Von zwei auf 84.000 Mitarbeiter*innen und von 80.000 auf 17 Milliarden Euro Umsatz: Reinhold Würth hat aus dem Schraubenhandel seines Vaters eines der größten Familienunternehmen des Landes gemacht. Der Schlüssel zum Erfolg waren die großen Erfolge beim Vertrieb. Im OMR Podcast verrät der heute 87-Jährige Würth OMR-Gründer Philipp Westermeyer allerdings, welche Marke dieses Jahr gerissen werden könnte – und wie er auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine blickt.

Als Reinhold Würth den Betrieb nach dem Tod seines Vaters übernimmt, ist er gerade mal 19 Jahre alt. Im Schraubenhandel arbeiten damals, 1954, gerade mal zwei Mitarbeiter*innen. „Und heute sind es 84.000“, sagt Reinhold Würth im OMR Podcast. Er klingt dabei, als sei das völlig normal. Aber das ist es natürlich nicht. Vielmehr ist die Biografie von Reinhold Würth aus dem baden-württembergischen Künzelsau nordöstlich von Stuttgart eine der beeindruckendsten Unternehmer-Geschichten des Landes.

Als der Vater mit 45 Jahren stirbt, liegt der Jahresumsatz bei rund 80.000 Euro. Heute sind es 17 Milliarden Euro. Schrauben und Muttern werden zum Wiederaufbau Deutschlands gebraucht, aber jeder Verkauf bringt nur ein paar Pfennige. Es ist die Masse, die den Erfolg am Ende ausmacht, und das Vertriebstalent des neuen Firmenchefs. Denn Reinhold Würth setzt auf den Direktvertrieb, will nah bei den Kunden sein und fängt an, eigene Produkte zu fertigen – wobei Firmenchef Würth nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Qualität achtete. Die Idee: Für gute Produkte zahlen die Kunden im Zweifel auch etwas mehr. Heute gibt es bei Würth längst nicht nur Schrauben, sondern auch Werkzeuge, Arbeitskleidung sowie alle möglichen Angebote rund ums Thema Handwerk (die beispielsweise von Influencer*innen beworben werden, wie Kollege Martin Gardt recherchiert hat).

Abends gebechert, morgens pünktlich auf dem Messestand

Bis heute prägen die Außendienstler das Unternehmen. „Diese Außendienstler sind im Grunde kleine selbstständige Unternehmer“, sagt Reinhold Würth: „Tun sie viel, verdienen sie auch viel, tun sie wenig, verdienen sie auch wenig“. Die besten Verkäufer bekommen vom Unternehmen Belohnungen. Zwei Wochen Bali oder eine Kreuzfahrt? Alles drin, wenn man zu den Stars im Vertrieb zählt. Zusätzliche Motivation (oder Druck) bringt die Veröffentlichung der Umsatzlisten. „Keiner will der Letzte sein, das ist wie in der Bundesliga“, sagt der Patriarch.

Als Vorbild für Ehrgeiz und Einsatz dient ihm dabei die eigene Karriere. Als er den Betrieb übernahm, sei er eigentlich noch „ein Bube“ gewesen, sagt Reinhold Würth. Und natürlich, lässt der heute 87-Jährige durchblicken, hat auch er damals das gemacht, was junge Leute eben häufig so tun: „Wir haben auf den Messen abends schon ganz schön gebechert und gefeiert.“ Doch morgens habe man eben dennoch pünktlich auf dem Messestand gestanden. „Diese Kombination aus harter Arbeit und einer gewissen Leichtigkeit hat den Menschen gefallen“, ist Reinhold Würth überzeugt.

Würth-Führungskräfte müssen weiterhin Krawatte tragen

Die operative Führung hat Reinhold  zwar schon vor Jahren abgegeben, doch am Ende zählt natürlich weiterhin sein Wort. Seine Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass die Arroganz nicht Einzug hält bei Würth, sagt er. Trotz des Erfolgs sollen die Mitarbeiter bodenständig bleiben und weiter hart arbeiten. Würth sagt selbst, das Unternehmen sei teilweise noch traditionell geprägt, etwa beim Thema Kleiderordnung. Obwohl sich selbst in Dax-Konzernen immer mehr der Casual-Look durchsetzt, besteht der Unternehmer weiterhin darauf, dass Führungskräfte bei Würth während der Konferenzen Krawatte tragen. Es ginge ihm nicht darum, die Leute mit einem Strick um den Hals zu sehen, scherzt Reinhold Würth im Gespräch mit OMR-Gründer Philipp Westermeyer (der ebenfalls mit Krawatte erschien). Ihm geht es vielmehr darum, dem Gegenüber Respekt entgegenzubringen – etwa indem man zu Terminen nicht im Freizeit-Look erscheint.

In diesem Jahr könnte der Umsatz der Würth-Gruppe auf bis zu 20 Milliarden Euro steigen, solange die drohende Rezession das Geschäft nicht ausbremst. Genau vorhersagen lässt sich das natürlich nicht, das weiß auch Reinhold Würth: „Ich bin jetzt im 73. Geschäftsjahr tätig, aber ich habe glaube ich nie eine Zeit gehabt, wo ich so wenig gewagt hätte, eine Prognose zu stellen wie in diesen Tagen. Das ist vom tiefsten Schwarz bis zum blühendsten Rosa alles möglich.“

Im OMR Podcast erzählt Reinhold Würth außerdem, warum er eine der größten Kunstsammlungen Europas aufgebaut hat, welche Pläne er mit seinen Enkeln hat – und warum er Würth nie an die Börse gebracht hat.

Die Themen des OMR Podcasts mit Reinhold Würth im Überblick:

    • Über seinen unternehmerischen Erfolg und die Gründe dafür (ab 7:30)
    • Über die Rolle des Vertriebs und den Wandel hin zum E-Commerce (ab 22:50)
    • Warum er im Unternehmen immer noch auf Krawatte wert legt (ab 28:00)
    • Was erwartet er für die nächsten 10 bis 15 Jahre? (ab 32:30)
    • Wer oder was hat ihn als Unternehmer inspiriert? (ab 39:10)
    • Welche Rolle spielt Kunst, Kultur und Sport für die Marke Würth? (ab 42:15)