Integration statt Checkout: OpenAI macht Ernst beim Werbegeschäft
OMR Team31.12.2025
OpenAI setzt auf kontextbasierte Werbepartnerschaften und ambitionierte Umsatzziele, statt eine eigene E-Commerce-Infrastruktur mit internem Checkout aufzubauen
OpenAI konkretisiert seine Werbestrategie und macht nach den ersten Ankündigungen nun Nägel mit Köpfen. Nachdem das Unternehmen bereits Tests für Anzeigen in der kostenlosen ChatGPT-Version bestätigt hatte, werden jetzt die ersten technologischen Partnerschaften offiziell. Mit Criteo als erstem bestätigten Ad-Tech-Partner und fortgeschrittenen Gesprächen mit The Trade Desk zeigt das Team um Sam Altman, wie die Monetarisierung der KI-Plattform technisch und strategisch umgesetzt werden soll. Gleichzeitig wächst der Umsatz jetzt schon auf jährlich 25 Milliarden US-Dollar.
Der weitere Plan? OpenAI konnte kürzlich eine Finanzierungsrunde über 110 Milliarden US-Dollar abschließen, an der sich Schwergewichte wie Amazon, Nvidia und SoftBank beteiligten. Mit diesem Kapital im Rücken visiert das Unternehmen bis zum Jahr 2030 einen Jahresumsatz von über 280 Milliarden US-Dollar an. Das aktuelle Wachstum von 17 Prozent seit Ende letzten Jahres unterstreicht den hohen Skalierungsdruck. Dabei soll die Erlösstruktur künftig auf mehreren Säulen ruhen, wobei das Anzeigengeschäft die bisherigen Einnahmen aus Abonnements und dem Enterprise-Sektor ergänzen wird, ohne diese jedoch vollständig zu ersetzen.
Technisch gesehen wird ChatGPT durch die Partnerschaft mit Criteo deutlich smarter beim Thema Shopping. Criteo liefert die passenden Daten, damit Empfehlungen im Chatverlauf nicht wie Fremdkörper wirken, sondern präzise zum Gespräch passen. Dank neuer Schnittstellen kann die KI wohl sogar in Echtzeit prüfen, ob ein Produkt verfügbar ist oder gerade trendet. Werbetreibende buchen also kein statisches Banner, sondern werden Teil einer Empfehlungslogik, die sich am tatsächlichen Kontext der Nutzenden orientiert. Neben der Kooperation mit Criteo deutet das Interesse an The Trade Desk auf den Einstieg in den programmatischen Werbemarkt hin. Die Gespräche sorgten bereits für Bewegung bei Ad-Tech-Aktien. ChatGPT gilt als Hoffnungsträger für die Branche.
Dass OpenAI lieber die Weichen stellt, statt selbst die Kasse zu bedienen, zeigt sich auch beim Blick auf die E-Commerce-Pläne. Ein aktueller Bericht von The Information spricht von einer Abkehr von Plänen für einen direkten Checkout innerhalb von ChatGPT. OpenAI will stattdessen Transaktionen weiterhin über integrierte Drittanbieter-Apps oder die Websites der Händler abwickeln. Hintergrund ist offenbar die Erkenntnis, dass Nutzende ChatGPT zwar intensiv zur Recherche und Beratung nutzen, den eigentlichen Kaufakt jedoch bevorzugt in der gewohnten Umgebung des Händlers abschließen. Zudem erwiesen sich technische Hürden bei der Bestandsführung und der Betrugsprävention als zu komplex für eine großflächige interne Lösung. OpenAI konzentriert sich stattdessen darauf, den Traffic gezielt an die Verkaufspunkte der Werbepartner weiterzuleiten.