Spotifys Europa-Chef über Änderungen an den Podcast-Charts, Clubhouse und die Tiktok-Koop

Spotifys Europa-Chef Michael Krause (r.) und Philipp Westermeyer in der Podcast-Kabine im OMR Office in Hamburg.

Michael Krause, General Manager Europe bei Spotify, ist nach drei Jahren wieder im OMR Podcast

Seitdem Michael Krause zum letzten Mal in der Podcast-Kabine im OMR Office saß, hat sich so einiges bei der Streamingplattform aus Stockholm getan: Börsengang, aufmerksamkeitsstarke Übernahmen von unter anderem Gimlet Media, Anchor, The Ringer sowie Megaphone und die Weiterentwicklung zu einem Audionetzwerk. Welche konkreten Ziele Spotify derzeit verfolgt, welchen Stellenwert das Podcast-Business inzwischen hat und an welche großen Audio-Trends die Plattform gerade besonders glaubt, verrät der Europa-Chef im OMR Podcast.

Wirklich viele Zahlen kann Philipp Westermeyer Michael Krause nicht entlocken. Wenig verwunderlich, Spotify ist immerhin seit April 2018 börsennotiert und Krause seit März dieses Jahres General Manager Europe bei Spotify. Fünf Bereiche (Russland, Nordics, UK, Frankreich und Benelux sowie Südeuropa) berichten an ihn; DACH macht er zusätzlich noch selber. Für Philipp Westermeyer ist er damit der Europa-Chef „einer der spannendsten Inhalte-Firmen der Welt.“

Weltweit 365 Millionen monatlich aktive User konnte Spotify bei den jüngsten Quartalsergebnissen vermelden, 22 Prozent mehr als noch im Vorjahr. 165 Millionen Menschen haben sich für ein kostenpflichtiges Abo entschieden; 40 Prozent davon stammen aus Europa, das damit auch der stärkste Markt sei. Weitere Regionen werden allerdings gerade intensiv erschlossen. „Wir haben dieses Jahr über 80 neue Länder gelauncht“, sagt Michael Krause. „Unter anderem in Afrika und Asien.“ Eine vermutlich recht aufwendige Expansion: Für jedes Land müssten neue Gespräche mit Verwertungsgesellschaften geführt und Deals mit Rechteinhabern gemacht werden.

Der Podcast-Boom hält an

Das Geschäftsmodell von Spotify hat sich dabei in den vergangenen Jahren noch nicht wirklich verändert. Der Großteil des Umsatzes, rund 90 Prozent, werde mittels kostenpflichtiger Abonnements generiert. Der Rest stamme aus der Vermarktung. „Wobei gerade auch die stark anzieht“, stellt Michael Krause fest. „Unter anderem dank Podcasts.“ Bisher hören rund 20 Prozent der Spotify-User das Audioformat, Tendenz – natürlich auch dank großer Investitionen wie den Übernahmen von Gimlet Media, Anchor, The Ringer sowie Megaphone und immer mehr Originals – steigend.

Über 2,9 Millionen Podcasts gebe es heute auf der Plattform, alleine 70.000 deutschsprachige Formate. „Von Februar 2020 bis jetzt hat sich die Anzahl der deutschsprachigen Podcasts verdreifacht“, erklärt Michael Krause. Man investiere da viel, wie in Originals mit zuletzt den Youtubern Rezo und Julien Bam („Hobbylos“). „Es bringt uns Engagement, das ist das Hauptthema.“

Wirbel um Spotifys neue Podcast-Charts

Wer vor einigen Wochen die großen Podcast-Formate angehört hat, wird hier und da eine Mischung aus Entrüstung und Verzweiflung gespürt haben – vor allem bei den ganz großen Formaten. Denn dank Änderungen an den Podcast-Charts tauchten diese plötzlich nicht mehr in den Top 10 auf. Auch wir waren mit dem OMR Podcast kurz überrascht. „Es geht bei Charts ja auch immer um Discoverability, also darum, neue Formate zu entdecken“, erklärt Michael Krause den Schritt. „Wir haben also mit einberechnet, wie Formate wachsen. Neue Abos und Hörende sind wichtiger geworden, mehr ist es eigentlich nicht.“

Für Spotify als Unternehmen waren neue Abos und Hörende in der Vergangenheit eigentlich grundsätzlich das oberste Ziel. „Die ersten zehn Jahre lag der Fokus darauf, Nutzende zu gewinnen, die möglichst viel Zeit auf Spotify verbringen“, so Michael Krause. Jetzt schaue man auch sehr genau darauf, was man Creatorn bieten müsse. „Damit sie ihre Inhalte direkt besser monetarisieren und von ihrer Arbeit leben können.“ Der nächste Milestone: eine Milliarde Kund:innen und eine Million Creator, die von Spotify leben.

Tiktok für Wachstum anzapfen

Dass der Weg zu mehr Usern nicht nur über besagte Podcast-Formate für die eher junge Zielgruppe führt, zeigt eine aktuelle Kooperation mit Tiktok. „Das ist zum einen klassisches Marketing, gleichzeitig aber auch eine Business-Development-Kooperation“, sagt Michael Krause. „Tiktok-Kund:innen können Spotify vier Monate gratis ausprobieren.“ Und auch neue Formate könnten beim weiteren Wachstum eine Rolle spielen. Immerhin war es Anfang des Jahres Clubhouse gelungen, hierzulande aus dem Nichts einen enormen, wenn auch Stand heute nur kurzfristigen Hype zu erzeugen.

„Live-Audio ist sehr spannend, weil es eine große Effizienz mit sich bringt, Feedback zu bekommen“, sagt Michael Krause. So gebe es geringere Hürden, selber zum Creator zu werden. Mit „Greenroom“ habe Spotify ja bereits auch ein eigenes Produkt, allerdings noch in einer separaten App. „Generell ist das Ziel, möglichst alle Audio-Arten und Audio-Quellen anzubieten und ein möglichst vielfältiges Angebot zu schaffen“, fasst Krause die Strategie zusammen.

Von welchen Prominenten er sich auf diesem Weg eigene Podcast-Formate auf Spotify wünschen würde, was an dem Trend von immer kürzer werdenden Podcasts dran ist und wie groß der Podcast-Werbemarkt in Deutschland wohl ist, hört Ihr in der aktuellen Folge des OMR Podcasts.

Unsere Podcast-Partner

Phrase, die Lokalisierungsplattform: Über 3.000 Firmen auf der ganzen Welt nutzen die Übersetzungstechnologie bereits, unter anderem Bosch, Jimdo, Xing – und wir. Phrase sucht aktuell dringend Verstärkung, z.B eine Teamleitung im Bereich Content Marketing. Bei Interesse einfach eine Mail an jobs@phrase.com schreiben oder unter phrase.com/jobs vorbeischauen.

Das Kollaborationstool Awork: Wenn das Tool zum Einsatz kommt, freuen sich Kreativ-Teams. Intuitiv, einfach in der Nutzung, erzeugt viel Produktivität – kommt aus Deutschland und ist garantiert DSGVO-konform. Mit dem Code „OMR25“ bekommt Ihr unter awork.io 25 Prozent Rabatt auf die ersten zwölf Monate.“

Vodafone und der GigaDeal: Wenn Ihr bis zum 1. September 2021 als Geschäftskund:in einen Red-Business-Prime-Tarif abschließt, gibt’s das iPhone 12 oder 12 Pro für einen Euro dazu. Alle Infos gibt es auf vodafone.de.

Die Horizont im Abo: Der Marktführer im Fachjournalismus für Medien, Marketing, Werbung und Tech macht allen Zuhörenden ein Spar-Angebot. Statt 269 Euro kostet ein digitales Jahresabo hier nur 149 Euro. 120 Euro sparen könnt Ihr ganz einfach unter horizont.net/mega.

Die Hamburg Media School und der MBA in Digital- und Medienmanagement: Bis zum 15. August könnt Ihr Euch noch für das Vollzeit-Studium in Hamburg bewerben. Alle Details findet Ihr unter hamburgmediaschool.com/mba.

Die Themen des Podcasts mit Michael Krause, General Manager Europe bei Spotify:

  • Was hat sich seit Michael Krauses letztem Besuch im OMR Podcast im April 2018 bei Spotify getan? (ab 03:10)
  • Wie viel Zeit nehmen jeweils die Themen Musik und Podcasts im Arbeitsalltag von Krause ein? (ab 04:45)
  • Wie groß ist Spotifys Team in Europa? Und welche Rolle nimmt Deutschland für das Unternehmen ein? (ab 05:15)
  • Welche Auswirkungen hatten die Übernahmen der großen US-Studios wie The Ringer und Gimlet Media auf den deutschsprachigen Markt? (ab 08:00)
  • Weshalb ist der Horoskop-Podcast „Parcast“ so erfolgreich? (ab 08:40)
  • So funktionieren die Podcast-Charts heute auf Spotify (ab 09:30)
  • Haben in den vergangenen Wochen mehr Menschen „Cui Bono“ gehört als „Gemischtes Hack“? (ab 10:45)
  • Schaut Spotify auf Apple und wie die Charts dort funktionieren? Und welche Plattform ist der stärkste Podcast-Wettbewerber? (ab 12:20)
  • Welches ist aktuell der wichtigste Podcast für Spotify? (ab 13:45)
  • Wie alt ist die Kernzielgruppe von Spotifys Original Podcasts? (ab 14:45)
  • Wie groß ist das Jahresbudget für Eigenproduktionen? (ab 15:40)
  • Wie viel Reichweite haben die größten deutschen Podcasts? (ab 17:00)
  • Kann es ein Überangebot an Podcasts geben? (ab 18:15)
  • Welche Trends sieht Michael Krause im Markt? (ab 19:30)
  • Wie viele User hat Spotify in Deutschland? Und wie viele davon hören Podcasts? (ab 21:55)
  • So hat Michael Krause den Hype um Clubhouse verfolgt – und so steht es um Live-Audio heute (ab 25:15)
  • Der Rechtsstreit mit Apple gegen zu hohe App-Store-Provisionen (ab 29:15)
  • Deshalb will Spotify Creatorn die Möglichkeit geben, Podcasts auf der Plattform kostenpflichtig zu machen (ab 30:20)
  • Im vergangenen Jahr hat Spotify fünf Milliarden US-Dollar an Lizeninhaber:innen ausgezahlt (ab 33:40)
  • So funktioniert das Geschäftsmodell von Spotify (ab 35:00)
  • Kommt nach dem Podcast mit Barack Obama und Bruce Springsteen bald ein eigenes Format mit Angela Merkel? (ab 39:20)
  • Gibt es Pläne für neue Marketing-Tools, mit denen Künstler:innen und Podcaster:innen direkt auf Spotify ihre Inhalte bewerben können? (ab 41:10)
  • Wie denkt Michael Krause über die Podcast-Pläne von Netflix? (ab 43:00)
  • Kommt bald eine Hardware-Offensive von Spotify? (ab 43:40)
  • Stehen bald weitere Übernahmen – auch in Europa – an? (ab 44:45)
  • Wie eng ist Michael Krauses Verhältnis zu Spotifys Gründer Daniel Ek? (ab 46:40)
  • War Krause überrascht, als ProSiebenSat.1 die App „FYEO“ nach nur einem Jahr wieder einstellt? (ab 47:50)
  • Welche sind die wichtigsten Marketing-Kanäle für Spotify – bekannte, reichweitenstarke Podcasts mal ausgenommen? (ab 49:45)
  • Diese Künstler:innen brechen auf Spotify gerade Rekorde (ab 52:50)
  • Was ist das Erfolgsrezept der Podcasts „Gemischtes Hack“ und „Fest & Flauschig“? (ab 55:40)
  • Hat der Podcast „Das Coronavirus-Update“ mit Prof. Dr. Christian Drosten Spotify einen Wachstumsschub verpasst? (ab 56:50)
  • Ab wann ist ein Podcast vermarktbar? (ab 58:30)
  • Weshalb gibt es keinen IAB-Standard für Podcast-Werbeformate? (ab 1:00:00)
  • Wie groß ist der Podcast-Marktanteil von Spotify in Deutschland? (ab 1:01:30)
  • Kann Spotify Podcasts garantiert erfolgreich machen? (ab 1:03:05)
  • Das steckt hinter Spotifys neuem Arbeitsplatz-Modell „Work From Anywhere“ (ab 1:04:50)
  • Welche Podcasts hört Michael Krause? (ab 1:07:30)
Jetzt diese Artikel lesen