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Wie iFixit mit iPhone-Schraubenziehern und treuer Community Millionen umsetzt

Zwei Schrauber haben mit cleverem Content Marketing ein Millionenunternehmen aufgebaut


Die meisten von Euch dürften iFixit aus den Medien kennen: Immer, wenn ein neues iPhone oder Samsung-Smartphone auf den Markt kommt, zerlegt das Unternehmen die Geräte komplett – und bewertet, wie gut sie zu reparieren sind. Mittlerweile verkaufen die iFixit-Macher an ihre Community gleich die passenden Werkzeuge und erwirtschaften so 21 Millionen US-Dollar im Jahr. Wir zeigen, wie zwei Studenten mit Content Marketing, Community Building und Gamification ein Millionenunternehmen aufgebaut haben.

Kyle Wiens und Luke Soules gründen iFixit 2003 als Studenten an der Polytechnic State University in Kalifornien. Kurz zuvor hatte Wiens sein Apple iBook G3 fallen gelassen und wollte es reparieren. Er findet online aber keine Anleitung für das Gerät. „Das konnte ich so nicht stehen lassen“, sagt Wiens gegenüber Inc. Magazine. So wurde die Idee geboren, eigene Handbücher für Geräte zu verfassen und den Menschen damit bei der Reparatur zu helfen. Die Mission der iFixit-Gründer: „Bringe jedem bei, wie er alles reparieren kann. Der Versuch, die Bücher für 13 US-Dollar pro Stück zu verkaufen, scheitert – also stellen sie die beiden gratis ins Netz. „Eine strategische Entscheidung kann man das nicht nennen, wir haben einfach aufs Kunden-Feedback gehört“, sagt Wiens zu Brand Eins. Und trotzdem ist das Unternehmen seitdem Jahr für Jahr stark gewachsen – denn die Community weiß die großzügige Geste mehr als zu schätzen.

iFixit Gründer

Die iFixit-Gründer Kyle Wiens (links) und Luke Soules. (Quelle: iFixit)

Tausende Anleitungen aus der Community

„Wir entschieden uns, zum Reparaturhandbuch für alles und jedes zu werden. Eine Wikipedia für Gebrauchsgegenstände“, sagt Wiens. Zuerst landen vor allem Bastelfans und Technik-Nerds auf der Seite, mit der Einführung des iPhones und des Smartphone-Trends wird auch der Mainstream aufmerksam. Denn jetzt betrifft das Problem, dass viele Nutzer Spezialwerkzeug brauchen, um die teuren Geräte zu reparieren, für viele erst sichtbar. Apple hat kein Interesse daran, die Reparaturen zu erklären – 2016 brachte das AppleCare-Programm laut Warranty Week einen Umsatz von 5,9 Milliarden US-Dollar.

Doch viele Nutzer wollen ihre Geräte selbst reparieren und auch das Bewusstsein für Elektroschrott und dessen Schaden für die Umwelt sind heute in den Köpfen verankert. Wie groß das Interesse ist, zeigt die aktive Community: Ein Großteil der Anleitungen in Video- oder Artikelform bei iFixit kommen heute von freien Autoren. Über 25.800 digitale Handbücher von mehr als 7.700 Geräten finden sich auf der Seite. Laut Gründer Wiens haben 2016 94 Millionen Nutzer aus der ganzen Welt mit den Anleitungen gearbeitet, um ihre Smartphones, Tablets, Autos oder Waschmaschinen wieder in Gang zu kriegen. Derzeit verzeichnet iFixit laut Analyse-Tool SimilarWeb über 16 Millionen Visits pro Monat.

iFixit Teardown

Mit den Teardown-Fotos ist iFixit weltbekannt geworden. (Quelle: iFixit)

Gamification als Anreiz

Das Unternehmen unterstützt die Erstellung der Inhalte in der Community durch Gamification-Ansätze. Ersteller einer Anleitung bekommen von zufriedenen Nutzern im besten Fall Punkte für ihre Arbeit. Mit diesen Punkten und durch das Überspringen anderer Hürden (z.B.: „Erstelle deine erste Anleitung“) verdienen sich die Autoren verschiedene Abzeichen. Darüber hinaus können sie sich in Teams mit eigenen Logos zusammenschließen und zusammen Punkte verdienen. Über 60.000 freiwillige Helfer zählt iFixit mittlerweile. Damit jedes digitale Handbuch auf iFixit den gleichen Look hat, hat das Unternehmen eine Software entwickelt, mit der die Community-Mitglieder die Inhalte unkompliziert erstellen können.

Reparaturhinweise zu den beliebtesten Geräten übernimmt iFixit selbst. Viel Aufmerksamkeit bekommt das Unternehmen in den Medien, wenn es aktuelle Top-Geräte zerlegt und bewertet. Der Youtube-Kanal mit den passenden Videos kommt auf über 43 Millionen Views und mehr als 290.000 Abonnenten. Auf Facebook hat das Unternehmen über 111.000 Fans.

Millionen-Umsatz mit Schraubenziehern

Was iFixit mit der Reichweite und der Community macht, ist dabei ziemlich clever. Wer eine Anleitung online stellt, kann angeben, welche Werkzeuge und Ersatzteile für die Reparatur nötig sind. Tut derjenige das nicht, hilft die Community aus und gibt die passenden Produkte an. Meist sind die direkt bei iFixit bestellbar, manchmal werden auch Produkte von anderen Anbietern wie Amazon verlinkt. Während der Anfänge des Unternehmens kauften die Gründer noch seltene Ersatzteile im großen Stil auf und räumten ganze Schraubenzieher-Regale in Baumärkten leer. Heute sind die Werkzeuge von iFixit gebrandet und werden in China produziert. Oft verkauft das Team Ersatzteile und die passenden Werkzeuge in einem Komplett-Paket, um genau die passende Reparatur zu erledigen.

„Am Anfang waren wir sehr vorsichtig dabei, das Kundenerlebnis um Ersatzteile herum zu stricken“, sagt Gründer Wiens. „Die Kunden sagten zu Beginn: ‚Wie baue ich das ein?‘ Also haben wir eine Anleitung geschrieben. Dann sagten sie: ‚Das ist super, aber ich habe keine passenden Werkzeuge.‘ Also haben wir ihnen Werkzeuge verkauft. Und dann haben sie gesagt: ‚Die Werkzeuge sind zu teuer.‘ Deshalb haben wir angefangen, Komplettpakete zusammen zu stellen und die Werkzeuge dazu zu packen. Das hat so niemand anderes gemacht.“

iFixit Werkzeuge

Zu Beginn der Anleitung zeigt iFixit alle benötigten Werkzeuge und Ersatzteile. Die gibt es natürlich im eigenen Shop.

Laut Wiens macht iFixit seit dem zweiten Monat seines Bestehens Gewinn. Das Unternehmen ist laut Inc. Magazine seit der Gründung im Vergleich zum Vorjahr um etwa 30 Prozent gewachsen und hat mittlerweile 125 Mitarbeiter in der kalifornischen Zentrale. 90 Prozent des Umsatzes von 21 Millionen US-Dollar im Jahr 2016 stammt aus den Verkäufen der Produkte. Daneben verdient iFixit an der Lizenzierung der Software, die beim Erstellen der Anleitungen hilft, sowie an Kursen für unabhängige Reparaturanbieter, die lernen, wie sie ein iPhone-Display austauschen können. Ingesamt sollen das 15.000 sein. Display-Ads oder andere Arten von Werbung gibt es auf der Webseite von iFixit nicht, auch die Youtube-Reichweite wird nicht vermarktet.

Europäischer Ableger in Stuttgart

Deutschland ist laut den Gründern nach den USA der zweitwichtigste Markt für das Unternehmen. Deshalb hat iFixit 2013 in Stuttgart ein Tochterunternehmen gegründet. Geschäftsführer sind Matthias Mayer und Matthias Huisken, selbst seit langer Zeit aktive Nutzer der Plattform. „Am Anfang haben sie unsere Mails ignoriert, aber wir waren hartnäckig und haben sie überzeugt“, sagte Huisken kurz nach dem Start der iFixit GmbH. Die GmbH betreut nicht nur den deutschen, sondern auch den europäischen Shop, der in 28 Länder liefert.

Anscheinend läuft das Geschäft für den Ableger ganz gut. Laut Bundesanzeiger stehen zum Jahresabschluss 2015 über eine Million Euro Bilanzgewinn zu Buche (417.000 Euro davon als Übertrag aus dem Vorjahr). „Inzwischen haben wir von Deutschland aus mehrere hunderttausend Pakete an Kunden in ganz Europa verschickt, die mit ihren Einkäufen die größte Online-Community zum Thema Reparatur unterstützen. Mit unserem freien Online-Reparaturhandbuch erreichen wir monatlich ca. 250.000 Besucher aus Deutschland und europaweit etwa 2,5 Millionen Menschen“, so die iFixit-Pressestelle gegenüber OMR. Inzwischen arbeiten demnach 40 Angestellte für den europäischen Ableger in Stuttgart.

Bei der Internationalisierung steht iFixit derzeit noch der Umstand im Weg, dass ein Großteil der Anleitungen ausschließlich auf Englisch verfügbar ist (der europäische Shop und die Anleitung befinden sich auf unterschiedlichen Webseiten). Zwar sind auf der iFixit-Seite 12 Sprachen auswählbar, der Großteil der Reparaturhinweise kann aber nur per Maschine übersetzt werden – was meist zu ähnlichen Quatschergebnissen führt wie bei Google Translate.

Konkurrenz durch Youtuber

Zwar bekommt iFixit regelmäßig Reichweitenschübe, wenn die internationale Presse über das neueste auseinandergebaute iPhone berichtet. Aber im Reparaturbusiness sind vor allem Youtuber eine große Konkurrenz. Der Kanal JerryRigEverything erreicht über 870.000 Abonnenten und hat bereits über 140 Millionen Views gesammelt. Jerry verdient Geld über Affiliate-Provisionen über Amazons Partnerprogramm, aber auch über Shops wie Fixez.com, die ähnliche Produkte wie iFixit anbieten. Aus Deutschland tut sich TutopolisTV zum Beispiel hervor. Der Kanal des Kölners Marco Santos Silva kommt auf über 53 Millionen Views. Er hat selbst einen Shop mit Werkzeugen und Ersatzteilen eingerichtet, der auf Amazon-Produkte verweist und wirbt unter seinen Videos dafür. Ein Link brachte ihm seit Montag zum Beispiel 358 Klicks auf den Shop.

Insgesamt fällt auf, dass vor allem große Publisher hier eine Chance auf Reichweite und Umsätze verpasst haben. Deutsche Computermagazine finden sich nicht unter den ersten Ergebnissen zur Youtube-Suche „iPhone 7 Display wechseln“. Stattdessen tauchen Accounts wie iDoc Reparatur Service oder eben TutopolisTV auf, die über Affiliate-Links und Shops Umsätze generieren.

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2 Kommentare

  1. Dan 11.04.2017 um 16:50 Uhr Antworten

    Tutupolis aka Marco Santos Silva betreibt keinen Shop…nur Amazon Affiliate

    1. Martin Gardt Artikelautor12.04.2017 um 12:33 Uhr Antworten

      Moin,
      ich habe das jetzt im Artikel noch einmal klarer gemacht. Er hat eine Art Affiliate-Shop eingerichtet mit eigener URL. Die Produkte werden über Amazon verkauft und er bekommt Affiliate-Provisionen.

      Danke für den Hinweis!
      Martin

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