KI-Sichtbarkeit durch Digitale PR: Sechs Fragen an Experte Laurent Bussmann

Robert Tusch16.8.2026

Wer in KI-Suchen sichtbar sein will, braucht Markenautorität. Digital-PR-Experte Laurent Bussmann erklärt, wie das gelingt.

Inhalt
  1. Das zeichnet gute PR-Kampagnen aus
  2. Typische Fehler bei der Umsetzung
  3. So startest du deine erste PR-Kampagne
HelloFresh befragt Deutschland zu Pizzavorlieben, TomTom wertet weltweite Stauzahlen aus. Das sind typische Kampagnen der digitalen PR. Unternehmen liefern Journalist*innen exklusive Daten und Auswertungen, Redaktionen berichten freiwillig darüber. Das Gute daran: Der Nutzen reicht inzwischen über Backlinks hinaus. Über 60 Prozent aller Google-Suchen enden ohne Klick auf eine Website, weil KI-Systeme wie Google AI Overviews die Antwort direkt liefern. Wer dort auftauchen will, braucht Bestätigung von außen, sogenannte Third-Party Validation. Genau die verschafft digitale PR.
Laurent Bussmann ist Head of Content Marketing und Digital PR bei Claneo, einer Search- und Content-Marketing-Agentur aus Berlin. Er hat mit seinem Team bereits tausende sogenannter Clippings (Medienberichte über eine PR-Kampagne) in nahezu jedem relevanten deutschen Medium gesammelt. Im Interview beantwortet er sechs Fragen für den Einstieg, vom richtigen Kampagnen-Rhythmus bis zu den Fehlern, die ihm im Alltag am häufigsten begegnen.
OMR Report Digitale PR Cover
Alle Insights zu digitaler PR: Laurent ist Co-Autor des OMR Report Digitale PR. Hol dir den Praxis-Guide von OMR Education und lerne, wie du Digitale-PR-Kampagnen erfolgreich umsetzen kannst.
Hier liest du das Interview in voller Länge:

Das zeichnet gute PR-Kampagnen aus

Was zeichnet eine gute Idee für eine Digitale-PR-Kampagne grundsätzlich aus?
Laurent: Man sollte nicht ausschließlich aus der Unternehmensperspektive denken. Die entscheidende Frage ist nicht „Was ist für uns interessant?", sondern „Welchen Mehrwert bietet das Thema für Medien und ihre Leserschaft?". Die eigene Markenbekanntheit ist für das Unternehmen selbst relevant, für die breite Medienberichterstattung aber meist nicht. Erfolgreiche PR entsteht dort, wo sich eigene Interessen mit einem journalistischen Erkenntnisinteresse überschneiden.
Wann ist eine Idee gut genug, um sie umzusetzen?
Laurent: Zunächst zählt die thematische Relevanz, entweder für eine bestimmte Branche oder Zielgruppe, oder weil ein Thema gerade öffentlich diskutiert wird und einen Unterhaltungswert hat.
Dann sollte man prüfen, ob die Daten überhaupt eine belastbare Aussage zulassen. Ich bevorzuge immer aktuelle Daten, außer bei Zeitreihen oder historischen Vergleichen. Umfragen müssen zudem repräsentativ sein: 100 befragte Online-Käufer*innen reichen nicht für einen deutschlandweiten Trend, den man erzählen möchte.
Außerdem sollten die Daten nicht nur Bekanntes bestätigen. Eine gute Datenstory zeigt eine neue Entwicklung, macht ein abstraktes Thema greifbar oder liefert eine fehlende Perspektive.
Cover des OMR Education Podcasts

Digitale PR im OMR Education Podcast

Lerne im OMR Education Podcast mit Laurent Bussmann, wie du gute Digitale-PR-Kampagnen aufbaust – inklusive zahlreicher Kampagnenbeispiele zum Inspirieren.

Hier geht's zur Folge

Typische Fehler bei der Umsetzung

Was sind die drei größten Fehler bei der Umsetzung, die du im Alltag immer wieder siehst?
Laurent: Der erste Fehler: zu viele Informationen in einer Story. Viele packen möglichst viele Daten und Storylines in eine Kampagne, dadurch wird sie unübersichtlich. Mein Leitsatz lautet: „Keep it simple." Die zentrale Botschaft muss klar erkennbar sein. Diesen Fehler haben wir anfangs selbst gemacht, bis wir gemerkt haben, dass eine fokussierte Geschichte meist besser funktioniert.
Der zweite Fehler: Daten werden nicht ausreichend ausgewertet und visualisiert. Unternehmen führen aufwendige Umfragen durch und teasern die Ergebnisse dann nur kurz in einer Pressemitteilung an und verschenken so Potenzial. Wer den Aufwand für Marktforschung betreibt, sollte die Erkenntnisse auch anschaulich aufbereiten. Das erleichtert die journalistische Arbeit und erhöht die Chance, aufgegriffen zu werden.
Der dritte Fehler: eine statische Aufbereitung mit zu wenigen Nutzungsmöglichkeiten. Oft stehen Daten nur als Infografik bereit, kaum filter- oder sortierbar. Besser ist es, sie zusätzlich interaktiv auf einer Landingpage bereitzustellen, so finden Nutzende und Journalist*innen gezielt die relevanten Ausschnitte.
Portrait von Laurent Bussmann Claneo

„Digitale PR sollte man nicht als einmalige Maßnahme verstehen, sondern als kontinuierliche Arbeit.“

Laurent Bussmann, Head of Content Marketing & Digital PR, Claneo

Wie oft sollte man PR-Kampagnen durchführen?
Laurent: PR sollte man nicht als einmalige Maßnahme verstehen, sondern als kontinuierliche Arbeit. Einen perfekten Richtwert gibt es nicht. In der Praxis hat sich aber ein Rhythmus von sechs bis acht Wochen bewährt. So bleibt eine Marke in den Köpfen der Journalist*innen präsent, und mit der Zeit entsteht ein klares Bild davon, welche Informationen sie anbietet und ob sich das Öffnen der Mail lohnt. Im besten Fall kommen Medien von sich aus auf die Marke zu.
Nicht für jedes Team ist dieser Takt realistisch. Gerade bei aufwendigen Auswertungen kann auch eine Veröffentlichung pro Jahr sinnvoll sein, dann dauert es aber länger, bis sich die Marke als verlässliche Quelle etabliert. Entscheidend ist weniger die Häufigkeit als die Regelmäßigkeit, Relevanz und Wiedererkennbarkeit.

So startest du deine erste PR-Kampagne

Wie lassen sich die PR-Arbeit und der damit verbundene Aufwand intern rechtfertigen?
Laurent: Vor allem dadurch, dass nicht nur eine Abteilung profitiert. Am Anfang steht eine Datenerhebung, daraus entsteht eine Story für Medien, die die Markenbekanntheit erhöht. Auf einer Landingpage aufbereitet, wird daraus eine langfristig nutzbare Content-Ressource. Die Berichterstattung bringt Backlinks und stärkt die organische Sichtbarkeit, im besten Fall wird die Marke auch in KI-Systemen wahrgenommen.
Die Ergebnisse lassen sich dann für Social Media und je nach Thema für einen Newsletter aufbereiten. So profitieren PR, Content Marketing, SEO, Social Media und teilweise auch CRM oder Newsletter-Marketing von einer einzigen Recherche.
Der Aufwand sollte deshalb nicht allein der PR-Abteilung zugerechnet, sondern auf die beteiligten Bereiche verteilt werden. Für die einzelnen Teams ist er dadurch oft kleiner, als es zunächst wirkt.
Was ist der günstigste und realistischste erste Schritt für ein kleines Team, das noch keine Erfahrung mit digitaler PR hat?
Laurent: Der günstigste Einstieg ist ein Blick auf die bereits vorhandenen Unternehmensdaten. Ein kleines Team sollte prüfen, welche Daten schon vorliegen und ob sich daraus eine interessante Geschichte entwickeln lässt.
Der größte Aufwand steckt in der strukturierten Auswertung. Im Vergleich zu einer neuen Datenerhebung ist er aber überschaubar. Wichtig ist, zu klären, welche Daten es gibt, welche Entwicklungen sie zeigen und ob eine Erkenntnis daraus für eine Zielgruppe interessant sein könnte.
Danach recherchiert man gezielt Journalist*innen, die regelmäßig zum Thema arbeiten, und spricht sie mit einer klar aufbereiteten Story an. Laufen erste Veröffentlichungen gut, entsteht daraus meist die Motivation, den Ansatz auszubauen. Der realistischste Einstieg ist also nicht die große Kampagne, sondern eine kleine, datenbasierte Story mit überschaubarem Aufwand.
Wie du deine Digitale-PR-Kampagnen umsetzt und den Erfolg richtig misst, zeigt dir Laurent Schritt für Schritt im OMR Report Digitale PR. Hol dir hier den Praxis-Guide von OMR Education:
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Robert Tusch
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Robert Tusch

Robert ist Redakteur bei OMR Education und Experte für Themen rund um künstliche Intelligenz, das digitale Business und Online Marketing. Für die OMR Reports beschäftigt er sich regelmäßig tiefergehend mit Marketing-Disziplinen, Trends und Neuerungen in der Digital-Branche.

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