„Gänsehauterzeugend“, „schnell & schonungslos“: Das sagen andere zum ersten OMR Original

Das sagen Kritiker*innen zum ersten OMR Original

Am Donnerstagabend hatte "Middelhoff. Der krasse Fall eines Managers" Premiere. Das sind die Reaktionen auf das Doku-Debüt von Philipp Westermeyer

Die Dokumentation über den umstrittenen Ex-Manager Thomas Middelhoff ist ein großer Schritt für OMR. Mit dem ersten Original der Medienmarke wagt sich Philipp Westermeyer auf ein neues Feld vor. Mit Blick auf die Reaktionen auf die Premiere bei Youtube ist das Bewegbild-Debüt gelungen – und weckt Erwartungen für die Zukunft. Hier eine Auswahl.

„Nie sah Thomas Middelhoff weniger verkleidet aus“ betiteln Peter Littger und Christian Meier ihre Besprechung der Doku auf welt.de. Auch wenn man anfängliche Skepsis spürt, dass Philipp Westermeyer dem gefallenen Manager eine Plattform bietet und seiner Sichtweise viel Raum gibt, ist ihr Urteil eindeutig: „Tatsächlich ist der Film sehenswert. Schon wegen Middelhoffs Mutter, der es mit Liebe gelungen ist, den großen Stolz auf den Sohn in noch größere Tapferkeit zu wandeln, die sie nach seinem Fall benötigte, um in der westfälischen Provinz gegen viele Anfeindungen bestehen zu können. Man spürt, dass es sich um ein menschlich ehrliches Kapitel in Middelhoffs Privatleben handelt – und man ahnt, dass es davon nicht viele gab.“ Und weiter heißt es: „Gänsehaut erzeugen die exklusiven Aufnahmen, die Thomas Middelhoff während seiner Zeit in Haft zeigen. Allein für sie hat es sich gelohnt, dass Philipp Westermeyer den Film zu OMR geholt hat.“

Die Autoren blicken in ihrem Artikel auch direkt über das erste OMR Original hinaus. Im Vorfeld hatte Philipp Westermeyer mit ihnen über mögliche Protagonisten gesprochen. Dabei fiel der Name des einstigen Porno-Unternehmers Fabian Thylmann. Westermeyer hatte den „Zuckerberg der gespreizten Schenkel“ bereits in seinem Podcast zu Gast. Zu einer möglichen filmischen Aufarbeitung seiner Geschichte schreibt welt.de: „Gut möglich, dass in eine ähnlich aufmerksamkeitsstark betitelte Dokumentation ein paar mehr Leute reinschauen als nur die Digitalnerds, die wissen wollen, wie man ein Start-up möglichst schnell möglichst groß macht.“

„Mehr Offenheit geht nicht“

Auch Martin Krause von der „Neuen Westfälischen“ hat das OMR-Original gesehen. Sein Urteil über die Middelhoff-Doku: Den Filmemachern Krischan Dietmaier und Fabian Korbinian Wolf sei „ein spannendes Porträt gelungen: Wer sich darauf einlässt, kommt dem heute 67-Jährigen näher, als erwartet.“

Der Film zeige, „wie schillernd Middelhoff bis heute ist: Ein Angeber, wenn er lächelnd über seine Zeit in New York berichtet, als Rupert Murdoch und andere Unternehmer-Stars zu seinem Geburtstag kamen. Freundlich im Umgang mit Behinderten, als er in einer Bethel-Werkstatt arbeitet, während er im offenen Vollzug sitzt. (…) Arrogant, wenn er über seine Richter am Landgericht Essen urteilt, deren Englischkenntnisse „durchaus begrenzt“ gewesen seien.“ Krauses abschließendes Urteil: „Mehr Offenheit geht nicht.“

Fragen, die andere sich nicht zu fragen trauen

Für das „Hamburger Abendblatt“ hat Lars Haider den Film besprochen. „Die Doku lohnt sich“, schreibt der Chefredakteur. Schnell, schonungslos „und mit (manchmal übertrieben) dramatischer Musik“ werde der Aufstieg und Fall von Thomas Middelhoff erzählt. Besonders hebt Haider die Momente hervor, wenn Philipp Westermeyer dem Ex-Manager Middelhoff persönliche Erkenntnisse entlockt: „Es sind diese Passagen, die die Doku besonders machen: Wenn der ehemalige Top-Manager über sein Leben spricht, ohne irgendetwas zu beschönigen. Und wenn er Fragen von Philipp Westermeyer beantwortet, die sich andere gar nicht zu fragen trauen würden – etwa wenn es um Middelhoffs Jahresgehälter geht und ob die nun bei vier oder doch bei mehr als zehn Millionen Euro gelegen hätten. Sehenswert ist der Film aber vor allem, weil die Macher nicht nur Material aus Middelhoffs glänzenden Zeiten vorliegen hatten, sondern auch aus den Jahren, die er nach seiner Zeit als Arcandor-Chef im Gefängnis verbrachte.“

Großspurige Manager-Attitüde

Für die „Rheinische Post“ hat Georg Winters den Film unter der Überschrift „Einsichten eines Uneinsichtigen“ besprochen. Schon vieles sei geschrieben und gesagt worden über den Abstieg des Mannes, der vor fast genau sechs Jahren wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Und doch erkenne man in jeder neuen Middelhoff-Story wieder ein paar Wendungen, die neu sind oder die man vergessen hatte. Das gelte auch für den OMR-Film, dessen selbstentlarvende Qualität Winters herausstellt:

„Da ist auch seine Bereitschaft, zwar auf Anfrage Westermeyers, aber durchaus willig Gehaltszahlen zu nennen, die den Zuschauern zeigen, wie groß und wichtig er war. Middelhoff räumt ein, er habe versagt, aber er betont zugleich, ‚ein Opfer seiner selbst‘ zu sein, nicht der anderen. Er hat nicht verstanden, dass für seine Verurteilung maßgebliche Hubschrauberflüge auf Firmenkosten und eine Festschrift für seinen Bertelsmann-Mentor Mark Wössner, für die er dem unbeteiligten Arcandor-Konzern 140.000 Euro Kosten aufbürdete, nach dem Strafgesetzbuch zu ahnden sind, nicht nach Middelhoffschen Maßstäben.“

Das Fazit des Rezensenten: „So bleibt die Erkenntnis, dass der Einsicht des tief gefallenen Managers Grenzen gesetzt sind, er in Teilen uneinsichtig geblieben ist. Wie sagt Westermeyer zum Schluss: Der Manager Middelhoff ist Geschichte, der Mensch Middelhoff ist noch da. Die großspurige Manager-Attitüde auch.“

„w&v der Digitalzeit“

Peter Turi blickt mit seinem Medien-Branchendienst Turi2 naturgemäß auch hinter die Kulissen und gibt seine Einschätzung zur unternehmerischen Bedeutung des ersten OMR Originals für Philipp Westermeyer: „Die erste OMR-Produktion ist ein weiterer Schritt für Philipps durch Covid im eigentlichen Event-Geschäft behinderte 120-Köpfe-Firma hin zur Medienmarke, zur w&v der Digitalzeit.“

Die Doku selbst und Westermeyers Premiere als Fragesteller im Bewegtbildformat kommen bei Peter Turi gut weg: „Der Film besticht durch Nähe und Emotionalität, präsentiert noch nicht gesehenes Bild-Material aus Middelhoffs Leben. Es überwiegt die Sympathie für Middelhoff und das gemeinsame Filmprojekt, Westermeyer ist als Journalist der neueren Art wie viele seiner Podcast-Kolleg*innen ohnehin eher Vernetzer, Selbst- und Fremdvermarkter als harter Aufdecker. Dass er dabei ein sehr passabler Interviewer und Fragesteller ist, darf man Westermeyer bescheinigen.“

#nicegeil

Auch bei Youtube, wo „Middelhoff. Der krasse Fall eines Managers“ zwölf Stunden nach der Premiere bereits 7.000 Zuschauer gefunden hat, ist einiges Feedback eingelaufen. Wie für Kommentarspalten üblich direkt und ungefiltert bemängeln Teile des Publikums dort die Qualität Vertonung. User nildes äußert auch Zweifel, ob der für Philipp Westermeyer typische Podcast-Stil zum neuen Format passt: „Während ich die unkonventionelle ‚Präsentation‘ bzw. ‚Gesprächsführung‘ von Philipp in Podcasts und Vorträgen mega gut finde finde, fühlt sich diese hier etwas fehl am Platz an.“

Es überwiegt allerdings das Lob für das erste OMR Original. „Sehr spannend! krasse Produktionsqualität, und der Soundtrack ist ne 1+. Super gerne mehr davon!“, schreibt User Merlin. Und Michael Trautmann kommentiert: „Spannend erzählt, ausgewogen, überraschend, tolle Weiterentwicklung der Medienmarke OMR, freue mich auf das nächste ‚OMR Original‘ “ Weniger Worte für sein Lob braucht Joachim Lorenz. Sein Fazit lautet schlicht „#nicegeil“.

Macht Euch selbst ein Bild

Wenn Ihr jetzt denkt, so viel positives Feedback kann ein Film über diesen Typen gar nicht verdient haben – dann lasst uns Euch vom Gegenteil überzeugen. Schaut Euch „Middelhoff. Der krasse Fall eines Managers“ am besten selbst an – Feedback, Lob, Ärger, Anregungen gerne in die Kommentare.

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