Math42: Die Zahlen-Genies aus der Höhle des Löwen haben jetzt einen Investor. Was ist ihr Marketing-Geheimnis?

Klett-Verlag investiert. Online Marketing Rockstars hat mit den Math42-Gründern gesprochen

Die Math42-Gründer Raphael (links) und Maxim Nitsche in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ auf Vox.

Die Math42-Gründer Raphael (links) und Maxim Nitsche in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ auf Vox.


Jetzt hat es doch noch geklappt: Nachdem Maxim und Raphael Nitsche bei ihrem Auftritt in der „Höhle des Löwen“ im September noch kein Geld für ihre Mathe-App Math42 bekommen hatten, investiert jetzt der Ernst Klett Verlag bei den Brüdern. Über 500.000 Euro soll dem Bildungsmedien-Profi ein Anteil in Höhe von 6,25 Prozent und damit der Einstieg ins Algebra-App-Business wert sein, wie Maxim Nitsche gegenüber Online Marketing Rockstars erklärt. Der TV-Auftritt und die in der Folge extreme Medienpräsenz dürfte auf jeden Fall ihren Teil zum Deal beigetragen haben. Dabei wurde in den zahlreichen Berichten ein Punkt immer vergessen: Math42 war auch vor dem medialen Hype schon international in Appstores erfolgreich. Online Marketing Rockstars hat deshalb mit den beiden Brüdern gesprochen und gefragt, welche Marketingmaßnahmen der App von Beginn an zum Wachstum verholfen haben, wie lukrativ das Geschäftsmodell der App heute ist und was es mit aktuell zahlreichen deutlich negativen Rezensionen auf sich hat.

Herzlichen Glückwunsch Maxim. Etwas mehr als zwei Monate nach der Ausstrahlung Eures Auftritts in der Höhle der Löwen hat jetzt das geklappt, wofür es in der Show noch nicht gereicht hat. Der Klett Verlag investiert über 500.000 Euro in Eure App Math42. Was macht Ihr mit dem Geld?
„Wir werden mit dem Investment hauptsächlich zwei Punkte angehen. Erstens werden wir Math42 mathematisch so weiterentwickeln, dass die gesamte rechenbare Mathematik — bis tief ins Studium — abgehandelt und gelöst wird. Zweitens werden wir Math42 auf die anderen großen Plattformen bringen: Android und Web. Das werden wir alles 2016 erreichen!“

Ausgerechnet jetzt kann man in Apples Appstore ziemlich viel schlechte Kritik zu Math42 lesen. Es gebe aktuell starke Performance-Probleme, die App sei häufig einfach zu langsam. Inzwischen habt Ihr nur noch eine Bewertung von zwei Sternen von ehemals fünf. Was ist da los?
„Folgendes ist passiert: Wir haben plötzlich neue Features, welche nicht mehr gratis sind. Dass das in der heutigen App-Economy nicht sofort gut ankommt, war zu erwarten. Das wird sich aber mit der Zeit legen. Außerdem hatten wir bei einigen Geräten, die bestimmte Standards nicht mehr erfüllen, kurzzeitig Probleme. Die wurden aber inzwischen gelöst und das Update dazu wird in Kürze veröffentlicht.“

Nach der DHDL-Folge bekamt ihr ja eine krasse Aufmerksamkeit. Zahlreiche Medien haben über Euch berichtet, ihr saßt unter anderem in der Talkshow von Markus Lanz im ZDF. Dabei war Math42 ja vorher schon sogar international im Appstore erfolgreich. Wie habt Ihr das angestellt? Gab es bestimmte Maßnahmen, die deutliche Download-Peaks erzeugt haben?
„Den größten Peak gab es logischerweise nach der DHDL-Folge. Rund ein Viertel der heutigen aktiven User kann man der Sendung zurechnen. Das hat uns schon eine Wahnsinns-Aufmerksamkeit beschert. Einen weiteren, wenn auch deutlich kleineren Ausschlag der Downloadzahlen gab es schon vorher. Da hatten wir von der kostenpflichtigen App auf ein Freemium-Modell umgestellt. Ansonsten haben wir von Anfang an ein sehr konstantes Wachstum. Und es stimmt: Wir waren auch schon vor DHDL auf dem ersten Platz der Bildungs-Apps in USA, Frankreich usw. In Deutschland standen wir in Apples Appstore sogar eine Zeit lang übergreifend auf dem ersten Platz.“

Aber wie genau habt Ihr das angestellt? Apps gibt es viele am Markt; die Ranglisten werden meistens von Spielen, Social Networks und Messengern dominiert. Und plötzlich steht eine Mathe-App ganz oben.
„Der erste Teil der Antwort klingt vielleicht unbefriedigend, aber der Erfolg fängt natürlich mit der Qualität einer App an. Bis zum Release der ersten Version haben wir dreieinhalb Jahre an der App gearbeitet, bisher sind rund eine Million Euro in das Projekt geflossen und wir sind inzwischen ein 10-Mann-Team. Für das Wachstum war dann vor allem jegliche Berichterstattung enorm effektiv. Es gibt zahlreiche Blogs, die Apps bewerten und direkt in den Store verlinken. Die und andere Online-Medien – Artikel in großen Print-Publikationen haben so gut wie nichts gebracht – haben wir immer wieder gezielt angeschrieben, mit diesen Kontakten einen E-Mail-Verteiler aufgebaut usw. Eigentlich war das also klassische Pressearbeit. Außerdem ist es extrem wichtig, auf die Nutzer zu hören. Wir hatten mit der englischen Version plötzlich rund 40.000 Downloads in China. Was lag da näher, als die App so schnell wie möglich ins Chinesische zu übersetzen. China ist heute übrigens unser stärkster Markt. Und natürlich haben wir früh versucht, einen Fuß in den Bildungsbereich zu setzen, also vor allem mit Schulen zusammenzuarbeiten. Inzwischen ist Math42 auf 400.000 iPads in Schulen weltweit installiert.“

Ihr wurdet im Appstore von Apple teilweise unter „Die besten neuen Apps“, „Unser Tipp“ und „App-Sammlungen“ gefeatured. Welchen Einfluss hatte das jeweils auf die Downloadzahlen und wie bekommt man seine App so platziert?
„Das war schon immer recht hilfreich und wir haben das, je nach Platzierung, auch an den Downloadzahlen gesehen. So richtig beeinflussen kann man das leider nicht. Eine wichtige Voraussetzung gibt es aber dennoch: Man sollte sich an Apples AGB und die Design-Guidelines halten. Wer Math42 schon einmal genutzt hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass unsere Buttons und die Menüführung etwas anderes als beim Großteil der anderen Apps aussieht. Deswegen findet man uns heute auch nicht mehr so prominent bei besagten Kategorien. Apple will da einen einheitlichen Look.“

Wie viele Downloads habt Ihr bis heute? Und wie aktiv sind Eure User dann?
„Weltweit wurde Math42 bisher rund 1,7 Millionen Mal heruntergeladen. Unsere Nutzer sind noch dazu ziemlich treu. Nach 29 Tagen öffnen noch 55 Prozent der User die App, der Durchschnitt liegt hier laut Studien bei rund sechs Prozent. Wir haben also eine deutlich höhere Aktivität als der Rest.“

Und was ist ein User bei Euch dann am Ende wert? Wie hoch sind Eure Marketingausgaben und wie liegt die durchschnittliche User Acquisition Cost?
„Einen User zu bewerten ist grundsätzlich schwierig und diese Zahlen geben wir nicht so gerne raus. Wir haben noch nie für Marketing Geld ausgegeben – daher kann man sagen, dass die User Acquisition Costs bei Null liegen.“

Aktuell entsteht Euer Umsatz ja ausschließlich durch abgeschlossene Abonnements. Habt Ihr konkrete Pläne für weitere Monetarisierungsmodelle? Wie sieht es beispielsweise mit Ads innerhalb der App aus?
„Das wollen wir auf keinen Fall machen – wir bleiben werbefrei. Aber wir haben schon die eine oder andere Option im Kopf bzw. auch schon in Planung. Dabei hilft uns, dass wir eine relativ klare Zielgruppe haben: Alle Nutzer haben Probleme mit Mathematik und brauchen Hilfe. Wie wäre es also mit einem Marktplatz für Nachhilfe, bei dem wir als Vermittler auftreten? Außerdem verkaufen wir weiterhin Lizenzen an Publisher.“

Seid Ihr profitabel?
„Dazu äußern wir uns eigentlich nicht. Was ich aber sagen kann: Math42 geht es nicht gerade schlecht.“

Danke für das Gespräch, Maxim.

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