Daten-Krake Bitly – So macht der einst reine URL-Shortener Milliarden von Links zu Geld

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Vom simplen Social-Sharing-Tool zur mächtigen Link-Management-Plattform

Seit zehn Jahren nutzen Marketer und Publisher auf der ganzen Welt Bitly, um URLs zu kürzen. Heute bietet das New Yorker Unternehmen aber deutlich mehr, als nur einen kostenlosen URL-Shortener. Über 1.000 Brands tracken, analysieren und optimieren über die Link-Management-Plattform Marketing-Kampagnen, Kunden-Kommunikation & Co. Wir erklären das Geschäftsmodell der inzwischen profitablen Company – und verraten, was Bitly mit den Daten aus bis zu elf Milliarden Link-Klicks pro Monat anstellt.

„We get nine, ten, eleven billion clicks each month from more than four billion unique browsers“, erklärt Mark Josephson in einem Interview im Podcast „Deciding by Data“. „So we do see most of the world on a monthly basis. And that provides a lot of opportunity and a lot of interesting brainstorming about what we could do with that visibility.“ Josephson ist seit September 2011 der CEO von Bitly und maßgeblich für die Transformation der Company verantwortlich.

Bitly wird 2008 innerhalb des im selben Jahr gestarteten Startup-Builders und Early-Stage-Investors Betaworks (u.a. Giphy, Digg, Tweetdeck, Tumblr, Medium) gegründet. Die Intention hinter dem Produkt ist simpel: Da Twitter damals wirklich noch ein Kurznachrichtendienst ist, bei dem auch Links in die Begrenzung von 140 Zeichen fallen, ist der Platz für zusätzlichen, eigenen Text rar. Bitly soll dieses Problem lösen, als URL-Shortener die Links deutlich kürzen und so mehr Platz für die eigentliche Nachricht schaffen.

Ein Unternehmen ohne Geschäftsmodell

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Mark Josephson, CEO von Bitly

Obwohl ursprünglich als Tool für Twitter gedacht, das die Zeichenbegrenzung dank gekürzter URLs etwas auflockert, beginnen Nutzer schnell, den Service auch auf anderen Plattformen zu verwenden. Zwar steht auf Facebook oder Linkedin teilweise deutlich mehr Platz für Text zur Verfügung, so dass es nicht zwingend auf einen gekürzten Link ankommt. Dennoch schätzen User früh den schlanken Analytics-Bereich des Dienstes. Wenden Nutzer den Shortener Plattform-übergreifend für alle Inhalte an, lässt sich die Kanal-Performance in einem einzigen Dashboard vergleichen.

Millionen von Nutzer bei schnellem Wachstum und bis Oktober 2010 Finanzierungen in Höhe von 15 Millionen US-Dollar zum Trotz, gibt es lange einen nicht ganz irrelevanten Haken am Geschäftsmodell von Bitly: Es existiert nicht. „We were totally free, largely“, sagt Mark Josephson bei Deciding by Data. „We had to sell product. We had to build a business.“

Frisches Geld dank Serie C-Finanzierung

Im September 2011 verkündet Twitter, ab jetzt nur noch den eigenen Shortener t.co zu nutzen. Jeder auf der Plattform gepostete Link wird seitdem automatisch mit Twitters eigener Lösung gekürzt – egal, ob er schon zuvor mit einem externen Shortener gekürzt wurde. Ein Problem für Bitly, wie es einige befürchtet hatten, sei das laut Mark Josephson allerdings nicht. Seit Jahren sei Twitter nur für unter zehn Prozent des gesamten Trafficvolumens verantwortlich.

Das sehen dann auch Khosla Ventures (Appnexus, Square), RRE Ventures (Buzzfeed, Giphy) und Oreilly AlphaTech Ventures (Codecademy, Openx) so, die Mitte 2012 weitere 15 Millionen US-Dollar in das immer noch defizitäre Startup investieren. Rund ein Jahr später tritt Mark Josephson (zuvor Gründer der hyperlokalen Publishing-Plattform Outside.in, die Anfang 2011 an AOL ging) als CEO an und fokussiert sich seitdem auf das Geschäft mit großen Brands und Companys.

Stammkunden in der Fortune 500 und der Exit

In der Folge wandelt sich Bitly vom kostenlosen Link-Shortener, der nach einem Geschäftsmodell sucht, zu einem Software-as-a-Service-Produkt, für dessen Nutzung Unternehmen monatlich Gebühren zahlen. Aus Anfangs lediglich zwei Sales-Leuten werden schnell über 30, 2015 schafft das Startup den Schritt in die Profitabilität. Von insgesamt über 1.000 Companys, die pro Monat im Schnitt 1.000 US-Dollar für einen Bitly-Account zahlen, stammen laut CEO Mark Josephson über 330 aus der Fortune 500-Liste, dem Ranking der umsatzstärksten Unternehmen der USA.

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Bit.ly gehört laut Similarweb zu den 100 größten Webseiten der Welt.

Das Wachstum und das gleichzeitige Etablieren eines funktionierenden Geschäftsmodells (rund zwölf Millionen US-Dollar Umsatz pro Jahr laut o.g. Angaben) bleibt nicht lange unentdeckt. Im Juli 2017 investiert Spectrum Equity 63 Millionen US-Dollar und übernimmt damit die Mehrheit am Unternehmen. Spectrums Pete Jensen, der im Zuge des Deals einen Platz im Board of Directors erhält, bezeichnet Bitly als eine der stärksten Marken im Internet. Recodes Peter Kafka zufolge sei der Deal auf einer Unternehmens-Bewertung von knapp 100 Millionen US-Dollar erfolgt.

Bitlys ungehobener Datenschatz und Wachstumspotenziale

Obwohl das ursprüngliche Problem, weshalb Bitly gegründet wurde, kaum mehr besteht, scheint das Unternehmen mit dem SaaS-Ansatz als Link-Management-Plattform ein langfristig funktionierendes Geschäftsmodell gefunden zu haben. Und es gebe laut Mark Josephson immer noch extrem viel Wachstumspotenzial: „70 percent of our volume comes from our free product“, so der CEO. Außerdem sei vor allem das Potenzial außerhalb der USA riesig: „Most of our usage comes from outside the US, but we haven’t really gone to market in an efficient and direct way internationally.“

Das aktuell größte aber bisher nicht genutzte Potenzial dürfte allerdings in den riesigen Mengen an Daten liegen, die Bitly Monat für Monat sammelt. Das ist dank der Größe der Brand und der API-Einbindung in 39.000 verschiedene Anwendungen wie beispielsweise Share-Buttons enorm. „Any time you click on a Bitly link, whether you see it or not, it’s a 301 redirect through our product and our server, so we drop a first party cookie“, erklärt Mark Josephson bei Deciding by Data. Ein ungehobener Datenschatz, mit dem das Unternehmen bisher offenbar noch nicht so viel anstellt. „I do have a tremendous amount of data visibility into trends and consumption across the globe. And across every category and across every platform“, so der CEO.

Die Ziele von Bitly – und Konkurrenten

Eine denkbare Monetarisierung der Daten in Form von kostenpflichtigen Studien und Branchenreports sei zwar denkbar, allerdings unter strengen Voraussetzungen. So werde man nie Daten von einzelnen Unternehmen veröffentlichen oder sie gegen Bezahlungen konkurrierenden Unternehmen derselben Branche verfügbar machen. Mark Josephson sagt: „There is opportunity to build some benchmarking products and some other sort of insights that we can help share, but we’re never going to cannibalize the data for competitive benefit.“ Konkrete Ziele für Bitlys Zukunft hat er dennoch: „I want every company in the world to be a Bitly customer.“ Da dürften alternative Services wie Googles Shortener, der 2019 in der Plattform „Firebase“ aufgehen wird, oder Rebrandly aber vermutlich etwas dagegen haben.

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