Claude: Von der Idee zum Prototypen

Rolf Hermann29.9.2026

Dirk Mävers ist seit über 25 Jahren in der Tech-Szene unterwegs und setzt bei digitalen Projekten auf Praxis statt Theorie. In diesem Interview verrät er dir, wie du durch Vibe-Coding ganz ohne Programmierkenntnisse eigene funktionale Prototypen baust.

Wo gute Ideen früher an fehlenden Entwickler*innen scheiterten, ermöglicht das sogenannte Vibe-Coding heute jeder Person, eigene digitale Werkzeuge ganz einfach per KI-Sprachbefehl zu erschaffen. Tech-Experte Dirk Mävers erklärt, wie dieser neue Dialog mit der Maschine den Weg zum fertigen Prototyp revolutioniert – und welche versteckten Risiken die plötzliche Leichtigkeit des Programmierens mit sich bringt.
Ich habe noch nie selbst programmiert. Warum ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um zu lernen, wie ich mithilfe von KI eigene kleine Anwendungen entwickeln kann?
Ganz ehrlich: Weil es noch nie so einfach war. Ich habe 25 Jahre lang in Agenturen erlebt, wie gute Ideen durch Argumente wie „Dafür haben wir keine Entwickler*innen, kein Budget oder keine Zeit“ gestorben sind. Das zieht heute nicht mehr. Durch künstliche Intelligenz ist das Programmieren deutlich einfacher geworden. Du beschreibst in normaler Sprache, was du brauchst, und zum Beispiel Claude Code baut es für dich. Programmieren muss man dafür nicht können, denken allerdings schon. Und genau da entsteht gerade ein Vorsprung für alle, die jetzt anfangen, Ideen umzusetzen, statt noch weiter zu warten, bis sie Budget- oder Ressourcenfreigaben bekommen. Denn die Lernkurve durchs „Machen“ ist immens groß.
Der Begriff Vibe-Coding fällt in diesem Zusammenhang immer öfter: Was genau ist damit eigentlich möglich und warum sollte ich wissen, wo die Grenzen dieser Methode liegen?
Vibe-Coding heißt: Du bist der Kopf, die KI sind die Hände. Das macht es möglich, in wenigen Stunden Prototypen zu bauen, für die du früher Tage gebraucht hättest. Typische Anwendungen für solche Projekte sind kleine Web-Apps, Dashboards, Automationen oder interne Tools. Für jedes digitale Problem kannst du dir deine eigene Lösung erstellen lassen. Der Haken: Es fühlt sich so leicht an, dass viele die Risiken dabei übersehen. Unsichere Schnittstellen oder offene Zugangsdaten können den Systemen Zugriff auf Daten geben, den sie gar nicht haben sollten. Ein weiteres Problem, das viele unterschätzen, ist der explodierende Tokenverbrauch. Und am Ende ist da noch der Code selbst. Der läuft zwar, aber niemand versteht ihn mehr. So fleißig die KI-Hände beim Coden auch sind, am Ende kommt es auf deinen Kopf an. Wer die Grenzen der Technologie kennt, baut Prototypen, die überzeugen. Wer sie ignoriert, baut Probleme mit schöner Oberfläche. 
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Viele von uns haben im Alltag tolle Ideen, scheitern aber an der technischen Umsetzung. Wie verändert Claude den Weg von der ersten vagen Idee bis zu einem ersten, funktionalen Prototypen?
Mein Motto ist „In Wegen denken, nicht in Gründen“. Und genau das macht Claude möglich. Früher lag zwischen „Wäre doch cool, wenn …“ und dem fertigen Ergebnis eine riesige Lücke. Heute ist diese Lücke ein Dialog. Du erklärst dein Problem, Claude hilft dir beim Schärfen der Idee, plant mit dir und baut Schritt für Schritt eine lauffähige Version. Du testest, feedbackst, Claude bessert nach. Kein extra Warten auf einen gemeinsamen Terminslot, kein Ticket für jedes Feedbackdetail und keine seitenlangen Briefings. Wenn du dir für die Zusammenarbeit mit Claude einen stabilen Workflow aufsetzt, kommst du ohne Chaos zum fertigen Projekt.
Was ist der Unterschied zwischen Vibe-Coding und einfachem Prompten? Welche Aspekte und Schnittstellen gilt es zu beachten?
Prompten ist wie das Hin und Her beim Pingpong: Frage rein, Antwort raus. Claude Code arbeitet direkt in deinen Projektdateien, legt Strukturen an, führt Code aus, findet Fehler und behebt sie. Diese Umsetzung braucht aber Führung. Heißt konkret: guter Kontext statt Einzelbefehle, erst planen, dann bauen, Zwischenstände sichern. Und sobald Schnittstellen dazukommen, also APIs, Datenbanken oder externe Dienste, gilt: API-Keys haben im Code und im Chat nichts verloren, und personenbezogene Daten sollen nicht ungeprüft in einen Prototyp gepackt werden.
Was sind typische Anwendungsfälle für solche Projekte und was wäre dein Tipp für die Suche nach einem eigenen kleinen Projekt, das man sofort ausprobieren kann?
Die besten Projekte sind selten die großen. Ein Angebotsrechner, ein Content-Planer, ein Tool, das zum Beispiel zwischen Kopfhörer und Lautsprechern wechselt oder eine Landingpage mit Formular. Mein Tipp: Such nicht nach der genialen Idee. Such nach dem, was dich jede Woche nervt. Ein kleiner Use-Case mit einer Funktion für die du keine sensiblen Daten benötigst. Erstelle nicht die nächste große Plattform, sondern das Werkzeug, das dir ab morgen 20 Minuten spart. Gut möglich, dass du es noch in derselben Woche selbst gebaut hast.
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Wenn es um praxisnahe Weiterbildung für die digitale Wirtschaft geht, führt an Rolf Hermann kein Weg vorbei. Als Geschäftsleiter von OMR Education und Chief Editor des OMR Reports verantwortet er das Thema Content. Unter seiner Ägide sind bisher über 85 OMR Reports erschienen. Seine Expertise speist sich direkt aus der Praxis: In den über 400 Episoden des OMR Education Podcasts, die bisher erscheinen sind, hat Rolf als Host die klügsten Branchenexpert*innen interviewt, um zu ergründen, was die digitale Welt im Innersten zusammenhält.

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