Heiko Hubertz hat mit Bigpoint Gaming-Geschichte geschrieben – und setzt jetzt auf KI

Heiko Hubertz (r.) und Philipp Westermeyer in der Podcast-Kabine im OMR Office.

Der deutsche Games-Pionier und Seriengründer im OMR Podcast

Auf dem Peak haben die Browser-Spiele von Bigpoint eine Million User gespielt – pro Sekunde. Mit insgesamt über 300 Millionen registrierten Nutzenden, Games wie Farmerama (das in 30 Sprachen verfügbar war) und über 800 Mitarbeitenden war das Hamburger Unternehmen ein globaler Star. Dabei wollte Gründer Heiko Hubertz eigentlich nur ein Fußball-Manager-Spiel für seinen Freundeskreis bauen. Im OMR Podcast blickt der Games-Pionier auf die einmalige Wachstumsphase zurück, erklärt Fehler, verpasste Chancen sowie seinen Abschied 2013 – und verrät, was er nach einem weiteren Exit mit seinem aktuellen Projekt vorhat.

„Ich weiß noch genau: Als wir in der Bild-Zeitung bundesweit für 50.000 Euro eine Anzeige geschaltet haben, haben wir locker eine Viertel Million daraus gemacht. Das war hochprofitabel“, sagt Heiko Hubertz im Gespräch mit Philipp Westermeyer im aktuellen OMR Podcast. Die Rede ist da allerdings noch nicht von der Spieleschmiede Bigpoint, sondern dem Unternehmen, das er davor gegründet hatte. Eine Art Audio-Text-Plattform, die Services für Telekommunikations-Unternehmen anbietet. „Darüber konnte man auch Logos und Klingeltöne verkaufen. Lange bevor Jamba rauskam, waren wir schon draußen mit Logos und Klingeltönen. Damit haben wir damals viel, viel Geld verdient“, erinnert sich Hubertz. Auf Kontaktanfragen von Oliver Samwer, der kurze Zeit später mit eben dem Jamba den Klingelton-Markt mit Fernsehwerbung definieren sollte, sei er zudem Zeitpunkt nie eingegangen. „Ich dachte nur: Wer ist das? Was will der von mir? Und habe nie geantwortet.“

Nachdem Hubertz 2002 seine Anteile am Düsseldorfer Unternehmen mit rund 70 Mitarbeitenden für „einen netten Betrag“ verkauft, zieht es ihn nach Hamburg – um dort mit ein paar Programmierern etwas zu starten, wie er heute sagt. Auf keinen Fall hätte er noch einmal eine so große Firma aufbauen wollen. Ein selbstentwickeltes Fußball-Manager-Spiel, das ursprünglich nur für einen kleinen Kreis gedacht gewesen sei, sorgt dann aber schnell dafür, dass aus diesem Vorhaben nichts wird.

100.000 neue User pro Tag

Weil sich der Fußball-Manager dank Word-of-Mouth einer immer größeren Beliebtheit erfreut, denkt Heiko Hubertz anders als geplant dann doch über ein Geschäftsmodell nach. „Das war um 2002, da war der Internet-Markt eigentlich tot und man konnte kein gutes Geld mit Advertising verdienen“, so Hubertz. Also führt er Bezahlfunktionen ein; User konnten sich für echtes Geld Spieler für ihre Mannschaften kaufen. 150 Euro Server-Kosten im Monat stehen schnell einem Umsatz von 20.000 Euro gegenüber.

Um dieses Spielprinzip von kostenlosen Browser-Spielen, die sich durch Ingame-Käufe finanzieren, auf andere Genres zu übertragen und zu skalieren, gründet er Ende 2002 Bigpoint (damals noch m.wire GmbH). Auf die erste Browser-Spiele wie ein Eishockey- und Formel-1-Manager folgt mit Farmerama, einem Bauernhof-Simulator, bald das „wahrscheinlich kommerziell erfolgreichste Spiel“. Dank Media-for-Revenue-Deals mit Pro7 wirbt Bigpoint schon gegen 2005 als eines der allerersten Digital-Unternehmen im Fernsehen. „Das war eine Explosion an User-Zahlen. Ich glaube, wir sind da pro Tag um 100.000 neue Spieler gewachsen“, sagt Heiko Hubertz. „Das war für Nutzer so besonders, dass sie plötzlich im Fernsehen ein Spiel beworben bekommen, wo man einfach nur die URL eingeben muss und dann kostenlos spielen kann.“

Ausstieg, Weltreise und ein geplanter Exit

Nachdem im April 2011 US-Investoren die Mehrheit am Unternehmen für kolportierte 350 Millionen US-Dollar übernehmen, gerät der Browser-Games-Boom dank des Aufstiegs von Gaming Apps auf Smartphones langsam ins Stocken. Bis 2013 bleibt Heiko Hubertz an Bord, 2016 übernimmt der chinesische Games-Konzern Yoozoo Interactive Bigpoint für 80 Millionen Euro.

Schon eine rund einjährige Weltreise später, Anfang 2014, gründet Hubertz mit Whow Games das nächste Unternehmen, das sogenannte Social-Online-Casinos betreibt. Spielende müssen hier zwar Einsätze zahlen, können aber keine Echtgeld-Beträge gewinnen. „Jeder, dem ich erzählt habe, dass ich ein Casino baue, in dem man zwar kein Geld gewinnen kann, aber einsetzen muss, hat mir einen Vogel gezeigt“, so Heiko Hubertz. Sein eigentlicher Plan sei aber von Anfang gewesen, das Unternehmen zu verkaufen, wenn 2021 der Online-Glücksspiel-Markt legalisiert wird. Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag sei genau das passiert – ebenso wie der angepeilte Exit. Im Sommer übernahm das niederländische Medienunternehmen Azerion Whow Games. „Wir haben damit ein Unternehmen aufgebaut, das die größte Nutzerdatenbank im deutschsprachigen Raum für Menschen mit Interesse an Glücksspiel hat“, sagt Hubertz. Im laufenden Jahr werde Whow Games etwa 50 Millionen Euro umsetzen und zehn Millionen Euro Profit erzielen.

Mit Oxolo, seinem neuesten Projekt, widmet sich Hubertz seit einigen Monaten einer Branche außerhalb der Spieleindustrie. Mittels künstlicher Intelligenz (u.a. Natural Language Processing) sollen neue Entertainment-Produkte geschaffen werden, beispielsweise Apps, mit denen sich Nutzende mit Charakteren aus Filmen, Serien und Spielen unterhalten können.

Was Heiko Hubertz genau mit der bisher aus eigenen Mitteln finanzierten Firma vorhat, wie er mal Anteile am Gaming-Riesen Zynga abgelehnt hat und weshalb Hamburg lange als der Gaming-Hotspot in Deutschland galt – das hört Ihr in der aktuellen Folge des OMR Podcasts.

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Die Themen des Podcasts mit Heiko Hubertz im Überblick:

  • New Economy, Klingeltöne als Geschäftsmodell und ein Fußball-Manager-Spiel (ab 3:45)
  • Pro7, Oliver Samwer und die verrückte Erfolgsgeschichte von Bigpoint (ab 10:00)
  • Der abgesagte Börsengang, Umstrukturierungen und der Abschied von Heiko Hubertz (ab 23:00)
  • Whow Games, der von Anfang an geplante Exit und der Stand der Gaming-Szene von heute (ab 30:00)
  • Wie Heiko Hubertz mit Oxolo jetzt auf KI setzt und das Holodeck nachbauen möchte (ab 46:00)
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