Andy Puddicombe: Dieser Ex-Mönch mit 36 Millionen App-Downloads kommt zum OMR-Festival!

Andy Puddicombe (Foto: Headspace)

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Der Headspace-Mitgründer ist eine der spannendsten Personal Brands

Vom buddhistischem Mönch zum Zirkusartisten zum erfolgreichen Digitalunternehmer – es wäre erstaunlich, wenn Andy Puddicombes Leben nicht irgendwann einmal verfilmt werden würde. Mit der von ihm mit erfundenen Meditations-App Headspace hat der gebürtige Brite quasi ein gesamtes Genre inklusive angehängtem Wirtschaftszweig erschaffen. OMR fasst seinen erstaunlichen Lebensweg zusammen und erklärt, welchen Weltrekordversuch Puddicombe beim kommenden OMR Festival unternehmen will.

Im Alter von 22 Jahren erlebt Andy Puddicombe seinen Wendepunkt: Mehrere Menschen aus seinem nächsten Umfeld kommen durch tragische Unfälle ums Leben. Das Sportwissenschaftsstudium, das er kurz danach aufnimmt, habe die Fragen, die sich ihm daraufhin gestellt hätten, nicht beantworten können: „Ich wurde zunehmend unzufrieden. Egal, wie viel Bier ich trank, mit wie vielen Frauen ich auch schlief, oder wie gut meine Noten waren – nichts berührte mich wirklich“, sagt er später über diese Zeit.

Aus dem Himalaya nach Russland

Er bricht sein Studium ab, mit dem konkreten Ziel, buddhistischer Mönch zu werden. Seine Mutter hatte ihn bereits im Alter von elf Jahren zu Meditationskursen mitgenommen. Puddicombe fliegt also in den Himalaya. In den kommenden Jahren durchläuft er dort in verschiedenen Klostern mehrere Ausbildungsstationen. Oft meditiert er 18 Stunden an einem Tag. Mit 28 wird er nach der Kagyü-Tradition als Priester geweiht. Zum Lehren wird er in ein buddhistisches Zentrum nach Moskau geschickt.

Dort führt er unter anderem einen hochrangigen Manager eines Öl-Konzerns in die Meditation ein. Als dieser ihm erklärt, dass er ihn gerne dazu verpflichten würde, Meditationen mit seinen Mitarbeitern durchzuführen, diese ihn aber wegen seines Mönch-Outfits nie akzeptieren würden, stellt Puddicombe fest: Meditation lehren zu können, ist ihm wichtiger, als ein Mönch zu sein. Er fasst den Beschluss, nach London zurückzukehren. Das ist jedoch gar nicht so einfach: Seine Besitztümer hat Puddicombe zu Anfang seiner Mönchskarriere aufgegeben.

Vom Zirkusartisten zum Unternehmer

Der mittlerweile Endzwanziger arbeitet also erst einmal kurzzeitig am Moskauer Staatszirkus. Ein Kontakt dort empfiehlt ihm eine Ausbildung zum Zirkusartisten, damit er Zugang zu einem Stipendium bekommt. Dieser Schritt ermöglicht Puddicombe die Rückkehr nach London. Dort absolviert er tagsüber die Zirkusausbildung; in jeder freien verfügbaren Minute arbeitet er an Inhalten für Meditationskurse. In seinem letzten Ausbildungsjahr verletzt er sich und kommt in eine Klinik, die ihn später dafür engagiert, gemeinsam mit den Patienten Meditationen durchzuführen. Das eröffnet ihm später die Chance, ein privates Meditationsstudio zu eröffnen.

Darüber lernt Puddicombe im Jahr 2008 Rich Pierson kennen: einen Marketing-Experten, der bei einer Agentur den großen Kunden Axe betreut und kurz vor dem Burnout stehend sein Heil in der Meditation sucht. Beide gehen eine ungewöhnliche Tandem-Partnerschaft ein: Puddicombe bringt Pierson Meditation bei, und der ihm im Gegenzug Marketing. Im Jahr 2010 gründen sie Headspace – zunächst als Event-Unternehmen, das Meditations-Sessions an ungewöhnlichen Orten veranstaltet. „Die App kam erst später. Ich war damals davon noch nicht so überzeugt. Ich hatte ja gerade erst das Kloster verlassen und mein erstes Handy bekommen“, so Puddicombe in einem Podcast.

Ein TED-Talk als Personal-Brand-Booster

Zwei Jahre später ist es dann so weit: Mit einem Budget von 50.000 US-Dollar bringen die beiden Gründer ihre erste rudimentäre App auf den Markt. Und im November desselben Jahres erlebt das Startup einen weiteren Meilenstein: Andy Puddicombe hält in London einen Vortrag im TED-Salon: „All it takes is 10 mindful minutes“. Die im Januar 2013 veröffentlichte Videoaufzeichnung des Vortrags wird ein viraler Hit; auf Google explodieren die Suchanfragen nach Andy Puddicombe. Bislang ist das Video auf der TED-Website 9,6 Millionen und bei Youtube 2,3 Millionen Mal aufgerufen worden.

Das beschleunigt auch die Entwicklung von Headspace: Im Jahr 2014 erscheint die zweite, deutlich ausgebaute Version der App; das Startup nimmt ein erstes Seed-Investment auf. Im Jahr 2015 folgt eine Series-A-Runde in Höhe von 30 Millionen US-Dollar, die u.a. von der Chernin Group (auch bei Medium, Soundcloud und Flipboard investiert), den Hollywood-Schauspielern Jessica Alba und Jared Leto, dem Fernsehmoderator Ryan Seacrest und dem Linkedin-Mitgründer Jeff Weiner stammen. Im Juni 2017 folgt eine Series B. Laut dem Wall Street Journal soll Headspace bislang insgesamt 80 Millionen US-Dollar Funding eingesammelt haben, zu einer Bewertung von 320 Millionen US-Dollar.

Promis und TV sorgen für Awareness

Größter Hebel für den Erfolg von Headspace dürfte nach wie vor Andy Puddicombe als Personal Brand sein. Seine persönliche Geschichte und seine Vergangenheit als buddhistischer Mönch laden das Unternehmen mit Kredibilität auf; sein sympathisches Auftreten hilft, Meditation zu entmystifizieren und für die breite Masse kompatibel zu machen. Alle Headspace-Nutzer – auch die internationalen – werden in der App von Puddicombes angenehmer, beruhigender Stimme durch die Meditation geführt. Er gibt der Marke ein Gesicht – und macht ihr damit auch aufmerksamkeitsstarke Fernsehauftritte bei Jimmy Fallon und Ellen de Generes möglich.

Hinzu kommen prominente Headspace-Testimonials und -Fürsprecher. Hollywood-Star Ryan Reynolds erklärte gegenüber der New York Times, dass Headspace ihm geholfen habe, mit Ängsten umzugehen. Bekannte Unternehmer wie Richard Branson und Arianna Huffington erklären laut Business Insider ebenso wie US-Olympioniken, dass sie die App nutzen. Tim Ferriss, Lebron James und Gwyneth Paltrow sollen ebenfalls zu den Headspace-Nutzern gehören. Und Schauspielerin Emma Watson empfahl Headspace schon 2013 auf Twitter.

Content Marketing generiert Leads

Wer nicht durch Above-the-Line-Medien auf Headspace aufmerksam wird, wird es vielleicht durch die Content-Marketing-Maßnahmen des Unternehmens. Einen Teil der Videos aus der App veröffentlicht Headspace auch im unternehmenseigenen Youtube-Kanal. Er habe für die Videos einfach Dinge nacherzählt, die ihm im Kloster beigebracht worden seien, so Puddicombe gegenüber Adweek. In Kombination mit den freundlichen Animationen treffen die Geschichten bei vielen offensichtlich einen Nerv: Bislang verzeichnen die Videos fast 250 Millionen Views. Auch ein Blog mit Artikeln sowie ein Podcast, dessen Folgen zwischen 30.000 und 65.000 Hörern verzeichnen, zieht an Meditation interessierte Nutzer in die Produktwelt von Headspace hinein.

Dazu, dass möglichst viele in dieser Welt verbleiben, dürfte auch das Produktdesign von Headspace beitragen. Die App ist nach dem bewährten Freemium-Modell aufgebaut: Die ersten zehn Tage sind kostenlos. Wer dann das Produkt zu schätzen gelernt hat und es weiter nutzen möchte, muss ein kostenpflichtiges Abo abschließen. Gamification-Elemente sollen die Nutzer dann bei der Stange halten. Wer regelmäßig meditiert, erhält beispielsweise Freimonate.

Gamification-Elemente in der Headspace-App (Quelle: James Hamlin auf Medium)

Eine Meditation mit 8.000 Teilnehmern

All diese Element haben zuletzt für ein rasantes Nutzerwachstum gesorgt: Bisher verzeichne Headspace 36 Millionen Downloads in 190 Ländern, so das Unternehmen gegenüber OMR. Das Business-Netzwerk Linkedin führt mittlerweile 243 Headspace-Mitarbeiter.

Wir freuen uns deswegen umso mehr, Andy Puddicombe auf dem kommenden OMR Festival als Speaker bei der Konferenz am 8. Mai begrüßen zu dürfen. Die Konferenzbesucher dürfen sich auf einen Weltrekordversuch einstellen: eine Meditation mit 8.000 Teilnehmern!

Zusätzlich zu Andy Puddicombe haben wir heute die ersten acht weiteren Speaker des OMR-Festivals bekannt gegeben. Ihr wollt wissen, wer alles dabei ist? Unbedingt hier entlang!

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