Die besten Social-Media-Strategien 2026

Martin Gardt9.7.2026

8,6 Millionen Views durch echten Mitarbeiter-Content und der eine Post, der die eigenen Follower-Zahlen übertrifft: Der neue Status quo für organischen Reichweitenaufbau

Inhalt
  1. Das OMR-Social-Media-Team: Reichweite über tagesaktuelle Formate
  2. Die Kunst des Newsjackings: Wann sich das Aufspringen auf Trends lohnt
  3. Case Study 1: Catherine Turner zeigt das Potenzial von Employee Generated Content
  4. Case Study 2: Wie Happy Socks das Tiktok-Format "The Chase" adaptierte
Mit nur 13 kurzen Clips hat das Traditionsunternehmen Marks & Spencer über den Account einer Mitarbeiterin über 8,6 Millionen TikTok-Aufrufe erzielt und zeigt das enorme Potenzial von echtem Employee Generated Content. In der aktuellen Folge von OMR Takeaway diskutiert OMR-Chefredakteur Roland Eisenbrand mit Imke de Kuijper, Team Lead Social Media und Brand Marketing bei OMR, wie reichweitenstarke Formate heute aufgebaut werden müssen. Die beiden zeigen die organische Strategie des OMR-Social-Teams, analysieren funktionierende Newsjacking-Kampagnen und erklären den Erfolg einer agilen Marken-Kooperation bei einem Londoner Dating-Format.

Das OMR-Social-Media-Team: Reichweite über tagesaktuelle Formate

Roland und Imke starten mit einer Analyse der Social-Media-Strategie von OMR. Statt starrer Kanal-Ownerships setze das OMR-Team auf feste Kampagnen- und Format-Verantwortlichkeiten. Ein zentraler Baustein ist das im letzten Jahr entwickelte Format "OMRadar". Hier reagiert das Team schnell auf Trends im Netz und ordnet sie im passenden Marketing-Kontext ein. Zuletzt gelang das beim illegalen Kletter-Hochzeitsantrag auf dem Empire State Building oder der Berichterstattung über das werbefreie Levi's Stadium zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Allein der Stadion-Post erzielte auf Instagram eine organische Reichweite von 308.000 Aufrufen – bei 176.000 Followern.
Bei der Erfolgsmessung stünden ganz bestimmte KPIs im Fokus. "Wir haben sehr große Share- und Save-Rates auf diesen Beiträgen, was als Metrik für uns einfach wichtiger geworden ist", erklärt Imke de Kuijper. Besonders gut funktionierten aktuell Carousel-Posts. "Man sitzt vielleicht in der U-Bahn, scrollt durch den Feed und bleibt an einem Carousel-Post hängen, weil das Durchsliden sehr komfortabel ist", so de Kuijper weiter. Reels bleiben wichtig, um Nutzende außerhalb der eigenen Community zu erreichen, wobei hier authentische Videos im FaceTime-Stil das höchste Engagement erzielen würden.

Das sind deine Takeaways:

  • Format-Ownership statt Plattform-Fokus: OMR strukturiert sein Social-Media-Team nach festen Format-Zuständigkeiten statt nach einzelnen Kanälen.
  • Metriken im Wandel: Die Anzahl der Weiterleitungen (Shares) und Speicherungen (Saves) bestimmt maßgeblich die algorithmische Push-Wahrscheinlichkeit von Beiträgen.
  • Starke Performance von Carousels: Slider-Formate erzielen hohe Zugriffsraten, weil sie komfortabel ohne Ton in Alltagssituationen konsumiert werden können.
  • Erfolg mit Low-Fi-Content: Ungeplante, direkt in die Kamera gesprochene Reels im FaceTime-Stil erzielen eine höhere organische Bindung als aufwendig produzierte Videos.
Die schnelle Reaktion auf aktuelle Netzkultur ist für das OMR-Team kein Zufall, sondern Teil der Strategie. Das Aufgreifen aktueller Nachrichten – auch bekannt als Newsjacking – bietet Marken messbare Reichweiten-Chancen. Ein bekanntes Beispiel für diese Marketingstrategie ist der Autovermieter Sixt, der aktuelle Ereignisse bereits vor der Social-Media-Ära auf Plakaten und in Zeitungsanzeigen aufgriff. Ein weiteres historisches Best Practice lieferte Norwegian Airlines im Jahr 2016: Unmittelbar nach der prominenten Trennung von Brad Pitt und Angelina Jolie druckte die Airline eine Anzeige mit der Aufschrift "Brad is single. Flüge nach Los Angeles ab...".
Beim jüngsten Trend um die Extremkletterer auf dem Empire State Building zeigten sich im Markt jedoch deutliche Qualitätsunterschiede. "Timing, Haltung und der Brand Fit müssen absolut sitzen, wenn man auf einen Trend aufspringen will", betont Imke de Kuijper. "Einfach nur das Banner der Extremkletterer zu nehmen und ein pauschales Rabattangebot darauf zu platzieren, funktioniert nicht." Positiv stach dagegen der Werkzeughersteller Würth hervor, der den Kletter-Trend mit dem Slogan "Fallschutz nicht vergessen" passend zur eigenen Produktwelt adaptierte.

Das sind deine Takeaways:

  • Harte Kriterien für Trend-Marketing: Erfolgreiches Newsjacking setzt voraus, dass Timing, Marken-Haltung und der Brand Fit der Kampagne lückenlos ineinandergreifen.
  • Produktnahe Umsetzung gewinnt: Würth übertrug den illegalen Wolkenkratzer-Aufstieg glaubwürdig auf das eigene Sortiment über das Thema Fallschutz.
  • Mut zur Trend-Lücke: Nicht jede Marke muss zwingend auf jeden viralen Social-Media-Zug aufspringen, um relevant zu bleiben.

Case Study 1: Catherine Turner zeigt das Potenzial von Employee Generated Content

Neben der Reaktion auf externe News rückt ein zweiter, oft unterschätzter Reichweitenhebel in den Fokus: die eigenen Mitarbeitenden. Welches Potenzial Vertrauen in deren Kreativität bietet, demonstriert Marks & Spencer. Die britische Lebensmittel- und Handelskette hat weltweit fast 1.500 Filialen und eine Börsenbewertung von rund acht Milliarden Euro. Und seit Mai betreibt Catherine Turner, Director of Product Development bei M&S Foods, einen ganz persönlichen Tiktok- und Instagram-Account rund um die Produkte des Unternehmens. Losgelöst vom offiziellen Markenkanal nimmt sie die Community direkt mit in die Zentrale und interviewt Kolleg*innen aus der Produktentwicklung.
Mit nur 13 veröffentlichten Videos in drei Monaten erzielte Turner allein auf Tiktok 8,6 Millionen Aufrufe. Der Erfolg basiert auf einer langfristigen Strategie des Unternehmens, das bereits 2018 ein entsprechendes Insider-Programm einführte und Hunderte lokale Accounts für einzelne Filialen aufbaute. "Dazu gehört für ein Unternehmen die Bereitschaft, loszulassen", sagt Roland Eisenbrand. "Wenn ein Unternehmen endlose Freigabeschleifen fordert, erstickt das jede Geschwindigkeit und Authentizität, die es auf den Plattformen braucht."

Das sind deine Takeaways:

  • Vertrauen statt Freigabeschleifen: Der Verzicht auf langwierige Kontrollprozesse ermöglicht die für den Social-Media-Erfolg kritische Schnelligkeit und Authentizität.
  • Dezentraler Marken-Auftritt: M&S fördert Hunderte von Mitarbeiter- und Filial-Kanälen auf TikTok, um die Kundschaft nahbar und regional anzusprechen.
  • Abkehr vom Hochglanz-Werbespot: Authentische Einblicke in den Arbeitsalltag und direkte Mitarbeiter-Gespräche erzielen eine tiefere Markenbindung als sterile Hochglanz-Kampagnen.

Case Study 2: Wie Happy Socks das Tiktok-Format "The Chase" adaptierte

Während Marks & Spencer das eigene Personal ins Rampenlicht rückt, zeigt ein anderes Beispiel, wie die agile Kooperation mit externen Creator*innen funktioniert. Einen aktuellen Best Case liefert die Socken-Marke Happy Socks in Zusammenarbeit mit dem Londoner Comedian Josh Murphy. Murphy entwickelte auf Tiktok das erfolgreiche Running- und Dating-Format "The Chase". Das Konzept: Er interviewt Singles beim Joggen, bringt sie mit anderen Jogger*innen zusammen und stellt spontane Beziehungsfragen.
Happy Socks steigt bereits in der siebten Episode als offizieller Partner in eine bezahlte Kooperation ein. Für jeden erfolgreichen Nummernaustausch im Video erhalen die Läufer ein Paar Socken als Gewinn. Der Erfolg der Integration liegt dabei offensichtlich darin, dass Creator Josh Murphy seine Freiheit behält und das Format so bauen kann, wie er das für richtig hält. "Das Briefing muss offen bleiben", rät Imke de Kuijper Marken, die mit Creator*innen arbeiten. "Wenn man das Gefühl hat, das eigene Produkt krampfhaft in den Content drücken zu müssen, sollte man die Kooperation besser lassen."

Das sind deine Takeaways:

  • Frühzeitige Creator-Kooperation: Happy Socks sicherte sich die Partnerschaft mit Comedian Josh Murphy bereits ab der siebten Folge des viralen Formats.
  • Lockere Briefing-Vorgaben gewinnen: Der Verzicht auf aufdringliche Produktplatzierungen und starre Skripte erhält die Glaubwürdigkeit des Inhalts im Social-Media-Bereich.
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Martin Gardt
Autor*In
Martin Gardt

Martin kümmert sich vor allem um neue Artikel für OMR.com und den Social-Media-Auftritt. Nach dem Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft ging er zur Axel Springer Akademie, der Journalistenschule des Axel Springer Verlags. Danach arbeitete er bei der COMPUTER BILD mit Fokus auf News aus der digitalen Welt und Start-ups. Am Wochenende findet Ihr ihn auf der Gegengerade im Millerntor.

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