MAKE TOMORROW NEW: „Viele Teams hätten es verdient gehabt, ins Finale zu kommen“

Foto: Brian Jakubowski

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Kein Live-Publikum, dafür TV-Atmosphäre: Auch unter Corona-Bedingungen war das Halbfinale von MAKE TOMORROW NEW spektakulär. Das sind die Finalisten des Innovationswettbewerbs

Wie so viele Geschichten in den vergangenen Monaten, beginnt auch diese mit einem „eigentlich“. Eigentlich sollten beim Halbfinale des Ideenwettbewerbs MAKE TOMORROW NEW die verbliebenen Teilnehmer*innen vor großem Publikum ihre Ideen pitchen. Es ging um den Einzug ins Finale des mit insgesamt eine Million Euro dotierten Innovations-Contests, bei dem es sich um eine Initiative von Philip Morris mit der Marke IQOS handelt. Mehrere Hundert Teilnehmer*innnen hatten Ideen eingereicht, mit denen sie die Welt ein Stück besser machen wollen. Beim Halbfinale ging es um die Frage, welche drei aus den sechs verbliebenen Ideen es ins Finale schaffen.

In der Hoffnung, das Event wie geplant vor Zuschauern stattfinden lassen zu können, wurde Anfang März im Auditorium der Leuphana Universität Lüneburg eine spektakuläre Bühne inklusive skulpturalem Jurytresen aufgebaut. Doch je näher der Veranstaltungstermin rückte, desto klarer wurde: Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie würden eine Show mit Live-Publikum nicht zulassen.

„Ein kämpferischer und unterhaltsamer Tag“

Also Plan B: die Aufzeichnung des Halbfinales. Dabei betrieben die Initiatoren einen Aufwand, der manche TV-Show blass erscheinen lässt – auch wenn nur die Gründer*innen, die Jury und das Produktionsteam vor Ort anwesend waren. Natürlich waren Jury und Teilnehmer*innen getestet, und alles lief unter strengster Einhaltung der Corona-Regeln ab.



Es gab sechs spannende Pitches und anschließend lebhafte Diskussionen unter den Jury-Mitgliedern Philipp Westermeyer, Lea-Sophie Cramer, Tim Mälzer und Fynn Kliemann, wer weiterkommen soll: das inklusive E-Trike, das gleichermaßen von Fußgängern und Rollstuhlfahrern benutzt werden kann, ein neuartiges Verpackungsmaterial aus Algen, ein cleveres System zur gerechten Wasserverteilung in Entwicklungsländern, die App, die die Suche nach dem passenden Haustier nach dem Tinder-Prinzip revolutioniert, eine App, über die Städter Erlebnisse auf dem Land buchen können oder das nachrüstbare Energiespar-Gadget für Duschen?

„Es hätten aus meiner Sicht schon wirklich viele Teams verdient gehabt, ins Finale zu kommen. Aus Sicht von Lea, Tim und Fynn offenbar auch – nur zum Teil andere. So wurde es ein kämpferischer und unterhaltsamer Tag. Am Ende sind super Teams im Finale, auf die alle stolz sein können“, sagt Philipp Westermeyer über das Halbfinale.

Warmduscher und Tüten aus Algen

Für die Runde der letzten Drei gesetzt ist unter anderem das Projekt Warmduscher. Dessen simple wie bestechende Idee: Über einen Wärmetauscher, der in eine Duschmatte integriert ist, wird das sonst – wortwörtlich – abfließende Duschwasser genutzt, um das folgende Duschwasser zu erwärmen. So ließen sich 25 Prozent der Energie einsparen, erklärten Luca Helfers und Oliver Baum, die beiden Erfinder. „Unser Ziel ist, dass es bald schon nicht mehr cool ist, ohne Warmduscher zu duschen“, so Baum gegenüber der Jury beim Halbfinal-Pitch. Die zeigte sich überzeugt und schickte die beiden Ingenieure aus Hannover ins Finale.

Ebenfalls ins Finale schaffte es Mujo, ein Verpackungsmaterial auf Basis von Braunalgen, das Plastik ersetzen soll. „Rosen aus Dosen, Blüten aus Tüten“ – auf diese Formel brachten die Gründerinnen Annekathrin Grüneberg, Juni Sun Neyenhuys und Malu Lücking ihren Ansatz. Verpackungen müssten nur so lange überleben, wie sie benötigt werden. Die drei bilden ein interdisziplinäres Team, das bei der Arbeit an einem innovativen Material zugleich Ressourcen-schonendes Verpackungsdesign und komplette Produktlebenszyklen in den Blick nimmt. Mujo könnte in den kommenden drei Jahren 25.000 Tonnen Folien, Netze und Garne aus Platik überflüssig machen, so die Gründerinnen beim Pitch. Das Preisgeld würden sie einsetzen, um ihr Material soweit zu entwickeln, dass die Industrie es auf ihren Maschinen verarbeiten kann.

Der Favorit der IQOS-Community

Fehlt noch der dritte Finalist. Über den durfte die IQOS-Community abstimmen. Die entschied sich für das Projekt „Wasser für die Dritte Welt“ von David Walter. Der präsentierte der Jury sein „intelligentes Verteilerbauwerk“, mit dem sich Wasser fair aufteilen lässt – und so einem in Entwicklungsländern häufigen Konflikt die Grundlage nimmt. „Jedes Dorf bekommt einen gerechten Anteil des Wassers, es gibt keinen Streit, Leitungen werden nicht zerstört“, erklärt Walter. Ein erstes System sei bereits in Vietnam im Einsatz und versorge 10.000 Menschen. Allerdings bestehe die Pilotanlage aus Beton, sei darum kompliziert zu bauen und nicht mobil. Sollte Walter gewinnen, will er sein Verteilsystem zu einem universell einsetzbaren, transportablen Verteilermodul aus Edelstahl weiterentwickeln.

Welche Idee am Ende bei MAKE TOMORROW NEW siegen wird, das entscheidet sich nun beim Finale im September 2021. Doch schon jetzt lässt sich sagen: Der Innovationwettbewerb ist ein Erfolg gewesen und hat geholfen, viele spannende Projekte ins Rampenlicht zu holen. 1.590 Ideen sind während der Bewerbungsphase im Oktober und November 2020 eingereicht worden. Die 30 besten darunter wurden in einer ersten Runde mit jeweils 5.000 Euro dotiert. Sechs Ideen schafften es in das Halbfinale und erhielten weitere 15.000 Euro. Die drei dort gekürten Finalisten können sich über jeweils 50.000 freuen und kämpfen nun um den Hauptpreis von 330.000 Euro – wodurch die Siegeridee insgesamt also mit 400.000 Euro gefördert wird.

Hier die komplette Show des MAKE TOMORROW NEW-Halbfinales:

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