Inhalt
- KI im Arbeitsalltag: längst da, aber unkoordiniert
- Jobs neu denken: Rollen über Wirksamkeit statt Tätigkeiten
- Die drei Zonen des Ensembling: Aufgaben richtig verteilen
- Die Human Line: Wo KI endet und Verantwortung beginnt
- Resilienz als Fundament: Warum Erholung zur KI-Strategie gehört
Die KI ist im Arbeitsalltag angekommen, das spürt inzwischen fast jede*r. Die eigentliche Frage ist nicht mehr, ob sie Arbeit verändert, sondern wie man daraus mehr macht als die Summe vieler Einzel-Prompts. Gemeinsam zeigen EGYM Wellpass und CHRO Frauke von Polier, wie sich Jobs und Strukturen neu denken lassen und wo ein guter erster Schritt liegt.
KI im Arbeitsalltag: längst da, aber unkoordiniert
Den Mailentwurf von der KI formulieren lassen. Das Meeting-Protokoll zusammenfassen. Eine Recherche andocken, für die früher ein halber Nachmittag draufging. Was früher futuristisch klang, gehört heute zum normalen Mittwochnachmittag.
Eine repräsentative
Bitkom-Befragung vom April 2026 zeigt, wie weit das reicht: Für 41 Prozent der Erwerbstätigen hat sich die eigene Tätigkeit bereits durch KI verändert und diese Veränderung passiert fast überall von unten. Getragen von einzelnen Beschäftigten, ohne Abstimmung und teils im Stillen. 12 Prozent setzen KI im Job sogar ein, ohne dass ihr Arbeitgeber davon weiß. Auch wenn offen darüber gesprochen wird und Arbeitgeber das fördern möchten, haben bisher nur 21 Prozent der Beschäftigten eine KI-Fortbildung ihres Arbeitgebers genutzt. Andersrum fehlt bei 37 Prozent der Arbeitgeber ein solches Angebot ganz.
Hier setzt das Whitepaper „Unsere Zeit ist jetzt“ von EGYM Wellpass an. Autorin Frauke von Polier, „CHRO of the Year 2023“ und heute Chief People und AI Transformation Officer bei der Viessmann Generations Group, beschreibt darin die Denkweise dahinter und zeigt, wo ein guter erster Schritt liegt.
„Es ist die Zeit der People-Experten gekommen, die Führung zu übernehmen. Während CEOs und Fachabteilungen oft auf die reine Effizienz der Technologie blicken, liegt es in der Verantwortung der Organisationsgestalter, die „Statik“ der neuen Arbeitswelt zu
entwerfen. Unser Mandat ist es, die Bilanzwirksamkeit gesunder, KI-gestützter Organisationen zu sichern. Wir sind die Architekten des Ensemblings – des bewussten Zusammenspiels zwischen menschlicher Intuition und maschineller Präzision. Wir ziehen die Human Line: Wir definieren, wo Technologie uns potenziell ersetzt und wo menschliche Urteilskraft, Ethik und Beziehungsarbeit unersetzlich bleiben.“
Frauke von Polier, Chief People und AI Transformation Officer
Ein Begriff taucht in der Analyse von EGYM Wellpass immer wieder auf und bringt das Grundprinzip auf den Punkt:
Infobox: Ensembling-Modell – Mensch und KI im Zusammenspiel
Ensembling beschreibt das bewusste Zusammenspiel von Menschen, klassischen Tools und KI-Agenten. Die Idee: KI wird weder nachträglich draufgesetzt noch im Hintergrund versteckt, sondern bekommt im Arbeitsablauf eine eigene, klar definierte Rolle – mit festen Aufgaben und Schnittstellen zum Menschen. Den Ausschlag gibt dabei nicht, was die Technik leisten könnte, sondern das sinnvolle Zusammenspiel von Mensch und Maschine.
Jobs neu denken: Rollen über Wirksamkeit statt Tätigkeiten
Klassische Stellenbeschreibungen definieren einen Job über das Tun: Decks bauen, Kampagnen strukturieren, Daten aufbereiten, Berichte schreiben. Genau diese Tätigkeiten der Wissensarbeit übernimmt KI inzwischen zunehmend.
Übrig bleibt das, was selten in einer Stellenanzeige steht: die Fähigkeit, eine Lage einzuschätzen und einen Standpunkt zu vertreten. Für Frauke liegt darin der eigentliche Kern einer Rolle. Ihre Definition müsse künftig „weniger über Tätigkeiten erfolgen, sondern über die Wirksamkeit im Ensembling“.
Was sich der Automatisierung entzieht, wird damit zum wertvollsten Teil eines Jobs: Empathie, Geschmack, Intuition, konzeptionelles Denken und ethische Urteilskraft. Dabei sind sich Frauke und EGYM Wellpass sich einig: Organisationen sollten ihre Rollen künftig um diese Stärken herum bauen. Das klingt zunächst abstrakt, deshalb liefern sie ein Beispiel.
Die drei Zonen des Ensembling: Aufgaben richtig verteilen
Beim Neuzuschnitt einer Rolle landen ihre Aufgaben in drei Zonen. Das ist der pragmatische Einstieg, noch bevor es um Organigramme geht.
AI Core – der Autonomiebereich der KI
Hierher gehört, was Maschinen schneller und besser erledigen: große Datenmengen analysieren, Muster suchen, Szenarien simulieren, screenen.
Kollaborations-Zone – der Raum der hybriden Intelligenz
Hier arbeiten Mensch und KI zusammen: gemeinsames Sparring, Optionen entwickeln, kritisch gegenlesen, Sinn aus Daten gewinnen.
Human Core – das Zentrum menschlichen Wirkens
Hier geht es um Ethik, kulturelle Identität, Verantwortung. Die KI kann zuarbeiten. Für eine Entscheidung geradestehen muss ein Mensch.
“Unsere Aufgabe ist es, durch diese neuen, gut definierten Rollenprofile quasi so etwas wie den “Vertrag für das Ensembling“ zu schreiben.”, sagt Frauke und bricht das Modell anhand eines M&A Managers herunter:

Das Drei-Zonen-Modell in der Praxis: Am Beispiel des M&A-Managers wird deutlich, wie KI bei der Analyse und Strukturierung zuarbeitet, während die finale Governance und Haftung komplett beim Menschen verbleiben. Quelle: EGYM Wellpass
Wer das einmal für eine Schlüsselrolle durchspielt, erkennt schnell die Felder für Entlastung und die Felder für menschlichen Fokus.
Wie aus dieser Sortierung systematisch zwei saubere Profile entstehen, zeigt Frauke in einem mehrstufigen Vorgehen Schritt für Schritt. Auch der stufenweise Kompetenzaufbau über eine ganze Organisation findet sich im Whitepaper, einfach hier kostenlos herunterladen. Die Human Line: Wo KI endet und Verantwortung beginnt
Bleibt die wichtigste Frage: Wo verläuft die Grenze? In Fraukes Analyse trägt sie einen Namen, die „Human Line“.
Infobox: Die Human Line – wann der Mensch im Lead bleibt
Im Ensembling markiert die Human Line die Grenze, ab der ein Mensch die Führung übernimmt. Aus Gründen von Legitimität, Moral und Kultur. Sie greift überall dort, wo der Mensch unabdingbar wird: bei Haftungsfragen, bei existenziellen Entscheidungen wie Kündigungen und in der Beziehungsarbeit. Mit dieser Grundlage als Basis sollte die Human Line situativ gezogen werden, je nach Arbeitseinsatz, dennoch bleibt die finale Entscheidung immer human-led.
Neben ethischen Grundsätzen ist dieses Vorgehen verpflichtend. Der EU AI Act schreibt eine menschliche Aufsicht ausdrücklich vor. Wie wichtig diese klare Defintion und das dazugehörige offene Kommunizieren ist, zeigt die aktuelle Bitkom-Umfrage ebenfalls: 62 Prozent der Befragten ist unklar, wer für die Fehler einer KI verantwortlich ist.
Klarheit darüber, wer einsteht, nimmt also Unsicherheit aus dem Alltag. Die Verantwortung selbst aber bleibt und sie dauerhaft zu tragen, während ringsum alles schneller wird, zehrt an den Kräften.
Resilienz als Fundament: Warum Erholung zur KI-Strategie gehört
Diese Kehrseite trägt inzwischen einen Namen. Eine Studie der Boston Consulting Group, veröffentlicht in der
Harvard Business Review, beschreibt „AI Brain Fry“ als mentale Erschöpfung durch das Nutzen und vor allem das Beaufsichtigen von KI jenseits der eigenen kognitiven Kapazität. Denn das Steuern der Tools ist anstrengend: Wer viel kontrollieren muss, berichtet von mehr mentaler Erschöpfung und Informationsüberlastung. Am oberen Ende kennen das schon fast 26 Prozent der Befragten im Marketing und über 19 Prozent in HR.
Bemerkenswert ist die Kehrseite der Kehrseite: Wo KI Routinearbeit abnimmt, sinkt die Belastung sogar. Dann berichteten Beschäftigte von 15 Prozent weniger Burnout. Und Teams, deren Organisation Work-Life-Balance erkennbar wertschätzt, zeigten 28 Prozent niedrigere Erschöpfungswerte.
Deshalb gehört zur neuen Organisations-Architektur ein Fundament, das gern vergessen wird: Raum für Fokus und Erholung. EGYM Wellpass fasst das unter dem Begriff „Slow Living“.
„Je schneller die Technologie agiert, desto langsamer und bewusster muss der Mensch steuern.“
Frauke von Polier, Chief People und AI Transformation Officer
Dazu zählt körperliche Resilienz ebenso wie geschützte Zeit für tiefe Konzentration. Angebote wie EGYM Wellpass, die Bewegung und Ausgleich niedrigschwellig in den Arbeitsalltag holen, werden damit Teil der Statik: Eine erholte Mannschaft bleibt im Dauerwandel handlungsfähig.
Wo also anfangen? Mit einem genauen Blick in die einzelnen Rollen und mit offener, ehrlicher Kommunikation über das, was sich ändert: über Grenzen, über Verantwortlichkeiten, über die Human Line. Der Umbau darf groß sein. Sein Fundament ist Transparenz.