Nischenthema Cashback: Wie Shopback und Zave.it den deutschen Markt knacken wollen

Florian Rinke23.11.2023

Die Global Savings Group dominiert den deutschen Markt. Ändert sich das jetzt?

Cashback-App Shopback startet in Deutschland
Zum Start arbeitet Shopback mit Partnern wie Adidas, Lieferando, Douglas oder Ebay zusammen. Foto: Shopback

Vor rund zehn Jahren waren eine Reihe von Startups an den Start gegangen, weil man überzeugt war, dass Cashback in Europa genauso viel Potenzial hat wie in den USA, dem Cashback-Vorreiterland. Doch die große Revolution blieb aus. Nun starten mit Zave.it und Shopback gleich zwei neue Cashback-Player innerhalb weniger Tage. Was ist da los?

David Henrichs hat große Pläne. "Ich will ein international relevantes Startup gründen", hat der unter dem Namen "Dave" bekannte Creator seine Ambitionen beschrieben. 200.000 Euro hat er nach eigenen Angaben in Zave.it investiert – "mein ganzes Erspartes", wie er in einem Youtube-Video sagt. Zave.it ist eine Cashback-App, die vor einigen Wochen live gegangen ist.

Das Prinzip bei Cashback ist eigentlich ganz einfach: Wer die App beim Online-Shopping nutzt, bekommt einen kleinen Prozentsatz der ausgegebenen Summe am Ende wieder gutgeschrieben. Ab einem bestimmten Betrag kann man sich das Geld dann auszahlen lassen. Besonderer Clou bei Dave und Zave.it: Nutzer*innen bekommen nicht nur Cashback, wenn sie die App beim Online-Shopping nutzen, sondern können parallel auch einen Creator unterstützen, der ebenfalls finanziell belohnt wird, wenn die Supporter irgendwo shoppen. Zum Start sind neben Dave auch bekannte Creator und Kanäle wie Knossi, Fritz Meinecke oder Finanzfluss dabei. 

Shopback startet in Deutschland

Die Marketing-Logik ist klar: Die Aussicht auf Einnahmen soll auch andere Creator animieren, für die Nutzung der App zu werben. Zum Start stieg die App tatsächlich auch weit oben in den Download-Charts ein, laut David Henrichs gab es allein bis Mitte November mehr als 250.000 Registrierungen. Doch die Frage wird sein, wie nachhaltig die App genutzt wird. Denn es gibt gleich zwei Probleme: Cashback ist speziell in Deutschland ein Nischenprodukt. Und mit der Global Savings Group (Shoop) gibt es nicht nur einen Platzhirsch mit rund 80 Prozent Marktanteil – sondern ab sofort mit Shopback auch noch einen asiatischen Cashback-Riesen, der in Deutschland seine Europa-Expansion startet.

Das 2014 in Singapur gegründete Unternehmen hat in Asien mehr als 40 Millionen Nutzer*innen, zu den Investor*innen zählen namhafte Investoren wie Temasek oder Rakuten, bei einer Finanzierungsrunde vor knapp einem Jahr konnte das Unternehmen rund 200 Millionen US-Dollar frisches Kapital einsammeln. "Ein Teil der Einnahmen aus der kürzlichen Finanzierungsrunde ist auch für die Expansion nach Europa eingeplant. Wir haben also viel Firepower", sagt Armin Graeber, der die Deutschland-Expansion von Shopback als Head of Business Development vorantreibt.

Sorgt die Inflation für ein Cashback-Comeback?

Dass innerhalb weniger Wochen gleich zwei neue Cashback-Anbieter in Deutschland starten, wirkt auf den ersten Blick wie eine Art kleine Cashback-Renaissance. Vor rund zehn Jahren waren eine Reihe von Startups an den Start gegangen, weil man überzeugt war, dass Cashback in Europa genauso viel Potenzial hat wie in den USA, dem Cashback-Vorreiterland. Doch die große Revolution blieb aus, nach und nach konsolidierte sich der Markt – und mit der Global Savings Group entstand ein großer Player, der nach und nach auch durch Übernahmen weiter wuchs.

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Gerhard Trautmann ist CEO der Global Savings Group. Foto: Global Savings Group

Und jetzt? Sorgt die hohe Inflation etwa für ein Cashback-Comeback? Werden die Deutschen etwa doch noch zu Sparfüchsen, die beim Online-Shopping und Co. kleine Boni anhäufen wollen? Starten genau deswegen jetzt neue Unternehmen, weil hier gerade ein neuer Trend erkennbar ist? Gerhard Trautmann würde all das gerne glauben, aber dafür ist er schon zu lange im Geschäft. „Wir sehen in allen Geschäftsbereichen, dass Deutschland in einer Rezession ist und natürlich spüren wir auch eine Kaufzurückhaltung bei den Menschen hier." Der CEO der Global Savings Group hat daher eine andere Erklärung: Zufall.

Je mehr Aufmerksamkeit, umso besser

"Der Markt hier in Deutschland ist einfach auch sehr groß und bislang wenig durchdrungen", sagt Gerhard Trautmann. In Deutschland würden noch immer viel zu wenig Leute Cashback kennen. "Daher ist es im Grunde für uns sogar gut, wenn es jetzt durch neue Anbieter mehr Aufmerksamkeit für das Thema gibt.“ Ähnlich sieht das auch Armin Graeber von Shopback, das zum Start rund 1000 Händler*innen gelistet hat und in der Beta-Phase im August bereits mehr als 100.000 Nutzer*innen gewinnen konnte: "Hier liegt eine grüne Wiese vor uns."

Während die Global Savings Group (GSG) mit Shoop (1,7 Millionen Nutzer*innen, mehr als 2200 Händler*innen) inzwischen eine relativ breite Altersschicht anspricht, konzentrieren sich Zave.it. und Shopback zunächst zum Start eher auf jüngere Zielgruppen. "Fernsehwerbung ist definitiv ein spannendes Thema, macht aber in der aktuellen Situation noch nicht so viel Sinn für uns", sagt Armin Graeber. Shopback setzt – neben der Weiterempfehlung durch Freunde und Bekannte – stark auf Performance Marketing über Kanäle wie die Meta-Plattformen oder Tiktok.

"Die junge Zielgruppe ist grundsätzlich offener"

„Ich glaube, dass die junge Zielgruppe grundsätzlich etwas offener ist für das Thema Cashback", sagt Veit Mürz, Chef der GSG-Tochter Shoop. Auch er buhlt mit seinem Team gezielt um junge Menschen, etwa durch Kooperationen mit den Twitch-Streamern Montana Black und Papaplatte. Eine Beteiligung von Creatorn über die App gibt es bei Shoop zwar nicht, was laut GSG-CEO Gerhard Trautmann aber auch daran liegt, dass man bereits eigene Erfahrungen damit gesammelt hat: "Das Modell von Zave.it ist nicht neu. In Frankreich haben wir so ein Projekt schon seit sieben oder acht Jahren, bei dem wir Influencer partizipieren lassen".

Und obwohl die Logik hinter dem Modell bestechend ist, musste das GSG-Team erleben, dass die Gleichung "Creator + Cashback = Erfolgsmodell" in der Realität dann eben doch nicht so einfach aufgeht. Denn es gibt viele Hürden: Einerseits müssen die Kund*innen regelmäßig die App nutzen und dabei auch dauerhaft die Creator unterstützen wollen. Und dann stellt sich umgekehrt auch für manchen Creator die Frage, ob sich der Aufwand gemessen an den Summen, die er damit verdient, dauerhaft wirklich lohnt. Soll heißen: Im Zweifel ist es für den Creator mittelfristig vielleicht einfach attraktiver, für einen Werbekunden zum Fixpreis ein Produkt zu promoten, als seine Community immer wieder zu aktivieren, die App zu nutzen, um durch Cashback zu verdienen.

Urlaube sorgen für große Warenkörbe

Richtig interessant wird Cashback nämlich speziell dann, wenn es nicht nur um die Bestellung bei Lieferando und Co., sondern größere Warenkörbe geht – etwa wenn Urlaube mit Cashback gebucht werden. In einem Video erzählt David Henrichs einem Teammitglied des bekannten US-Creators Mr. Beast, dass man bei Zave.it "jeden Shop finden kann, von Ikea bis Booking.com". Er meinte das vermutlich hypothetisch, denn beide Unternehmen sind bislang nicht auf der Plattform zu finden – bei Shoop hingegen findet man Booking.com. "Im Energiebereich profitieren wir massiv davon, dass das Thema Gas und Strom gerade durch die Decke geht. Es lohnt sich ja aktuell endlich wieder, den Anbieter zu wechseln", verrät Shoop-Chef Veit März einen weiteren Treiber des Geschäfts aktuell.

Konkurrent Shopback, dessen Gründer wie die der Global Savings Group aus dem Umfeld der früheren Startup-Fabrik Rocket Internet stammen (hier geht es zu unserem Podcast über die Geschichte von Rocket Internet), setzt daher in Asien noch auf ein weiteres Feature: Shopback Pay. Mit dem eigenen Zahlungsabwickler kann das Unternehmen seine Kund*innen potenziell noch stärker aktivieren, die eigene App zu nutzen. Dass die Logik auch umgekehrt funktioniert, hat man zuletzt auch in Europa gesehen. Hier hat der Bezahldienst Klarna zuletzt einen Cashback-Anbieter übernommen. Und auch Gerhard Trautmann sagt: „Wir gucken uns den Bereich Payment sehr intensiv an und überlegen, in welchem Markt wir mit welcher Technologie an den Start gehen könnten.“

Zave.it wurde mit sechs Millionen Euro bewertet

Welche Pläne das Zave.it-Team indes hat, ist unklar. Immerhin konnte bereits ein erster externer Investor gewonnen werden – wenn auch nur in Form eines Wandeldarlehens. 195.000 Euro Kapital sollen so in die Firma geflossen sein. Zave.it wurde dabei mit sechs Millionen Euro bewertet. Laut Handelsregister gehören allerdings 70 Prozent des Unternehmens weiterhin David Henrichs – und ob der Investor sein Darlehen am Ende wirklich zu dieser Bewertung in Firmenanteile wandelt, bleibt in der Regel ihm selbst überlassen. Weder David Henrichs noch die Planic GmbH, das Unternehmen hinter Zave.it, haben auf unsere Anfrage reagiert. Auf seiner Internetseite verspricht Zave.it allerdings: "Wir haben noch große Pläne."

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Florian Rinke
Autor*In
Florian Rinke

Florian Rinke ist Host des Podcast "OMR Rabbit Hole" und verantwortet in der OMR-Redaktion den "OMR Podcast". Vor seinem Wechsel Anfang 2022 zu OMR berichtete er mehr als sieben Jahre lang für die Rheinische Post über Start-ups und Digitalpolitik und baute die Rubrik „RP-Gründerzeit“ auf. 2020 erschien sein Buch „Silicon Rheinland".

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