Erst Rebranding, dann Reopening: Wie Urban Sports Club jetzt Rekorde brechen will

Gründer Moritz Kreppel über ein hartes Jahr, die neue Digitaloffensive und eine einmalige Chance

Fast ein Jahr lang mussten Fitness-Studios und Sportstätten geschlossen bleiben; erst jetzt treten nach und nach Lockerungen und langsame Öffnungen in Kraft. Nicht nur für die Betreiber:innen aller Sportstätten eine herausfordernde Zeit, auch Urban Sports Club war direkt und stark von der Covid-Pandemie betroffen. Die 2012 gegründete Plattform bietet eine flexible Sport-Mitgliedschaft für 12.000 Partner-Studios. Gründer Moritz Kreppel und Oliver Glutz von Blotzheim, Head of Brand & Design, erklären im Interview, welchen Stellenwert der Launch von Livestreaming und Video-On-Demand hatten – und weshalb sie ein Rebranding während des vergangenen Lockdowns durchgezogen haben.

„Du siehst mich hier sehr viel entspannter, als noch vor ein paar Monaten“, sagt Moritz Kreppel direkt zu Beginn des Gesprächs mit OMR. 2012 gründet er gemeinsam mit Benjamin Roth Urban Sports Club. Das Unternehmen ermöglicht Mitgliedern den Zugang zu Fitness-Studios, Kursen und über 50 Sportarten verschiedenster Anbieter:innen über ein einziges Abonnement. Über 12.000 Studios und Sport-Angebote in sechs europäischen Ländern – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien und Portugal – sind derzeit an der Plattform angeschlossen. Für das Einchecken vor Ort müssen Mitglieder lediglich die App von Urban Sports Club herunterladen; Mitgliedsausweise, schriftliche Anträge und Ähnliches entfallen. Die Mehrheit der Mitglieder sind Angestellte von Firmenkunden.

Dass Kreppel betont, dass er derzeit wieder etwas durchatmen kann, zeigt, wie schwierig die vergangenen Monate für das Unternehmen gewesen sein müssen. „Das war insgesamt auf jeden Fall ein hartes Jahr. Für alle unsere Teams. Mit 12.000 geschlossenen Studios kann man sich das glaube ich ganz gut vorstellen“, so der Gründer. Logisch – geschlossene Studios bedeuten schließlich auch keine Vermittlungen.

Vom ausgebremsten Hypergrowth ins Streaminggeschäft

Moritz Kreppel

Ähnlich wie bei vielen anderen Geschäftsmodellen und Kulturangeboten bedeutet der erste Lockdown auch für Urban Sports Club eine Vollbremsung; von einem Tag auf den anderen ist das komplette Business stillgelegt. Auch bei Urban Sports Club wird sofort nach Alternativen gesucht und an Anpassungen gearbeitet – und wie bei so vielen anderen betroffenen Unternehmen läuft das auf digitale Angebote hinaus. „Wir hatten natürlich von Anfang an über eine Digital-Strategie mit Online-Kursen nachgedacht“, erklärt Moritz Kreppel. „Das hatten wir bis dahin nie geschafft. Wir steckten in einer Hypergrowth-Phase und hatten entsprechend andere Themen.“ Durch Covid sei man dann letztendlich gezwungen gewesen, damit zu starten.

In einem ersten Schritt startet Urban Sports Club mit Livestreaming-Angeboten aus den Partnerstudios. „Wir haben dafür eng mit der Studio-Management-Software Fitogram zusammengearbeitet“, sagt Gründer Kreppel. „Das war die technische Plattform, über uns wurde das Angebot buchbar gemacht. Zusätzlich haben wir eine Reihe von Webinaren für die Studios selber gestartet, in denen wir eine Einführung in das Thema Livestreaming gegeben haben.“

„Das Angebot war nicht nur gut für unsere Mitglieder, sondern auch für unsere Partnerstudios, die weiter Umsätze generieren konnten“, so Moritz Kreppel weiter. Aber auch für Urban Sports Club selber dürfte sich der schnelle Shift auf Online gelohnt haben. Sogar in den Sommermonaten nach dem ersten Lockdown habe ein zweistelliger Prozentsatz der Mitglieder online trainiert. Kreppel ist überzeugt, dass das sowohl in Zukunft, als auch bei den jetzt anstehenden Lockerung und Wiedereröffnungen so bleiben wird. „Wir sehen die Zukunft des Sports zu 100 Prozent als Hybrid. Wir haben 12.000 Studios, sind dann mit Livestreaming gestartet und haben das dann auch noch um Video-On-Demand ergänzt. Das wird nicht wieder verschwinden.“

Influencer und die Creator Economy: Konkurrenz oder Ergänzung?

„Das war der richtige Moment, dieses Produkt einzuführen“, betont Oliver Glutz von Blotzheim, Head of Brand & Design. „Mit der digitalen Ergänzung haben wir ein viel breiteres Angebot und können allen Kunden anbieten, was ihnen Freude macht. Und wir sind überzeugt, dass ein aktiveres und dadurch gesünderes Leben die Folge ist. Das ist unsere Vision.“ Mit digitalen Sport-Produkten steht Urban Sports Clubs längst nicht alleine da. Vor allem in der Creator- und Influencer-Szene entstehen seit Jahren eigene Angebote, seien es simple Youtube-Videos, kostenpflichtige Kurse oder Apps. Corona hat diese Entwicklung noch einmal verstärkt.

Für Gründer Moritz Kreppel stehen entsprechende Angebote allerdings nicht in Konkurrenz zum Urban Sports Club. Er sehe das als perfekte Ergänzung: „Uns geht es, wie Oliver schon gesagt hat, darum, Menschen zu inspirieren, gesünder und aktiver zu leben.“ Vielen Menschen falle es nicht leicht, sich für Sport zu motivieren. Das zu ändern sei eine riesige Herausforderung. „Das können wir alleine gar nicht stemmen“, so Kreppel. „Dass Influencer:innen da einen Beitrag leisten finde ich sehr wichtig.“ In Zukunft könnten Influencer:innen auch eine Rolle auf der Plattform spielen. „Eine Integration solcher Angebote ist sehr gut vorstellbar“, stellt er fest.

Wiedereröffnung und Rebranding während einer Krise

Bevor es dazu kommt, laufen derzeit aber erst einmal die Wiedereröffnungen von Fitnessstudios und Sportstätten. Ein Moment, den Urban Sports Club sehnlichst erwartet hat – auch wenn der Ablauf nicht einfach zu planen ist. „Das ist leider alles etwas unübersichtlich. Und Deutschland ist, im Vergleich zu anderen Märkte, wo schon geöffnet wurde, mit seinen 16 Bundesländern ein echter Flickenteppich“, sagt Moritz Kreppel. Trotzdem rechnet er mit Rekordmonaten. „Nach dem ersten Lockdown im vergangenen Sommer haben wir Ähnliches erlebt. Die Leute hatten unglaublich große Lust auf Sport“, so der Gründer. „August, September und Oktober waren bezogen auf Neuanmeldungen die stärksten Monate in unserer Geschichte. Was wir jetzt sehen anhand des Feedbacks von Mitgliedern: Es wird ein schöner Sommer für uns, das sind mit die stärksten Wachstumsraten, die wir je hatten. Es werden noch stärkere Monate.“

Oliver Glutz von Blotzheim

Zeitgleich zu einer anstehenden größeren Reopening-Kampagne wird Urban Sports Club dann auch zum ersten Mal im neuen Design auftreten. Vor wenigen Wochen, mitten in der Hochphase der Pandemie, hatte das Unternehmen ein Rebranding durchgeführt. Ein etwas ungewöhnlicher Zeitpunkt für einen solchen Schritt. „Wir treiben das Thema schon einige Jahre voran. Das ist eines der Projekte, das während der Growth-Phase etwas warten musste“, Oliver Glutz von Blotzheim. „Aber klar, das während der Pandemie und Kurzarbeit voranzutreiben, war auf jeden Fall ambitioniert.“ Die anstehende Wiedereröffnung hätte dann aber den Ausschlag gegeben. „Der Reopening-Moment ist ein Momentun, das wir nutzen wollten. Das hat uns letztlich zum Launch des Rebrandings bewegt“, so Glutz von Blotzheim. Die Kampagne, die sich bereits im Rollout befindet, ziele weder auf das Rebranding und auch nicht direkt auf die Wiedereröffnung, sondern auf die Emotionen von Sport-Fans ab.

Eine einmalige Chance – auch dank B2B

Eine für das laufende Jahr angepeilte Mitgliederzahl will Urban Sports Club zwar nicht nennen, dass Gründer Moritz Kreppel und Oliver Glutz von Blotzheim aber sehr optimistisch sind, verheimlichen sie nicht. „Wir haben die Zeit genutzt und interne Prozesse professionalisiert; dazu waren wir vor der Pandemie nie so richtig gekommen“, erklärt Kreppel. Nicht nur für sein Unternehmen könne 2021 zum Rekordjahr werden. „Es ist aus meiner Sicht eine Once-In-A-Lifetime-Opportunity.“ Es gebe in Deutschland über drei Millionen Menschen, die ihre Verträge für Fitness-, Yoga- oder andere Studios gekündigt hätten. „Es geht wirklich darum, diese Menschen zu erreichen und zu inspirieren, wieder gesünder und aktiver zu leben. Das ist eine riesige Chance für uns und für die gesamte Industrie – die wir jetzt aber auch greifen müssen.“

Ein Weg führt für Urban Sports Club dabei über das auch schon vor der Pandemie wichtige B2B-Geschäft. „Die Mehrheit unserer Mitglieder sind Firmenkunden. Das war vorher schon so, hat sich durch Corona aber noch einmal verstärkt“, stellt Moritz Kreppel fest. Das liege auch an der zunehmenden Bedeutung von Themen wie sowohl physischer als auch psychischer Mitarbeitergesundheit, Achtsamkeit und Zufriedenheit. Und ganz ähnlich wie sich Sportangebote zum Hybriden entwickeln, trifft das auch für die Arbeitswelt zu. „Unternehmen schaffen damit natürlich auch einen Benefit und steigern die Arbeitgeber-Attraktivität“, so Kreppel. „Ein hybrides, ortsunabhängiges Sportangebot dürfte in einer hybriden Arbeitswelt schon bald Standard sein. Für Firmen, die sich damit nicht beschäftigen, wird die Suche nach Talenten nicht einfacher werden.“