So wurde Gannikus.com in 5 Jahren zu einem der größten Fitness-Online-Magazine des Landes

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Marcel Grasschopp, Gründer von Gannikus.com (Foto: Youtube)

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Gründer Marcel Grasschopp über das Konzept seines Fitness-Publishers, Traffic-Aufbau und die Monetarisierung

Bodybuilding-Fans und Verfolgern der Online-Fitness-Szene dürfte der Name längst ein Begriff sein: Seit nunmehr fünf Jahren veröffentlicht Marcel Grasschopp auf der Plattform gannikus.com Wettkampfberichte, Produkttests und Trainingstipps. Aber auch Gerüchte und Boulevard-Themen gehören fest zum Markenkern. Im Gespräch mit OMR verrät er, wie er mit diesem Mix eine Community aufgebaut hat und mit welchen Strategien er die Millionen-Reichweite monetarisiert.

„Ich wollte selber ‚realen Stuff‘ konsumieren. Also war mir klar, dass wir nie so aalglatt wie amerikanische Publisher oder 08/15-Blogs sein wollen“, sagt Marcel Grasschopp gegenüber OMR. „Es sollte schon immer alles straight sein, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.“ Mit diesen Leitlinien beginnt der Hobby-Sportler Ende 2013, unter der Marke Gannikus Fitness-News zu veröffentlichen. Er habe zu dem Zeitpunkt einfach kein deutschsprachiges Online-Magazin im Fitness-Bereich gesehen. Dass der Bedarf an seinen Inhalten offenbar vorhanden war – und immer noch ist – lassen ein paar Reichweiten-Kennzahlen erahnen:

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Die Traffic-Entwicklung von gannikus.com laut Similarweb.

Laut Daten des Statistikdienstes Similarweb kommt die Website gannikus.com im Schnitt auf 565.000 Visits im Monat, der Youtube-Kanal mit 23,4 Millionen Views kratzt an der 100.000-Subscriber-Marke, die Facebook-Seite hat 160.000 Fans, bei Instagram sind es knapp über 100.000 Abonnenten.

Gannikus-Launch mitten im Fitness-Hype

Der Zeitpunkt, gegen Ende 2013, scheint günstig, irgendwie am herrschenden Fitness-Hype zu partizipieren. „Damals wurden sowohl national als auch international Personen bekannt, die zwar keine Titel bei Wettkämpfen gewonnen haben, dafür aber auf Social-Media-Plattformen einen richtig guten Job gemacht haben“, sagt Marcel Grasschopp. Fans hätten sich mit ihnen deutlich stärker identifizieren können, als mit Profi-Bodybuildern. Er nennt „Internet-Sportler“ wie Simeon Panda, Lazar Angelov, Karl Ess (OMR-Porträt von 2014) und Gooerki als Beispiele – heute alle mehr Geschäftsmänner, denn Athleten. Zur Riege der sogenannten Fitness-Youtuber, die in dieser Phase durchstartet, dürften auch Namen wie Flying Uwe, Tim Gabel oder Mischa Janiec zählen.

Als dann auch noch sein eigentlicher Job – Grasschopp hatte gemeinsam mit alten Arbeitskollegen das Startup „IT Sparrow“ gegründet, eine Plattform zur Vermittlung von IT-Projekten – keinen Spaß mehr macht, setzt er alles auf eine Karte. „Ich war mir sicher, dass ein Online-Magazin funktioniert, wenn man es vernünftig aufzieht“, sagt er. „Print hatte es immer schwerer, Social Media begann seinen Siegeszug – wenn man also seine Hausaufgaben macht, sollte man auch ohne viel Kapital ein gut besuchte Seite aufbauen können.“

Produkttests und Gossip als Traffic-Treiber

In der Anfangszeit setzt Marcel Grasschopp vor allem auf Produkttests. In kurzen Videos erklärt der heute 31-Jährige die Vor- und Nachteile der neuesten Nahrungsergänzungsmittel für Kraftsportler wie Trainings-Booster, Eiweiß-Produkte und Riegel. Mit seiner Ehrlichkeit und teils deutlichen Worten macht er sich nicht immer nur Freunde: „Es gab und gibt bis heute keinen, der Supplements so konsequent analysiert und auseinandernimmt, wie wir das machen“, sagt Grasschopp. „Das hat vor allem am Anfang schnell für Aufsehen gesorgt. Die Szene fand es gut, dass jemand Klartext spricht, ohne sich kaufen zu lassen.“

In der ersten Folge seines eigenen Podcasts findet er noch deutlichere Worte: „Keiner hat beim Aufbau ‚Juhu!‘ geschrien. Und keine Supp-Firma mag Gannikus. Würde es uns nicht mehr geben, würden die sich alle freuen.“ So habe er in der Vergangenheit auch zahlreiche Abmahnungen erhalten. „Das ist wie ein Boxkampf. Auch wenn man gewinnt, kassiert man mal.“

Sowieso scheint die Online-Fitness-Szene ein sehr spezielles und mitunter hartes Pflaster zu sein. Wer die Videos der bekanntesten Player der Branche verfolgt, stößt immer wieder auf Anschuldigungen, Auseinandersetzungen und öffentlich ausgetragene Streits. Wer jetzt aber denkt, das seien inszenierte Fehden, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und die Reichweite zu steigern, der irrt. Das sagt zumindest Gannikus-Gründer Marcel Grasschopp: „Klar generieren alle Beteiligten dadurch Aufmerksamkeit. Aber gespielt ist da nichts, die Auseinandersetzungen sind auf jeden Fall echt.“ Er könne das aus Überzeugung sagen, da er alle kenne. Am Ende profitiert aber natürlich auch er selber. „Die Leute lieben Gossip, egal in welchem Segment. Warum sollte das in der Fitness-Szene anders sein?“. Heute würden diese Themen allerdings nicht mehr so viel Aufsehen erregen, wie noch vor ein paar Jahren.

Die relevantesten Kanäle von gannikus.com

Neben den inhaltlichen Schwerpunkten konzentriert sich Marcel Grasschopp von Anfang an auf wenige Kanäle, die für seinen Publisher besonders gut funktionieren. „Wichtig war nur, dass es kein Geld kosten durfte. Denn das hatte ich nicht“, sagt er heute. Früh erkennt er Facebook als einen sehr wichtigen Channel, um schnell Traffic aufzubauen. „Wir waren die ersten mit einer Content-Strategie aus News, Entertainment und Aufklärung. Danach hat niemand aktiv gegoogelt. Push funktionierte da also schon immer besser, als Pull.“

Auch Facebook-Gruppen nutzt der Gründer seit dem ersten Tag. „Anfänglich bin ich einfach jeder Fitness-Gruppe beigetreten und habe da ausgewählte Artikel geteilt“, so Grasschopp. Das habe schnell zu einer gewissen Bekanntheit der Marke Gannikus geführt. Die erste eigene Gruppe des Publisher sei schnell auf 20.000 Mitglieder gewachsen, dann von einem Admin aber aus Versehen auf „geheim“ gestellt worden – das umzukehren ist bei der Größe bis heute nicht möglich. Die neue Gannikus-Gruppe kommt inzwischen ebenfalls auf rund 17.000 Mitglieder.

Youtube, Instagram und Twitter

Ebenfalls von Beginn an spielt Googles Video-Plattform Youtube eine sehr relevante Rolle. „Ich war mir immer sicher, dass eine Marke am besten funktioniert, wenn sie ein Gesicht hat“, sagt Marcel Grasschopp. „Und ich glaube, dass besonders unser Content auf Youtube einen großen Impact auf die deutsche Fitness-Szene hat.“ Inzwischen gebe es allerdings auch Formate wie den „Recovery Guide“ – eine Serie mit Anleitungen zur Verletzungs-Vorbeugung – oder Testberichte, bei denen Grasschopp gar nicht oder nur im Hintergrund zu sehen ist.

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Im eigenen Online-Shop gibt es Sportkleidung und Equipment unter dem Gannikus-Label.

Instagram habe zwar anfänglich noch keine Rolle gespielt. Dank des Story-Formats und der Möglichkeit, dort Links zu platzieren, habe sich das allerdings deutlich geändert. Immer mehr User, vor allem jüngere, folgen Gannikus laut Grasschopp vor allem dort. Twitter hingegen sei bis heute nicht relevant: „Die Plattform wird von der Fitness-Community einfach kaum bis gar nicht genutzt.“

So monetarisiert Gannikus seine Reichweite

Um die Reichweiten auf den unterschiedlichen Plattformen zu monetarisieren, bedient sich Gannikus allen gängigen Hebeln. Auf der Homepage sind zahlreiche Banner eingebunden, die in der Regel ohne Umleitung über einen Adserver direkt zum jeweiligen Partner verlinken. Hier kooperiert der Publisher ausschließlich mit in der Fitness- und Gesundheits-Branche aktiven Unternehmen, beispielsweise der Supplement-Brand Zec+ (Gründer Matthias Clemens im OMR Podcast), dem Shop Muscle Lab und der Sportbekleidungs-Firma Smilodox von „Flying Uwe“. Vor allem auf Artikelebene findet auch Restplatzvermarktung durch Google Ads statt.

Ähnlich sieht es auf dem Youtube-Kanal von Gannikus aus. Einige Videos werden von Partnern präsentiert, aktuell von Daisho, einem Energy-Drink von Vegan-Koch Attila Hildmann (OMR Briefing über seine Marketing-Strategie). Die kurzen Werbeclips werden dabei direkt vor den eigentlichen Content geschnitten und sind so fester Bestandteil des Videos. In den Beschreibungen finden sich Links zum entsprechenden Partner-Shop. Zusätzlich werden klassische Video-Ads von Google eingebunden.

Ein maßgeblicher Wachstumstreiber ist laut Marcel Grasschopp außerdem der Gannikus-Online-Shop, in dem gebrandete Sportkleidung sowie Equipment verkauft werden. Wie viel Umsatz der noch junge Publisher insgesamt macht, verrät der Gründer nicht. „Zu konkreten Zahlen möchte ich nichts sagen, da wir uns in einem Gebiet bewegen, in welchem Neid sehr, sehr ausgeprägt ist“, so Grasschopp. Was er allerdings sagen kann: „Die Gannikus GmbH ist profitabel. Es gibt keine Geldgeber und wir wachsen aus dem Cashflow heraus.“

Die Professionalisierung der Fitness-Branche

Dass es ganz gut zu laufen scheint, deuten auch drei offene Stellenanzeigen an (Social Media Manager, Online Redakteur und Assistenz der Geschäftsführung) an. Insgesamt arbeiten aktuell elf Personen an der Gannikus GmbH, die über die AHNL GmbH zu 100 Prozent Marcel Grasschopp gehört. „Tendenz steigend“, so der Gründer. „Wir wollen auf jeden Fall wachsen. Und glauben fest daran, dass man im Fitness-Segment noch viele coole Sachen umsetzen kann.“

Ein nicht irrelevanter Grund für den Erfolg und seinen Optimismus dürfte auch die anhaltende Professionalisierung der Fitness-Szene sein. Grasschopp sagt: „Vor allem die Supplement-Industrie glich früher dem wilden Westen. Das hat sich inzwischen geändert und entwickelt sich immer stärker zum Positiven.“ Gleiches gelte auch für Fitness-Youtuber. „Die, die verstanden haben, dass sie professioneller werden müssen, haben und werden sich weiterhin gut entwickeln.“

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