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Löwenrudel statt dmexco: Dieses Branchen-Urgestein war ein Jahr lang offline

Wolfhart Fröhlich (Foto: privat)

Internet-Unternehmer Wolfhart Fröhlich über seine Weltreise

Einmal richtig lange raus aus dem Alltag – viele haben diesen Traum, Internet-Unternehmer und Branchenpionier Wolfhart Fröhlich (zuletzt Mitgründer von IntelliAd, vorher für Miva und Espotting mit verantwortlich) hat ihn für sich wahr gemacht: Nach dem Verkauf von IntelliAd bereiste er ein Jahr lang die Welt in seinem Landrover. Im Interview mit Online Marketing Rockstars erzählt er, wie es zu dieser Entscheidung kam und wie sich in dieser Zeit sein Blick auf die Branche verändert hat.

Wolfhart, Du hast seit Jahren beruflich mit dem Netz zu tun. Jetzt hast Du Dich für ein Jahr lang komplett aus der Branche verabschiedet und warst in den entlegensten Gegenden unterwegs, wo es vermutlich nur selten Netz gibt. Wie kam’s zu dieser Entscheidung?
Ich bin immer schon gerne und viel gereist, war nach dem Abi mal mit Rucksack sechs Wochen in Mexiko und Guatemala unterwegs. So eine Reise, wie ich jetzt gemacht habe, wollte ich schon immer Mal machen; das war quasi eine Art Lebenstraum. Nachdem ich Ende Juli vergangenen Jahres bei IntelliAd ausgeschieden bin, hat es sich einfach angeboten, das zu machen – auch als Zäsur für mich selbst. Die Zeit vorher war ziemlich anstrengend gewesen, deswegen musste ich meine Batterien wieder aufladen.
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Wie lange warst Du dann unterwegs und welche Länder hast Du bereist?
Wir sind im August letzten Jahres gestartet. Die erste große Etappe war Afrika. Zuerst habe ich meinen Landrover „Angus“ von Hamburg aus nach Dar es Salaam verschifft. Von dort aus sind meine Lebensgefährtin und ich dann durch Tansania, die Serengeti, Kenia und die ganzen Nationalparks gefahren. Dann sind wir einmal um den Viktoriasee herum, durch Uganda und Ruanda, dann in Tansania die Westseite runter, durch Malawi, Sambia, durchs nördliche Simbabwe, durch Namibia und Südafrika. Dann war es schon Ende Dezember. Von Kapstadt aus haben wir den Landrover dann nach Südamerika verschifft. Das hat fünf Wochen gedauert, weil es keine direkte Handelsroute zwischen Afrika und Südamerika gibt. In dieser Zeit sind wir zurück nach Deutschland und haben Weihnachten und Silvester mit Eltern und Freunden gefeiert. Ende Januar sind wir dann nach Montevideo geflogen, durch Uruguay und Argentinien Richtung Süden gefahren, bis nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Erde. Danach haben wir noch zehn Tage in der Antarktis verbracht und sind dort unter anderem mit Kanu zwischen Eisbergen gefahren. Danach haben wir zwischen Chile und Argentinien die Anden passiert, sind am Andenkamm entlang, von Chile aus nach Bolivien gereist und durch die Salzwüste gefahren. Dann ging es durch Bolivien, Peru und Ecuador nach Kolumbien. In Cartagena haben wir unseren Jeep dann wieder nach Hamburg verschifft. Wir waren insgesamt also, inklusive einer einmonatigen Pause in der Mitte, zwölf Monate unterwegs und haben rund 50.000 Kilometer zurückgelegt.

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Seid Ihr mal in brenzlige Situationen geraten?
Nie. Wir hatten auch einen GPS-Tracker mit, der alle zehn Minuten ein Signal ausgesendet hat. Freunde und Verwandte konnten dann auf einer Karte im Netz unsere Tour mitverfolgen. Für Notfallsituationen hatte ich außerdem ein Satellitentelefon mit. Es gab ein paar Situationen, in denen wir uns nicht sicher waren, was gerade passiert. Aber letztendlich haben die sich immer aufgelöst. Wir haben beispielsweise einmal nachts mitten im Nichts in einer Salzwüste übernachtet, als auf einmal ein LKW in voller Fahrt auf uns zugerast kam. Letztendlich waren das einfach ein paar Jungs, die die Orientierung verloren und sich verfahren hatten, weil Neumond war. In der Serengeti ist uns einmal der Stoßdämpfer abgerissen, in den Anden sind bergab mal die Bremsen kaputtgegangen. Ich habe dann über das Satellitentelefon Landrover angerufen und gemeinsam haben wir das Problem gelöst. Letztendlich waren wir nie wirklich in Gefahr. Mir sind die Original-Landrover-Edelstahl-Ventilkappen geklaut worden, das war noch das Schlimmste. Das sagt ja auch schon einiges aus.
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Was war das absolute Highlight?
Da gab es natürlich viele. In Afrika fand ich die Tiere am beeindruckendsten. Wir sind dort hauptsächlich durch die Nationalparks gefahren, auch, weil es wenige Städte gibt, die wirklich sehenswert sind. In Botswana haben wir einmal in der Zentralkalahari gecampt. Da steht nur ein Holzschild mit der Aufschrift ‚Camp Site’, sonst gibt es da nichts. Da hat man schon ein Gefühl von Wildnis und Freiheit. Wir haben dann in der Nähe eines Löwenrudels übernachtet. Da fühlt man sich sehr klein, aber auch sehr lebendig.
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Was zahlt man denn für solch ein Abenteuer?
Ich habe es jetzt ehrlich gesagt noch nicht zusammengerechnet. Ich habe unterwegs aber weniger ausgegeben, als ich es in Deutschland getan hätte. Wir haben ja viel gecampt und im Auto geschlafen. Der Sprit war dort auch günstiger. Am teuersten war es jeweils, das Auto zu verschiffen. Aber wir brauchten einfach ein geländegängiges Auto mit gutem Allradantrieb, und das Verschiffen war immer noch günstiger, als zu mieten.
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Hast Du denn unterwegs Deine berufliche Brille absetzen können, oder hast Du immer ausgecheckt, wie die Internetnutzung und der Markt in den jeweiligen Ländern aussieht?
Das hat mich null interessiert. Man nimmt natürlich unweigerlich wahr, dass es in Afrika kein Festnetz gibt, dafür aber ein sehr gutes Mobilfunknetz. Die Länder dort haben die Festnetzphase quasi einfach übersprungen. Das habe ich aber auch nur am Rande registriert.
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Hat die Reise Deinen Blick auf die digitale Welt und die Internetbranche verändert?
Ich habe ja ein Jahr fast komplett digitalen Detox gemacht. Das war schon eine bewusste Entscheidung. Ich wollte mich auch gar nicht damit auseinandersetzen, was ich mache, wenn ich zurückkomme. Jetzt, wo ich seit ein paar Wochen wieder hier bin, fange ich langsam wieder an, mich mit dem Thema zu beschäftigen.
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Hast Du denn schon eine ungefähre Idee davon, was Du gerne als nächstes machen willst?
Nicht wirklich. Ich habe Lust, wieder was zu machen, bin aber in der schönen und komfortablen Situation, dass ich nichts überstürzen muss. Ich werde mir die Zeit nehmen, mir alles in Ruhe anzusehen.
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Die Deutsche Post hat IntelliAd zuletzt wieder verkauft. Hat Dich das berührt?
Ich glaube, wenn man ein Unternehmen verkauft, muss man mit dem Thema schon ein Stück weit abschließen. Den Verkauf habe ich natürlich registriert und fand es auch schade, für IntelliAd als Unternehmen und für die Mitarbeiter. Ein Teil des Teams, dass ich kenne, ist ja auch noch da. Bei der Deutschen Post gab es einen Management- und Strategiewechsel, da haben die Online-Töchter nicht mehr so reingepasst. Ich hoffe, dass das Unternehmen jetzt mit dem neuen Inhaber wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt, nachdem es mit der Post nicht so funktioniert hat.

Wolfhart, vielen Dank für das Gespräch!

Wir sind auf die Wolfharts Geschichte durch einen Artikel in Clutch, dem Gesellschaftsmagazin für die digitale Welt, aufmerksam geworden. Mehr Infos darüber findet Ihr hier!

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