Wie Seriengründer Tim Ringel mit 150 Mio. US-Dollar eine globale Agenturgruppe bauen will

Tim Ringel (r.) und Philipp Westermeyer im OMR Office.

Themen:

Der Metapeople-Gründer und Ex-Netbooster-CEO spricht im OMR Podcast über sein neuestes Projekt

Die Schule war eigentlich nicht so seins, sein Abitur an einer Duisburger Gesamtschule nur so lala. Die Karriere von Tim Ringel, die dann folgte, ist dennoch absolut spektakulär. Ein Schnelldurchlauf: 1999 Agentur gegründet, 2011 an Netbooster nach Frankreich verkauft, da dann CEO, im Anschluss in New York abermals CEO von Reprise (IPG), dann Shareholder und CEO von Spring Studios – und jetzt steht der Launch seiner eigenen, neuen Agenturgruppe, für die er 150 Millionen US-Dollar eingesammelt hat, kurz bevor. Details zu dieser Reise und wie er parallel Investor von Spotify, Snapchat, Palantir und Lyft wurde, lest Ihr hier.

„Ich war ja nie wirklich toll in der Schule“, betont Tim Ringel zu Beginn des Gesprächs mit Philipp Westermeyer. Ein Abiturschnitt von 3,3 an einer Gesamtschule in Duisburg sei es geworden, aber so richtig begeistern habe er sich für strukturiertes Lernen nie können. Ohne es damals schon zu wissen, gab es aber dennoch ein Angebot, das sein Leben maßgeblich prägen sollte. „Das Tolle war, dass mein Jahrgang der erste war mit Informatik als Leistungskurs“, so Ringel. „Darüber haben wir dann unglaublich viel Zeit am Rechner verbracht und Leute kennengelernt, die später auch mit mir gearbeitet haben.“

Das anschließende Studium – Wirtschaftswissenschaften, für Informatik habe es nicht gereicht – bricht Tim Ringel ab. Er widmet sich lieber der bereits gegründeten Agentur. „Wir wollten damit eigentlich eigene Internetprojekte bauen. So wie jeder, der damals ein bisschen coden konnte“, erinnert er sich. Das sei dann aber ein totaler Reinfall geworden. „Wir hatten keine Ahnung und kein Kapital“, sagt er. Alternativ baut die Agentur in der Folge Websites für KMUs – und legt damit den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte.

Von Duisburg nach Frankreich nach New York

1999, mitten im ersten großen Internet-Boom und noch während seines Studiums, gründet er die Agentur Metapeople. „Ich war tatsächlich einer der ersten in Deutschland, der bei Google einen Anzeigenauftrag unterschrieben hat“, so Ringel. Zum reinen Erstellen von Webseiten kommen SEO, Paid Search und Affiliate Marketing hinzu; später folgen Social und Programmatic. „Wir waren einfach sehr früh dabei und kannten uns sehr gut aus“, sagt er. Das habe zu sehr langen Beziehungen und teilweise sehr großen Kunden geführt. Die Telekom sei über zehn Jahre einer der größten Kunden gewesen, vorher habe Ringel mit Metapeople sechs Jahre lang E-Plus betreut. Ringel: „Wir waren im Mobilfunkbereich einfach mit die besten, das muss man ganz ehrlich sagen.“

2011 verkauft er die Agentur mit rund 150 Mitarbeitenden und zehn bis zwölf Millionen Euro Agenturmsatz an Netbooster (heute Artefact) nach Frankreich. Ein paar Jahre zuvor habe er sich noch dagegen entschieden – auch als ihn ein Übernahme-Angebot von Agentur-Legende und WPP-Gründer Sir Martin Sorrell erreichte. Weniger als zwei Jahre später ist er bereits Global CEO bei Netbooster mit zu dem Zeitpunkt 450 Mitarbeitenden an 17 Standorten. In vier Jahren habe er die Größe und Profitabilität verdoppelt, 2016 verlässt er dennoch die Gruppe. Er habe andere strategische Vorstellungen als die Shareholder gehabt.

Nicht einmal ein Jahr später, Ringel lebt inzwischen mit seiner Frau in New York, steht die nächste Aufgabe als CEO an, bei Reprise, eine SEO-Agentur innerhalb der IPG-Gruppe. „Dadurch, dass wir super innovativ und super authentisch waren, haben wir den Mediaetat – inklusive Billboards und Magazine – für Nordamerika von Estée Lauder gewonnen. 250 Millionen US-Dollar“, sagt er. Er habe während des von Anfang an zeitlich befristeten Vertrags „einen unglaublichen Value geschaffen“ – „Aber dir gehört davon ja nichts“, so Ringel. Als er Ende 2019 einen Profitshare verhandeln möchte, um dann ein „Milliarden-Unternehmen“ zu bauen, lehnt IPG ab. „Ich bin zu sehr Unternehmer, da bin ich dann gegangen. Und habe mich bei der Agentur Spring Studios in New York eingekauft.“

Planänderung dank Covid

Das Abenteuer als Shareholder und CEO der Agenturgruppe Spring Studios, die unter anderem die Fashion Week in New York veranstalten, dauert in der Folge nicht lange an. Die Covid-Pandemie sorgt dafür, dass Studios schließen und Mitarbeitende entlassen werden . Ringels Vorstellungen und Pläne liegen auf Eis, er verkauft seine Anteile wieder – und baut seitdem an seinem neuesten Projekt.

150 Millionen US-Dollar habe er bereits eingesammelt, unter dem Namen „Meet the People“ will er damit eine globale Agenturgruppe aufbauen, die Anfang Oktober offiziell launchen soll. Schon jetzt habe die Company dank zweier Übernahmen etwa 400 Mitarbeitende und sei bei 60 Millionen US-Dollar Agenturumsatz profitabel. „Wir geben die Backoffice-Infrastruktur, Beratungslayer und Technologielayer“, so Ringel. Auch in Deutschland sei für das laufende Jahr schon eine Übernahme geplant. Die gekauften Agenturen sollen immer unter der eigenen Brand weiterlaufen: „Ich glaube nicht, dass Agenturen ihre Identität aufgeben sollten, wenn du sie kaufst. Denn sie leben nur von Relationships.“

Wie Tim Ringel an 150 Millionen US-Dollar Kapital für eine Vision gekommen ist, wie er es geschafft hat, Pre-IPO unter anderem in Spotify zu investieren und inwiefern er ausgerechnet vom Clubhouse-Boom profitiert hat, hört Ihr in der aktuellen Folge des OMR Podcasts.

Das heimliche Einhorn Uberall

Im Anschluss spricht Philipp Westermeyer außerdem noch mit Florian Hübner, dem Gründer und CEO von Uberall. Mitte Juni konnte das Unternehmen in einer Series-C-Runde 95 Millionen Euro aufnehmen – und ist damit ein heißer Kandidat für das nächste Tech-Unicorn aus Deutschland. Ob die Milliarden-Bewertung nicht jetzt schon geknackt sei bei 60 bis 70 Millionen Euro Umsatz, möchte Hübner Westermeyer allerdings nicht verraten.

1.600 Enterprise-Kunden betreue Uberall aktuell mit ihrer Technologie-Plattform. „Wir helfen Businesses mit stationären Geschäften auf digitalen Kanälen mit potenziellen Kund:innen zu interargieren“, beschreibt Florian Hübner das Geschäftsmodell in einem Satz. Da sich die Customer Journey von Kund:innen in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt habe, böte auch Uberall deutlich mehr, als einfach nur Öffnungszeiten für Filialen anzupassen. „Es ist alles viel dynamischer als noch vor einigen Jahren. Es geht um Live-Inventare, Speisekarten, Chatbots, ganz aktuell natürlich Covid-Informationen.“

Weshalb Hübner eine Doktorarbeit abgebrochen hat und was die Gründung von Uberall mit der Gutschein-Plattform Groupon zu tun hat, auch das hört Ihr in der aktuellen Folge des OMR Podcasts.

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Alle Themen des OMR Podcasts mit Tim Ringel und Florian Hübner im Überblick:

  • So hat die Karriere von Tim Ringel mit Website-Gestaltung für KMUs und der Gründung der Agentur Metapeople in Duisburg begonnen (ab 04:50)
  • Weshalb Ringel mit der Schule nicht so viel anfangen konnte – bis er Informatik als Leistungskurs wählen konnte (ab 06:30)
  • Tim Ringel war einer der ersten in Deutschland, der Anzeigen bei Google gebucht hat (ab 07:50)
  • Über „Greyhat-PPC-Tricks“ zur Bekanntheit in der Branche (ab 09:30)
  • London, San Fransisco, Honkong – So international war die Agentur Metapeople (ab 11:00)
  • Deshalb hat Tim Ringel auf das Übernahmeangebot von Werbelegende Martin Sorrell mit einer Absage reagiert – und fünf Jahre später an Netbooster nach Frankreich verkauft (ab 12:00)
  • Weniger als zwei Jahre nach der Übernahme war Ringel Global CEO der Gruppe mit 450 Mitarbeitenden an 17 Standorten (ab 15:00)
  • Deshalb hat Ringel Netbooster 2016 verlassen – und ist danach nach New York gezogen (ab 20:00)
  • Obwohl er in den USA neu gründen wollte, nahm er ein Angebot als CEO von Reprise, einer Agentur innerhalb der Werbe-Holding IPG, an (ab 24:30)
  • Fazit nach zweieinhalb Jahren: von 1.200 auf 3.000 Mitarbeitende, von 83 Millionen US-Dollar auf 300 Millionen US-Dollar Agentur-Rohmarge (ab 27:00)
  • Trotz des Erfolges verlässt Ringel Ende 2019 auch Reprise – und kauft sich im Anschluss bei der New Yorker Agentur Spring Studios ein (ab 31:00)
  • So wird heute über die Vergabe der großen Werbebudgets entschieden (ab 32:45)
  • Die Covid-Pandemie hat Spring Studios selber, aber vor allem die Gesellschafter hart getroffen – und dafür gesorgt, dass Tim Ringel die Agentur schon wieder verlassen hat (ab 37:20)
  • Das steckt hinter der neuen Company „Meet the People“ von Ringel, für die er rund 150 Millionen US-Dollar eingesammelt hat (ab 40:30)
  • Wo kommt das Geld für das neue Unternehmen her? (ab 45:00)
  • So hat Tim Ringel vom Clubhouse-Boom profitiert (ab 48:10)
  • Schon zwei Monate nach der Gründung soll „Meet the People“ durch zwei Übernahmen 400 Mitarbeitende und 60 Millionen US-Dollar Agenturumsatz machen – und plant noch für das laufende Jahr die erste Übernahme in Deutschland (ab 49:00)
  • Welche Größe und Spezialisierung muss eine Agentur haben, um für das neue Projekt von Tim Ringel interessant zu sein? (ab 54:00)
  • Spotify, Airbnb, Palantir, Snap, Lyft: In diese Firmen hat Ringel extrem früh investiert (ab 56:30)
  • Wie aus seinen ersten Investments über Adit Ventures ein Platz im Board wurde (ab 1:00:45)
  • Hat Tim Ringel schon lange ausgesorgt? (ab 1:07:00)
  • So beschreibt Gründer Florian Hübner, was Uberall eigentlich genau macht (ab 1:15:15)
  • Wie sehen die typischen Kunden von Uberall aus? (ab 1:15:50)
  • Was hält Florian Hübner über die Diskussionen rund um die Rettung der Innenstadt und des stationären Handels? (ab 1:19:00)
  • Deshalb beeindruckt Hübner Lidls Kommunikation der vergangenen zwei Jahre (ab 1:21:00)
  • „The New Face of Local“ – Das steckt alles im Report von Uberall (ab 1:23:00)
  • Das haben Groupon und Hübners Entscheidung, vor rund zehn Jahren nach Berlin zu ziehen, mit der Gründung von Uberall zu tun (ab 1:24:00)
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