Überraschender Deal: Dumont übernimmt die Mehrheit an Facelift

Facelift-Gründer Benjamin Schroeter im Exklusiv-Interview

Die Kölner Mediengruppe Dumont (Verleger von u.a. diversen Lokalzeitungen) übernimmt die Mehrheit am Hamburger Unternehmen Facelift, Anbieter von Social-Media-Marketing-Software. Der Facelift-Exit kommt nicht unerwartet, hatten die Gründer doch zuletzt auch in einem Interview über eine solche Option gesprochen. Dass nun aber gerade Dumont der Käufer ist, ist eher überraschend. Facelift-Mitgründer Benjamin Schroeter hat Online Marketing Rockstars in einem exklusiven Interview Einblicke in die Hintergründe des Deals gegeben.

75 Prozent an Facelift möchte Dumont übernehmen; 25 Prozent der Anteile sollen in den Händen der beiden Gründer Benjamin Schroeter und Teja Töpfer verbleiben. Damit würden die bisherigen Investoren ihre Anteile komplett veräußern. Im Februar 2014 hatte ein in London ansässiges arabisches Family-Office insgesamt 15 Millionen Euro in Facelift investiert. Der Mehrheitsübernahme an Facelift durch Dumont muss die Kartellbehörde noch zustimmen.

Die Dumont Mediengruppe verlegt mehrere Lokalzeitungen, darunter den Kölner Stadtanzeiger, den Kölner Express, die Berliner Zeitung und die Hamburger Morgenpost. Im Digital-Bereich war das Unternehmen im Vergleich zu Mitbewerbern wenig aktiv. Zuletzt ging der Online-Teenie-Sender Joiz, an dem Dumont minderheitlich beteiligt war, in die Insolvenz; es folgte eine Schlammschlacht zwischen den verschiedenen Investoren.

Dumont will im Digitalgeschäft aufholen

Seit zwei Jahren führt Christoph Bauer bei Dumont die Geschäfte. „Das Engagement bei Facelift ist ein wichtiger Schritt für den Ausbau des Digitalgeschäfts unserer Mediengruppe und markiert einen entscheidenden Baustein bei der Umsetzung unseres strategischen Programms ‚Perspektive Wachstum’“, so das offizielle Statement von Dumont-CEO Dr. Christoph Bauer zum Deal.

Einen Kaufpreis kommunizieren beide Parteien nicht. Angesichts der bisherigen Investitionen ist davon auszugehen, dass die Kaufsumme im mindestens achtstelligen Bereich liegen muss. Wir haben bei Benjamin Schroeter nachgefragt.

Dumont als Käufer überrascht etwas – im letzten Interview, das wir mit Euch geführt haben, war die Rede von einer internationalen Vertriebskooperation, einem Zusammenschluss mit einem anderen Software-Unternehmen oder sogar einem Börsengang. Das alles trifft auf den jetzigen Deal nicht zu. Könnt Ihr das kommentieren?

Benjamin Schroeter

Benjamin Schroeter

Wir hatten ja damals gesagt, dass uns das gesamte Spektrum offen steht. Dumont ist ein wenig das ‚New Kid on the Block’. Bisher haben alle Leute immer nur von ProSiebenSat1, Ströer und Springer gesprochen. Dumont hat digital ein bisschen Nachholbedarf, aber deswegen wollen sie dort umso stärker Gas geben. Wir bekommen mit diesem Backing noch einmal richtig Rückenwind, um das Ganze so weiterzubauen, wie wir uns das vorstellen – weil bei Dumont die Aufmerksamkeit auf dem Thema jetzt so hoch ist. Wenn wir Teil von IBM, Microsoft oder SAP geworden wären, wären wir ein kleines Feature gewesen, das zwischen die Mühlen eines Multimilliarden-Euro-Unternehmens geraten wäre. Mit dem jetzigen Deal haben wir eine gewisse Prominenz und sind zum Startschuss der digitalen Transformation des Unternehmens mit dabei. Das ist sehr spannend. Zudem war uns wichtig, dass wir nicht einfach ‚durchgetradet’ werden. Die Mitglieder der Familien Dumont sind seit 400 Jahren Unternehmer. Die denken in anderen Zeithorizonten und betreiben eine Politik der ruhigen Hand. Das ist bei klassischen Investoren nicht unbedingt der Fall. Und bei Großkonzernen besteht die Gefahr, dass man nach drei Jahren abgeschrieben wird und weg ist. Vertriebskooperationen mit anderen Unternehmen können wir deswegen trotzdem eingehen, aber eben nicht auf einer Equity- sondern auf einer normalen Partnerschaftsebene.

In anderen Fachmedien ist über Dumont in den vergangenen Jahren auch wegen der angeblich zu geringen Investitionen in Digital immer wieder sehr kritisch berichtet worden. Was soll denn dort nun passieren?
Christoph Bauer ist dort als CEO geholt worden, um das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Im Rahmen einer Drei-Säulen-Strategie soll nun natürlich auch Digitales Business zu einer starken Erlössäule aufgebaut werden. Wir sind nun in dem Sinne der Startschuss dafür, als dass wir das erste relevante Asset in diesem Bereich sind. Facelift soll dabei als Business-Plattform dienen, in die weitere Assets, die akquiriert werden, integriert werden sollen. Auf diese Weise wird sich der Umsatzanteil von Digital in den nächsten Jahren dramatisch erhöhen.

Ihr habt vor zwei Jahren 15 Millionen Euro eingesammelt. Frühphaseninvestoren erwarten nicht selten ein hohes Multiple. Hat Dumont so viel zahlen können?
Zum Kaufpreis haben beide Partner Stillschweigen vereinbart.

Könnt Ihr etwas über die Modalitäten des Deals sagen? Gibt es ein Earn-out-Element? Wie lange seid Ihr beide nun vertraglich an Facelift gebunden?
Zu den genauen Modalitäten möchte ich mich nicht äußern. Ich kann aber sagen, dass Teja und ich uns langfristig, also für mehrere Jahre committed haben. Wir glauben ja, dass wir mit dem Fundament, das wir jetzt haben, der europäische Top-Anbieter in unserem Segment werden können.

Ihr seid in einem aktuellen Ranking des Focus als eines der wachstumsstärksten Unternehmen Deutschlands aufgeführt; mit 68 Prozent jährlichem Wachstum in den vergangenen drei Jahren und einem Umsatz von 12,9 Millionen Euro im Jahr 2015. Könnt Ihr schon etwas zur Umsatzentwicklung im Jahr 2016 sagen?
Unser Ziel ist es, jedes Jahr zwischen 50 und 100 Prozent zu wachsen, und das ist uns auch in 2016 gelungen.

Glückwunsch Männer, wir hoffen, dass das gut wird für Euch!

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