OMR Podcast zum World Earth Day: Können Unternehmer*innen den Klimawandel stoppen?

Bundesumweltministerin Svenja Schulze, Delivery-Hero-CEO Niklas Östberg und "Leaders for Climate Action"-Initiator Ferry Heilemann debattieren über die Rolle der Wirtschaft in der Klimakrise

Anlässlich des World Earth Days am 22. April steht Podcast-Folge #377 ganz im Zeichen des Klimawandels. Im OMR Podcast sprechen Bundesumweltministerin Svenja Schulze, Gründer und CEO von Delivery Hero Niklas Östberg sowie der Investor und Klimaaktivist Ferry Heilemann mit Philipp Westermeyer über Greenwashing im Finanzkapitalismus, die Rolle des Kimawandels für die bevorstehenden Bundestagswahlen und wie die in Berlin gegründete Klimainitiative Leaders for Climate Action bis 2050 eine emissionsfrei Welt schaffen will.

„Der Finanzkapitalismus hat als Betriebssystem für unsere Wirtschaft ausgedient“, sagt Ferry Heilemann einleitend. Letztes Jahr legte er seine Position als CEO bei dem von ihm gegründeten Digital-Logistiker Forto (ehemals Freighthub) nieder, um sich dem Kampf gegen den Klimawandel zu widmen. „Was wir brauchen ist ein System, das Menschen, Planet und Wirtschaft miteinander vereint“, sagt Heilemann. Er hat daraufhin die Investmentfirma Pirate Impact gegründet, deren Assets vollständig klimaneutral sein sollen.

„Am Besten ist der Müll, der überhaupt nicht produziert wird“

Niklas Östberg plant in seinem Unternehmen Delivery Hero ebenfalls hart durchzugreifen, was Klimaschutz angeht. Bis zum Jahresende strebe der Lieferdienst die vollständige Klimaneutralität an. „Fast einen zweistelligen Millionenbetrag“ würden sie bereits jährlich in die Kompensation ihres ökologischen Fußabdrucks investieren, so Östberg. Dabei gehe es ihm nicht nur darum mit Kompensationsmaßnahmen einen CO2-Ausgleich zu schaffen, sondern auch darum langfristig den CO2-Ausstoß zu senken. Beispielsweise arbeitet das Unternehmen gerade an der Optimierung von Verpackung und Lieferwegen.

Ein CO2-Ausgleich, das reicht auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze nicht. „Am Besten ist der Müll, der überhaupt nicht produziert wird“, sagt sie. Allerdings müsse man ja irgendwo anfangen. Die Klimaneutralität sei der erste Schritt in die richtige Richtung. Wichtig sei es für Unternehmen vor allem so schnell wie möglich damit zu starten. „Wer zu spät mit Klimaschutz anfängt, der wird vom Markt gefegt“, sagt Schulze.

Projekt Carbon Zero

Ferry Heilemann sieht das ähnlich: Heilemann hat die Initiative Leaders for Climate Action mitgegründet, ein Konglomerat von über 200 Tech-Unternehmen, deren Ziel es ist, eine nachhaltige und klimafreundliche Wirtschaft bis zum Jahr 2050 zu etablieren. Auf diesem Weg zu Carbon Zero – also der emissionsfreien Welt – gibt es laut Heilemann Meilensteine. Einer davon sei die CO2-Überkompensation, also mehr CO2 auszugleichen, als von einem Unternehmen produziert wird.

„Es ist richtig sich damit an die Klimafreundlichkeit heranzutasten, aber sie muss mit einer Ernsthaftigkeit verfolgt werden und nicht mit Greenwashing, ohne im Kern was zu ändern“, sagt Heilemann. Er zeigt sich aber optimistisch, was den Wandel im unternehmerischen Denken angeht. Als Beispiel zieht er die von ihm gegründete Logistikfirma Forto heran: 2017 hätten nur zwei Prozent der Kunden ihre durch Logistik entstandene CO2-Emission kompensiert, heute seien es bereits zwei Drittel.

Was wird sich für Unternehmen ändern?

Doch nicht jedem Unternehmen wird sein ökologisches Engagement ohne Weiteres abgekauft. „Amazon ist heute 1.500 Milliarden Dollar wert. Jemand, der so einen unternehmerischen Antrieb hat wie Jeff Bezos, könnte, wenn er wollte, mehr Klimaschutz betreiben“, sagt Heilemann. Anfangen könne man zum Beispiel mit der eigenen Lieferkette: „Die eigene Produktion nachvollziehen zu können, wird immer wichtiger“, sagt Svenja Schulze. Unternehmen könnten sich durch eine nachhaltige, klimafreundliche Lieferkette, ohne dass Tiere und Menschen dafür leiden müssen, von Mitbewerbern abgrenzen.

Was die Automobilbranche betrifft, habe Elon Musik mit Tesla die Zukunftsform des Automobils geschaffen, sagt Heilemann. Gleichzeitig müsse sich aber das Fahrverhalten generell ändern, beispielsweise solle Carsharing wichtiger werden, um die Gesamtemission zu reduzieren. Für die Zukunft gilt: „Die klimafreundliche Alternative muss die Beste sein“, sagt Schulze. Praktisch hieße das zum Beispiel: Bahnfahren müsse billiger sein, Fliegen teurer.

Wenn Ihr außerdem erfahren wollt, warum Heilemann findet, dass die Laufzeit von Atomkraftwerken hätte verlängert werden müssen, was Schulze über den Lobbyismus der Autoindustrie denkt und weshalb Mallorca-Flüge bald ein Vielfaches kosten könnten, dann hört euch unbedingt die aktuelle Folge des OMR Podcasts an.

Unsere Podcast-Partner im Überblick:

MessengerPeople und das Playbook für Messenger-Marketing: Den umfrangreichen Guide für Whatsapp & Co. könnt Ihr unter messengerpeople.com/de/omr gratis herunterladen.

Vodafone und die eleVation Digital Days: Vom 27. bis zum 29. April über 50 Stunden Content bei der Digital-Konferenz gratis anschauen. Unter anderem als Speaker dabei sind Scott Galloway, Dorothee Bär und Nico Rosberg. Das komplette Programm gibt es hier.

Paigo ist eine Forderungsmanagement-Plattform für Unternehmen und hilft dabei, die Kontrolle über den Cashflow bei ausbleibenden Kundenzahlungen wieder zurückzugewinnen. Alle Informationen gibt’s hier.

Dynamic Yield berät Unternehmen, die Customer Experience zu optimieren und dadurch ihre Umsätze zu ersteigern. OMR-Hörern bietet das Expertenteam von Dynamic Yield ein kostenloses Beratungsgespräch an. Hier gehts zu den Infos.

Hamburg Media School und das Podcast Camp: Vom 27. bis zum 29. April könnt Ihr alles lernen, um Audio-Angebote – unter anderem natürlich auch Podcasts – selber zu produzieren, von der Konzeption bis zum Vertrieb. Alle Infos findet Ihr hier, Hörende dieses Podcasts erhalten 15 Prozent Rabatt.

Alle Themen des OMR Podcast Quartetts im Überblick:

  • Wie eng ist die Verbindung zwischen Frau Schulze und der Startup-Szene? (ab 05:00) 
  • Wie Ferry Heilemann zum Klimaaktivisten wurde (ab 06:00)
  • Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für Delivery-Hero-CEO Niklas Östberg und seine Firma? (ab 08:00) 
  • Svenja Schulze über die Mehrwegpflicht in der Gastronomie (ab 09:40)
  • Wie Delivery Hero bis zum Jahresende Klimaneutralität erreichen will (ab 12:20) 
  • Weshalb klimaschädliche Unternehmen „vom Markt gefegt werden“ (ab 13:10) 
  • Wieviel Delivery Hero in Nachhaltigkeit investiert (ab 14:00)
  • Ferry Heilemann über Greenwashing und CO2-Überkompensation (ab 14:50) 
  • Amazon will bis 2050 klimaneutral sein. Greenwashing oder ernsthaftes Engagement? (ab 16:40) 
  • Warum Amazon mehr Klimaschutz betreiben könnte (ab 17:10) 
  • Wie läuft die Klimadebatte in Asien ab und könnte Delivery Hero eine Vorreiterrolle dort einnehmen? (ab 19:00) 
  • Warum Klimaschutz laut Heilemann zum Must-have für Unternehmen wird (ab 21:20) 
  • Weshalb die Lieferkette von Produkten für Konsumenten immer wichtiger wird (ab 23:00) 
  • Wie unterscheiden sich die Parteien beim Thema Klimawandel? (ab 24:30)
  • Wie sieht eine klimaneutrale Zukunft aus (ab 26:20)
  • Wieviel fliegen DAX-Vorstände? (ab 28:30) 
  • Müssen Mallorca-Flüge zugunsten des Klimas verboten werden und welcher gesellschaftliche Verhaltenswandel muss stattfinden? (ab 30:00) 
  • Inwiefern das Pariser Klimaschutzabkommen trotz Corona umgesetzt wird (ab 32:00) 
  • Ist Elektromobilität nach Tesla-Vorbild eine geeignete Klimamaßnahme? (ab 34:20) 
  • Wie läuft der Kontakt zwischen Schulze und der Auto-Industrie ab? (ab 37:40) 
  • Ist Atomkraft doch eine Lösung? (ab 38:50) 
  • Könnte sich Östberg auch außerhalb von Delivery Hero eine Karriere als Klimaaktivist vorstellen? (ab 43:00)
  • Wer ist noch nicht bei LFCA und wie wird sich die Community entwickeln? (ab 45:00) 
  • Wie die Kooperation mit Spotify zustande kam und welche Kriterien LFCA-Mitglieder erfüllen müssen (ab 47:00)
  • Der Fußabdruck vom Musikstreaming (ab 49:40) 
  • Wie parteiisch ist die LFCA? (ab 50:30) 
  • Welche Rolle spielt Klimaschutz im Wahlkampf? (ab 52:00) 
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