Bei Anruf Millionen-Reichweite – So geht Social Media in der Politik

Viral-Coup: Obama setzt bei der WM auf Youtube statt auf einen Stadionbesuch

(Quelle: Youtube)

(Quelle: Youtube)


Im Rahmen von Fußballweltmeisterschaften hat es unter den Politikern der teilnehmenden Länder Tradition, die Nähe zu den Fußballstars zu suchen, um sich so volksnah und sympathisch zu gerieren. US-Präsident Barack Obama wählte nun bei der WM in Brasilien einen etwas anderen Weg: Anstatt (wie beispielsweise Angela Merkel) auf Staatskosten nach Brasilien zu fliegen und sich dort nach alter Schule für das Fernsehen zu zeigen, rief er die US-Kicker Clint Dempsey und Tim Howard einfach an und stellte ein Video des Gespräches ins Netz – mit beachtlicher Resonanz.

„Ich wollte mal nur kurz anrufen und sagen, dass Ihr das toll gemacht habt!“ – so Obama sinngemäß gegenüber den beiden Profifußballern nach deren Ausscheiden gegen Belgien im Achtelfinale. „Ich weiß, dass ihr enttäuscht seid, aber ihr habt das ganze Land stolz gemacht.“ Das Telefonat und das Video, mit wackeliger Handkamera gefilmt, wirken spontan und ungestellt.

Im offiziellen Youtube-Kanal des Weißen Hauses wurde das Video in weniger als einer Woche bislang knapp 950.000 Mal abgerufen; auf der Videoplattform kursieren zudem mehrere Kopien des Clips. Der US-Fußballverband hat auf seinem Kanal einen Video eingestellt, der Dempsey und Howard bei der Entgegennahme des Anrufs zeigt und der mehr als 290.000 Mal abgerufen wurde. Hinzu kommen die Reichweite bei Facebook sowie diverse Presse-Berichte: Wer bei Google nach „obama dempsey howard“ sucht, erhält einen ungefähren Eindruck davon, welche Reichweite Obama mit einem simplen, nahezu kostenfreiem Video generiert hat, und wie sich diese auf seine Sympathiewerte ausgewirkt haben dürfte. Seit seiner „Yes, we can“-Kampagne zur Wahl im Jahr 2008 gilt der derzeitige US-Präsident als Vorreiter in Sachen digitaler politischer Kommunikation.

Auch wenn Ihr Regierungssprecher twittert und Lukas Podolski gemeinsame Selfies mit ihr bei Twitter und Instagram postet, dürfte Angela Merkels digitale Reichweite demgegenüber vergleichsweise gering sein – selbst wenn man sie zur Einwohnerzahl in Relation setzt. Immerhin ist die deutsche Nationalmannschaft anders als die US-amerikanische derzeit noch im Turnier und kann somit noch Fußballweltmeister werden. Ein Finalsieg könnte sich für die Politikerin als deutlich wertvoller erweisen: Nach den bisherigen deutschen WM-Gewinnen in den Jahren 1954, 1974 und 1990 gewannen die jeweiligen Bundeskanzler zu dieser Zeit die darauffolgenden Bundestagswahlen.

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