Ein neuer Markt entsteht: Metrics-Anbieter für Instagram – wir haben uns umgeschaut

Wie immer wenn ein neues digitales Ökosystem entsteht, dauert es nicht lange und schon siedeln sich die ersten Metrics-Companies an

Mit guten Metrics-Tools holt Ihr das Beste aus euren Instagram-Posts heraus.

Mit guten Metrics-Tools holt Ihr das Beste aus euren Instagram-Posts heraus.

Wir haben es bei der allerersten Webwelle mit Omniture oder Google Analytics erlebt, dann ganz konkret für die Google-Plattform mit Sistrix, Searchmetrics, Seolytics oder moz.com aus den USA. Dasselbe Spiel bei Facebook mit Analyse-Companies wie Socialbakers, Buddy Media und anderen. Auch Youtube hat seine Analytics-Anbieter hervorgebracht, wie z.B. ChannelMeter oder Youtube Analytics, Twitter-Analyse klappt mit Topsy und Twitonomy. Aktuell entwickelt sich Instagram zum global-relevanten (neuen) „Backbone“ für derzeit 300 Millionen Menschen und deren unterschiedlichste Aktivitäten. Und natürlich führt das mal wieder zu Software-Anbietern, die Verhalten und Entwicklungen auf der Plattform transparent, messbar und analysierbar machen wollen. Die Entwicklung ist eigentlich vorhersagbar, aber dennoch spannend. Wie gehen die verschiedenen Teams das Thema an? Wer wird das Rennen machen und gibt es am Ende wirklich einen nachhaltigen Markt für diese Geschäftsmodelle? Wir haben uns zwei Firmen angeschaut und erklären euch deren Ansätze.

Instagram-Accounts werden zunehmend professionalisiert und um das Netzwerk entstehen neue Geschäftsmodelle und Möglichkeiten, native Werbung zu platzieren. Da Instagram selbst nicht über Desktop bedient werden kann und kein eigenes Analysetool anbietet, nutzen Performance-orientierte User längst externe Webviewer und Metrics-Anbieter. Marktführer Iconosquare hat vor wenigen Tagen auf ein Bezahlmodell umgestellt, das für viel Unmut in der Community gesorgt hat. Eine mögliche Alternative ist das Hamburger Start-up Squarelovin. Welchen Mehrwert diese Tools bieten, haben wir an einem Case nachvollzogen.

Marktführer Iconosquare ab jetzt (teilweise) kostenpflichtig

Der Marktführer unter den Instagram-Analyse-Tools ist Iconosquare, ehemals Statigram. Seit dem Launch 2011 stellte der Anbieter fast alle Analyse-Funktionen kostenlos zur Verfügung und konnte so über acht Millionen Nutzer gewinnen. Dazu zählt der Viewer, mit dem Ihr Euren Feed, eigene Beiträge und beliebte Fotos sehen könnt – die Grundfunktionen von Instagram selbst also. Darüber hinaus bietet Iconosquare einen „Promote-Bereich“. Hier könnt Ihr Euren Instagram-Account mit einer Public-URL versehen und so auch Nicht-Instagram-Nutzer erreichen. Außerdem hilft euch Iconosquare mit einer Integration Eurer Instagram-Posts auf einer Facebook-Seite und mit Widgets bei der Einbindung auf einen Blog. Am interessantesten ist aber die Statistics-Abteilung. Hier findet Ihr unter anderem die Bereiche „Love“, „Talk“ und „Spread“, wo Ihr seht, wie sich Likes, Kommentare und die Verteilung zwischen Followern und anderen Nutzern verändert haben. Viel spannender sind hier aber die Tools zur Verbesserung Eurer Instagram-Aktivität. Dazu bietet Iconosquare etwa einen Vergleich der eingesetzten Tags mit den meistgenutzten auf Instagram. Ebenfalls hilfreich ist die Anzeige des Engagements je nach Foto-Filter oder Tageszeit des Posts. So könnt Ihr die Performance Eurer Instagram-Posts mit wenigen Handgriffen optimieren.

Statistik-Übersicht von Iconosquare. Von der Entwicklung der Follower bis zum beliebtesten Filter wird Euer Profil durchleuchtet.

Statistik-Übersicht von Iconosquare. Von der Entwicklung der Follower bis zum beliebtesten Filter wird Euer Profil durchleuchtet.

Am 28. April 2015 führte der Metrics-Anbieter nun ein Bezahlmodell ein, das bei der Community so schlecht ankam, dass das Modell vier Tage später wieder entschärft wurde. Zunächst war geplant, ausschließlich den Webviewer und die Suchfunktion kostenlos anzubieten. Für alle anderen Funktionen, unter anderem für Instagram-Analytics, sollten die Nutzer eine Premium-Mitgliedschaft abschließen. Kostenpunkt: zwischen 199 und 799 US-Dollar – pro Monat. Nachdem sich zahlreiche Nutzer im Social Web und in E-Mails über die hohen Preise empört hatten, reagierte Iconosquare schnell, indem es die Instagram-Analyse seit dem 2. Mai nun doch wieder als kostenlose Funktion anbietet. Die Preise für die übrigen kostenpflichtigen Funktionen (dazu gehören unter anderem personalisierte Feeds, Services für verschiedene Accounts und Instagram-Contests) sind jetzt nicht mehr in einer öffentlichen Tabelle ersichtlich wie noch vor wenigen Tagen, sondern können nur noch individuell angefragt werden.

Squarelovin steht noch am Anfang

Das Hamburger Start-up Squarelovin entwickelt seit 2014 eine ähnliche Plattform für Performance-optimierende Instagram-Nutzung wie Iconosquare. Mit dabei sind Funktionen wie das Planen und automatisierte Posten von Beiträgen vom Desktop aus sowie die Verwendung von speziellen Trackern, mit denen einzelne Hashtags und Konkurrenz-Accounts analysiert werden können. Im Gegensatz zum kritisierten Preismodell von Iconosquare soll sich der Preis für die Advanced Options bei Squarelovin nach der Größe des Accounts richten – welche Preisspanne das bedeutet, ist aber noch nicht klar. Beim Vergleich der beiden Plattformen wird klar, dass die Unterschiede minimal sind. Beide bieten grundlegende Statistiken in übersichtlichen Charts und helfen dadurch bei der Optimierung der Instagram-Performance. Das Durcheinander beim Bezahlmodell von Iconosquare könnte jetzt aber eine große Chance für Squarelovin sein, um mehr Traction zu bekommen. Viele Nutzer dürften sich nach einer Alternative umgeschaut haben.

Schneller wachsen mit Instagram-Metrics

Malte Steiert aus Hamburg hat seinen Instagram-Account @hamburgfoodguide mit Squarelovin strukturiert wachsen lassen. Seit September 2014 konnte er so 12.000 Follower aufbauen. Im Gegensatz zu den meisten Foodies postet der 22-jährige Student kaum eigene Fotos, denn hinter seinem Account verbirgt sich ein anderes Geschäftsmodell. In seiner Profilbeschreibung ruft er die Instagram-Community dazu auf, Food-Bilder unter dem Hashtag #hhfood zu veröffentlichen. Passen die fotografierten Köstlichkeiten der User in sein Schema, repostet er die Bilder mit angepasstem Text. Anhand der User-Interaktionen analysiert Squarelovin, an welchen Wochentagen und zu welcher Tageszeit der ideale Zeitpunkt für einen Post ist. Für @hamburgfoodguide funktionieren die Montag- und Sonntagabende besonders gut. „Interessant ist auch die Spread Ratio. Der Wert gibt an, wie viel Prozent der Interaktionen auf einen Post von meinen eigenen Followern kommen und wie viele von anderen Usern“, so der 22-Jährige gegenüber Online Marketing Rockstars.

Durchschnittlich liegt dieser Wert bei 50 Prozent. Das heißt, dass die Beiträge nicht nur von den 12.000 Followern gesehen werden können (bei Instagram gibt es ja noch eine hundertprozentige organische Reichweite), sondern von doppelt so vielen Usern, die wiederum potenzielle neue Follower sind. Die Bilder von @hamburgfoodguide erhalten im Schnitt 550 Likes und 20 Kommentare. Squarelovin ermittelt außerdem die Herkunft der Follower. „Ich weiß, dass etwa 92 Prozent meiner Follower aus Hamburg kommen und das ist gut so. Mein Ziel ist es nicht, möglichst viele Follower zu bekommen, sondern meine gewünschte Zielgruppe dort zu erreichen.“

Nach 18 Uhr posten: Squarelovin zeigt, wann die Interaktionen bei @hamburgfoodguide ansteigen.

Nach 18 Uhr posten: Squarelovin zeigt, wann die Interaktionen bei @hamburgfoodguide ansteigen.

Sponsored Posts für Hamburger Gastronomen

Seit ein paar Wochen geht Malte mit diesen Daten direkt auf Hamburger Gastronomen zu und versucht ihnen, Sponsored Posts für einen niedrigen dreistelligen Betrag zu verkaufen. „Viele können mit der Idee noch nichts anfangen. Ich zeige ihnen dann in einer kleinen Präsentation Kommentare von Usern zu den Food-Posts wie ‚Danke für den Tipp! War gestern da und kann es absolut weiterempfehlen.’ Einige werden dann neugierig und probieren es aus.“ Die Sponsored Posts unterscheiden sich nicht von den anderen Beiträgen auf seinem Account. Hier ein Beispiel:

Alle Instagram-Aktivitäten kann Malte derzeit noch nicht mithilfe von Squarelovin lösen. Das Schedulen der Posts funktioniert beispielsweise noch nicht. Stattdessen nutzt er zusätzlich das Tool Posts so. Es bleibt abzuwarten, ob Squarelovin mit dem Beenden der Beta-Phase den Anspruch einer Komplettlösung für Performance-orientierte Instagrammer gerecht werden wird. Malte und @hamburgfoodguide wollen auf jeden Fall mit dem Start-up weiter wachsen.

Squarelovin-Gründer Moritz Finke wird übrigens am 11. Juni auf der New Platform Advertising-Konferenz in Hamburg Insights zu seinem Tool geben. Mehr zur NPA und den limitierten Tickets, erfahrt Ihr hier.

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Diskussion auf OMR
  • Tobias

    Sehr spannend!

    Besonders gespannt bin ich, wie es mit squarelovin weitergeht.

    Haltet uns gern auf dem Laufenden.

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