Autograph: Warum Football-Star Tom Brady ins NFT-Business einsteigt

Tony Hawk, Naomi Osaka und Tiger Woods sind dabei – ist das das Comeback der NFT-Collectibles?

Ein All-Star-Team soll es richten. Gleich fünf Sportstars hat der US-Football-Star Tom Brady in sein Team geholt: Australien-Open-Siegerin Naomi Osaka, Skater-Legende Tony Hawk, den Golfer Tiger Woods, Eishockey-Profi Wayne Gretzky und Baseball-Star Derek Jeter. Sie alle haben nicht nur Exklusivdeals mit Bradys NFT-Collectible-Firma Autograph abgeschlossen – die Spitzensportler:innen sitzen zudem im Advisory Board des Startups. OMR erklärt, warum das Projekt – trotz der aktuellen NFT-Fatigue – dank cleverer Allianzen am Ende zum Milliarden-Business werden könnte.

Folgt man dem berühmten Hype Cycle, dann befindet sich das Thema NFT-Sammelobjekte gerade im berüchtigten „Tal der Enttäuschungen“. Nach dem großen Boom zwischen Herbst 2020 und Frühjahr dieses Jahres ist es in den Medien ziemlich still geworden. Dabei trügt die vordergründige Ruhe: Das auf NFTs basierende Fantasy-Soccer-Spiel Sorare ist auf dem Weg zu Frankreichs wertvollstem Startup. Einzelne virtuelle Sammelkarten von „NBA Top Shots“ werden nach wie vor zu sechsstelligen Dollar-Beträgen gehandelt. Und die VC-Szene wettet bereits wieder auf die Zukunft. Zed Run, ein NFT-Online-Game, dessen Spieler:innen virtuelle Rennpferde züchten und gegeneinander antreten lassen, konnte gerade den Abschluss einer Series-A-Finanzierungsrunde in zweistelliger Millionenhöhe vermelden.

Mehr als nur NFTs auf den Markt werfen

Die Early-Adopter der NFT-Collectible-Szene behaupten sich also. Die Branche spekuliert bereits auf die nächste Welle der NFT-Begeisterung. Doch wer sich jetzt als neuer Player aufs Feld wagt, muss definitiv mehr mitbringen als die Hoffnung auf eine Rückkehr des Booms, als sich alles zu Geld machen ließ, an dem das Label NFT haftete. Das wissen Brady und sein Co-Founder und Autograph-CEO Dillon Rosenblatt natürlich. Ihr Startup plant darum mehr, als einfach nur NFTs auf den Markt zu werfen.

Bislang gibt es kaum Informationen über die konkreten Pläne von Autograph. Es ist weitgehend offen, welche Sammelobjekte genau verkauft werden sollen. Interessierte können sich derzeit auf der Website nur anmelden und den eigenen User-Namen als NFT erstellen lassen. Doch zumindest scheint klar, dass es Auktionen von NFT-Kollektionen geben soll und physische Produkte. Außerdem will Autograph Live-Events ausrichten, um die Collectibles zu promoten.

Das machen andere Anbieter allerdings auch. Die Chancen stehen jedoch gut, dass Autograph sich von der Konkurrenz absetzen kann – und zugleich ohne großen Marketing-Etat auskommt. Denn die Firma hat angekündigt, ausschließlich mit AAA-Sportstars und -Celebrities zusammenarbeiten zu wollen. „Autograph wird einige der weltweit bekanntesten Namen und Marken mit den besten digitalen Künstlern zusammenbringen“, so CEO Dillon Rosenblatt selbstbewusst gegenüber CNN. Man wolle NFTs und „bahnbrechende Experiences“ konzipieren und auf den Markt bringen, um die herum sich eine Community von Fans und Sammler:innen bildet.

Netzwerk als Autographs wichtigstes Asset

Genau aus diesem Grund dürfte Mitgründer Tom Brady das wichtigste Asset von Autograph sein. Wer sich im US-Football nicht so gut auskennt: Der 44-jährige Quarterback ist so etwas wie Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus und Philipp Lahm in einer Person. Er ist siebenfacher Gewinner des Super Bowl und siegreichster NFL-Spieler aller Zeiten. Über die Jahre ist Brady in diversen TV-Shows und -Serien aufgetreten, arbeitet aktuell sogar an einem eigenen Format. Der Sportler hat ein Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel gegründet und gilt als befreundet mit Ex-Präsident Donald Trump. Dass Brady seit 2009 mit dem Model Giselle Bündchen verheiratet ist, dürfte seinem Netzwerk auch nicht schaden. Autograph-CEO Rosenblatt umriss Bradys Rolle gegenüber der News-Plattform Decrypt neulich so: „Er hat investiert, er ist involviert (…). Er ist der Co-Chairman des Unternehmens und hat uns bei Partnerschaften und der Umsetzung der Vision geholfen.“

Im Idealfall gelingt es Brady, möglichst viele Prominente aus seinem persönlichen Umfeld von Autograph zu überzeugen. Die binden sich dann mit ihren Personal Brands an das Unternehmen und stellen exklusiven Content für NFT-Kollektionen zur Verfügung. Wie lohnend das sein kann, haben unter anderem Eminem, Paris Hilton und die Rapperin Grimes vorgemacht, die mit ihren NFTs alle mehr als eine Million US-Dollar eingenommen haben. Dank der Stars im Advisory Board verfügt Autograph zudem über einen exzellenten Zugang zu diversen Spitzensportler:innen.

Der direkte Zugang zu Hollywoods A-Liga

Allerdings wird sich das Startup nicht auf Sportler:innen beschränken. Auch Celebrities aus den Bereichen Musik, Film und Unterhaltung sollen NFTs beisteuern, so der Plan. Hier deutet ebenfalls bereits der Blick auf das Advisory Board an, wie Autograph den Zugang zur ersten Liga des Entertainment-Business bekommen will. Unter anderem berät Dawn Ostroff, bei Spotify für alle Content-Themen und Werbung zuständig, die junge Firma. Steven Galanis bringt als CEO von Cameo reichlich Expertise ein, wie man Prominente davon überzeugt, ihre Person in einem B2C-Modell zu Geld zu machen. Michael Rapino, CEO des Entertainment-Giganten Live Nation, dürfte problemlos Zugang zu allen relevanten Musiker:innen herstellen können. Und die Schauspielerin, Produzentin und Regisseurin Eva Longoria Baston ist der Link zu Hollywoods Celebrity-Kreisen.

Natürlich verlässt Autograph sich beim Aufbau seiner NFT-Sourcing-Pipeline nicht ausschließlich auf persönliche Kontakte. Das Unternehmen hat bereits eine strategisch wichtige Partnerschaft mit Lionsgate geschlossen (dessen CEO Jon Feltheimer direkt ins Advisory Board geholt wurde). Die Film- und TV-Vertriebsgesellschaft verfügt über wertvolle IPs. Die sollen nun zur Grundlage von NFT-Kollektionen werden. Zu dem Rechtekatalog zählen unter anderem die Actionfilm-Reihe „John Wick“ und die Fantasy-Saga „Die Tribute von Panem“ sowie Klassiker wie „Mad Men“ und „Dirty Dancing“.

Autograph plant keine eigene NFT-Plattform

Anders als viele NFT-Collectible-Startups plant Autograph zwar eine App, verzichtet aber auf den Aufbau eines eigenen Marktplatzes. Bei der Distribution der virtuellen Objekte setzt das Unternehmen auf einen Partner. Im Juli wurde ein Deal mit Draft King offiziell. Die Fantasy-Sports- und Wettplattform gehört zu den führenden Anbietern in den USA. Im Laufe des Sommers soll ein eigener NFT-Marktplatz an den Start gehen. Dort sollen künftig alle neuen Autograph-Collectibles exklusiv vertrieben werden.

Der Vorteil für das Startup: Draft King hat nach eigenen Angaben mehr als fünf Millionen Nutzende. Das ist ein Vielfaches dessen, was die populärsten NFT-Games aktuell vorweisen können. Und weil der neue NFT-Marktplatz mit bestehenden User-Konten verknüpft wird, stehen die Autograph mit einem Schlag als potenzielle Kund:innen zur Verfügung. „Draft Kings Marketplace wird (…) unserem immensen Kundenstamm eine leicht zugängliche Erfahrung bieten, die es mit allen herkömmlichen Marktplätzen aufnehmen kann“, tönte Matt Kalish, Mitgründer und President von Draft Kings anlässlich der Verkündung der Partnerschaft.

Das Potenzial zum Unicorn?

Autograph ist nicht Bradys einziges Engagement im Krypto-Sektor. Zusammen mit seiner Frau hat er in die Tauschbörse FTX investiert und wird als deren Testimonial agieren. In einem Twitter-Spaces-Chat mit dem CEO on FTX verriet der Quarterback neulich, was ihn neben der allgemeinen Faszination für die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie antreibt: „Ich will zum Pionier werden.“ Dafür ist es streng genommen zwar schon zu spät. Aber als derjenige in Erinnerung zu bleiben, der einen entscheidenden Beitrag geleistet hat, NFTs vom verglühten Hype zum Massenphänomen zu machen, das wäre ja auch nicht schlecht.

Das dies gelingen könnte, dafür spricht der dritte Mitgründer von Autograph. Richard Rosenblatt ist nicht nur der Vater von CEO Dillon, sondern ein erfahrener Seriengründer. Schon seit der Dotcom-Ära mischt Richard in der Tech-Szene mit, hat Myspace groß gemacht und mehrere Firmen gegründet, darunter Demand Media. Wer sich im Profiradsport etwas auskennt, der hat den Namen vielleicht schon einmal gehört. 2008 startete Demand Media nämlich zusammen mit Lance Armstrong die Fitness-Website livestrong.com. Mit der hat Rosenblatt schon einmal vorgemacht, wie man mit einem berühmten Sportler als Galionsfigur ein erfolgreiches Venture aufsetzt: Beim Börsengang drei Jahre nach dem Launch von livestrong.com betrug der Wert von Demand Media eine Milliarde US-Dollar.

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