Westbam: „David Guetta macht dasselbe, wie der DJ auf der Münsteraner Kirmes früher“

Im OMR Podcast spricht der Pionier über DJs als Produkt und die Auswüchse der DJ-Superstar-Kultur

Wie denkt jemand, der entscheidend dazu beigetragen hat, DJing und DJ-Kultur in Deutschland zu etablieren, über die Entwicklung seiner Zunft und über ihre aktuellen Superstars? Nicht nur positiv, wie Westbam in der jüngsten Folge des OMR Podcasts durchblicken lässt. Mit OMR-Gründer Philipp Westermeyer spricht Maximilian Lenz, wie Westbam bürgerlich heißt, über David Guetta und den verstorbenen Avicii, aber auch über die Marketing-Leistungen der Loveparade für Berlin.

1983, also vor 36 Jahren, hatte Westbam seinen Aha-Moment als DJ: Als er in einer Münsteraner Diskothek auflegte, lässt er aus Versehen zwei Stücke, die dasselbe Tempo (Beats-per-Minute) hatten, parallel auf zwei Plattenspielern laufen. „Ich drückte zufällig auf den Knopf, beide Platten liefen gleichzeitig und der Beat war derselbe. Da dachte ich: „Wow! Ich muss wissen wie das geht!“ Am nächsten Tag sei er zurück in die Disko und habe sich bei Putzlicht nach und nach das Mixen erschlossen: „Den Pitch, dass man eine Slipmat (eine Matte als Unterlage für die Platten auf der Plattentellerauflage, Anm. von OMR) braucht – all diese einfachen Sachen des Mixens. Das haben damals schon ein paar Leute in New York und Berlin gemacht. Aber Knowledge darüber, oder so etwas wie DJ Schulen, gab es damals ja nicht.“

„Nach der Loveparade wurde man im Ausland nicht mehr auf Hitler angesprochen“

In seinem ersten Jahr als DJ in Münster investiert er also das gesamte verdiente Geld in eine eigene Anlage – zwei Turntables und ein Mischpult – und lernt in seinem Kinderzimmer autodidaktisch das DJen. Früh beginnt er damals schon damit, eigene Tracks zu basteln und Demos aufzunehmen, die er in seine Sets hineinmischt. Bald darauf zieht er nach Berlin und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Westbam wird Mitinitiator der Mayday, gehört zur ersten Gruppe, die die Loveparade mitorganisiert und trägt damit dazu bei, Berlin als Musikmetropole in der ganzen Welt bekannt zu machen. „Früher wurde man als Berliner im Ausland auf Hitler angesprochen, dann auf die Loveparade.“

Seitdem ist viel passiert. DJs sind in die Sphären von Superstars aufgestiegen und verdienen teilweise sechs- bis siebenstellige Beträge an einem Abend. Die hohen Gagen beeindrucken Westbam. Sein Freund Paul van Dyk habe an Silvester 2000 in England erstmals eine Million Mark für einen Gig bekommen. „Das war eine Schallmauer, wo ich dachte: ‚Wow, Alter, schau mal einer an.'“ Er selbst wolle aber nicht Teil dieses Business sein.

„Ich bin zu scheiße, um selbst Musik zu machen, liefere Euch aber das perfekte Produkt“

Zwischen den Zeilen lässt der 54-Jährige auch durchblicken, dass er es ablehnt, sich gänzlich als Marke zu betrachten. „Bei einer Marke geht es nur noch um Windschnittigkeit“, sagt Westbam, und erzählt eine Anekdote von einer Panel-Diskussion, an der er vor Kurzem teilgenommen habe: „Da sagt dieser junge, aufstrebende DJ: ‚Ich möchte den Leuten das perfekte Produkt bieten. Ich habe jeweils Leute, die sich um die Melodien, das Texten, das Singen und das Mixen kümmern.’ Wenn der jetzt noch die Aufgabe abgeben würde, das alles zu koordinieren, dann wüsste ich gar nicht mehr, was der macht.“

Er selbst sei nicht geschäftsuntüchtig. „Ich war wahrscheinlich sogar der erste DJ-Millionär.“ Trotzdem wollte er sich als Künstler selbst verwirklichen. „Ich möchte mich doch ausdrücken und Erfolg damit haben, was ich für Ideen habe. Und ich möchte auch dafür gemocht werden. Sich hinzustellen und zu sagen, ‚Ich möchte Euch das perfekte Produkt liefern, und ich habe nichts davon selbst gemacht, weil ich zu scheiße bin‘ – das ist doch irre, oder nicht?“

David Guetta? – „Ein faszinierender Moment in der Evolution des DJing“

Diese und andere Ausprägungen der aktuellen DJ-Kultur betrachtet Westbam offenbar mit distanzierter Amüsiertheit. Er habe irgendwo einmal David Guetta gesehen. „Der griff, als ein Track zu Ende war, zum Mikrofon, sagte, ‚So, und jetzt kommt meine neue Single!‘, und dann drückte er auf Start. Und dann dachte ich: Das ist jetzt wieder ein faszinierender, neuer Moment in der Evolution.“ Guetta sei ein DJ, der Millionen und Millionen verdient und durch die Welt jettet. „Aber das, was er macht, ist dasselbe, wie der DJ, den ich vor 30 Jahren in Münster auf der Kirmes beim Autoscooter erlebte, und der sagt: ‚So Leude, jetzt zusteigen, jetzt kommt das neue Lied von ELO!‘ Und dann wird auf Start gedrückt und los geht der Ringelpiez mit Anfassen.“

Wenn ihr erfahren wollt, wie 1989 die erste Loveparade mit drei von Westbam gemixten Kassetten und 150 Leuten auf dem Ku’Damm zustande kam, warum er 1987 mit anderen Leuten nach Riga fuhr, um die erste House Party in der Sowjetunion zu feiern und wie er für seine neue Platte Features mit aktuellen Hip-Hop-Stars wie Drake organisiert hat: Hört Euch die neueste Folge des OMR Podcasts an!

Unsere Podcast-Partner:

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Alle Themen des Podcasts mit Westbam im Überblick:

  • Wie er von Maximilian Lenz zu Westbam wurde (ab 4:00)
  • Wie er das DJing entdeckt hat (ab 7:03)
  • Was waren seine wichtigsten ersten Stationen? (ab 10:28)
  • Die Gründungsgeschichte der Loveparade (ab 16:07)
  • Über die Loveparade als Business und ihre Bedeutung für Berlin (ab 20:18)
  • Wie ging seine Karriere weiter, nachdem die Loveparade abhob? (ab 23:59)
  • Ab wann ist DJing zum „Big Business“ geworden? (ab 27:56)
  • Wie wird man als DJ heute zur Marke? (ab 32:15)
  • Wie hat er Avicii wahrgenommen? (ab 38:15)
  • Wie kommen Features wie mit Drake zustande? (ab 43:22)
  • Warum er keinen eigenen Club eröffnet (ab 50:07)
  • Will er noch in den nächsten zehn Jahren Musik machen? (ab 54:08)

Viel Spaß beim Anhören – und vielen Dank für jede positive Bewertung!

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