Weshalb viele Gründer Rheinländer sind und die Region trotzdem kein Digital-Cluster hat

Podcast-Stammgast Sven Schmidt und "Silicon Rheinland"-Autor Florian Rinke über den Tech-Standort Deutschland

Die Samwer-Brüder kommen aus Köln, HelloFresh-Gründer Thomas Griesel aus der Nähe von Düsseldorf, Robert Gentz von Zalando aus Kaarst unweit der Landeshauptstadt. Obwohl überdurchschnittlich viele Founder erfolgreicher deutscher Unternehmen aus dem Rheinland stammen und die Startup-Szene hierzulande massiv geprägt haben, spielt die Region selber als Standort kaum eine Rolle. Warum ist das eigentlich so? In der aktuellen Folge des OMR Podcasts diskutieren Stammgast Sven Schmidt und Wirtschaftsredakteur Florian Rinke diese Frage, analysieren die Stärken von Berlin und München – und erklären, was Städte brauchen, um zu einem Digital-Cluster zu werden.

„In Berlin ist ein Cluster mit unglaublichen Netzwerkeffekten entstanden. Da sind die Investoren, da sind die Gründer, die Unicorns. Aus den Unicorns kommt hoffentlich die nächste Welle erfolgreicher Gründer. Und so verstärkt sich das dann alles“, sagt Podcast-Stammgast Sven Schmidt im Gespräch mit Philipp Westermeyer und Florian Rinke. Rinke schreibt seit etwa sechs Jahren für die Rheinische Post über die deutsche Gründerszene. Mit „Silicon Rheinland – wo die Wiege der deutschen Start-up-Szene wirklich liegt“ hat er jetzt ein Buch veröffentlicht, in dem er sich mit der von Schmidt beschriebenen Stärke Berlins als Digital-Cluster beschäftigt. Und sich fragt, weshalb es einen solchen Standort nicht im Rheinland gibt.

„Irgendwann ist mir aufgefallen, dass extrem viele der sehr erfolgreichen Gründer aus dem Rheinland kommen“, so der Redakteur während der Diskussion. „Und dann habe ich mich gefragt, ob das einfach nur eine einwohnerstarke Region ist, oder ob es da andere Zusammenhänge gibt.“ Neben den oben erwähnten Gründern hätten unter anderem noch Johannes Reck von Getyourguide, Florian Heinemann von Project A und auch Sven Schmidt selber ihre Wurzeln im Rheinland. Und trotzdem seien Berlin und München laut Schmidt, der mit der Machineseeker Group in Essen sitzt, aber in Düsseldorf wohnt, kaum einholbar.

Reichen Deutschland zwei Digital-Standorte?

Man müsse sich die Frage stellen, ob nicht zwei bärenstarke Cluster für Deutschland sinnvoller seien, als diverse mittelstarke, so Schmidt. Florian Rinke glaubt, dass ähnlich wie in München mit BMW-Erbin Susanne Klatten, Einzelpersonen eine wichtige Rolle für Standorte spielen könnten. „Das gibt es in Hamburg sicher auch ein Stück weit, dass Unternehmerfamilien in Startups investieren. Bei Project A zum Beispiel ist ja durchaus auch Geld aus der Otto-Familie mit drin“, so Rinke. Außerdem müsse es dann aber auch entsprechend sehr starke Universitäten geben. Er sagt: „Und das ist in München die Technische Universität München, die seit Jahren quasi die wichtigste Gründerhochschule in Deutschland ist.“

Dass eine sehr starke Universität allerdings nicht automatisch die Garantie für das nächste Digital-Cluster ist, beweise die WHU in Koblenz. „Die Samwers haben viele aus ihrem eigenen Netzwerk aus WHU-Zeiten rekrutiert und waren damals natürlich irgendwie der Auslöser für das Berliner Digital-Cluster“, stellt Sven Schmidt fest. Und in dem Zusammenhang äußert er dann auch recht deutliche Kritik am Ausbildungsfokus von Universitäten: „Die wenigsten Germanisten werden die Software-Unternehmen von morgen gründen. Ohne Frage brauchen wir auch herausragende Germanisten. Aber am Ende brauchen wir mehr Informatiker und Ingenieure.“

Welche Erfahrungen Sven Schmidt selber mit der Machineseeker Group während der Suche nach Informatikern macht, wie man mehr Talente dazu motivieren könnte, technische Richtungen einzuschlagen und an welcher Stelle Hamburg als Digital-Cluster nach Berlin und München folgt, hört Ihr in der aktuellen Ausgabe des OMR Podcasts.

Unsere Podcast-Partner im Überblick:

Weil Sven Schmidt und Florian Rinke auch über die Attraktivität von München als Digital-Standort diskutieren, passt es ganz gut, dass Philipp Westermeyer vorher noch mit Janine Kanters gesprochen hat. Sie ist nämlich Marketing Director DACH bei Contentsquare – und das Unternehmen hat sein Deutschland-Büro in der bayerischen Hauptstadt. Mit der Software von Contentsquare könnten Webseiten-Betreiber jegliche Interaktion von Usern tracken und die komplette Journey abdecken – inklusive des Verhaltens zwischen den Klicks. Weltweit 700 Brands haben mittlerweile die Lösung von Contentsquare im Einsatz, unter anderem Snipes, Deichmann und BMW. In einer Series-D-Finanzierungsrunde konnte das Unternehmen übrigens zuletzt 190 Millionen US-Dollar einsammeln. Wer jetzt neugierig ist: Am 10. November um 11 Uhr wird Janine Kanters in einer unserer Digital Masterclasses genau erklären, was Contentsquare kann. Und wir selber beschreiben demnächst in einem Artikel, welche Erkenntnisse wir selber mit der Lösung erzielt haben.

Falls Ihr Euch schon gefragt habt: Ja, es gibt ihn noch, den Tarif „Vodafone Red Business Prime“. Und er beinhaltet natürlich auch immer noch Leistungen wie 15 Gigabyte Datenvolumen im Monat, kostenloses Telefonieren ins europäische Ausland und – wenn man denn möchte – einen Personal Agent, also einen persönlichen Ansprechpartner für wirklich alle Servicefragen. Den hat Philipp Westermeyer übrigens vor kurzem sehr gut gebrauchen können, als er dank unbezahlter Rechnung plötzlich kein Netz mehr hatte. Dazu aber mehr an anderer Stelle, alle Infos zum Tarif findet Ihr wie immer unter vodafone.de/prime.

Wir weisen an dieser Stelle ja immer gern auf weitere hörenswerte Podcasts hin. Die Kollegen von Hubspot (bekannt für ihre All-In-One-Plattform für Inbound-Marketing, Sales, CRM und Kundenservice) haben ein spannendes Format für Euch an den Start gebracht. In „The Digital Helpdesk“ beleuchten die zwei HubSpotter Marvin Hintze und Ben Harmanus jeden Dienstag Themen wie Social Media Marketing, Content Marketing, Influencer Marketing, Landing-Page-Optimierung und viele mehr. Da sind auf jeden Fall viele Learnings dabei, hört also direkt rein – überall da, wo es Podcasts gibt.

Zum ersten Mal als Partner mit dabei ist der Payment-Anbieter Unzer, bis vor wenigen Tagen noch unter dem Namen Heidelpay unterwegs. Über 200 verschiedene Zahlungsoptionen könnt Ihr mit der Lösung Euren Kunden anbieten und so nahezu garantieren, dass wirklich für jeden User eine Möglichkeit angeboten wird. Egal welcher Kanal, egal welche Währung und das alles aus Deutschland heraus. Seid Ihr neugierig oder habt Fragen? Dann findet Ihr noch mehr Infos und die Antworten auf unzer.com.

Zum Schluss noch ein Hinweis auf die Hamburg Media School. Am 29. und 30 Oktober gibt es dort nämlich zum ersten Mal einen Kurs für digitale Produktentwicklung. Wie entwickelt man Dinge digital? Welche Tools kommen dabei zum Einsatz? Wie setzt man etwas innovativ um? Die Antworten darauf gibt es im interaktiv aufgebauten Online-Kurs. Und als Podcast-Hörer könnt Ihr natürlich etwas Geld sparen: Auf hamburgmediaschool.com/weiterbildung bekommt Ihr zehn Prozent Rabatt.

Alle Themen des OMR Podcasts mit Sven Schmidt und Wirtschaftsredakteur sowie „Silicon Rheinland“-Autor Florian Rinke im Überblick:

  • So hat Sven Schmidt seinen Auftritt beim Sport1-Format Doppelpass erlebt
  • Deshalb ist für Wirtschaftsredakteur Florian Rinke das Rheinland die Wiege der deutschen Startup-Szene
  • Woran könnte es liegen, dass so viele Gründer erfolgreicher Unternehmen aus dem Rheinland kommen?
  • Sven Schmidt hat so seine Zweifel an Florian Rinkes These, dass der Erfolg der Gründer von Rocket Internet, HelloFresh oder Zalando mit der rheinischen Herkunft zu tun hat
  • Sven Schmidt über Standortvorteile: „Trivago-Mitarbeiter sind wegen des Unternehmens nach Düsseldorf gegangen – nicht wegen der Stadt. Nach Berlin gegen Leute wegen der Stadt.“
  • Was können Städte und Universitäten tun, um bei Studierenden an Attraktivität zu gewinnen?
  • Infrastruktur und Talente sind da – Florian Rinke fragt sich, was dem Rheinland fehlt, um ein Startup-Hotspot zu werden
  • Weshalb wurde Simfy aus Köln nicht zu dem, was Spotify heute ist?
  • Deshalb spielen laut Sven Schmidt Netzwerkeffekte eine enorm wichtige Rolle für Standorte wie Berlin
  • Hamburg kann es laut Schmidt und Rinke nicht ansatzweise mit München als Digital-Standort aufnehmen. Warum? Und welche Rolle spielt dabei zum Beispiel das Center for Digital Technology and Management?
  • Braucht Deutschland neben Berlin und München überhaupt noch weitere solcher Cluster?
  • Sven Schmidt übt Kritik an Universitäten, falsch platzierten staatlichen Subventionen – und fordert mehr Informatiker
  • Welchen Einfluss hat Corona auf Cluster-Vorteile von Regionen wie Berlin und München?
  • Wie wird sich der Markt für Tech-Events in den kommenden Monaten entwickeln?

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