht einen anderen Weg und hat Ende April die offene Initiative Applinks.org in den Markt gebracht. Auf deren Website heißt es, dass die Technologie plattform-übergreifend funktioniere. Zu den Launchpartnern gehören Dienste wie Spotify, Dropbox und Hulu. Innerhalb von zwei Monaten hätten die Entwickler über bereits eine Milliarde Applinks erstellt, gab Facebook Anfang Juli bekannt. Zum Vergleich: Das gesamte stationäre Internet bestand bereits im Jahr 2008 aus einer Billion Links – das sind drei Nullen mehr.

Neben den zwei größten Playern versuchen diverse weitere Marktteilnehmer, Mobile Deep Linking zu etablieren und davon zu profitieren. Twitter bietet das Feature als Werbeprodukt schon seit April 2013 an. Im Februar dieses Jahres schlossen sich mehrere Adtech-Unternehmen in den USA zur Initiative MobileDeepLinking.org zusammen. Außerdem versuchen junge Start-ups für sich einen Claim im sich noch ordnenden mobilen Medienmarkt abzustecken: Die App-Suchmaschine Quixey beispielsweise (150 Mitarbeiter und 74 Millionen US-Dollar Funding), das Start-up Urx (zwölf Millionen US-Dollar Funding, unter anderem von Google Ventures, Michael Arrington und Jamie Lee Curtis) und der Service Deeplink.me vom israelischen Unternehmen Cellogic.

US-Firmen steigern Mobile-Advertising-Ausgaben um 83 Prozent

Für alle Marktteilnehmer geht es um viel Geld. Nachdem im vergangenen Jahr die User in den USA erstmals mehr Zeit mit der Nutzung von Apps auf Smartphones und Tablets als mit dem Desktop-Internet verbrachten, ziehen in diesem Jahr die Werbetreibenden nach: Die US-Unternehmen werden im laufenden Jahr 9,7 Milliarden US-Dollar und damit 83 Prozent mehr Geld für Mobile Werbung als im Vorjahr ausgeben. Der junge Kanal überholt damit in den Vereinigten Staaten in puncto Werbeausgaben Tageszeitungen, Zeitschriften und das Radio. Im Jahr 2016 sollen die Ausgaben für Mobile laut Prognosen von Emarketer erstmals jene im Desktop-Bereich übersteigen.

Die Möglichkeit, Inhalte in Apps zu verlinken, ist dementsprechend für alle Parteien am Markt enorm wichtig. Werbetreibenden können so potenzielle Kunden gezielt steuern und ihnen eine bessere Nutzererfahrung bieten. Die großen Plattformbetreiber wollen sich demgegenüber auch in der App-Welt als essentielle Traffic-Quelle etablieren – denn wie die Vergangenheit gezeigt hat, wollen die Unternehmen dort, wo die Nutzer die für sie relevanten Inhalte und Produkte suchen und finden, auch ihre Werbung platzieren.

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