Der deutsche Amazon-Tool-Anbieter Sellics bekommt zehn Millionen US-Dollar Funding

CEO Franz Jordan und sein Mitgründer, CTO Josef Vataman, in einem Recruiting-Video von Sellics

Wird das Unternehmen jetzt von Deutschland aus zu einem globalen Digital-Marketing-Champion?

Es ist ein weiterer bemerkenswerter internationaler Deal im Ökosystem der deutschstämmigen Amazon-Dienstleister: Der Berliner Amazon-Tool-Anbieter Sellics (vormals Marketplace Analytics) hat nach eigenen Angaben ein Investment im Umfang von zehn Millionen US-Dollar von der britischen Venture-Capital-Firma Frog Capital eingesammelt. OMR spekuliert über die aktuelle Unternehmensbewertung und hat mit Mitgründer und CEO Franz Jordan über die Zukunftspläne des Unternehmens gesprochen.

„Wenn E-Commerce die Zukunft des Handels ist und Amazon die Zukunft des E-Commerce, dann steht Sellics […] in der Tat eine strahlende Zukunft bevor“, begründet Frog Capital in einer offiziellen Mitteilung das Investment. Franz Jordan bestätigte gegenüber OMR, dass Frog Capital als alleiniger Series-A-Investor zehn Millionen US-Dollar in Sellics investiert hat. Zur Unternehmensbewertung von Sellics wollte Jordan keine Angaben machen.

„Ein Freund von uns hat auf Amazon verkauft“

Franz Jordan

Ein Blick in den jüngsten Handelsregistereintrag zeigt, dass Frog Capital 15,96 Prozent der Anteil an Sellics hält. Dies entspräche einer Post-Money-Bewertung von rund 62 Millionen Euro. Die beiden Gründer halten nun 34 bzw. 30 Prozent an Sellics. Mit 15,54 Prozent ist Absolventa-Gründer und Investor Christoph Jost ein weiterer relevanter Anteilseigner. Wir schätzen auf Basis der Bewertung und der jüngsten im Bundesanzeiger verfügbaren Bilanz (aus dem Jahr 2017), dass Sellics einen Jahresumsatz im mittleren, einstelligen Millionenbereich erwirtschaftet.

Sellics wurde 2014 von Franz Jordan und Josef Vataman in Berlin ohne Fremdkapital gegründet. Nachdem das vorherige Unternehmen der beiden (die KMU-Firmendatenbank Aboutlocal) gescheitert war, habe ein Freund die beiden angesprochen. „Der hat auf Amazon verkauft und uns gefragt, ob wir ihm nicht eine Software bauen könnten, mit der er seine Rankings beobachten kann“, so Jordan. „Wir haben dann relativ schnell gesehen, dass schon damals mehr Produktsuchen auf Amazon stattfinden als auf Google.“

Lego und Unilever gehören zu den Kunden

Sellics startete zunächst noch unter dem Namen Marketplace Analytics als reines Amazon-SEO-Tool, mit dem die Nutzer die Sichtbarkeit ihrer Artikel-Listings auf Amazon überwachen konnten. „Heute bieten wir alles, was Marken brauchen, um ihr Geschäft auf Amazon erfolgreich zu steuern und zu optimieren“, sagt Jordan. Dazu gehören das Inventar- und Bewertungsmanagement ebenso wie Amazon Advertising. „Nach unserer Recherche ist Sellics in sehr kurzer Zeit zu Amazons größtem Werbepartner geworden“, so Jens Düing, der auf Seite von Frog Capital den Deal verantwortet hat.

Der Einstiegspreis für die Nutzung von Sellics liegt für Amazon-Marktplatzhändler („Seller“) bei 57 Euro, für Vendoren bei 175 Euro. Der finale Preis hängt dann wie bei vielen anderen Software-as-a-Service-Geschäftsmodellen auch von der Zahl der genutzten Module ab. Eigenen Angaben zufolge verzeichnet Sellics mittlerweile rund 4.000 Kunden. „Wir haben mit den kleineren Sellern angefangen und bewegen uns jetzt mehr Upmarket zu den großen Marken“, so Jordan. Mittlerweile gehören auch Firmen wie Lego und Unilever zum Kundenstamm.

Die USA sind bereits der umsatzstärkste Markt für Sellics

Laut dem CEO beschäftigt Sellics mittlerweile 100 Mitarbeiter, davon 90 in Berlin und zehn in einem Büro in New York. Den ersten Einblick in den US-Markt erhielten die beiden Gründer im Jahr 2017. Damals war Sellics von OMR zu einer der „Three Companies to Watch“ ausgewählt worden; der OMR-Partner German Accelerator schickte alle teilnehmenden Firmen für Workshops und Networking Events nach New York. „Mittlerweile sind die USA unser wichtigster Markt, auch in Sachen Umsatz“, so Jordan. Zwischen 20 und 25 der Mitarbeiter würden den US-Markt betreuen.

Die nun neu akquirierten finanziellen Mittel sollen zur Hälfte ins Produkt und zur Hälfte in Sales und Marketing gesteckt werden, so Jordan gegenüber OMR. Gegenüber der US-Version des Business Insider erklärte er, dass Sellics das Investment auch dafür nutzen wolle, neue Produkte für Amazon-Agenturen zu entwickeln. WPP, das größte Agenturnetzwerk der Welt, hatte bereits 2017 eine Amazon-Agentur aufgekauft. Im Frühjahr 2018 hat die niederländische Agenturgruppe Dept die deutsche Amazon-Agentur factor-a aufgekauft; unbestätigten Gerüchten zufolge auf Basis einer Bewertung von 14 Millionen Euro. Das Funding von Sellics ist somit der zweite deutsche Deal im Bereich der Amazon-Dienstleister.

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