Influencer-Marketing-Tools unter Druck: Facebook beschneidet den Zugriff auf Instagrams API

Third-Party-Tools bekommen nun deutlich weniger Daten

Ohne Vorankündigung hat Facebook in der vergangenen Woche den Zugriff auf die öffentliche Schnittstelle der Foto-Plattform Instagram stark eingeschränkt. Über die API konnten Software-Entwickler bislang auf Daten von Instagram zugreifen. Nun sind viele Third-Party-Tools für Instagram in ihren Funktionalitäten teilweise deutlich eingeschränkt oder funktionieren sogar gar nicht mehr. Dadurch sind auch Anbieter von Influencer-Marketing-Tools gezwungen, Alternativlösungen zu finden. OMR hat im Markt Stimmen gesammelt.

Robert Levenhagen

„Die API, die wir bisher genutzt haben, um Daten über Influencer auf Instagram zu erheben, ist in einem Maß eingeschränkt worden, das sie für uns nahezu nutzlos macht“, sagt Robert Levenhagen, Mitgründer und CEO von InfluencerDB. Das Unternehmen analysiert Instagram-Accounts mit mehr als 15.000 Followern – insgesamt 1,6 Millionen Accounts. Werbetreibende sollen mit der Software beispielsweise erkennen können, ob sie mit der Buchung eines Werbe-Posts über den jeweiligen Influencer die für sie richtige Zielgruppe erreichen können, oder ob der Influencer möglicherweise beim Reichweitenaufbau künstlich nachgeholfen hat. In der deutschen Influencer-Marketing-Szene ist InfluencerDB ein weit verbreitetes Tool.

„Mein Postfach ist voll mit Fehlermeldungen“

Die Daten, die die Grundlage der Analysen bilden, hat InfluencerDB bislang über eine Schnittstelle von Instagram erhalten. Doch kurz vor Ostern hat Facebook die Leistungsfähigkeit dieser Schnittstelle deutlich reduziert. Wie Techcrunch als erstes Medium berichtete, hat Facebook die Zahl der Anfragen („Calls“), die Entwickler über die Schnittstelle pro Stunde stellen können, von 5.000 auf 200 gesenkt – eine Reduzierung von 96 Prozent. Für jeden einzelnen Datenpunkt benötigt ein Entwickler jeweils einen Call. Erst am Mittwoch gab Facebook mit einem Blog-Eintrag offiziell Änderungen an der API bekannt.

Im Entwickler-Forum Stackoverflow hatten sich da schon viele Betroffene über die unangekündigten Änderungen gewundert. Viele Third-Party-Tools, die auf der Schnittstelle aufsetzen, funktionierten plötzlich nicht mehr. Gegenüber Business Insider schilderte Stef Lewandowski, der Entwickler zweier Instagram-bezogener Apps, mit denen die Nutzer Farb-Analysen von Instagram-Fotos durchführen konnten, dass sein Postfach von einem Tag auf den andern plötzlich vollgestopft mit Beschwerde-Mails war. „Nun haben wir auf die Daten, die wir brauchen, um den Service zu betreiben, keinen Zugriff mehr – und werden wohl auch keinen mehr bekommen“, so Lewandowski.

„Bei uns kann alles wie bisher weiterlaufen“

„Auf unser Tool und unsere Kunden haben die Änderungen bislang glücklicherweise kaum Auswirkungen, da wir uns schon länger auf diese Entwicklung vorbereitet haben“ sagt Robert Levenhagen von InfluencerDB. Facebook hatte bereits im vergangenen Sommer angekündigt, die Platform API einzustellen und diese durch eine Graph API zu ersetzen, über die weniger Daten zur Verfügung stehen. Nun kam diese Änderung schneller als geplant – wohl wegen des aktuellen Skandals rund um den Datenmissbrauch durch Cambridge Analytica auf Facebooks Hauptplattform.

„Aktuell können wir den Audience Quality Score einiger Influencer nicht anzeigen“, so Levenhagen. „Wir gehen aber davon aus, dass wir diese Funktion am Ende der Woche wieder zur Verfügung stellen können. Ansonsten läuft alles weiter wie bisher.“ Mit dem Audience Quality Score bewertet InfluencerDB die Qualität der Reichweite eines Influencers – in welchem Maß agieren die Follower wirklich mit dem Content des Account-Betreibers? Geringeres Engagement deutet auch auf wenig Aufmerksamkeit hin. Die Ermittlung des Audience Quality Scores ist eine wichtige Funktion des Tools von InfluencerDB.

„Eine harte Probe für unsere Beziehung zu Instagram“

Nun hat Facebook die bisherige Instagram-Schnittstelle und in diesem Zuge die Möglichkeit, beispielsweise die Liste der Follower eines Accounts auszulesen, abgeschafft. Dazu, welche Lösungen InfluencerDB dafür gefunden hat, nun auf deutlich weniger Daten zugreifen zu können, will Levenhagen keine Auskunft erteilen. Zwar sind Daten wie Follower-Listen für jeden Nutzer mit einem Browser abrufbar. Ob Facebook es aber langfristig zulässt, dass Dritte solche Informationen automatisiert und im großem Stil mit nicht offiziell autorisierten Methoden auslesen, wird sich zeigen müssen.

Aus Levenhagens Äußerungen ist jedenfalls herauszuhören, dass das Verhältnis von InfluencerDB zu Instagram durch die jüngste Entwicklung nicht besser geworden ist – und dass das Unternehmen sich über Alternativen Gedanken macht. „Wir müssen hinterfragen, ob wir uns weiterhin auf Instagram beschränken, oder ob wir unser Tool um weitere Plattformen erweitern. Bisher haben wir uns ganz klar als wertvollen und positiven Beitrag zum Instagram-Kosmos gesehen, aber die Beziehung wird durch diese Änderungen natürlich auf eine harte Probe gestellt.“

Socialblade versucht, Druck auf Instagram auszuüben

Nach Darstellung von Levenhagen habe Instagram ein gespaltenes Verhältnis zu Influencer Marketing: „Einerseits machen die Influencer die Plattform gegenüber Nutzern und Werbetreibenden attraktiv. Deswegen versucht Facebook, die Influencer bei Laune zu halten. Andererseits läuft beim Influencer Marketing Geld an Facebook vorbei.“ Der Skandal rund um Cambridge Analytica habe nun dazu geführt, dass für Facebook Data Security aktuell „Priorität 1, 2 und 3 besitzt“, so der InfluencerDB-Gründer. „Dabei roden sie nun auf Instagram den Wald mit dem Flammenwerfer, und dabei gehen auch Sachen kaputt, die eigentlich sinnvoll sind. Das stellt das gesamte Influencer-Ökosystem vor Probleme; da ist die Balance verloren gegangen.“ Er gehe aber davon aus, dass Facebook am Ende dieses Prozesses langsam wieder Infrastrukturen fürs Influencer Marketing aufbauen werde.

Aus Verbrauchersicht dürfte Facebooks restriktiverer Umgang mit Daten gegenüber Drittparteien erfreulich sein – für die Tool-Anbieter ist er es nicht. Nicht wenige von ihnen sehen hier auch eine Überkompensation Facebooks. Das US-Unternehmen Socialblade informierte mit mehreren Tweets darüber, dass die Nutzer künftig nicht mehr die Entwicklung von Follower-Zahlen von Instagram-Accounts über Socialblade abrufen können und äußerte sein Unverständnis darüber. „Wir tracken, wie viele Follower ein Nutzer hat, wie vielen er folgt und wie viele Posts er absetzt. Wir können nicht erkennen, wie dies die Privatsphäre der Nutzer verletzen könnte. Selbst Nicht-Instagram-Nutzer können diese Informationen von privaten Profilen abrufen.“


Im gleichen Atemzug ruft das Unternehmen seine Nutzer dazu auf, ihre Kontakte bei Facebook und Instagram wissen zu lassen, dass sie Socialblade für einen nützlichen Dienst halten. Ob sich so wirklich Druck auf den Konzern aufbauen lässt, ist allerdings zweifelhaft.

Tool-Anbieter glaubt an schleichende Influencer-Abwanderung

Auch gegenüber dem US-Branchenmagazin Adweek zeigten sich mehrere Vertreter von Influencer-Marketing-Unternehmen unzufrieden über das jüngste Vorgehen Facebooks. „Ich sage nicht, dass das der falsche Schritt für Facebook und Instagram ist, aber das wird ihnen mehr weh tun, als ihnen klar ist“, sagte Pierre-Loic Assayag, Mitgründer und CEO des Influencer-Marketing-Tools Traackr. Er deutete an, dass wegen der Änderungen auch die Influencer selbst künftig stärker auf anderen Plattformen aktiv werden könnten. „Ich sage nicht, dass Instagram deswegen den Bach runter geht, aber der Schritt wird das Momentum abbremsen, insbesondere bei Millenials und Gen Z.“

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Diskussion auf OMR
  • Manuel

    Die „Influencer“ sollen brennen und leiden, wofür sie ihre Follower verkauft haben.

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