The Rockstars Fifty: Das sind für uns die Online Marketing Rockstars des Jahres 2016/17

Wir zeigen die spannendsten Köpfe der Branche

Wer hat in den vergangenen zwölf Monaten in der Online-Marketing-Branche für Aufsehen gesorgt oder still und heimlich Beeindruckendes geleistet, wem könnte das in den kommenden zwölf Monaten gelingen? Zum zweiten Mal haben wir als Antwort auf diese Fragen ein eigenes Ranking mit den spannendsten Köpfen der Szene erstellt: The Rockstars Fifty.

Im vergangenen Jahr haben wir erstmals unsere Rockstars Fifty gekürt – nun soll aus dem Ranking eine Tradition werden. Ein paar Worte vorweg: Wir haben für das Ranking einfach Branchenpersönlichkeiten zusammengestellt, die uns innerhalb der vergangenen zwölf Monate aufgefallen sind. Dafür haben wir natürlich recherchiert und intern ausführlich diskutiert – am Ende ist das Ergebnis aber natürlich immer sehr subjektiv. Wir sehen die „Rockstars Fifty“ deswegen mehr als ein Stück Entertainment und Information, als eine Liste mit allgemeingültigem Anspruch. Und nun hoffentlich viel Spaß mit den Rockstars Fifty 2016/2017 – präsentiert von unserem Partner Ströer!

Platz 1: Philippe von Borries, Gründer von Refinery29

Eine von einem Deutschen gegründete, rein digitale Medienmarke, die 500 Millionen Euro wert ist, 420 Mitarbeiter beschäftigt und einen neunstelligen Umsatz erwirtschaftet – kann es nicht geben, oder? Doch, gibt es: Refinery29. Gut, die Frage ist ein wenig unfair. Denn Philippe von Borries ist nach einem Austauschjahr schon als Teenager in die USA gezogen und hat Refinery29 dort in seinen Zwanzigern gegründet. Doch dass die Medienmarke so erfolgreich ist, liegt nicht alleine daran, dass der US-Markt sowie das potenzielle Publikum für ein englischsprachiges Medium deutlich größer sind. Sondern auch daran, dass von Borries neben Jonah Peretti von Buzzfeed wohl zu jenen Menschen gehört, die am besten verstanden haben, wie Inhalte im Netz ein Publikum finden.

Dabei war Refinery29 anfangs eigentlich eher ein Commerce-Projekt, bei dem der Content dazu dienen sollte, Verkäufe anzukurbeln. „Bis 2010, 2011 wollte kein Investor in Content investieren“, so von Borries im OMR Podcast. Also launchen er und drei Freunde 2005 ein E-Commerce-Angebot für junge Frauen, die ihren Stil „verfeinern“ wollen (to refine bedeutet verfeinern). Damals findet das Projekt gerade einmal 2.000 Kunden, doch die bilden eine loyale Community. In den folgenden fünf Jahren bauen von Borries und sein Team Refinery29 zur reinen Medienmarke um, abgestimmt auf die junge weibliche Zielgruppe, mit einem Artikel in der Woche.

Heute sind von Borries und sein Team Meister im so genannten Distributed Content.  Nach eigenen Angaben erreicht das Unternehmen derzeit monatlich 27 Millionen Unique User über eigene Properties und 225 Millionen User über alle großen Social-Plattformen hinweg. Für jede Plattform beschäftigt das Unternehmen ein Team, dass sich nur um das jeweilige Format kümmert – insgesamt 130 Mitarbeiter. Die Redaktion behält immer im Blick, welche Content-Formate von den großen Plattformen gepusht werden und damit viel Reichweite erhalten, und bespielt diese mit passenden Inhalten . So habe Refinery29 zuletzt rund 1.500 Minuten Facebook-Live-Content erstellt.

Bei der Monetarisierung setzt Refinery29 statt auf Commerce heute zum einen auf Content-Lizensierung, zum anderen auf Agenturdienstleistungen. Mit seiner „Digital Agency“ begleitet das Unternehmen Brands auf dem kompletten Weg von der Erstellung von Inhalten und Werbemitteln über die Distribution bis hin zu zusätzlichen Maßnahmen wie Events, um ihre Produkte zu vermarkten. Weil das Refinery-Team durch das redaktionelle Geschäft gute Kontakte zu Promis und Social Influencern geknüpft hat, gelingt es dem Unternehmen oft, diese ebenfalls für Kampagnen zu verpflichten.

Nächster Meilenstein für Refinery29 wird die Internationalisierung sein: Im November 2015 eröffnete von Borries eine Niederlassung in London. Und seit dem Launch der deutschsprachigen Version im Juni vergangenen Jahres kann sich Refinery29 dann doch „auch“ mit Fug und Recht eine deutsche Medienmarke nennen.

 

Platz 2: Rolf Schrömgens, Gründer und Geschäftsführer von Trivago

Fragt man nach den erfolgreichsten deutschen Internet-Firmen aller Zeiten, würde wohl selbst in der Online-Branche vielen in diesem Moment nicht Trivago einfallen. Ist aber so, denn zumindest zu den wertvollsten fünf deutschen Internet-Firmen gehört Trivago aktuell. Noch unwahrscheinlicher dürfte es sein, dass jemandem auf Frage nach den erfolgreichsten Digitalgründern der öffentlich sehr zurückhaltende Rolf Schrömgens und seine beiden Cofounder Malte Siewert und Peter Vinnemeier einfallen. Dabei hat das Team aus Düsseldorf – im Wesentlichen getrieben von TV- und Search Marketing in Perfektion – eine Firma erschaffen, die Ende letzten Jahres erstmals an der NASDAQ gelistet wurde und aktuell mit etwa vier Milliarden Dollar bewertet wird.

Dennoch gelten die Herren hierzulande nicht als „Household Names“ mit Samwer’scher Bekanntheit. Das ist wohl Absicht, denn die drei könnten mit ihrer Story deutlich offensiver auftreten. Immerhin beschäftigen sie über 1.000 Mitarbeiter in mehr als 50 Ländern. Das Modell ist überall das gleiche: Trivago bietet eine Meta-Plattform für die Suche nach Hotelzimmern. Erlöse werden über die bezahlten Clickouts von Trivago zu anderen Websites erzielt.

Um den Traffic erstmal auf Trivago zu lenken, leistet sich das Unternehmen eines der größten Suchmaschinenmarketing-Budgets in Europa. Im Markt hört man, dass Trivago gerade weil das digitale Marketing einer der Kernwertschöpfungs-Bereiche ist, dort sehr viel eigene Technologie entwickelt hat, mit der das Unternehmen die verschiedenen Marketing-Kanäle aussteuert, optimiert und verknüpft (also quasi ein maßgeschneidertes, selbstgebautes Adobe oder Marin). Wohin die zurückhaltenden Gründer selber in den Urlaub fliegen ist nicht bekannt. Angeblich aber sind sie gerne ganz diskret im Privatflieger unterwegs – haben wir nur zufällig mitbekommen…

 

Platz 3: Lisa & Lena, Deutschlands größte Instagram- und musical.ly-Stars

Die Zahlen sprechen für sich: Die 14-jährigen Zwillinge Lisa & Lena aus der Nähe von Stuttgart haben neun Millionen Instagram-Follower – mehr als Mario Götze (acht Millionen). Die beiden besitzen damit den drittgrößten deutschen Instagram-Account – nur Mesut Özil und Toni Kroos liegen noch vor ihnen. Auf der Plattform musical.ly (siehe auch Platz 7) folgen ihnen sogar 15,8 Millionen Menschen. Das Erstaunlichste: Diese Reichweite haben beide innerhalb von nur etwas mehr als einem Jahr aufgebaut.

Viel haben sie dafür nicht benötigt: ein wenig Talent sowie selbst gedrehte Kurzclips, in denen sie zu bekannten Popsongs tanzen und die Lippen bewegen. „Wir haben schon immer gerne geschauspielert und gesungen“, so die beiden Teenies gegenüber Online Marketing Rockstars. „Dann haben wir die musical.ly-App entdeckt und angefangen, einzeln und auch gemeinsam Videos zu drehen.“ Unter Teenagern war musical.ly in den vergangenen Monaten extrem angesagt; zeitweise belegte die App auch in Deutschland Platz 1 im App Store. Dadurch, dass beide ihre Videos auch bei Instagram posten, erreichen sie ein noch größeres Publikum.

Relativ früh arbeiten Lisa und Lena mit einem Unternehmer aus Stuttgart zusammen, tragen Kleidungsstücke seines Labels, das damit offensichtlich beachtliche Verkäufe generiert. Über Dritt-Accounts werden im Rahmen von Gewinnspielen immer wieder Kleidungsstücke verlost und so die Reichweite gesteigert. Darüber hinaus nehmen die Zwillinge über Direktnachrichten bei Instagram direkt mit Followern Kontakt auf. Über Kürzestnachrichten ihrer Idole in eigens eingerichteten Gruppen-Chats freuen sich die jungen Fans so sehr, dass sie davon immer wieder Screenshots auf Instagram posten.

So wächst die Reichweite der beiden Mädchen beständig und mit beeindruckender Geschwindigkeit. Als US-Teenie-Musik-Star Selena Gomez ein Video auf ihrem eigenen Account postet, in dem Lisa und Lena zu einem ihrer Songs tanzen, steigt die Zahl ihrer internationalen Fans sprunghaft. Unterdessen kommt es mit ihrem ersten Geschäftspartner zum Bruch. Heute werden die beiden von einem ehemaligen Tokio-Hotel-Manager betreut, der für eine Tochter von Pro Sieben arbeitet. Zudem verkaufen sie über einen eigenen Online-Shop, der von Warner Music betrieben wird, eigenes Merchandise. Sie haben eine Gastrolle in einer Teenie-Serie auf Nickelodeon, treten vor Tausenden kreischender Teenies auf dem Youtuber-Event Videodays auf und sind mit einer kleinen Nebenrolle in „Hot Dog“ vertreten, dem kommenden Kinofilm mit Til Schweiger und Matthias Schweighöfer.

Bei OMR haben wir die Kraft hinter dem Phänomen Lisa und Lena am eigenen Leib zu spüren bekommen: Weil unser Artikel über die beiden zeitweise bei einer Google-Suche ganz oben gelistet wird, lesen Zehntausende von Teenies bei uns die Geschichte der beiden Mädchen nach. Es ist keine allzu wagemutige Prognose: Wir werden noch viel von beiden hören.

 

Platz 4: Tarek Müller, Mitgründer und Geschäftsführer von About You

„Der Tarek“ ist noch nicht mal 30, aber schon einer der größten Namen im deutschen E-Commerce – und dabei hat er noch nicht einmal bei Zalando oder Rocket gearbeitet. Mit Unterstützung von OTTO haben er und seine Kollegen entgegen den Erwartungen vieler About You zu einer bekannten und äußerst stark besuchten Shopping-Destination gemacht. Auffällig ist insbesondere, wie clever das Team im Marketing agiert. Von vorweihnachtlichen Rabatt-Aktionen, die massenweise günstige App-Installs generieren, bis zu groß angelegten Kampagnen mit reichweitenstarken Influencern, die zuvor wenige auf dem Zettel hatten. Dazu hat das About-You-Team eine super App entwickelt, testet Ladenlokale als Marketingkanal und hat letztes Jahr einen großen Deal mit ProSiebenSat1 geschlossen. Vielleicht sind Tarek und About You bald die Adresse, von der alle sagen, dass sie da mal gearbeitet haben, um ihre Kompetenz zu unterstreichen.

 

Platz 5: Christian Schmalzl, COO Ströer SE

Im letzten Jahr vergaben wir Platz 1 an Christian Schmalzl – auch zwölf Monate später denken wir noch: zu Recht. Sicher, es gibt auch andere beeindruckende Menschen in der Szene (siehe die restlichen 49 Plätze in diesem Ranking). Aber Christian und sein Team bei Ströer haben auch 2016 besonders Gas gegeben. Nicht ohne Gegenwind, wie etwa einer Attacke internationaler Hedge-Fonds im Sommer. Verändert hat sich dadurch nach außen nicht viel. Es gab weiter Übernahmen von Firmen, die sich mithilfe der Marketing-Power von Ströer hebeln lassen. Bodychange (siehe Platz 6), das 2015 schon übernommen wurde, führt aktuell vor, wie das im Optimalfall funktioniert. Außenwerbeflächen werden digitalisiert, und Ströer hat keine Angst. Auch vor der Übernahme und Restrukturierung von T-Online schrecken sie nicht zurück. Über die letzten fünf Jahre gesehen liegt Ströer an der Börse 240 Prozent im Plus – das ist „ja schon ganz okay…“

 

Platz 6: Fredrik Harkort, Geschäftsführer Bodychange

Fredrik Harkort hat – so zumindest der Eindruck, wenn man ihn im Oberhemd sieht – keinen Body, der einen sofort umhaut. Dafür hat der Ex-TV-Macher zum Beispiel seinen Kollegen Detlef „D“ Soost oder auch Wladimir Klitschko. Mit der Idee, über besonders intensive Testimonial- und Influencer-Partnerschaften Menschen für seine Produkte zu begeistern, ist er sehr weit gekommen. Nach der Übernahme durch Ströer rollt Bodychange jetzt über alle Außenwerbeflächen der Republik, und das scheint wie gewünscht anzuschlagen – hört man zumindest aus der Startup-Szene. Fredrik würde man den Erfolg aber bei einem persönlichen Treffen nicht anmerken. Gute Laune hat er zwar schon meistens, aber ansonsten käme eher niemand auf die Idee, dass dieser Typ, dank cleverem Marketing, die Körper von hunderttausenden Menschen verändert.

 

Platz 7: Alex Hofmann, President North America bei musical.ly

„Um in die Sphären von Snapchat, Instagram oder Twitter vorzudringen, benötigt eine Plattform 100 Millionen regelmäßig aktive Nutzer. musical.ly ist vermutlich noch am ehesten dran, das nächste heiße Ding zu werden“ – so Gary Vaynerchuk im März 2016. Im Juli vermeldete musical.ly bereits mehr als 100 Millionen Nutzer. Zu diesem Erfolg hat ein Deutscher entscheidend mit beigetragen: Alex Hofmann kennt die beiden chinesischen Gründer Luyu Yang und Alex Jun Zhu aus gemeinsamen SAP-Zeit und leitet nun das Geschäft im wichtigen US-Markt. Noch ist nicht gesagt, ob musical.ly sich als Plattform langfristig gegenüber den mächtigen Konkurrenten Facebook/Instagram wird halten können. Doch das Management trifft immer wieder clevere Entscheidungen. So war das Streaming-Produkt Live.ly wegen der auf musical.ly aufgebauten Influencer innerhalb der vergangenen Monate sehr erfolgreich. Und mit Squad haben sich die Macher im aktuell angesagten Segment von Gruppen-Video-Chats positioniert.

 

Platz 8: Roman Kirsch, CEO und Gründer von Lesara

Bereits 2012 stand Roman Kirsch in der Großen Freiheit auf der OMR-Bühne. Er war seinerzeit gefühlt gerade volljährig geworden, was einige Gäste wohl kurz irritierte. Das legte sich aber schnell, als Roman anfing, von seinen Kohorten-Analysen und Marketing-KPIs bei Fab.com zu erzählen. Er hatte zuvor sein erstes Startup Casacanda an das US-Unternehmen verkauft und leitete nun Fab.com in Deutschland – bis die amerikanischen Gründer durchdrehten und alles vor die Wand fuhren. Kurze Zeit später ging Roman mit seinem nächsten Ding an den Start. Die ganze europäische VC-Welt wollte in Lesara – eine Mischung aus dem gehypten US-Billig-Fashion-Monster Wish.com und ALDI in online – investieren. Zu Recht, wie man heute schon erkennen kann. Denn Lesara wird von Szenekennern aktuell auf eine mittlere neunstellige Firmenbewertung taxiert. Und: Wieder setzt Roman auf extrem analytisches und quantitatives Marketing.

 

Platz 9: Nils Regge, Gründer von Truventero

Nils ist der Search-Veredler. Seit seiner ersten Firma Casamundo, mit der er Ferienhäuser auf der ganzen Welt vermittelte, hat er den Dreh perfekt raus. Man suche sich ein Geschäftsmodell, das maßgeschneidert ist für Neukunden-Akquise über Suchmaschinen, optimiere ein wenig und drehe den Adwords-Hahn dann weit auf. Nachdem Casamundo 2010 von einer holländischen Gruppe übernommen wurde, baute er mit seiner Hamburger Beteiligungsfirma Truventuro zuletzt u.a. den Kreuzfahrtvermittler Dreamlines, den Finanzvermittler Finanzcheck und die Unterkunftvermittlung HomeToGo auf. Das Modell ist jedes Mal ähnlich – der Erfolg auch. Die Firmen sind mittlerweile sehr wertvoll; Regge hält an allen von ihnen Anteile. Es sieht so einfach aus, vermutlich muss man aber trotzdem neben seinem Google-Konto und den passenden Landing Pages noch ein paar mehr Dinge im Griff haben. Hat Nils ganz offensichtlich.

 

Platz 10: Yi Shi, Gründer und CEO von Avazu Holdings

Es ist eine Art Globalisierungsmärchen: Ein Chinese lernt als Teenager in Deutschland das Online Marketing kennen, verdient damit gutes Geld, und baut, nun wieder von China aus, ein millionenschweres Digital-Marketing-Unternehmen auf. Das ist die Geschichte des heute 27-jährigen Yi Shi. Als 11-Jähriger kommt er im Jahr 2000 nach Deutschland. Ab 2004 macht er sich in der SEO- und Affiliate-Marketing-Szene einen Namen, zieht später zum Studium nach Frankfurt. Als er auf einer Weltreise krank wird und drei Monate in Schanghai verbringt, gründet er dort das Mobile-Advertising-Unternehmen Avazu. Heute ist Avazu eine Holding aus vier Unternehmen, beschäftigt Medienberichten zufolge mehr als 100 Mitarbeiter und verzeichnet einen zweistelligen Millionengewinn. Im Jahr 2015 soll der börsennnotierte Konzern Dalian Zeus das Unternehmen im Rahmen eines 280-Millionen-Euro-Deals übernommen haben. 2016 hat Yi Shi der Goethe-Universität Frankfurt 300.000 Euro für ein Labor gespendet – obwohl er sein Studium dort nie abgeschlossen hat.

 

Platz 11: Ulrike Handel, CEO Ad Pepper Group

Es dürfte eines der größten Comebacks in der deutschen Online-Marketing-Branche sein: Im Februar 2016 kann die Ad Pepper Group erstmals seit Bestehen ein positives EBITDA für alle operativen Gesellschaften sowie einen Rekord-Umsatz vermelden. Der Turnaround ist ein riesiger Erfolg für Ulrike Handel und ihr Team. Die ehemalige Springer-Managerin hatte bei Ad Pepper im März 2013 den CEO-Posten übernommen. Sie verkaufte Gesellschaften, verschlankte die Verwaltung und machte das Affiliate-Netzwerk webgains zum neuen Kerngeschäft. Bei Handels Einstieg notierte die Ad-Pepper-Aktie bei etwas unter einem Euro; zum Redaktionsschluss stand sie bei 2,44 Euro. „Ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren wie eine Eins dastehen und auch weiterhin wachsen werden“, so Handel im vergangenen Jahr. Aber nicht mehr unter ihrer Ägide: Sie wird das Unternehmen Ende April verlassen und künftig als CEO das Geschäft des Agenturnetzwerks Dentsu Aegis in Deutschland leiten.

 

Platz 12: Jean Pierre „JP“ Kraemer, Gründer JP Performance & Auto-Youtuber

Keine Frage: Wer auch nur einmal auf dem OMR Festival war, war begeistert von den Insights, der Stimmung und den Speakern. Dass aber ein Speaker bereits vorab für solch begeisterte Reaktionen über Facebook, Mail oder Telefon sorgt wie Auto-Youtuber „JP Performance“, ist auch bei uns nicht die Regel. „Was, der Typ kommt auch? Ist ja Hammer!”, „Okay, Ihr habt mich, jetzt buche ich ein Ticket.”, oder ähnlich lautete das Feedback. Natürlich, Autos können (vor allem für Männer) ein emotionales Thema sein. So clever und charmant wie Jean Pierre Krämer muss man sich aber erst einmal als „Personal Love Brand“ in diesem Bereich etablieren. Vom Hinterhofschrauber aus dem Ruhrpott hat sich JP zu einer der wichtigsten Influencer im Autobereich entwickelt – anfangs im klassischen TV, heute überwiegend digital. 700.000 Abonnenten und 230 Millionen Views gehen auf sein Konto. Ab März tourt Krämer unter dem Titel „PS: Ich liebe Dich“ durch die größten Arenen der Republik.

 

Platz 13: Nicolas Lecloux, Mitgründer und Marketingchef von True Fruits

Die provokanteste Kampagne des Jahres entstammt wohl dem Kopf von Nicolas Lecloux. Der True-Fruits-Gründer warb gemeinsam mit seinen Co-Gründern Inga Koster und Marco Knauf mit Worten wie „Samenstau“, „Oralverzehr“, „Samengenuss“ und anderen zweideutigen Werbebotschaften für seine Smoothies. Das Ergebnis: enorme Aufmerksamkeit, auch weil in München drei von vier Plakat-Sprüchen zensiert wurden – nicht nur Fachmedien griffen die Kontroverse auf. Seit der True-Fruits-Gründung 2006 sorgt Lecloux immer wieder für Aufregung und nutzt diese geschickt für die Vermarktung seiner Produkte. Der doppeldeutige Humor kommt nicht bei allen, aber doch bei vielen an: True Fruits kommt bei Facebook auf über 500.000 Fans, bei Instagram sind es knapp 80.000. 2016 soll der Umsatz des Unternehmens bei etwa 40 Millionen Euro liegen (2015: 29,5 Mio.), bei einem Marktanteil von über 58 Prozent im Smoothie-Geschäft.

 

Platz 14: Bonez MC, Gangsta-Rapper und Youtube-Phänomen

Jedes Jahr veröffentlicht Google eine Liste der beliebtesten Videos auf Youtube. In der Regel ist diese geprägt von Youtubern wie Julien Bam oder den Lochis oder Persönlichkeiten wie Jan Böhmermann. Was das offizielle Ranking – weil es Musikvideos ausklammert – verschleiert: Youtube Deutschland wird regiert vom Hip Hop, und zwar vor allen Dingen von Gangster Rappern. Der aktuell erfolgreichste unter ihnen: Bonez MC, bürgerlich John Lorenz Moser. Das Mitglied und der Kopf der Hamburger Rap-Crew 187 Straßenbande belegt unter den Videos mit den meisten Aufrufen Platz zwei, sechs und vier und kommt damit insgesamt auf mehr als 100 Millionen Views – so viel wie niemand anderes. Sein 187-Straßenbande-Kollege Gzuz ist außerdem an „Ahnma“ von den Beginnern beteiligt, mit fast 27 Millionen Views auf Platz vier. Keine Frage: Die 187 Straßenbande hat verstanden, wie Musikmarketing im digitalen Zeitalter funktioniert.

 

Platz 15: Soheil Dastiyari, CEO von Territory

Das Internet schüttelt die Wertschöpfungskette in der Medien- und Marketingbranche vollkommen durcheinander. Medienkonzerne beteiligen sich an Tierfutter- Shops, E-Commerce-Plattformen verkaufen Werbung, und Traffic-Vermittler wie Google und Facebook sind die großen Gewinner. Wie soll Old Media in dieser Welt auch längerfristig noch Geld verdienen? Vor dieser Frage stehend hat Gruner+Jahr im Mai 2016 einen Schritt unternommen, den man in den USA wohl „bold“ nennen würde: Unter dem Namen Territory haben die Hamburger eine Agentur für Content Communication gegründet, dafür mehrere interne Bereiche (u.a. Corporate Publishing) unter einem Dach gebündelt sowie mehrfach zugekauft. CEO Soheil Dastiyari dürfte damit einen der spannendsten und herausforderndsten Jobs der Branche haben: Territory beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter; zu den Kunden gehören Dickschiffe wie Lufthansa, Daimler und Deutsche Bahn; der angepeilte Jahresumsatz soll bei über 150 Millionen Euro liegen.

 

Platz 16: Bianca Heinicke, alias „BibisBeautyPalace“, Deutschlands größte Youtuberin

Sicherlich: Bei einigen Menschen, die nicht der Zielgruppe angehören, dürften die Videos von „Bibi“ Heinicke Juckreiz oder andere extreme Abwehrreaktionen hervorrufen. Und darüber, ob „Bibi“ bezahlte Werbung gegenüber ihrer sehr jungen Zielgruppe ausreichend kennzeichnet, kann man auf jeden Fall auch diskutieren. Aus rein geschäftlicher und aus Online-Marketing-Sicht muss man jedoch sagen: Offenbar weiß keine andere Kanalbetreiberin in Deutschland so gut wie Bianca Heinicke, wie und womit sie ihre Zielgruppe erreicht. In puncto Views und Abonnenten generieren ist die Dame nämlich noch immer das absolute Maß aller Dinge. Während andere Youtuber der ersten Generation im vergangenen Jahr an Relevanz und monatlicher Reichweite verloren haben, geht bei Heinicke die Tendenz immer noch weiter nach oben. Damit dürfte sie nicht nur reichweitenstärkste Youtuberin Deutschlands sein – sondern auch die am besten verdienende.

 

Platz 17: Markus Witte (CEO) und Thomas Holl (President), Gründer von Babbel

Wer regelmäßig News-Seiten besucht, wird mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit schon einmal auf die Banner der Sprachlern-App Babbel am Artikelende gestoßen sein. „So hat dieser Mann 22 Sprachen gelernt“, oder „Eine Sprache in nur drei Wochen lernen“ heißt es da meistens sinngemäß. Ein Klick führt dann nicht direkt zum Download der Babbel-App, sondern ins Online-Magazin des Unternehmens. Mit cleverem Content Marketing wird hier die Lust auf das Lernen von Fremdsprachen aufgebaut. Und das funktioniert: 120.000 Downloads pro Tag, über eine Million zahlende Kunden und Umsätze im achtstelligen, vielleicht sogar niedrig neunstelligen Euro-Bereich zeigen, dass Markus Witte (CEO) und Thomas Holl (President) auf einem guten Weg sind, ihr Ziel zu erreichen. Das lautet ganz offiziell, Weltmarktführer für Online-Sprachenlernen zu werden. Dafür konnte Babbel bisher 32 Millionen US-Dollar Risikokapital einsammeln. Zuletzt hat das Unternehmen Ex-Business-Insider-Geschäftsführerin Julie Hansen als US-Chefin gewonnen.

 

Platz 18: Anja Bettin, Gründerin und Inhaberin Philosophy Brands und Geschäftsführerin von Nuwena

Nachdem das Performance Marketing das Online Marketing lange dominierte, gewinnen mittlerweile andere Themen wie Brandbuilding, Storytelling und Influencer Marketing stark an Bedeutung. Anja Bettin kennt sich in allem davon aus: Als Markenbildnerin einer neuen Generation ist sie der Kopf hinter dem unglaublichen Erfolg von Bilou – der Duschschaummarke von Youtube-Star Bibis Beauty Palace (siehe Platz 16). Beim exklusiven Bilou-Startpartner dm soll innerhalb von nur zwei Tagen der eigentlich für einen Monat vorgesehene Warenbestand ausverkauft gewesen sein. Als Rossmann die Produkte ebenfalls ins Sortiment aufnimmt, stammt in der ersten Woche jedes Dritte bei der Drogeriekette verkaufte Duschprodukt von Bilou. Seit dem Start im November 2015 wird die Produktpalette regelmäßig erweitert – und nicht mehr nur Bibi, sondern auch andere Influencer bewerben die Produkte über die großen Plattformen.

 

Platz 19: Raphael Brinkert, Geschäftsführer Jung von Matt/Sports

Kein Mann von Bescheidenheit, dieser Raphael Brinkert: „Wenn ihr Euch fragt, was wir in den letzten Tagen und Nächten gemacht haben: Sportgeschichte“, schrieb der Geschäftsführer von Jung von Matt/Sports zu Anfang des Jahres auf Facebook. Er kann sich die großen Worte leisten – denn kurz zuvor hatte er auf eigene Idee hin für seinen Kunden DKB die Rechte an der Handball WM 2017 gesichert. Durch den Deal übertrug erstmals ein Unternehmen ein großes Sport-Ereignis in Deutschland. Auch wenn manche Sportfans das kritisch sehen mögen, ist der Deal aus Marketing-Sicht eine riesige Chance: Das EM-Finale 2016 zwischen Deutschland und Spanien hatten in der ARD knapp 13 Millionen Zuschauer gesehen. Zudem hatten große Sender im Vorfeld des Turniers verpasst, sich mit dem Rechteinhaber Be In Sports zu einigen. Nicht wenige feierten die DKB deswegen nach ihrem Coup auch als „Retter“.

 

Platz 20: Tino Keller, Gründer von Promiflash

2009 gründet Tino Keller mit Andreas Horatz und Manuel Weisbrod Promiflash als Online-Portal für Lifestyle- und Promi-Themen. Bis heute geht es in Sachen Reichweite auf allen Plattformen steil bergauf. Die Webseite besuchen über 4,6 Millionen Nutzer pro Monat, mit über 3,8 Millionen Facebook-Fans hat Promiflash deutlich mehr als Bild.de (2,2 Mio.). Gerüchten zufolge garantiert Partner Ströer dem Promiflash-Betreiber Celebrity News AG einen Mindestvermarktungsumsatz, um mit der Reichweite des Klatschportals jene des eigenen Vermarktungsportfolios aufzuhübschen. Jüngster Erfolg von Promiflash: Seit der Neuausrichtung des Promiflash-Youtube-Kanals auf Netzsternchen wie Bibi, Dagi Bee & Co. ist dieser der am schnellsten wachsenden Youtube-Kanal Deutschlands. Mit 60 Millionen Views in 30 Tagen überholt Promiflash nicht nur Bibi und Dagi mit deren eigenen Inhalten, sondern auch Größen wie Gronkh und Freekickerz.

 

Platz 21: Nils Römeling, SEO-Profi für Fußballseiten

„kicker“ oder „Sportbild“ kennt wohl jeder, „Fussballnationalmannschaft.net“ eher nicht. Trotzdem besuchten während der Fußball EM 2016 täglich Millionen User die Seite – weil sie bei Google regelmäßig vor der offiziellen Seite der UEFA und Portalen großer Medienhäuser rankte. Macher des Hidden Champions ist Nils Römeling. Seit einigen Jahren hat sich der SEO-Profi auf große Fußballturniere spezialisiert, sichert sich jeweils schon im Vorfeld Domains und bespielt diese mit Content wie Aufstellungen und Statistiken. An Spieltagen der deutschen Nationalmannschaft generiert seine Seite innerhalb weniger Stunden mehr als eine Million Page Impressions. Während eines Turniers macht er durch u.a. die Einbindung von Google Adsense-Anzeigen einen sechsstelligen Gewinn. Der DFB hat übrigens schon einmal versucht, mit rechtlichen Schritten gegen die Domain vorzugehen – ohne Erfolg.

 

Platz 22: Tim Schumacher, Gesellschafter von Eyeo, Betreiber von Adblock Plus

Sagen wir mal so: Eine Love-Brand hat Tim Schumacher mit Adblock Plus nicht gerade aufgebaut. Ein medial gefeierter Unternehmer ist er auch nicht. Sein Erfolg ist dennoch unumstritten. Zunächst hat er den weltweit führenden Domain-Handelsplatz Sedo aufgebaut und an United Internet verkauft. Nun hat er erneut aus Deutschland heraus einen digitalen Weltmarktführer aufgebaut. Darüber, ob die deutsche Branche auf diesen Weltmarktführer stolz sein sollte, kann man streiten – aber mehrere hundert Millionen Installs auf der Welt sind nicht zu ignorieren. So umstritten das Geschäftsmodell ist, Publisher für ein Whitelisting zahlen zu lassen, so gut scheint es zu funktionieren. Tim und Team entgegnen auf Kritik stets, dass Adblock Plus nichts Unrechtes tue, sondern nur ein bestehendes Bedürfnis befriedige. Und dass ohne Eyeo vermutlich eine unbekannte Firma aus Russland oder China dasselbe täte. Zumindest dagegen ist wenig zu sagen.

 

Platz 23: Pamela Reif, Instagram-Influencerin und Fitness-Unternehmerin

Als die Öffentlichkeit im vergangenen Jahr das erste Mal auf Pamela Reif aufmerksam wurde (nach mehreren Auftritten und einem Artikel bei OMR), hatte sie schon über zwei Millionen Follower bei Instagram. Mittlerweile hat die inoffizielle deutsche Instagram-Queen nicht nur nochmal einige Hunderttausend dazu gewonnen, sondern ist auch regelmäßig in den großen Medien vertreten – seit ihrer Liaison mit einem Profifußballer nicht nur mit Fitness-Tipps. Nachdem sie am Anfang vor allem für klassische Influencer-Marketing-Produkte wie Detox-Tea und modische Uhren geworben hatte, ist sie mittlerweile mit einer eigenen Schuhkollektion bei Deichmann im Werbemainstream und wohl der Budget-Bundesliga angekommen. Parallel versucht sie sich mit ihrer neuen, eigenen Fitness-App „Pamstrong“ als deutsche Kayla Itsines zu etablieren. Im März erscheint ihr erstes Buch. Aus der Influencerin ist eine Geschäftsfrau geworden.

 

Platz 24: Die Gründer der Preisvergleichs-Plattformen Stylight und Stylefruits

Sie wurden beide 2008 gegründet, haben auffällig ähnlich klingende Namen, nahezu identische Geschäftsmodelle und legten beide im Mai 2016 einen Exit hin: Die Parallelen der Preisvergleichs-Plattformen Stylight und Stylefruits sind so groß, dass Platz 24 so viele Namen umfasst, wie sonst keine andere Platzierung. Benjamin Günther, Sebastian Schuon, Max Meier und Anselm Bauer (im Bild oben) sind Gründer von Stylight, das bei einer Bewertung von 80 bis 100 Millionen Euro an ProSiebenSat.1 ging. Und Ingo Heinrich, Michael Vietze und Mathias Ziegler sind Gründer von Stylefruits, das sich Ströer dem Vernehmen nach für etwas weniger schnappte. Beide Portale haben es zuvor geschafft, sich im hochkompetitiven Segment Preisvergleichs- und Produktsuchmaschinen, in dem Google und Axel Springer (idealo, Ladenzeile) anderen wenig Luft zum Atmen lassen, relevante Marktanteile zu sichern – durch Fokussierung auf Content und Social Media.

 

Platz 25: Christian Henschel, Gründer des App-Analytics-Unternehmens adjust

Adfraud, also vor allem durch Bots künstlich erzeugter Traffic, ist seit Jahren eine der größten Herausförderungen für digitale Vermarkter und Publisher. Und das nicht nur im Desktopbereich: Auch bei mobilem Traffic kann der Adfraud-Anteil bis zu 15 Prozent betragen. Das 2012 gegründete Startup adjust aus Berlin und Gründer Christian Henschel setzen genau daran an und bieten eine Analytics-Lösung für Advertiser. Werbetreibende, die Kampagnen in einer von 18.000 Apps schalten, in denen adjust eingebunden ist (unter anderem Größen wie Spotify und Zalando), bekommen in Echtzeit Daten über die Performance geliefert. Neben Click-Through-Rate & Co. zeigt adjust dann auch, wann es sich beispielsweise um eine vorgespielte App-Installation handelt. Investoren glauben an das Geschäftsmodell des weltweit tätigen Unternehmens: Insgesamt hat adjust 26,6 Millionen Euro an Funding einsammeln können.

 

Platz 26: Matthias Eifrig, Gründer und Geschäftsführer von Blitzer.de

Eine App bekommt vier Jahr lang kein Update und ist trotzdem in den App Store Charts unter den kostenpflichtigen Angeboten immer ganz oben vertreten. Passiert ist dies Matthias Eifrig, dem Erfinder von Blitzer.de, einer App, die Autofahrer vor stationären und mobilen Geschwindigkeitskontrollen warnt. Eifrig ist seit 1997 zum Thema aktiv, zuerst im Web, seit 2010 mit einer App. Doch ab 2012 soll Apple keine Updates mehr durchgewunken haben, heißt es aus dem Unternehmen. Offenbar hält die Nutzer das veraltete Design aber nicht vom Download ab. Alleine 2016 soll Blitzer.de Schätzungen des App-Analytics-Dienstes Priori Data zufolge mehr als 1,1 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet haben – Platz 10 im Umsatz-Ranking der Nicht-Gaming-Apps in Deutschland. Im September 2016 gab es dann doch das Happy-End: Endlich wieder ein Update. Wir dürften also Blitzer.de auch in Zukunft ganz weit oben in den App Charts sehen.

 

Platz 27: Johannes Theobald, Fabian Deventer und Artjem Weissbeck, Gründer von Kapten & Son

Heute ist Influencer Marketing in aller Munde. Doch im Herbst 2014, als drei Münsteraner Studenten damit beginnen, für ihre frisch gelaunchte Uhrenmarke Kapten & Son Posts bei reichweitenstarken Instagrammern zu kaufen, ist der Begriff noch nicht einmal auf der Website der Horizont verwendet worden. Dabei ist schon da die Idee nicht neu: 2011 hat der Däne Filip Tysander damit begonnen, modische, aber günstige Uhren (denen die von Kapten & Son stark ähneln) vor allem über Influencer Marketing zu vermarkten. Die Kapten-and-Son-Gründer adaptieren das Konzept mit Geschick und offenbar dem nötigen Fleiß für den deutschen Markt und haben sechs Monate später angeblich bereits eine Million Euro umgesetzt. 2015 liegt der Bilanzgewinn bei knapp 275.000 Euro. Und es geht weiter: 2016 hat Kapten & Son die Produktpalette um Sonnenbrillen erweitert, den Stationärhandel geentert und mit der Internationalisierung begonnen.

 

Platz 28: Malte Ubl, Senior Staff Software Engineer bei Google

Wenn man als Entwickler aus einer Hamburger Agentur zu Google ins Silicon Valley wechselt und dort heute als „Tech Lead“ für eines der derzeit wichtigsten Projekte des Konzerns in führender Rolle mit verantwortlich ist, dann ist die Formulierung „Der hat es geschafft“ wohl durchaus angebracht. Malte Ubl hat das „Accelerated Mobile Pages“-Projekt (AMP) von Google mit aufgebaut. AMP soll es Digital-Publishern ermöglichen, direkt aus der Google-Suche heraus aufrufbare und extrem schnell ladende Seiten für das Mobile Web zu erstellen (vergleichbar mit Facebooks Instant Articles), womit unter anderem die Absprungraten gesenkt werden sollen. Weil sich im Mobile-Bereich Facebook und App Stores als wichtige Gatekeeper etabliert haben und die Relevanz von Googles Suchmaschine dort im Vergleich zu Desktop niedriger ist, ist das Projekt für Google von extrem hoher strategischer Wichtigkeit. Malte baut also auch an der mobilen Zukunft des Internetriesen.

 

Platz 29: Richy Ugwu, Gründer und CEO der Retail Media Group

Es ist keine triviale Aufgabe, die Richy Ugwu angenommen hat: Sein Arbeitgeber Metro Group ist vor Kurzem ins Online-Werbegeschäft eingestiegen, Ugwu ist für den Aufbau des neuen Bereiches verantwortlich. „Wir wollen der führende Partner der europäischen Handelsbranche bei der Monetarisierung von nicht-personalisierten Kundendaten werden“, so die hohen Ziele von Metro. Größter Konkurrent: Übergegner Amazon. Die deutschen E-Commerce-Größen Zalando und Otto Group sind zudem ebenfalls schon im Markt aktiv. Die Metro Group, zurzeit immerhin der zweitgrößte deutsche Handelskonzern mit sechs Millionen Kundenkontakten täglich, will für das Angebot nicht nur die digitalen Daten aller Kunden aus dem eigenen Shop-Netzwerk (Mediamarkt, Saturn, Real, Metro und Hitmeister) nutzen. Ugwu soll auch weitere Konzern-fremde Händler davon überzeugen, sich mit ihren Daten an dem Geschäft zu beteiligen.

 

Platz 30: Babs Kijewski, Nischen-Influencerin im Angelbereich

Die Zahlen, die Babs Kijewski vorweisen kann, mögen auf den ersten Blick nicht gerade beeindruckend wirken: Rund 12.000 Abonnenten und fast zwei Millionen Views bei Youtube, über 82.000 Fans bei Facebook und gerade einmal etwa 5.550 Abonnenten bei Instagram. Für die Nische, in der sie unterwegs ist, sind die Werte allerdings mehr als beachtlich. Babs Kijewski ist nämlich Angel-Influencerin. Seit 2011 dokumentiert sie ihre Fischer-Touren auf der ganzen Welt und die dicksten Fänge von Hecht über Barsch bis Wels auf ihren Social Media-Kanälen. Aus ihrem Hobby ist dank smarter Online-Präsenz und dem Format „World of Fishing“ längst ein Beruf geworden. Kijewski gibt Angel-Workshops, arbeitet mit Sponsoren und verkauft DVDs und Kalender im eigenen Online-Shop. Mehrere Fernseh-Auftritte, inklusive eigener Show auf Dmax („Das Angelduell – Zwei Profis am Haken“), hat sie schon lange hinter sich.

 

Platz 31: Ulrich Hegge, DACH-Chef von Appnexus

Uli ist ein Urgestein der Branche: Er gründete das Online-Kasino Edict und den frühen Targeting-Dienstleister Wunderloop. Nach Stationen bei Burda und der Comdirect-Bank, ist er nun für das Deutschlandgeschäft des vermutlich größten Adtech-Players hinter Google und Facebook verantwortlich: Appnexus will in diesem Jahr endlich an die Börse gehen, zu einer Bewertung zwischen 1,5 und zwei Milliarden US-Dollar.

 

Platz 32: Fabian Spielberger, Sparfuchs und Gründer von mydealz.de und pepper.com

2007 gründet Fabian Spielberger den kleinen Schnäppchenblog mydealz.de, heute lenkt er ein Unternehmen auf dem Weg zu einer Milliarden-Bewertung. Mydealz ist nicht mehr nur die größte deutschsprachige Deal-Community, sondern unter der Dachmarke Pepper auch in elf weiteren Ländern weltweit aktiv. Nach eigenen Angaben verzeichnet das Unternehmen 25 Millionen Nutzer und mehr als 500 Millionen Seitenaufrufe pro Monat.

 

Platz 33: Stefan Holwe, Gründer von Horizn Studios

„Vertically Integrated Brands“ sind schwer angesagt in der Digitalbranche: Sie verkaufen ein bis wenige Produkte, um die sie mit Storytelling eine Marke aufbauen, und verzichten auf Zwischenhändler. Internationale Beispiele sind Casper und Harrys, in Deutschland gibt es die Koffermarke Horizn Studios. Schon vor dem Start hatten Tausende vorbestellt, zuletzt soll Horizn monatlich um 40 Prozent gewachsen sein.

 

Platz 34: Kai Klement und Jörg Kundrath, Kavaj-Gründer und Amazon-Helden

In den USA beginnen die Nutzer mittlerweile mehr als jede zweite Produktrecherche nicht auf Google, sondern auf Amazon. „Amazon SEO“, die Optimierung von Produktbeschreibungen etc., ist deswegen eines der heißesten Themen im Online Marketing. Zu den Pionieren gehören Jörg Kundrath und Kai Klement von Kavaj. Früher selbst bei Amazon angestellt, setzen sie heute mit dem Verkauf von Handyhüllen über den Marktplatz Millionen um.

 

Platz 35: Benjamin Schroeter und Teja Töpfer, Gründer von facelift

Die Story von Teja Töpfer, Benjamin Schroeter und der Social-Media-Marketing-Software facelift: Gründung 2011, 15 Millionen US-Dollar Funding Anfang 2014, Akquisitionen von Socialshakers und Socialbench 2015, Ausgründung eines Joint Ventures mit Thjnk ein Jahr später – und Ende 2016 die Ankündigung, dass die Kölner Mediengruppe Dumont rund 75 Prozent der Anteile übernimmt. Was kommt als nächstes?

 

Platz 36: Peter Schilling, Mitgründer und CEO von Mediapartisans, Betreiber von heftig.co

Clickbait-Puff, Viralschleuder – die deutsche Medienbranche hat lange mit Verachtung auf heftig.co geschaut. Und doch sind das Portal und seine fremdsprachigen Varianten das vielleicht einzige jüngere, verlagsunabhängige, „klassische Web-Publishing-Projekt“ aus Deutschland mit internationaler Flughöhe. Nun hat die Funke-Gruppe das Unternehmen aufgekauft – für einen mutmaßlich achtstelligen Betrag.

 

Platz 37: Jendrik Höft, Max Koziolek und Manfred Stellenberg, Gründer und Geschäftsführer von Spectrm

Als Facebook im April 2016 den Messenger zur Plattform macht und somit für externe Dienste öffnet, gehört zu den Startpartnern neben Größen wie CNN, Wall Street Journal und Expedia auch ein deutsches Startup: Spectrm. Mittlerweile haben die drei jungen Gründer so genannte Chatbots für deutsche Medien wie Bild und FAZ sowie für große US-Digital-Publisher wie Business Insider, Mic und NowThis gebaut.

 

Platz 38: Georg Nolte & Paul Ripke, Weltmeistermacher- und dokumentierer

Nach jedem Rennen in seiner letzten, siegreichen Formel-Eins-Saison hat Nico Rosberg über Facebook Live direkt mit seinen Fans kommuniziert. In der Regel sahen eine halbe Million Menschen zu. Mit verantwortlich für diesen in Zeiten sinkender TV-Quoten smarten Schritt war Ex-Bild-Reporter und jetziger Medienberater Georg Nolte; Starfotograf Paul Ripke sorgte für coole Bilder, die bei der Generation Instagram ankommen.

 

Platz 39: Anne Höweler, Geschäftsführerin Cover PR

2012 hat Anne Höweler, u.a. mit Geld vom Payback-Chef Bernhard Brugger, Cover PR gegründet – und die Agentur in den folgenden Jahren als die Adresse für Fashion-Brands und -Influencer in Deutschland etabliert. Mittlerweile führen Höweler und ihr Team für Brands wie DKNY, Escada, Bobbi Brown und John Frieda Kampagnen mit Fashion- und Netzsternchen wie Sami Slimani, Caro Daur und Ohh Couture durch.

 

Platz 40: Jonas Thiemann und Carlo Szelinsky, Gründer von Applike

Applike ist ein löbliches Gegenbeispiel für die viel beschriene Innovationsarmut in Verlagen. Die Plattform schlägt den Nutzern auf Basis ihrer Interessen Apps von Partnern vor. Installieren und nutzen die User diese, erhalten sie Punkte, die sie gegen Prämien eintauschen können. Vor anderthalb Jahren unter dem Dach von Gruner+Jahr gegründet, ist die App-Discovery-Plattform heute in elf Ländern aktiv, 16 weitere sollen dazu kommen.

 

Platz 41: Konstantin „Konzi“ Hert, freekickerz-Gründer und Youtube-Ass

Mit Mitte 20 hat der Hobby-Kicker Konstantin Hert angefangen, Freistöße von sich zu filmen und auf Youtube hochzuladen. Heute, sechs Jahre später, ist sein Kanal „freekickerz“ mit fünf Millionen Abonnenten und 1,3 Milliarden (!) Aufrufen der größte Deutschlands, einer der größten Fußball-Channels weltweit und „Konzi“ dreht Videos mit den Spielern von Real Madrid und Bayern München.

 

Platz 42: Marcus Tandler, Mitgründer von Tandler.Doerjer.Partner und OnPage.org

Marcus Tandler ist die deutsche SEO-Brand. Er kann SEO und über SEO erzählen, wie kein anderer. Anfangs als Inhouse-SEO in der Performance-Marketing-Kaderschmiede der Scout-Gruppe, dann als SEO-Unternehmer mit eigenen Projekten und heute als einer der Macher hinter der SEO-Software-Company OnPage.org. Wo SEO ist, ist oder spricht Marcus, oder man spricht von ihm. Glaubt ihr nicht? Checkt mediadonis.net, sein Web-Alter-Ego.

 

Platz 43: Malte Feller, Director Facebook at Work Ecosystem Partnerships

Malte Fellers Vita ist eine Sammlung großer Namen: Lange Zeit war er als Country Manager für den DACH-Raum bei Paypal tätig, später bei Ebay, Zipcar und HP angestellt. Mittlerweile steht er in den Diensten von Facebook, wo er direkt im Silicon Valley an wichtigen Zukunftsprojekten mitarbeitet: zunächst am Facebook Messenger, nun an der Enterprise-Lösung „Facebook at Work“.

 

Platz 44: Christoph Kastenholz, Gründer Pulse Advertising (44)

Influencer-Marketing-Agenturen sind zuletzt wie Pilze aus dem Boden geschossen. Fragt man Advertiser, wer davon gute Arbeit macht, ist häufig der Name Pulse Advertising zu hören. Das Team rund um Gründer Christoph Kastenholz hat internationale Influencer im Portfolio, u.a. Chiara Ferragni, die wohl reichste Bloggerin der Welt, und Pamela Reif (Platz 23). Zu den Kunden gehören Ferrero, Unilever, Cartier und Uber.

 

Platz 45: Meike Heitker, Produktmanagerin bei Ritter Sport

Nach „Regenbogen-Aroma mit Glitzerpups“ (wie es zuvor auf einem Meme-Bildchen hieß) hat die Einhorn-Schokolade von Ritter Sport zwar nicht geschmeckt. Trotzdem sorgte sie für einen Riesenansturm und war innerhalb von 48 Stunden ausverkauft. Meike Heitker war dafür verantwortlich, dass Ritter Sport den Trend der Fake-Sorten clever für sich ausnutzte. Wir wünschen uns als nächstes endlich die „Ritter Sport Mett“.

 

Platz 46: Mathias Rochus, Gründer von Foxydeal

20 Millionen Nutzer in über 20 Ländern verzeichnet die Preisvergleichs- und Gutschein-Browser-Erweiterung Foxydeal angeblich. Einigen davon ist das Programm wohl als „Bloatware“ untergejubelt worden. Das hat den Bauer Verlag nicht davon abgehalten, den Foxydeal-Betreiber R&E Media aufzukaufen. Es dürfte einer der höchstdotierten Deals der letzten Jahre im Affiliate Marketing gewesen sein.

 

Platz 47: Patrick Proner, Betreiber von Deutschlands größtem Youtube-Musik-Kanal für Kinder

Eigentlich berät Patrick Proner bei Google Werbetreibende in Sachen Branding. Doch seit er einmal mit seiner Tochter bei Youtube nach Kinderliedern gesucht hat und vom Ergebnis enttäuscht war, betreibt er einen eigenen Youtube-Kanal „Sing Kinderlieder“. Der verzeichnet heute, dreieinhalb Jahre später, 327 Millionen Views – und Proner nimmt aktuell ein Sabbatical, um sich auf sein Youtube-Business konzentrieren zu können.

 

Platz 48: Valentin Dushe, Alexander Schneider & Leonard Quack, Gründer von Vergleich.org

„Wir wollen Vergleich.org als kostenlose Alternative zur Stiftung Warentest etablieren“, sagt Valentin Dushe, Mitgründer und Betreiber des Portals. Trotz Kritik, Abmahnungen, weil Vergleich.org nicht selbst testet, sondern nur Informationen aggregiert, und zuletzt einem Sichtbarkeitseinbruch bei Google, ist die Entwicklung des Affiliate-Projekts insgesamt doch beachtenswert. Mehr als vier Millionen Besuche verzeichnet das Portal bereits monatlich – Tendenz steigend.

 

Platz 49: Sabrina Saleh, Gründerin und CEO von Digidip

Wir wissen nicht, was aus ihrem Versuch wird, ein neues Affiliate-Netzwerk in Deutschland aufzubauen. Aber zwei Dinge stehen fest: Erstens hat sie nach ihrer Tätigkeit für das in der Branche berühmt-berüchtigte Popup-Netzwerk Bin Layer quasi eine Marketing-Nahkampf-Ausbildung hinter sich. Zweitens: Mit Fabian Spielberger (Platz 32) hat einer der Mover & Shaker der Affiliate-Szene in sie investiert. Zuletzt war zu lesen, dass es gut vorangeht. Wir sind gespannt.

 

Platz 50: Dres. Florian Heinemann und Michael Trautmann, OMR-Influencer

Ja, wir fassen sie mal zusammen, die beiden Herren, die jeder OMR-Besucher (mindestens) seit Jahren von unserer großen Konferenz-Bühne kennt – ob als Gast an der Bar, als Experten-Interviewpartner oder durch eine spontane Gesangseinlage. Beide machen in ihrem normalen Leben schon sehr anspruchsvolle Sachen mit Marketing, aber für uns sind sie das ganze Jahr wichtige Stützen. Vermutlich haben sie aggregiert außerdem das beste Netzwerk der europäischen Marketing-Szene.

Ströer
Das gesamte Ranking findet sich auch in der Sonderausgabe der Horizont zum Online Marketing Rockstars Festival, die hier komplett als E-Paper verfügbar ist. Danke auch an unseren Partner Ströer für die Unterstützung!

Vorheriger Artikel: Mehr Action beim OMR Festival 2017? Dann schaut Euch diese Side Events an
previous article
 
Jetzt diese Artikel lesen
Alle Artikel, Infos und OMR Updates direkt an Dich
Bin dabei!